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 23/01/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
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 Tlaxcalas Manifest 
Tlaxcalas Manifest
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Tlaxcalas Manifest

Tlaxcala, das internationale Netzwerk für sprachliche Vielfalt, wurde im Dezember 2005 von einer kleinen Gruppe von Cyberaktivisten gegründet, die sich im Internet zusammenfanden und entdeckten, dass sie gemeinsame Interessen und Träume teilen und auch gemeinsame Probleme haben. Das Netzwerk wuchs schnell und umfasst heute viele Mitglieder und übersetzt in fünfzehn Sprachen. Dieses Manifest drückt ihre gemeinsame Philosophie aus:

Alle Sprachen dieser Welt müssen zur Verbrüderung der Menschheit beitragen. Im Gegensatz zu dem was viele Menschen glauben, ist eine Sprache nicht nur eine grammatikalische Struktur, ein Satz aus miteinander verbundenen Worten in Übereinstimmung mit einer bestimmten Syntax, sondern auch, und vor allem, die Schaffung von Bedeutungen basierend auf unseren Sinnen. So beobachten, deuten und drücken wir unsere Welt aus in einem bestimmten persönlichen, geographischen und politischen Kontext. Daher ist keine Sprache neutral und sie ist Trägerin des „genetischen Codes“, des Abdrucks der Kulturen, zu der sie gehört. Latein, die erste imperialistische Sprache, erreichte ihren Höhepunkt indem sie auf den Überresten der Sprachen herumtrampelte, die sie zerstörte, als die römischen Legionen ihre Präsenz auf den Süden Europas, den Norden Afrikas und den Mittleren Osten ausdehnten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es die spanische Sprache war, eine genetische Tochter der lateinischen Sprache, die zu Anfang der Renaissance eine Welle der Verwüstung auslöste, die dieses Mal die eroberten Völker des amerikanischen Kontinents überrollte.

Ein Imperium ist immer eng mit seiner Sprache verbunden und so eine Sprache verhält sich per definitionem wie ein Raubtier. Sie lehnt jedes Anderssein ab. Jede imperialistische Sprache stellt sich selbst in den Mittelpunkt ihrer Geschichtsschreibung, die sie nur von ihrem Standpunkt aus erzählt und sie zerstört (oder versucht es zumindest) die Sichtweisen anderer Sprachen, die sie selbst als minderwertiger empfindet. Die offizielle Geschichtsschreibung des Imperiums ist niemals unschuldig, sondern motiviert durch das Bestreben, heute gestrige Taten zu rechtfertigen, um ihre eigene Version auf die morgige Darstellung zu projizieren.

Niemand weiss, welches Leid die Völker ertrugen, die Opfer der Eroberer des römischen Imperiums wurden, denn es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen ihrer Niederlage, die gleichzeitig auch das Verschwinden ihrer Kulturen bedeutete. Die Sprachen des amerikanischen Kontinents, der vom spanischen Imperium erobert wurde, haben jedoch ihr Zeugnis hinterlassen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, kurz nach der Eroberung Mexikos, hat Bruder Bernardino de Sahagún eine Sammlung zusammengetragen, die heute unter dem Namen Der florentinische Kodex bekannt ist. Es handelt sich um eine Mischung aus Náhua Erzählungen (Náhuatl ist die Sprache des ältesten Aztekenvolks, die noch heute in Mexiko gesprochen wird) und bildlichen Darstellungen, die die Gesellschaft und Kultur vor der spanischen Eroberung illustrieren. Das zweite Zeugnis, das im Widerspruch zum ersten steht, ist die Lienzo de Tlaxcala, die ebenfalls im 16. Jahrhundert niedergeschrieben wurde vom Mischling Diego Muñoz de Camargo, der seine Geschichte auf den Fresco Gemälden seiner Vorfahren, den Tlascaltekischen Edelmännern, aufbaute, die in Bildern sowohl die Ankunft Hernán Cortés beschrieben, als auch den Fall Tenochtitlans, der Hauptstadt des aztekischen Imperiums, das von den Conquistadores zerstört und durch die Stadt Mexiko ersetzt wurde. Tlaxcala war ein Stadtstaaat, der damals in Konkurrenz zum aztekischen Imperium Tenochtitlan stand und der Cortés bei seiner Zerstörung half. Das bedeutete soviel wie das eigene Todesurteil, denn das neue spanische Imperium, das aus dieser Niederlage geboren wurde, unterwarf alle eingeborenen und sogenannten präkolumbianischen Völker, ob sie nun Allierte oder Gegner der spanischen Krone waren. Dieser Sieg führte zum fast völligen Verlust ihrer Kulturen und Sprachen.

