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 24/10/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UMMA 
UMMA / Die iranische Renaissance reicht weiter als die europäische
Date of publication at Tlaxcala: 30/07/2020
Original: رنسانس در ایران بالاتر و بهتر از رنسانس اروپا

Die iranische Renaissance reicht weiter als die europäische

Mohsen Renani محسن رنانی

Translated by  Hamid Beheschti حميد بهشتي

 

Die europäische Renaissance bestand in der Trennung der Religion von Politik. In der iranischen Renaissance jedoch ist die Trennung des Glaubens von der Scharia nunmehr vollzogen worden und viel weiter gegangen als der europäische Säkularismus.

Gilt uns (Iranern) die Islamische Revolution als historischer Verlust oder breitet sie uns auch eine Chance?

Meine Antwort lautet: Es hat sich nach der Revolution unbeabsichtigt und im Verborgenen eine historische Abkürzung des Weges zur Entwicklung eröffnet.

Weder hat die Gesellschaft diesen Weg gewählt, noch der Staat. Ihr Zusammenwirken hat ihn geöffnet.

Der Hauptgrund für die Hemmnisse von Entwicklung liegt in irrationalen Traditionen. Für den Schutz der Tradition gibt es mächtige Wächter.

Die Islamische Republik hat dazu beigetragen, die Traditionswächter unserer Gesellschaft zu schwächen oder zu eliminieren. Daher ist die Tradition schutzlos geblieben, was dazu geführt hat, dass sich unsere Gesellschaft gen moderne Welt in Bewegung setzt und von entwicklungshemmenden Traditionen Abschied nimmt.

Für diese Entwicklung hat Europa 400 Jahre gebraucht. Wir jedoch haben für deren Vorbereitung die vergangenen 40 Jahre genutzt.

In der Islamischen Republik hat sich im Laufe der Zeit ein Ruck zur Entstehung von notwendigen Grundlagen der Modernität ergeben, für dessen Entwicklung kein anderes System außer dem Religiösen, unter der Führung von Rechtsgelehrten, in der Lage wäre, zumal mit dieser Geschwindigkeit.

Diese Entwicklung hatte Reza Schah begonnen und sein Sohn, Mohammad Reza Schah fortgesetzt. Beide sind jedoch erfolglos geblieben. Denn sie haben in eine Weise gehandelt, die zum Zusammenschluss aller Traditionswächter geführt hat. So schufen die beiden Herrscher eine stabile Front gegen die Entwicklung, die zur modernen Welt führen sollte. Auch die Islamische Revolution war eine Art Ergebnis dieser Konvergenz.

Der größte Dienst der Islamischen Republik bestand darin, die Tradition bewahrenden Kräfte zunächst voneinander zu trennen und sie danach einzeln zu vernichten. Im Laufe des Bestehens der Islamischen Republik haben sich vier wichtige Wandlungen vollzogen, die die Voraussetzungen zur Erneuerung und zur Modernität geschaffen haben. Wandlungen, die es sogar in der Türkei, in Pakistan und Ägypten, als Länder mit moderneren politischen Strukturen, nicht gegeben hat.

Die ersten drei davon sind Schwächung, Zerstörung und Eliminierung der Traditionswächter und die vierte besteht in der Wandlung der religiösen Orientierung der Iraner.

Die hauptsächlichen Traditionswächter sind die Frauen, die bäuerliche Bevölkerung und die Geistlichen, wobei die Frauen stärker wirken. Die Islamische Republik hat zunächst Frauen zu einer die Tradition brechende Kräfte verwandelt.

Der erste Pahlavi (Reza Schah) hat die Macht der Nomaden zerstört; der zweite Pahlavi (der letzte Schah) die der Grundbesitzer; und die Islamische Republik hat das Gros der bäuerlichen Bevölkerung verändert. Ich prophezeie, dass entlang dieser Entwicklung spätestens in 20 Jahren weniger als 5 Prozent der Bevölkerung in Dörfern leben wird.

Die dritte Gruppe der Traditionswächter, die Geistlichen, waren auf zwei Ebenen tätig: religiöse Autoritäten (Marja’e Taghlid) und örtliche Mullahs. Die Stellung von religiösen Autoritäten, die als symbolische Basis für entwicklungsfähig galten, ist verloren gegangen.

Einen Teil von ihnen, der dem Herrschaftsapparat Widerstand leistet, hat der Staat zerstört und diejenigen, die bei der Bevölkerung als Handlanger des Regimes galten, sind von der Bevölkerung entmachtet worden.

Auch die örtlichen Mullahs, die für die gemeine Bevölkerung als Autorität galten, haben ihr Ansehen wegen unsäglicher Machenschaften der dem System zuarbeitenden Mullahs verloren.

Die tiefste vollzogene Wandlung, die nur in einer religiösen Herrschaft von Rechtsgelehrten möglich war, ist die Trennung des Glaubens von der Scharia.

Im Laufe der iranischen Geschichte waren der Glaube und die religiöse Rechtslehre aneinander gekoppelt. Aber die Islamische Republik hat zu ihrer Trennung  beigetragen. Das war eine große Zäsur. Sie ist viel tiefer als die Verwirklichung des Säkularismus in Europa.

Im Zuge der Säkularisierung (in Europa) erfolgte die Trennung der Religion von der Politik. Im Iran hat sich jedoch die Separierung des Glaubens von der religiösen Rechtslehre ereignet.

Heutzutage begegnet uns (im Iran) eine wachsende Generation, die zwar an Gott glaubt, sich jedoch um religiöse Pflichten nicht kümmert. Auch ihre Familien haben Verständnis dafür, dass ihre Kinder nur moralisch glauben.

Der Glaube verträgt sich mit Entwicklung. Die religiöse Rechtslehre jedoch kann je nach ihrer Ausprägung mit Entwicklung vereinbar sein oder auch nicht.

Ist die Scharia beweglich, bzw. hält sie Schritt mit den Bedürfnissen der Gesellschaft, dann ist sie mit Entwicklung kompatibel. Die religiöse Ideologie jedoch ist ohne Zweifel gegen Entwicklung.


 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://www.nedayeazadi.net/1399/03/32274
Publication date of original article: 16/06/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=29435

 

Tags: Die Islamische RepublikDie Islamische RevolutionTraditionEntwicklungPahlaviGlaubeScharia
 

 
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