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 19/05/2013 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Von Yamit bis zum Jordantal macht die IDF Araber obdachlos
Date of publication at Tlaxcala: 24/04/2012
Original: From Yamit to the Jordan Valley, the IDF continues to force Arabs from their homes

Von Yamit bis zum Jordantal macht die IDF Araber obdachlos

Amira Hass עמירה הס

Translated by  Ellen Rohlfs
Edited by  Susanne Schuster

 

In der vergangenen Woche „feierten“ Evakuierte aus Yamit den Jahrestag der Zerstörung ihrer illegalen Siedlung im nördlichen Teil der Sinaihalbinsel. Radioberichte umgingen unbekümmert die Tatsache, dass dem Bau dieser Sinai-Siedlungen eine Massenzerstörung vorausgegangen war.

Auf Befehl des damaligen Verteidigungsministers Moshe Dajan und des Kommandeurs Süd Ariel Sharon vertrieben die IDF im Geheimen 1500 Beduinenfamilien von den Al-Ramilat-Stämmen von einem 140 000 Dunum-Gebiet. Oded Lipschits schrieb im Februar 2002 in der Kolumne der Zeitschrift der Kibbuz-Bewegung Hadaf Hayarok, er erinnere sich an jene Fakten, als 2002 die IDF Häuser in Rafat demolierte. Er dachte an das, was im Sinai Jahre zuvor geschehen war und schrieb: „Eine Gruppe von Kibbuzmitgliedern der Region, mich eingeschlossen, fingen an nachzuforschen. Wir gingen hinaus und sahen uns in diesem Gebiet um. Wir waren über die Dimension der Trümmer und die Anzahl der vertriebenen Personen erstaunt. Die IDF und die Regierung leugneten die Tatsache, die wir vorbrachten und behaupteten, dass sie nur ein paar Beduinen von Staatsland evakuiert hätten, das die Nomaden vor kurzem besetzt hatten.“

Ein Untersuchungskomitee, das schließlich errichtet wurde, fand heraus, dass die Vertreibungen ohne Regierungsauftrag ausgeführt wurden; Dayan hat aus eigener Initiative gehandelt. Es gab einige strafende Verweise wegen „Überschreitung der Befugnis“ und einige rangniedrige Offiziere wurden degradiert. Trotz alledem führte die Regierung von Golda Meir einen vorbereiteten Plan durch, um genau in dieser Region, von dem die Beduinen vertrieben wurden, eine Siedlung zu bauen. Lipschitz schrieb: „Sadat und ägyptische Spitzenbeamte schrieben im Nachhinein, dass die Entscheidung der israelischen Regierung, eine große israelische Stadt (Yamit) zu errichten, der Strohhalm war, der dem Kamel den Rücken brach, und Ägypten dazu veranlasste, alle Hoffnung auf ein Friedensabkommen aufzugeben und den Jom-Kippur-Kieg zu beginnen.

Bewegen wir uns jetzt weg von Lipschitz und dem Sinai in die heute besetzten Gebiete: Die ganze Zeit Zerstörungen und Abbruch. Darüber wird geschwiegen. Die Zone C wird genützt, um zu verhindern, dass sich Palästinenser durch natürliches Wachstum dorthin ausbreiten. Neue von Israel entwickelte Bebauungspläne berücksichtigen die Palästinenser in Zone C nicht. Ihnen ist das Bauen verboten. Sie an die Wasserleitung und an Strom anzuschließen, ist illegal – aber jeder Akt der Zerstörung ist „legal“ und „autorisiert“.

Seit Beginn dieses Jahres bis 3. April hat die Zivilverwaltung 184 palästinensische Hütten zerstört, und 338 Personen verloren ihr Dach über dem Kopf, laut den Daten des Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Zum Beispiel zerstörten die Behörden in der Woche vom 21. bis 27. März 24 Bauten, einschließlich 6 Wohnhütten. In dieser Woche wurden 36 Menschen, davon 13 Kinder obdachlos. Sechs Strukturen gehören den Beduinengemeinschaften von Tel al Hema und Frush Beit Dajan im nördlichen Jordantal. Sie wurden zerstört. Dafna Banai und Dorit Hershkowitz von Machsom Watch waren zwei Tage nach der Zerstörung dort. Das folgende ist der übersetzte Bericht von Banai vom 29. März:

„Am Montag, den 26. März 2012 wurde es über der Familie von Khabis Sawaftah sehr dunkel. Als die Familie morgens mit den üblichen Arbeiten beschäftigt war, kamen zwei Bulldozer, 12 Fahrzeuge der Zivilverwaltung, Grenzpolizei und etwa 40 zusätzliche Soldaten und befahlen ihnen, ihre Hütte zu verlassen. Khabis und seine Frau und ihre fünf Kinder standen 20 Meter entfernt, die Soldaten zwischen ihnen und ihrem Haus. Die Familie beobachtete wie das Personal der Zivilverwaltung ihren Besitz wegwarf: Einen Sack voller Linsen und Reis, Decken und Matratzen, Schulbücher und Kleidung – alles wurde herumgeworfen, als ob es Abfall wäre.

Als sie mit dem Ausräumen der Hütte fertig waren, kam die Zivilverwaltung und photographierte den leeren Bau (um zu beweisen, dass der mitfühlende Besatzer nur leere Wohnungen zerstört und – Gott bewahre – nicht mit ihrem Inhalt. Dann war es an der Reihe der „Schnitter“: in wenigen Minuten wurde die Hütte in einen Schutthaufen Steine, Bretter und Plastik verwandelt.

Die Familienkatze weigerte sich, ihre Jungen zu verlassen, also wurde die Hütte um sie herum zerstört. Ein paar Stunden später sah die Familie die Katze ihre Jungen aus dem Schutt herausbringen. …

Das Leben von Khabis und seinen Kindern – das Älteste 13 – ist zerstört worden. Khabis ist ein Lohnempfänger, der Ärmste der Armen, er lebt auf Land, das unserem Freund N. gehört, das auf seinen Namen im Grundbuchamt registriert ist. N. beschäftigt ihn zur Bestellung seines Landes und zur Pflege der Dattelpalmen für einen sehr knappen Lohn mit Wohnung. Irgendwie schaffte er es bis jetzt – aber nun ist die Wohnung weg.

Leute von der UN, dem Roten Kreuz, die ein kleines Plastikzelt mitbrachten, und viele Politiker der Palästinensischen Behörde kamen ein paar Stunden später mit schönen, ermutigenden Worten. Nach ihrem Weggang jedoch blieb er hilflos mit seinem Schmerz allein zurück.

Was nun? Was kann er seinem 13jährigen Sohn sagen, der sich weigert, zwei Tage später die jüdischen Frauen zu begrüßen, die er mit berechtigtem Hass ansieht. Wir sitzen mit der Familie im kleinen Zelt zusammen, das kleine Mädchen macht auf dem Boden seine Hausaufgaben und wir hören zu, wie die Familie weinend wiederholt, was während dieser schrecklichen 40 Minuten geschehen ist. Und wir können überhaupt nichts sagen; denn egal wie viel Solidarität wir auch empfinden, wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, wenn Bulldozer kommen und unser Haus zerstören.“

(Geringfügig gekürzt)





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/news/features/from-yamit-to-the-jordan-valley-the-idf-continues-to-force-arabs-from-their-homes-1.424503
Publication date of original article: 16/04/2012
URL of this page: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7202

 

Tags: IDFIsraelDemolierungen
 

 
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