Gegenwärtig liegt die imperialistische Macht bei den Vereinigten Staaten Amerikas, deren offizielle Sprache Englisch ist. Getreu den Charakteristika jedes Imperiums setzt die englische Sprache nun ihr eigenes Gesetz durch. Unter dem Einfluss der englischen Sprache haben ganze Länder oder Gebiete ihre ursprünglichen Sprachen verloren oder sind im Begriff diese zu verlieren. Die Philippinen oder Puerto Rico sind nur zwei Beispiele von vielen. Studien der UNESCO zufolge, tötet der falsche Prestige, der den englischen, französischen, portugiesischen Sprachen oder mehrheitlichen Landessprachen zugesprochen wird, alle zwei Wochen eine lokale Sprache.

Selbstverständlich ist es in Zeiten der globalen Kommunikation nicht negativ, eine sogenannte lingua franca zu verwenden, um gegenseitiges Kennenlernen zu erleichtern, doch kann dies negative Auswirkungen haben, wenn sie, bewusst oder unbewusst, die Ideologie der Überlegenheit vermittelt und gleichzeitig ihre Verachtung für die „unterlegenen“ Sprachen, also alle anderen, zur Schau stellt. Der Überlegenheitskomplex, ständiger Begleiter einer imperialistischen oder vom Imperium abhängigen Sprache, ist so essentiell, dass er sich sogar bei englischsprachigen Aktivisten bemerkbar macht, die für eine bessere Welt kämpfen: ihre Medien sind der hieb-und stichfeste Beweis dafür, denn der Anteil am Inhalt von Schriften, die aus den „unterlegenen“ Sprachen übersetzt werden, ist unbedeutend. Das Problem besteht darin, dass Übersetzungen aus dem Englischen in andere Sprachen so entsetzlich zahlreich sind, während gleichzeitig dasselbe nicht für die entgegengesetzte Richtung gilt. Wir alle tragen Schuld an dieser Entwicklung, da wir bisher dieses Ungleichgewicht akzeptiert haben.

Tlaxcala, das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt, wurde als postmoderne Hommage an den unglückseligen Stadtstaat mit demselben Namen geschaffen, der den tragischen Fehler beging einem Imperium, nämlich dem spanischen, zu vertrauen, um gegen ein weniger mächtiges Imperium, das der Náhua, zu kämpfen, nur um zu spät herauszufinden, dass niemand je einem Imperium, welchem auch immer, vertrauen sollte, da sie ihre Untergebenen nur als Sprungbrett für ihre eigenen Interessen benutzen. Die Übersetzer von Tlaxcala aus der ganzen Welt versuchen das leidvolle Schicksal der Tlaxcalteken wiedergutzumachen.

Die Übersetzer von Tlaxcala glauben an das Anderssein, an die Richtigkeit, sich den Sichtweisen anderer anzunähern und seine Mitglieder setzen sich dafür ein, die englische Sprache zu entimperialisieren, indem sie Schriftsteller, Denker, Cartoonzeichner und Aktivisten in möglichst vielen Sprachen (darunter auch Englisch) veröffentlichen, die ihre Texte in Sprachen verfassen, die unter dem Einfluss des dominanten Imperiums kein Gehör finden. Ausserdem bieten die Übersetzer von Tlaxcala Personen, die des Englischen nicht mächtig sind, die Möglichkeit, englischsprachige Schriftsteller zu entdecken, die heutzutage marginal sind oder die an wirklich kleinen, wirklich schwer zu findenden Orten veröffentlicht wurden.

