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 30/10/2020 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / Wo bleibt die Revolution?
Date of publication at Tlaxcala: 24/05/2020

Wo bleibt die Revolution?

Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди

 

Jeder weiß inzwischen, dass die Coronamaßnahmen unverhältnismäßig sind. Jeder weiß inzwischen, dass die Wirtschaftskrise aufgrund der Verschuldung vor der Coronakrise schon da war. Jeder weiß inzwischen, dass die Coronamaßnahmen die Konzentration des Kapitals von unten nach oben in den Händen der Superreichen fördern. Jeder weiß, dass diese Herdenerziehung und zwangshafte Entpolitisierung der Massen und der sozio-wirtschaftliche Zusammenbruch nichts mit dem Virus zu tun haben, sondern mit den Maßnahmen, welche die Nationalstaaten ergriffen haben, um den Eliten der Superreichen und den Online-Riesen zu dienen.

Rosa Lux

 
Jeder weiß inzwischen, dass die Zahlen der Erkrankten nicht stimmen, dass die Statistiken falsch ausgelegt werden und es viel schlimmere Krankheiten als Corona gibt. Es sterben täglich 4.000 Menschen an Tuberkulose, einer einfach auszurottenden Krankheit, wenn man die richtigen Maßnahmen ergreift. Aber die Tuberkulose wird kaum beachtet, weil sie ja kein Problem der reichen Industrienationen, sondern wohl eher der armen Länder ist.
 
Die Kriege werden weitergekämpft, trotz und dank Coronakrise, weil sie teilweise aus dem Fokus der Mainstreammedien verschwinden. Die Herde soll sich um die Gesundheit der Nation kümmern, verhungern, wenn es sein muss, aber kritiklos der sozio-politischen Katastrophe entgegengehen. Das ethische Gebot lautet: Wir müssen dieses Virus bekämpfen, koste es was es wolle, Kollateralschäden wie Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Armen, Steigerung der Ungleichheit in der Gesellschaft, Förderung der leistungsunabhängigen Einkünfte, Reduzierung der Solidarität zwischen Menschen und Gemeinschaften, psychische Erkrankungen und Destabilisierung von Kindern, Verschärfung kriegerischer Auseinandersetzungen, Zunahme der Militarisierung, Einschränkungen der Grundrechte müssen hingenommen werden. Aber all diese Kollateralschäden werden hingenommen, weil der Mensch durch diese Tötung seiner sozialen Körperlichkeit, durch die Distanzierung von der Gemeinschaft und durch die Verwandlung in einen eingesperrten Herdenmenschen, einfach einen Grundimpuls vergisst, den Impuls der Revolution.

Etymologisch geht der Begriff Revolution auf einen astronomischen Begriff zurück, der eine umwälzende Bewegung beschreibt. Revolution hat sehr stark mit Dynamik zu tun und erlischt in den vier Wänden. Revolution braucht Bewegung, Bewegung nach draußen, und gerade die horizontale Segregation der Coronamaßnahmen erstickt diese dynamisch nach draußen, in die Welt.
 
Und diese Bewegung führt zum Austausch. Der Impuls zur Revolution entsteht in der physischen, körperlichen Gruppe. Die Revolution ist nicht nur dynamisch, sondern vor allem physisch, körperlich, sozial. Man denke an Sophie Scholl und ihre Gruppe, an das Zimmer mit der Schreibmaschine und an die Universität, in der die Flugblätter verteilt wurden.
 
Sie ist die Umsetzung einer Idee einer besseren Welt mit Hilfe einer radikalen Veränderung des Systems, in dem man gezwungen ist zu leben, eines Systems, das im Besonderen ungerecht ist und Menschen bevorzugt, die Einfluss durch Kapital gewinnen und den Massen diktiert, wo es lang geht und was sie zu tun haben: Zu Hause sitzen, den eigenen Beruf an den Nagel hängen, verarmen, sozial verkommen, um den Superreichen am Ende der „virologischen“ Krise zum finalen Machtdurchbruch zu verhelfen.
 
Die Schafe sind keine revolutionären Tiere. Sie haben auch kein geschichtliches Bewusstsein. Sie wissen nicht oder nicht mehr, wie Revolution aussieht und warum sie gerade jetzt so notwendig ist. Sie halten durch und bleiben zu Hause, entsozialisieren und entpolitisieren sich vollkommen.
 
Zum Thema Revolution und zur Möglichkeit ihrer Umsetzung finde ich das Zitat des stoischen Philosophen Seneca so prägnant, welcher meinte:
 
 
Wir müssen somit heute nach den Wahrheiten suchen, die nicht auf der Straße liegen, nach den Wahrheiten, die uns nicht gezeigt wurden, die von den Mächtigen unter den Tisch gekehrt wurden. Nur so ist Revolution möglich, im Hier und Jetzt. Eine Revolution bedeutet einen Paradigmenwandel, eine Neuordnung unserer ethischen und sozialen Vorstellungen, eine humanistische Orientierung der Arbeitswelt und eine menschenfreundliche, anti-rassistische und kosmopolitische Weltordnung, die jeglichen Nationalismus, jegliche Bevorzugung des Kapitals gegenüber dem Menschen verabscheut und für diese Veränderungen kämpft.
 
Eine Revolution ist dynamisch, körperlich und materialistisch. Sie ist nicht in den Köpfen der Menschen, sondern in ihren Bewegungen, in der Umwälzung sozio-wirtschaftlicher Zustände, die nicht mehr tragbar sind. Sie entsteht, weil sie das Verschwiegene ausgräbt und hinter die Kulissen sieht, die Wahrheit in der Dunkelheit wahrnimmt.
 
Die Revolution ist die Revolution der Menschheitsfamilie und nicht die Revolution einer Elite. Die Revolution kommt von unten. Sie ist nicht angeführt, sondern der Ausdruck einer utopischen Orientierung. Die Utopie zu materialisieren ist die Zielsetzung der Revolution, der dynamischen Umwälzung des Unrechts und der Selbstzerstörung, die das neoliberale Wirtschaftssystem mit sich bringt, indem es die Virologie für sich erobert und die Angstmache betreibt. Ein Vergleich zwischen Corona und Tuberkulose reicht aus, um die Wahrheit im Sinne Senecas aus der Unterdrückung ans Licht zu holen.
 
Und am Anfang jeder Revolution steht das Wort, denn wie Rosa Luxemburg so schön sagte:
„Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat.“
 




Courtesy of ProMosaik/Tlaxcala
Source: https://promosaik.blogspot.com/2020/05/wo-bleibt-die-revolution.html
Publication date of original article: 23/05/2020
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=29001

 

Tags: RevolutionRosa LuxDeutschland, bleiche MutterCoronavirus-Krise
 

 
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