TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı la internacia reto de tradukistoj por la lingva diverso

 12/07/2014 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala’s Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Ich sah Jaffa- Nakba und Sumud in Palästina

viagra online

http://www.newmoney.gov/newmoney/image.aspx?id=136

Date of publication at Tlaxcala: 04/06/2014
Original: I saw Yafa – Nakba and Somud in Palestine

viagra online

http://www.newmoney.gov/newmoney/image.aspx?id=136


Translations available: Français  Türkçe 

viagra online

http://www.newmoney.gov/newmoney/image.aspx?id=136

Ich sah Jaffa- Nakba und Sumud in Palästina

viagra online

http://www.newmoney.gov/newmoney/image.aspx?id=136


Ramzy Baroud رمزي بارود

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

In „Das Land der traurigen Orangen“ (Lenos Verlag, Zürich, 1994) beschreibt Ghassan Kanafani sein Exil  von der palästinensischen Küstenstadt von Jaffa.

Als 12-Jähriger  kämpfte er, um zu verstehen, aber „in jener Nacht, auch als gewisse Fäden der Geschichte klarer wurden, stand  ein großer LKW vor unserer Tür. Leichte Dinge, hauptsächlich Dinge zum Schlafen, wurden schnell und hysterisch in den Wagen gebracht.“

Ein paar Jahrzehnte nachdem Kanafani über sein Exil geschrieben hatte, dachte ich, ein 8-Jähriger Junge aus einem Gaza-Flüchtlingslager, für mich selbst nach. Als ich an der Küste von Jaffa stand, verschwamm plötzlich die Trennlinie zwischen Realität und Fantasie. Einmal war Jaffa Palästinas größte Stadt,  und es stellte sich nun heraus, dass es  kein Hirngespenst  meines Großvaters oder Kanafanis  war, sondern ein mit Händen greifbarer Ort von Sand, Luft und Meer. Die palästinensisch-arabische Identität von Jaffa war  überall offensichtlich.

Ich war ein Drittklässler auf meinem ersten Schulausflug. Den Gazaern war es damals noch erlaubt, nach Israel die Grenze zu überschreiten, meistens als  ausgebeutete billig-Lohnarbeiter. Meine Familie wurde aus Palästina vertrieben, während der Nakba, der großen Katastrophe, die die Vertreibung von Hunderttausenden Palästinensern aus ihren Häusern sah. Meine Familie bestand aus einfachen Bauern aus dem Dorf von Beit Daras. Die Bewohner meines Dorfes waren wegen ihrer Vorliebe von Couscous bekannt und wegen ihrer legendären  Sturheit, ihres Mutes und Stolzes. Beit Daras’ Bewohner sahen in Jaffa ein Zentrum für viele Aspekte ihres Lebens.  Eine kommerziell  lebhafte Hafenstadt, wegen seiner Orangen weltbekannt, Jaffa  gehörte zu den größten Märkten im südlichen Palästina.

Gesamtansicht vom Nordstrand, 1900-1920. Matson Collection

 

General view from the north beach, 1900-1920. Matson Collection
– See more at: http://www.middleeasteye.net/columns/i-saw-yafa-nakba-and-somud-palestine#sthash.rKGLhB1M.dpuf

 

General view from the north beach, 1900-1920. Matson Collection
– See more at: http://www.middleeasteye.net/columns/i-saw-yafa-nakba-and-somud-palestine#sthash.rKGLhB1M.dpuf

Jaffa war auch das Zentrum für arabische Kultur und ein Modell  für die Koexistenz  von Religionen.  Aber die britische Kolonisierung Palästinas, die 1917 begann und 1922  eine Mandatsregierung  wurde, unterbrach den natürlichen historischen Fluss, der  Jaffa zum schlagenden Herzen Palästinas machte.

Eine gebildete Eliteschicht  hob das Niveau des politischen Bewusstseins der Stadt in einem Maße, sodass man sie noch nach heutigen Kriterien für den Nahen Osten als hoch ansehen kann. Politiker, Künstler, Banker, Handwerker,  junge und lebhafte Studenten-Gemeinschaften gaben Jaffa eine Mittelklasse, die eine wesentliche Rolle im Kampf gegen den britischen Kolonialismus und seine zionistischen Verbündeten spielten, schon Jahre vor der Nakba und der Entstehung Israels.

Jaffaer Gewerkschaftler organisierten sich  für Arbeitnehmerrechte mit  beständigem Engagement. Arabische Arbeiter  wurden entlassen und jüdische Arbeiter kamen aus Europa, um ihren Platz einzunehmen. Diese Mobilisierung wird ein Teil des Streikes und der Revolution von 1936, Palästinas erster kollektiver Aufstand, der Generationen von Palästinensern bis heute anregt.

Zahlreiche Dörfer und kleine Städte schauten nach Jaffa zur Führung und manchmal auch zum Überleben. Mein Großvater, der ein kleines Stück Land in Beit Daras besaß, war ein Handwerker, der Körbe flocht. Alle paar Tage transportierte er  das Beste, das er machte, zum Markt in Isdud und manchmal auch in al-Majdal, in der Hoffnung, ein paar palästinensische Dinare zu bekommen, um sein mageres Einkommen aufzubessern.  Das Beste wurde aber für Jaffa aufgehoben, denn die Jaffaer hatten den besten Geschmack. Er würde sich für diesen Ausflug piekfein machen. Nachdem er seinen treuen Esel gefüttert hatte, würde er seine Körbe auf der Karre festmachen und sich auf den langen Weg machen.

