Deir Al –Balah, Gazastreifen: Frauen in der palästinensischen Gesellschaft schämen sich, über ihre Probleme mit männlichen Stammesältesten zu sprechen, die Vermittlungskomitees leiten. Doch heute ist es für Frauen leichter geworden, da die ersten Mittlerinnen eine soziale Reform voranbrachten und nun die Frauenrechte in Stammesräten, die von Männern geleitet werden, verteidigen. Gazaner gehen zu diesen Stammesräten, um dort ihre Familienprobleme zu lösen und vermeiden so das Gericht, wo der Lösungsprozess viel länger dauert und komplizierter ist.

Eine Frau geht im Regen Wasser holen, im Stadtteil Shujaiya
Foto Mohammed Salem/Reuters
Während der letzten Jahre traten zunehmend weibliche Mediatoren auf. Einige erbten den Beruf von ihren Vätern oder Großvätern, während andere angeborene Weisheit und staatsweiblishe Fähigkeiten haben. Nach einigem Training schlossen sie sich Gazas Vermittlungskomitees an, wo Bürger mit ihren Problemen Rat suchen. Weibliche Mediatoren werden oft darum gebeten, ihre Probleme innerhalb der Familie zu lösen.
Abdul Moneim al-Tahrawi, Präsident eines Projektes, um Gazas Mediatoren zu trainieren, sagte Al-Monitor:“ Das Zentrum führt legale Trainingssitzungen durch. Die Mediatoren intervenieren auf freundliche Weise bei vielen Problemen, die Frauen betreffen, wenn es sich um Wohnungen, Erbe, wirtschaftliche oder physische Gewalt gegen Frauen geht.“
Tahrawi sagte: „Wir haben in diesem Zentrum ein soziales Komitee für die Mediatoren gebildet, an das sich Frauen mit ihren verschiedenen Problemen wenden können. Die Mediatoren wenden sich an die Anwältinnen, um vor Gericht die Probleme der Frauen darzustellen – für minimale Kosten und zuweilen kostenlos.
Faten Harb, 41, ist eine von Gazas prominentesten Mediatoren. Sie sprach mit Al-Monitor über ihre Erfahrungen. „Ich nahm mit einer Reihe von Frauen an umfassenden Sitzungen mit Frauenrechts-Verbindungen teil, um unsere Kenntnisse auf dem Gebiet der rechtlichen und sozialen Reformen zu entwickeln.“
„Aktive Sozialreformer sind für die palästinensische Gesellschaft in Gaza sehr wichtig geworden, vor allen nach dem letzten israelischen Krieg. Die Zahl der Witwen, die Scheidungsrate und Eheprobleme haben zugenommen, auch als Folge der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und der Meinungsverschiedenheiten über das Sorgerecht für die Kinder“, sagte Harb
„ Misshandelte und marginalisierte Frauen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Probleme im Detail den weiblichen Mediatoren mitzuteilen. …In der palästinensischen Gesellschaft ziehen es Frauen oft vor, vor der Polizei oder männlichen Mediatoren nicht über ihre Probleme zu sprechen. Rima, 41, die sich weigerte, ihren vollen Namen zu nennen, kam mit ihrer Frage zu einer Mediatorin; es ging um ihre Tochter, deren Mann sich weigerte, ihr Geld zu geben oder ihr eine Scheidung zu gewähren.
Sie sagte Al-Monitor: „Ich ging zu einem der Älteren eines Komitees der Islamischen Jihad-Bewegung, um mein Problem zu lösen. Obwohl er mir glaubte, sagte er zu mir ‚geh nach Hause und schick deinen Sohn oder deinen Mann oder Bruder, dass er vor dem Komitee über dein Problem spricht, schließlich bist du nur eine Frau‘“. Doch mein Mann ist krank und mein Sohn noch sehr jung. Er kennt die Details der Probleme nicht. Deshalb vertraute ich mich einer Mediatorin an.
Harb sagte: „ Eines der schwierigsten, rechtlichen Probleme für Frauen in Gaza ist das Problem des Erbens. Deshalb arbeiten die palästinensischen Vereine für Frauenrechte daran, die Mediatorinnen zu trainieren, damit sie Erbprobleme aus rechtlicher Perspektive lösen können“. Sie bemerkte, dass die patriarchalische Gesellschaft sich weigert, Frauen einen Anteil des Erbes zu vermachen, obwohl das islamische Gesetz den Frauen dieses Recht zusichert. Manchmal haben die Brüder einer Frau allein das Recht zu erben, während sie und ihre Schwestern arm bleiben. Unser Job ist es dann, dieses Problem festzustellen“.
Die Mediatorinnen verbinden Frauen, die Klagen eingereicht haben und die Polizei. Umm Al Majed Hassouna, 51, Mediatorin der Gaza-Stadt sagte Al-Monitor: "Der Generaldirektor der Polizei hat mir die Lösung von Problemen anvertraut, die der Polizei vorgelegt werden, wenn sie auf Ehepaar- oder Familienstreitigkeiten beruhen", und stellte fest, dass "einige der Fragen, die den Mediatoren vorgelegt werden, können umstritten und rechtlich komplex sein, so verweisen wir sie auf die Anwältinnen beim Zentrum, um eine angemessene Lösung zu finden".
Nach der Mediatorin haben sie oft Schwierigkeiten an ihrem Arbeitsplatz, weil gewisse Mediatoren die Gegenwart von Konkurrentinnen oder Kolleginnen nicht ertragen. Harb sagte, dass sie zu Beginn ihrer Arbeit große Schwierigkeiten hatte. „Aber die Sichtweise der Gesellschaft kommt von der männlichen Stärke, die die Frauen als schwache Kreatur ansehen, die nicht um ihre Rechte weiß. Die Gesellschaft wünscht keine starken Frauen und weist starke Frauen zurück“, sagte sie.
777 Männer sind inzwischen als Mediatoren im Gazastreifen beschäftigt. Das palästinensische Zentrum für Demokratie und Konfliktlösung hat seit 2010 nur 80 Frauen als Mediatoren ausgebildet.
Trotz diesem bedeutenden Sprung der Frauen auf dem Gebiet der sozialen Reform in Gaza, fehlen ihnen noch die Unterstützung der Regierung und der rechtliche Schutz, um ihre eigenen Einrichtungen zu schaffen, wo Frauen im Falle von Gewalt hingehen können.