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 06/03/2021 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Ich bin ein Gefangener in Guantanamo Bay und ich habe eine Botschaft für Präsident Biden
Date of publication at Tlaxcala: 11/02/2021
Original: I’m a prisoner at Guantanamo Bay and I have a message for President Biden
Translations available: Español  Français  Italiano 

Ich bin ein Gefangener in Guantanamo Bay und ich habe eine Botschaft für Präsident Biden

Ahmed Rabbani أحمد رباني

Translated by  Einar Schlereth

 

Ich habe kein Interesse an Rache, aber ich möchte gerne, dass die Menschen erfahren, was mir widerfahren ist und wie es unter den Teppich gekehrt wurde.


Skulptur von José Antonio Elvira, Guantanamo, Kuba

Präsident Biden legte diese Woche seinen Eid als 46. Präsident der Vereinigten Staaten ab. Er ist jemand, der selbst persönliche Tragödien erlebt hat: zuerst verlor er seine Frau und Tochter 1972 in einem Unfall und dann seinen Sohn Beau durch einen Gehirntumor. Er hat viel Schmerz erlebt; ich hoffe, dass es bedeutet, dass er meinen versteht. Die vergangenen zwei Jahrzehnte meines Lebens sind ein Alptraum ohne Ende gewesen – und das Schlimmste daran ist, dass meine Familie auch hineingezogen wurde.

Ich sitze hier und schreibe dies in Guantanamo Bay und ich kann nur hoffen, dass der Präsident etwas Sympathie für meine Situation findet und die der anderen Gefangenen, die hier in diesem furchtbaren Gefängnis schmachten.

Als ich 2002 in Karachi gekidnappt wurde und an die CIA für ein Kopfgeld verkauft wurde mit einer falschen Story, dass ich ein Terrorist namens Hassan Gul sei. Meine Frau und ich hatten gerade die gute Auskunft bekommen, dass sie schwanger war. Ein paar Monate später gebar sie meinen Sohn Jawad. Mir wurde niemals erlaubt, mein eigenes Kind zu sehen. Präsident Biden ist ein Mann, der von der Bedeutung der Familie spricht. Ich frage mich, ob er sich vorstellen kann, was es bedeutet, niemals den eigenen Sohn berührt zu haben. Meiner wird bald 18 Jahre alt sein und ich bin nicht dort gewesen, um ihm zu helfen oder ihn zu leiten.

Ich bin seine ganze Kindheit über eingesperrt gewesen, ohne Anklage oder einen Prozess. In dieser Zeit diente der Präsident eine volle Amtszeit als Senator, 8 Jahre als Vize-Präsident der USA und er forderte Donald Trump für die Präsidentschaft heraus und gewann, womit der Wunsch seines Lebens erfüllt wurde. Ich zweifle, dass ich jemals so etwas fertig gebracht hätte, aber ich kann nicht anders, als zu fragen, was ich mit diesen Jahren getan hätte, wären sie mir nich gestohlen worden.

Als Biden den Amtseid leistete, um im Januar 2009 Vize-Präsident an Barack Obamas Seite zu werdene, kam er in eine Verwaltung, die geschworen hatte, Guantanamo zu schließen. Eine Durchführungsverordnung wurde in jener Woche erlassen, die versprach, “die Standards eines ordnungsgemäßen Verfahrens und die zentralen verfassungsmäßigen Werte wieder herzustellen, die dieses Land auch inmitten eines Krieges groß gemacht haben". Obama versprach an seinem zweiten Tag im Amt, “Gitmo”endgültig zu schließen.

Ich bin nicht hier, um über ihn zu urteilen wegen des Fehlers der nicht durchgeführten Pläne durch Widerstand im Kongress oder vorzuschlagen, dass es ein Leichtes wäre, jetzt Guantanamo zu schließen. Aber es macht mir Mut, dass die USA wieder von einem Präsidenten geführt wird, der an Gerechtigkeit und die Herrschaft des Rechts glaubt.

Der Bericht des Geheimdienstausschusses des Senats über die CIA-Folter wurde “unter seiner Aufsicht” 2014 abeschlossen, wie man sagt. Es ist ein Report, in dem ich vorkomme. Darin steht, dass ich 540 Tage gefoltert wurde in einem “Dunkel-Gefängnis” in Afghanistan “ohne Erlaubnis” - ob das besser oder schlechter ist, kann ich nicht entscheiden

Ich kann bestätigen, dass die Folter stattfand, obwohl ich die Tage und Nächte nicht selbst zählen konnte: die Tage und Nächte flossen zu einem Block zusammen, als ich in einer finsteren Grube an einer Stange aufgehängt war und mir die Arme unter Qualen aus den Schultern auskugelten.

Ich zweifle, ob Präsident Biden verstehen kann, was diese Folter bedeutet; eine Frau im Nebenraum schreien zu hören und einem gesagt wird, dass es deine Frau ist, und dass, wenn ich nicht tue, was sie sagen, sie vergewaltigt oder getötet wird.

Ich habe kein Interesse an Rache, aber ich möchte, dass die Menschen erfahren, was mit mir geschah und wie es unter den Teppich gekehrt wurde – damit wir von Präsidenten wie Bidens Vorgänger geschützt werden, die jemandem wieder so etwas antun. Der Makel der Folter kann aus der amerikanischen Geschichte entfernt werden. Biden und seine Regierung können nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob es nicht passiert wäre.

Die USA bezahlt gegenwärtig 13.8 Millionen $ pro Jahr, um mich hier zu halten; sie könnte also eine Menge Geld sparen, wenn sie heimgehen ließe. Ich bin nur ein Taxifahrer in Karachi, ein Opfer einer falschen Identität. Die CIA hat sogar den wirklichen Hassan Ghul gefangen, aber nach dem Verhör ließ man ihn gehen und mich hielt man weiterhin gefangen. Schämen sie sich vielleicht ihres Fehlers?

Wenn Biden in das Weiße Haus einzieht, wird er in Pracht leben. Ich will das Oval Office nicht mit meiner Zelle hier in Guantanamo vergleichen. Es schmerzt mich jedoch zutiefst, wenn ich daran denke, dass meine Familie - ohne Vater und Ehemann - unter so elenden Bedingungen lebt.

Der neue Präsident wird an schicken Banketten teilnehmen, während ich mich im siebten Jahr eines Hungerstreiks befinde, um gegen die Tatsache zu protestieren, dass ich ohne Prozess festgehalten werde. Ich wiege nur noch die Hälfte von dem, was ich bei meiner ersten Festnahme in Karachi wog, und so wie es bisher läuft, werde ich hier in meiner Zelle sterben, selbst wenn sie mich zwangsweise füttern.

Präsident Biden hat die Macht, etwas zu tun. Ich hätte natürlich gerne Gerechtigkeit für all den Missbrauch, den ich erlitten habe, aber am wichtigsten ist, dass ich nicht in einem Sarg oder einem Leichensack nach Hause kommen möchte. Ich will nur nach Hause zu meiner Familie und endlich - zum ersten Mal - meinen Sohn im Arm halten.

Ahmed Rabbani, Guantanamo ISN 1461, schickte dieses Op-Ed über die Menschenrechtsorganisation Reprieve.





Courtesy of Einar Schlereth
Source: https://www.independent.co.uk/voices/biden-guanatanamo-bay-ahmed-rabbani-b1791302.html
Publication date of original article: 22/01/2021
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=30802

 

 
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