Die englische Sprache in ihrer Position als institutioneller Wissensapparat funktioniert wie eine globale Machtstruktur, die die Sprachen und Kulturen der Welt in ihrem Ebenbild und ihrer Ähnlichkeit darstellt ohne die Welt, die sie vorgibt zu vertreten, um Erlaubnis zu bitten. Die Übersetzer von Tlaxcala sind überzeugt davon, dass die Meister des Diskurses geschlagen werden können und hoffen darauf, diesen Apparat in den Hintergrund drängen zu können, damit die Welt sowohl multipolar als auch vielsprachig wird und so vielfältig wie das Leben selbst.

Tlaxcala wählt die Texte nach dem Gesichtspunkt aus, dass sie die Kernwerte der universellen Menschenrechtserklärung wiederspiegeln und zielt somit auf den gänzlichen Respekt der Rechte und Würde des Menschen ab. Die Übersetzer von Tlaxcala sind Anti-militaristen, Anti-imperialisten und stellen sich gegen die „neoliberale“ wirtschaftliche Globalisierung. Sie sehnen sich nach Frieden und Gleichheit für alle Sprachen und Kulturen. Sie glauben weder an den Schock der Zivilisationen noch an den gegenwärtigen imperialistischen Kreuzzug gegen den Terrorismus. Sie sind gegen Rassismus und den Bau von Mauern oder elektrischen Zäunen, seien sie tatsächlicher oder sprachlicher Natur, die die natürliche Bewegungsfreiheit verhindern und das Teilen zwischen Völkern und Sprachen auf diesem unserem Planeten. Sie möchten sowohl Wertschätzung, Anerkennung und Respekt für das Andere vorantreiben, als auch den Wunsch ausdrücken, dass sie/er nicht mehr ein Geschichtsobjekt ist, sondern ein gleichberechtigtes Geschichtssubjekt. Diese Bemühungen sind freiwillig und unbezahlt. Alle von Tlaxcala angefertigten Übersetzungen unterliegen dem Copyleft, das bedeutet, sie können kostenfrei für nicht kommerzielle Zwecke verwendet werden, solange die Quelle genannt wird.

Übersetzer und Dolmetscher aller Sprachen kommt zusammen und vereinigt Euch! Webmaster und Blogger aller Farben des Regenbogens, die unsere Sichtweise teilen, kontaktiert uns!

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Es ist kein Zufall, dass wir unser Manifesto am 21. Februar veröffentlichen. In den 50er, 60er und 70er Jahren wurde der 21. Februar als weltweiter Anti-Kolonialismus und Anti-Imperialismus Tag gefeiert.

Jener, der in seinem Vaterland nur den Platz seiner Beerdigung beansprucht, verdient gehört zu werden, und besser noch, verdient ihm zu glauben“.

Augusto Cesar Sandino wurde am 21. Februar 1934 in Nicaragua, auf Befehl des  künftigen Diktators Somoza ermordet; man nannte ihn den General der Freien Menschen, und gemäss den, am Vorabend unterzeichneten Friedens-Vereinbarungen, hatte er sich verpflichtet sich friedlich in eine Bauerngenossenschaft, im Norden des Landes, zurückzuziehen.

Sandino, das Paradigma, das den Patriotismus der Nicaraguaner inspiriert, symbolisiert den Geist der nationalen Ehre, für einen hartnäckigen Widerstand gegen die militärische Intervention und die Besatzung seines Landes durch die Vereinigten Staaten. Seine „Armee zur Verteidigung der Nationalen Souveränität“ bestehend aus Bauern und Arbeitern, die gegen den Imperialismus und die Diktatur, mit Machetten, ihren Werkzeugen, verrosteten Gewehren und Bomben, aus mit Nägeln und Steinen gefüllten Konservenbüchsen, kämpften, diese Soldaten waren fähig, um sich so auszudrücken, die feindlichen Flugzeuge mit Steinen abzuschiessen, und vor allem ihre moralischen Werte und die unbeschränkte Liebe zu ihrem Land, gegen alles und jeden, gegen eine verkaufte Armee und gegen eine hundert Mal stärkere Besatzungsarmee entgegenzusetzen. Die Bescheidenen und Ausgenützen von Nicaragua und von ganz Südamerika vertretend, bewies Sandino heroisch, dass die Bauern fähig sind, einen siegreichen Widerstand für die nationale Autonomie zu organisieren.  

