Das ist der Titel der Buchbesprechung von Prof. Blatman über die hebräische Fassung des letzten Buchs von Ian Kershaw The End: The Defiance and Destruction of Hitler’s Germany, 1944-1945* (Haaretz Buchbesprechungen, 31.Okt. 2012)
Blatman zitiert Kershaw in dem Sinne, dass kein Staat jemals in einem verlorenen Krieg noch so lange weiter gekämpft hat, wie Deutschland am Ende von Hitlers Regime, und Blatman fügt hinzu, das „seine Schlussfolgerungen nicht nur für das Dritte Reich relevant sind“. Prof. Blatman, ein Wissenschaftler über den Holocaust und der Direktor des Instituts für das gegenwärtige Judentum an der Hebräischen Universität, weiß, worüber er spricht. Seine Rezension ist aufschlussreich über die gefährliche Lage, in der sich Israel befindet. In einem Artikel, den Prof. Blatman in Haaretz veröffentlichte, legt er dar, dass das Ausmaß von Rassismus in Israel, die Aufwiegelung gegen Araber und Asylsuchende aus Afrika und die undemokratischen Gesetze, die die Knesset verabschiedet hat, Israel in ein Stadium bringen, in dem sich Deutschland 1932 befand, kurz bevor Hitler an die Macht kam .(„1932 ist schon hier“, Haaretz, 25.Dez. 2010). In andern Worten, die Gründung eines faschistischen Regimes besteht schon im Israel von heute.
Es gibt viele Warnzeichen. Hier ist eines davon: In seiner Rezension schreibt Blatman: „Inmitten der Führer des Regimes und der Partei, der Generäle und der Zivilgesellschaft standen Millionen von einfachen Soldaten, junge Deutsche, von denen viele ihre Schuljahre und die prägenden Jahre im Bildungssystem des Nazistaates verbrachten; sicherlich jene, die in den letzten Jahren vor dem Krieg mobilisiert wurden und die 1933 in der Schule waren.“
Als ich diese Worte las, erinnerte ich mich an den Prozess der Indoktrinierung, den Israels Schulkinder auf Initiative des Bildungsministers Gideon Saar durchmachten, an die Entfernung der Schulbücher, die eine demokratische Botschaft vermittelten und den Konflikt mit den Palästinensern einigermaßen ausgewogen darstellten, bis zum Ermutigen von Schulen, Fahrten in die besetzten Gebiete zu organisieren bis zur letzten Erneuerung: Zuweisung eines Budgets je nach der Anzahl ihrer Schulabgänger, die in die Armee gehen . Dies ist das militaristische Bildungssystem. Der Minister und seine rechte Regierung wollen Generationen von Soldaten aufziehen, die in der Schule mit Nationalismus, religiösem Extremismus, Rassismus gehirngewaschen werden und so bereit sind, der Besatzung und der Apartheid zu dienen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

Beim Problem des Vergleichs zwischen der israelischen Besatzung und dem Nazi-Regime, tun wir gut daran, an Prof. Amos Funkenstein, (ein israelischer Preisträger, der die Joseph-und –Ceil-Mazer-Dozentenstelle in der historischen und philosophischen Fakultät der Tel Aviv Universität inne hat) zu erinnern. Er sagte vor 25 Jahren in einem Interview mit Haaretz: „Zwischen 1933 und 37 bis zur Kristallnacht (9.11.1938) war die Situation der Juden in Deutschland in gewisser Weise besser als die der Araber in den besetzten Gebieten.“ (Haaretz 9.12. 88).
* Deutsche Ausgabe: Das Ende - Kampf bis in den Untergang - NS-Deutschland 1944/45 München, Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), 2011