KAIRO: Verhaftete ägyptische Aktivisten haben gerade einen offenen Brief an den neu gewählten Präsidenten verfasst, um ihm seine Versprechen an die Revolutionäre ins Gedächtnis zu rufen. Sie bitten ihn, sofort Schluss zu machen mit der Ungerechtigkeit, die an ihnen begangen wird und alle Zivilpersonen freisprechen zu lassen, die derzeit verhaftet und von Militärgerichten gerichtet werden, öfters ohne Verteidiger und ohne Anspruch auf Rechtbehelf.
Die Aktivisten, behaupten, dass seit dem 25. Januar ungefähr 12 000 Menschen vor ein Militärgericht erschienen sind.

Die Aktivistengruppe Nein zu militärischen Prozessen demonstriert weiter für die Freilassung der Verhafteten
Hier unten der Brief der Verhafteten:
Die ÄgypterInnen feiern die Niederlage der Militärjunta und des Bündnisses der Männer von Mubarak und den ersten frei gewählten zivilen Präsidenten, ungeachtet großer Divergenzen mit der Doktrin und der Politik des Doktors Mohamed Morsi und der Stellungnahmen seiner Gruppe zur Revolution im Verlauf der anderthalb letzten Jahre, die zu einer Spaltung innerhalb der Revolution geführt und sie in die Hände des Militärrats von Mubarak haben fallen lassen.
Jetzt, wo der ägyptische Präsident Samstag den Eid leisten soll, möchten wir ihm Folgendes ins Gedächtnis rufen:
Er darf die Tausende junger unschuldiger Menschen nicht vergessen, die von Militärgerichten ohne legale Befehlsgewalt um ihre Freiheit beraubt wurden.
Er sollte sich an keine seiner Aufgaben machen, solange Hunderte Menschen im Rahmen der Sachen Maspéro, Ministerrat, der Mohamed-Mahmoudstraße und in Abbasiya in Haft sitzen, wobei ihr einziges Verbrechen ist, um die Freiheit unserer Nation gekämpft zu haben.
Herr Präsident, Sie dürften den Regierungspalast mit keinem ruhigem Gewissen betreten, solange diese jungen Menschen nicht wieder zu Hause bei ihren tief gegrämten Müttern sitzen.
Folglich rufen wir den Dr Morsi auf, seine Pflichten zu erfüllen:
1/ Amnestie für alle Menschen, die vom Militär verfolgt wurden im Zusammenhang mit den Ereignissen im Zuge der Revolution.
2/ Sofortige Befreiung aller Häftlinge und Beschuldigten auf Grund der politischen und Strafanklagen im Zusammenhang mit den Sitzblockaden und Demonstrationen im Zuge der Revolution. Und natürlich auch der Häftlinge vom 8. April, die Offiziere und Zivilpersonen, die nach den Auseinandersetzungen in Abbasiya verhaftet wurden und seit über 20 Tagen einen Hungerstreik fortführen.