TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı

 30/10/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 EUROPE 
EUROPE / »Wir haben nichts zu feiern, gehen demonstrieren«
Gespräch mit Joachim Schramm
Date of publication at Tlaxcala: 03/10/2020

»Wir haben nichts zu feiern, gehen demonstrieren«
Gespräch mit Joachim Schramm

Gitta Düperthal گیتا دوپرتال

 

30 Jahre nach »deutscher Einheit«: Von Friedensmacht kann bei der BRD keine Rede sein. Aufrüstung ist Staatsräson

https://www.nordstadtblogger.de/wp-content/uploads/2017/04/PK-Ostermarsch-Rhein-Ruhr-2017_4898-NSB-300x200.jpg

Joachim Schramm ist Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) in Nordrhein-Westfalen und Sprecher des Ostermarsches Rhein-Ruhr

An diesem Sonnabend, dem 3. Oktober, wird mit dem »Tag der Deutschen Einheit« der 30. Jahrestag des Anschlusses der DDR an die BRD festlich begangen. Sind auch Sie in Feierlaune?

In der Theorie könnte das durchaus ein Anlass zur Freude sein. Im Zwei-Plus-vier-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges, der die Grundlage für die Einheit bildet, ist festgehalten, dass in Zukunft von deutschem Boden kein Krieg mehr ausgehen soll. Demnach sind die Handlungen verfassungswidrig und strafbar, die dazu geeignet sind, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören. Nur müssen wir jetzt, 30 Jahre später, feststellen, dass von diesem Vorhaben leider nicht viel übrig ist. Wir leben in einem Land, das ständig hochrüstet, in dem Atomwaffen stationiert sind und das sich an völkerrechtswidrigen Kriegseinsätzen beteiligt hat. Deshalb haben wir nichts zu feiern, sondern werden am Samstag in Kalkar demonstrieren.



Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer und der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, werden vom Kommandeur des Zentrum Luftoperation, Generalleutnant Klaus Habersetzer, begrüßt bei der Indienststellung des ASOC (Air and Space Operation Centre) in Kalkar, am 21.09.2020

Bundeswehr_stellt_We_66731416.jpg

 Im Deutschland der Gegenwart werden Träume von Militärs wahr:  Kramp-Karrenbauer stellt das neue Weltraumoperationszentrum der Luftwaffe in Dienst (Uedem, 21.9.2020). Foto Carsten Hoffmann/dpa

In der nordrhein-westfälischen Stadt sitzt ein sogenanntes Kompetenzzentrum der NATO, das Joint Air Power ­Competence Centre. Fühlen Sie sich mit Ihrer Kritik hierzulande alleine? Die Zeichen scheinen eher auf erstarkenden deutschen Nationalismus zu stehen.

Schon zur Wendezeit wurde diskutiert, inwieweit ein wiedervereintes Deutschland wieder einen neuen Machtfaktor darstellen würde. Dies bewahrheitet sich jetzt. Die Wirtschaftsmacht Deutschland rüstet im Rahmen der NATO sowie einer zunehmend militarisierten EU militärisch auf und beteiligt sich an Konflikten.

http://tlaxcala-int.org/upload/gal_23306.jpg

Die Kommandozentralen von Bundeswehr- und NATO-Luftwaffe in Kalkar spielen bei der Aggression gegen Russland eine wichtige Rolle. Wie würden Sie die Entwicklung der zurückliegenden Jahre beschreiben?

In den damaligen Verhandlungen zum Zwei-Plus-vier-Vertrag stimmten beide Verhandlungspartner überein, dass die NATO sich nach Auflösung des Warschauer Paktes 1991 nicht weiter ausdehnen sollte. Nach dem 2014 beginnenden Ukraine-Konflikt wurden dennoch NATO- und US-Truppen in östliche Gebiete verlegt. Wir haben es hier mit einer zunehmenden Konfrontation zwischen der NATO und Russland zu tun. In Kalkar werden NATO-Luftwaffenoperationen nördlich der Alpen koordiniert, aber auch die Bundeswehr organisiert von dort aus ihre Luftwaffeneinsätze weltweit, etwa wenn sie im turnusmäßigen Wechsel mit anderen Staaten »Eurofighter« über das Baltikum schickt und Soldaten dort patrouillieren lässt.

Die Gegenseite argumentiert, die NATO müsse sich auch mit Großmanövern wie »Defender 2020« vor einem aggressiven Russland, das ebenfalls Manöver durchführe, schützen und Stärke demonstrieren.

Solche Manöver sollen demonstrieren, dass man jeweils zu weitreichenden Kriegshandlungen in der Lage wäre. Diese Eskalations- und Aufrüstungsspirale ist brandgefährlich, zumal auf beiden Seiten Atomwaffen vorhanden sind. Es geht darum, aus der Konfrontationslage heraus und zu einer neuen Entspannungspolitik zu kommen. Egal, ob die NATO-Osterweiterung von seiten Russlands als Bedrohung empfunden wird oder osteuropäische Staaten gegen ihren Nachbarn wettern: Ängste sind nur durch Verhandlung und Abrüstung aufzulösen – und nicht, indem man weiter aufrüstet und auf einen Krieg zusteuert.

Bei der Demo in Kalkar spricht auch ein Vertreter von »Fridays for Future« aus Kleve. Versuchen Sie gezielt, diese Gruppe jüngerer Aktivisten in die Friedensbewegung einzubinden?

Wir versuchen vielmehr, Gemeinsamkeiten der Klimaschutz- und der Friedensbewegung aufzuzeigen. Es geht um menschheitsbedrohende Entwicklungen: auf der einen Seite um den Klimawandel, auf der anderen Seite um die Gefahr der Vernichtung durch einen Atomkrieg. Militär und Krieg gehören zu den größten Klimakillern. Kriegseinsätze und Luftwaffenübungen pusten tonnenweise CO2 in die Luft. Will man den Ausstoß schädlicher Emissionen verringern, sollte man hier beginnen.





Courtesy of junge Welt
Source: https://www.jungewelt.de/artikel/387551.drohende-kriegsgefahr-wir-haben-nichts-zu-feiern-gehen-demonstrieren.html
Publication date of original article: 02/10/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=29742

 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.