„Sido (Opa), bitte, erzähle uns Geschichten über deine Abenteuer in Jaffa“, baten wir ihn, wenn er auf einer alten Matratze in seiner speziellen Ecke einer kleinen halbverfallenen Hütte in einem Flüchtlingslager in Gaza saß.  Seine Geschichten, die er mit viel  Spannung erzählte,  bewegten sich fein zwischen Wahrheit und Fantasie. Als ich erwachsen wurde, wurde mir klar, dass die Fantasie nicht nur seine Art und Weise war, uns Kinder zu amüsieren, sondern auch  eine Art war, auszudrücken, wie Jaffa seine größten Triumpfe bescherte  und demütigsten Niederlagen darstellte.

Fantasie half ihm, von der Welt Sinn zu machen, die er verlassen hatte. Als die Araber 1936 revoltierten, schlugen die Briten erbarmungslos zurück. Sie töteten nicht nur, steckten nicht nur ins Gefängnis.  schickten viele Jaffaer ins Exil und verunstalteten die Stadt. Große Teile der  Altstadt wurden eingeebnet, sodass sie nicht mehr gesehen werden konnte. Geschichte wurde  gewaltsam ausgelöscht.

Die Altstadt vor 1945-Matson Collection

Großvater war einer der Tausenden, die Palästina bis zum bitteren Ende verteidigten. Obwohl er ein Bauer war, der sich selbst beigebracht hatte, wie man Körbe herstellt, um zu überleben, tauschte er alles für ein altes türkisches Gewehr ein, um Beit Daras zu verteidigen, während die benachbarten Dörfer – eins nach dem anderen –  in die Hände der Zionisten fielen.

Großvater erzählte viel, wie wunderbar Jaffa aussah.  Er beschrieb die sanfte Briese vom Meer her, als ob sie euch bei der Ankunft in der Stadt begrüßen wolle und ihr das Gefühl hattet, das eure Seele zu euch zurück käme.

Als Beit Daras nach auf einander folgende Schlachten zwischen zionistischen Milizen und  Dorfbewohnern, die  nur ein paar alte Waffen hatten, fiel, war Großvaters Seele auf immer gefangen.

Als der Plan Dalet, der Meisterplan, mit dem der größte Teil Palästinas  mit Gewalt erobert wurde, erfüllt worden  und auch das  britische Militär abgezogen war, wurde die Eroberung von Jaffa der Höhepunkt einer gewalttätigen Kampagne.

Die Schnellstraße zwischen Jaffa und Jerusalem wurde ein Theater für heroische Schlachten. Der Höhepunkt war die Schlacht von Castal, wenige Meilen von Jerusalem entfernt.



Britische Soldaten  verprügeln Musa Pascha Kathem al-Husseni, eine palästinensische Persönlichkeit, während einer Demonstration, in 1934. Er starb später an seinen Wunden.

Jaffa,  als „Meeresbraut“ bekannt, wurde zwischen April und Mai 1948 erobert. Ein großer Flüchtlingszug war schon nach Jordanien und Syrien unterwegs. Zionistische Kräfte, die zur Hagana und Irgun gehörten, legten ihre angeblichen Meinungsunterschiede beiseite, als sie sich auf Jaffa zu  bewegten.

Drei verschiedene militärische Feldzüge begannen gleichzeitig – Chametz, Jevussi und Yiftach – durch die Jaffa , die Gegend rund um Jerusalem und das ganze östliche Galiläa eingenommen wurden. Aber als Jaffa fiel, war auch der Stolz Palästinas dahin.

Da die Stadt eingeschlossen war, wurden Tausende von Leuten gezwungen, übers Meer  nach Gaza  oder Ägypten zu fliehen.  Viele ertranken, da die kleinen überfüllten Fischerboote nachgaben und sanken. Die arabische Führung hatte gehofft, die Britten würden den Zionisten nicht erlauben, Jaffa zu erobern. Sie waren schlecht vorbereitet.  Auf Verteidigung von Zivilisten war man nicht eingestellt.

Die militärische Ungleichheit zwischen zionistischen Milizen (über 5000 gut ausgebildete Kämpfer) und arabischen Freiwilligen (etwa 1500)  war unmöglich zu überwinden, ohne Hilfe von außen. Keine kam. Männer und Frauen starben in Scharen. Zehntausende flohen in Trecks übers Land, aber meistens übers Meer.



Der Exodus aus Jaffa im Mai 1948

Im Alter von acht entdeckte ich, dass Jaffa nicht nur Fantasie war. Viel später in meinem Leben entdeckte ich, dass Jaffa, obwohl  erobert, noch stand, und zwar durch das kollektive Gedächtnis der Jaffaer überall.

Während der Terminus Nakba eine passende Beschreibung für das ist, was das palästinensische Volk 1947-1948 durchgemacht hat, ist es Sumud – Standhaftigkeit – das Millionen von Flüchtlingen an ihrem Rückkehrrecht festhalten lässt, auch 66 Jahre, nachdem das Land der Orangenbäume  erobert wurde. Und es ist Sumud, das Jaffa für immer am Leben hält.





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.middleeasteye.net/columns/i-saw-yafa-nakba-and-somud-palestine
Publication date of original article: 15/05/2014
URL of this page: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=12448

 

Tags: JaffaNakbaSumudZionistische EroberungPalästinaIsrael
 

 
Print this page
Print this page
  Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.