An diesem Tag im Jahre 1944 erwachte Paris und fand ihre Wände mit grossen roten Postern bedeckt, die die Hinrichtung auf der Valerienshöhe ankündigte von 23 „terroristischen“ Mitgliedern der Heckenschützen und Partisanen-Gastarbeitern, der ersten Widerstandsbewegung gegen die Nazis auf französischem Staatsgebiet. Der Anführer der Gruppe, Missak Manouchian, ein 36-jähriger Armenier, war ein Überlebender des armenischen Genozids und Immigrant. Zu den französischen Kollaborateuren, die seiner Schnellverhandlung beiwohnten vor dem nazistischen Militärgericht und die ihn als Südländer abstempelten, sagte er: „Ihr habt die französische Staatsbürgerschaft geerbt, ich habe sie mir verdient“.

Am 21. Februar 1952 versammelten sich zehntausende Studenten, Intellektuelle und Arbeiter in Dhaka, der damaligen Hauptstadt von Ost-Pakistan und jetzt von Bangladesh, gegen die Auferlegung von Urdu als Pakistans einzige nationale Sprache für die Bengalen. Als die Studenten losmarschierten, gab die Polizei Feuer und tötete vier Studenten an jenem Tag und mindestens sieben an den folgenden zwei Tagen. Daraufhin verwandelte sich die Bewegung in einen Aufstand des Volkes, der am Ende mit der Loslösung Bangladeshs 1971 von Pakistan endete; aber erst nach einer der übelsten ethnischen Säuberungen im 20. Jahrhundert, die von der Nixon-Administration unterstützt wurde. Seither wird vom Volk in Bangladesh der 21. Februar als Ekushey oder Tag der Märtyrer gefeiert, wodurch das reiche Erbe der Bangla-Sprache lebendig gehalten werden soll (Ekush ist Bangla und heißt 21 und Ekushey der 21.). Im Jahr 2000 hat die UNESCO den 21. Februar als Internationalen Tag der Muttersprache festgelegt zur Ehre jener Bewegung. (Am 21.2.2009 hinzugefügt)

„Die Zeit der Märtyrer ist gekommen und falls ich einer von ihnen bin, dann werde ich für die Brüderlichkeit sterben, das einzige, was dieses Land retten kann“. Das waren die letzten Worte von Malcolm X bevor er während eines Meetings in Harlem am 21. Februar 1965 von drei Mitgliedern der Gruppe Nation of Islam ermordet wurde, eine Gruppe, die Malcom 1963 verlassen hatte, um die Organization of the Afro-American Unity zu gründen. Im April 1966 wurden seine Mörder zu lebenslänglicher Haft verurteilt, doch diejenigen, die seinen Mord planten, die Meister des Imperiums, blieben, wie in den meisten Fällen, unbestraft.

Malcolm X, alias El-Hajj Malik El-Shabazz, mit dem ursprünglichen Name Malcolm Little, war 39 Jahre alt. Er kam von einer Pilgerreise nach Mekka zurück, wo er die Universitalität entdeckte, nachdem er dort Pilger jeden Ursprungs getroffen hatte. Einer der Gründe aus denen er mit der Nation of Islam brach, war, dass sie Kontakte zum Ku Klux Klan unterhielt, um über die Schaffung eines unabhängigen schwarzen Staates im Süden der USA zu diskutieren, genauso wie Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, die schlimmsten Antisemiten um Unterstützung bei seinem Projekt zur Bildung eines jüdischen Staates bat. Für Malcolm, dessen Vater Opfer des Ku Klux Klan wurde, war eine solche Zusammenarbeit undenkbar. An diesem Tag der Erinnerung stellen wir Tlaxcala unter das Zeichen dieser drei Kämpfer für das Wohl der Völker, Sandino, Missak Manouchian und Malcolm X.

Cyberspace, am 21. Februar 2006, Internationaler Tag der Muttersprache




 


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