In Kolumbien wird die Unabhängigkeit der Universität, als Ideal und als Wirklichkeit, immer heftiger unter Angriff genommen. Die Universitäten sind Angriffsziele der Militär- und paramilitärischen Kräfte; Lehrkräfte und StudentInnen wurden ermordet und erhielten Drohungen.
In diesem Kontext wurde der Lehrer und Forscher innerhalb der Nationalen Pädagogischen Universität, Herr Professor Renan Vega, Ziel einer Verleumdungskampagne, die innerhalb der Universität und mit dem zustimmenden Stillschweigen der akademischen Behörden stattfand. Es muss betont werden, dass diese Angriffe und Drohungen nach einem bedeutenden Kämpfe- und Mobilisierungszyklus der Lehrkräfte und StudentInnen gegen die Privatisierung der staatlichen Universität und nachdem eine Gewerkschaftliche Organisation der akademischen Lehrkräfte (ASPU) ins Leben gerufen wurde, aufgetaucht sind.
Im Gegenzug haben die kolumbianischen Akademiker am 9. und 10. Mai 2012 mit der Unterstützung ausländischer Kollegen auf den größtenkolumbianischen Universitäten eine Reihe Events organisiert, um das kritische Denken zu verteidigen und Renan Vegas Beitrag zur kolumbianischen Sozialgeschichte und Forschung zu ehren. Während dieser Tage erhoben sich viele Stimmen, die den wertvollen Beitrag des Professors Renan Vega Cantor zu den Geschichts- und Sozialwissenschaften - er hat übrigens den renommiertenLibertador-Preis erhalten - und seinen Wert als Universitätsprofessor, aber auch sein Engagement zu Gunsten der unterdrückten Menschen anerkannten, insofern er jenen in den unterprivilegierten Schulräumen und Vierteln seine Kenntnisse zur Verfügung stellte.
Heute wollen wir unsere Stimmen erheben, um die Tatsache anzuprangern, dass Herr Professor Renan Vega Cantor seinen Lehrstuhl verlassen musste, weil die Situation sich verschlimmerte und die Kampagne gegen ihn eskalierte: er hatte direkte Morddrohungen erhalten.
Dieses Zwangsexil ist ein schändlicher Angriff gegen die Akademikerfreiheit und die Möglichkeit, kritisch zu denken; außerdem wird hiermit der schmutzige Krieg gegen die Gewerkschaften fortgeführt, der schon Tausende Ermordungen von kolumbianischen Lehrkräften zur Folge gehabt hat.
In Kolumbien folgt der Mordanschlag auf einen Lehrer/ Lehrerin bzw. einen Studenten/Studentin durch „dunkle“ Kräfte, die schließlich selten identifiziert und verfolgt werden, fast immer auf eine öffentliche Anprangerung der selben durch „respektable “ Instanzen.
Hiermit erklären wir uns solidarisch mit Professor Renan Vega und fordern, das die Behörden entscheidende Maßnahmen treffen, die den kolumbianischen Universitäten ermöglichen, Räume für das Studium und den freien Gedankenaustausch zu werden, und nicht mehr solche, wo kritisches Denken verfolgt, stigmatisiert und ausgerottet wird.
Wir verlangen die sofortige Wiedereinführung von Verhältnissen, die dem Professor Renan Vega Cantor ermöglichen, seinen Lehrstuhl auf der Nationalen Pädagogischen Universität wieder zu besetzen, mit Garantien für seine körperliche Unversehrtheit und eine völlig freie Ausübung seiner Lehrtätigkeit einhergehend.
Erste Unterschriften
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