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 02/12/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 EUROPE 
EUROPE / US-Atomraketen auf dem Weg zurück nach Europa
Date of publication at Tlaxcala: 20/11/2020
Original: Ritornano gli euromissili nucleari
Translations available: Português/Galego  Français  English  Español 

Die Kunst des Krieges
US-Atomraketen auf dem Weg zurück nach Europa

Manlio Dinucci Μάνλιο Ντινούτσι مانلیو دینوچی مانليو دينوتشي

Translated by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Vor einigen Tagen, am 6. November, unterzeichnete Lockheed Martin (dieselbe Firma, die auch die F-35 herstellt) mit der US-Armee einen ersten Vertrag über 340 Millionen Dollar für die Produktion von Mittelstreckenraketen, darunter auch Atomsprengköpfe, die in Europa installiert werden sollen. Raketen dieser Kategorie wurden durch den INF-Vertrag [Mittelstrecken-Nuklearstreitkräfte-Vertrag] verboten.

 

Vor mehr als fünf Jahren titelten wir im Manifesto (9. Juni 2015) „Kehren Raketen nach Comiso zurück?“ Diese Hypothese wurde von der gesamten Politszene ignoriert und von selbsternannten Experten als „alarmistisch“ abgetan. Der Alarm war leider wohlbegründet. Vor einigen Tagen, am 6. November, unterzeichnete Lockheed Martin (die gleiche Firma, die auch die F-35 herstellt) mit der US-Armee einen ersten Vertrag über 340 Millionen Dollar für die Produktion von Mittelstreckenraketen, ebenfalls mit nuklearen Sprengköpfen, die in Europa installiert werden sollen. Die Raketen dieser Kategorie (mit Bodenbasis und Reichweite zwischen 500 und 5500 km) wurden durch den INF-Vertrag verboten, der 1987 von den Präsidenten Gorbatschow und Reagan unterzeichnet wurde: Er hatte die ballistischen Atomraketen Pershing 2, die von den Vereinigten Staaten in Westdeutschland stationiert worden waren, und die nuklearen Marschflugkörper Tomahawk, die von den Vereinigten Staaten in Italien (in Comiso), Großbritannien, Westdeutschland, Belgien und Holland stationiert worden waren, sowie gleichzeitig die ballistischen SS-20-Raketen, die von der Sowjetunion auf ihrem Territorium stationiert worden waren, eliminiert.

Im Jahr 2014 beschuldigte die Obama-Administration Russland ohne jeden Beweis, einen Marschflugkörper (9M729) der vom Vertrag verbotenen Kategorie getestet zu haben, und kündigte 2015 an, dass „angesichts der Verletzung des INF-Vertrags durch Russland die Vereinigten Staaten die Stationierung von Bodenraketen in Europa erwägen“. Der Staffelstab ging dann zur Trump-Administration über, die 2019 den Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem INF-Vertrag beschloss und Russland beschuldigte, ihn „absichtlich verletzt“ zu haben. Nach mehreren Raketentests wurde Lockheed Martin mit dem Bau eines von der Tomahawk abgeleiteten Marschflugkörpers und einer von Raytheons SM-6 abgeleiteten ballistischen Rakete beauftragt. Dem Vertrag zufolge werden die beiden Raketen 2023 einsatzbereit sein, d.h. in zwei Jahren in Europa installiert werden können.

Der geographische Faktor muss berücksichtigt werden: Während eine von Europa aus abgeschossene nukleare ballistische Mittelstreckenrakete der USA Moskau nach wenigen Minuten treffen kann, kann eine ähnliche, von Russland aus abgeschossene Rakete europäische Hauptstädte treffen, aber nicht Washington. Umgekehrt wäre es so, als ob Russland Mittelstreckenraketen in Mexiko stationieren würde. Zu bedenken ist auch, dass die SM-6, laut Raytheon, die Funktion von „drei Raketen in einer“ erfüllt: Flugabwehr, Raketenabwehr und Angriff. Die von der SM-6 abgeleitete Atomrakete kann daher von den Schiffen und Bodeneinrichtungen des US-„Schildes“ in Europa eingesetzt werden, deren Abschussrohre, so die Lockheed Martin, „Raketen für alle Einsätze“ abfeuern können. In einer Erklärung vom 26. Oktober 2020 bekräftigte Präsident Putin die Gültigkeit des INF-Vertrags, bezeichnete den Rückzug der USA als „einen schweren Fehler“ und widerholte die Verpflichtung Russlands, keine ähnlichen Raketen zu stationieren, solange die USA ihre eigenen in der Nähe des russischen Territoriums stationieren.

Russland schlägt daher den NATO-Staaten ein „gegenseitiges Moratorium“ und „gegenseitige Verifikationsmaßnahmen“ vor, d.h. Inspektionen der Raketenanlagen der jeweils anderen Seite. Der russische Vorschlag ist von der NATO ignoriert worden. Ihr Generalsekretär Jens Stoltenberg bekräftigte am 10. November, dass „in einer so unsicheren Welt Atomwaffen weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung des Friedens spielen“. Die europäischen Regierungen und Parlamente haben keine Stimme erhoben, obwohl Europa Gefahr läuft, an vorderster Front einer nuklearen Konfrontation zu stehen, die ähnlich oder gefährlicher wäre als der Kalte Krieg. Aber da es sich nicht um   die Bedrohung durch Covid, wird darüber nicht gesprochen. Die Europäische Union, deren 21 der 27 Mitglieder der NATO angehören, hat sich bereits Gehör verschafft, als sie 2018 bei den Vereinten Nationen die von Russland vorgelegte Resolution zur „Erhaltung und Einhaltung des INF-Vertrags“  ablehnte und damit grünes Licht für die Installation neuer US-Nuklearraketen in Europa gab.

Wird sich etwas ändern, wenn Joe Biden sein Amt im Weißen Haus antritt? Oder wird der Demokrat, nachdem Obama (dessen Vizepräsident er war) die neue nukleare Konfrontation mit Russland eröffnet und Republikaner Trump sie durch die Zerschlagung des INF-Vertrags noch verschlimmert hat, die Einrichtung neuer US-Atomraketen in Europa unterzeichnen?


 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://ilmanifesto.it/ritornano-gli-euromissili-nucleari/
Publication date of original article: 17/11/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=30116

 

Tags: US-Atomraketen in EuropaLockheed MartinNATOUSA-Europa-RusslandINF-VertragUS-Imperialismus
 

 
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