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 19/10/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / „Lügt uns nicht schon wieder in einen Krieg hinein“
Die grosse Heuchelei
Date of publication at Tlaxcala: 21/09/2019
Translations available: فارسی 

„Lügt uns nicht schon wieder in einen Krieg hinein“
Die grosse Heuchelei

Jürgen Todenhöfer يورغين تودنهوفر یورگن تودن هوفر

 

Liebe Freunde,
die USA haben fast jeden ihrer Kriege mit Lügen begründet. Erinnert ihr euch noch an die frei erfundenen „Massenvernichtungswaffen“ des Irak? An die zum „Beweis“ vorgelegten amerikanischen Satellitenaufnahmen? Alles war erlogen. Wer traut noch den „Beweisen“ der USA?

WAR IRAN DER ANGREIFER?

War das von Atomwaffen umzingelte Land wirklich so dumm, in dieser aufgeheizten Situation ausgerechnet saudische Ölanlagen anzugreifen? Das Herz der Weltwirtschaft? Äußerst unwahrscheinlich!

Analysiert man die von den USA vorgelegten Satellitenbilder genauer, deutet vieles daraufhin, dass die Geschosse nicht, wie von den USA behauptet, aus dem Norden (Iran) oder dem Nordwesten (Irak) kamen, sondern aus dem Westen, wie sogar die New York Times inzwischen berichtet. Oder aus dem Südwesten. Der Südwesten würde auf die von den Huthis kontrollierten Gebiete im Yemen deuten. Sehr peinlich für die USA, aber auch peinlich für zahllose westliche Medien, die die leicht widerlegbare Propaganda der USA wieder einmal ungeprüft übernommen haben.

WAR ES DER JEMEN?

Kann der Jemen Drohnen oder Raketen über 1000 Kilometer ins Ziel bringen? Ich war vor anderthalb Jahren 3 Wochen lang in dem von der Außenwelt völlig abgeschlossenen Land. Im Landesinneren, in der Huthi-Hauptstadt Sana‘a und an der umkämpften Front zu Saudi-Arabien. Ich konnte unkontrolliert unzählige Gespräche führen. Mit Freunden und Feinden der Huthis.

Mein Fazit: Im Jemen stehen weder iranische Truppen, noch Hizbollah-Einheiten. Die Huthis sind keine „Stellvertreter“ des Iran. Sie kämpfen ihren eigenen, verzweifelten Krieg. Egal was die amerikanische Propaganda erzählt. Auch größere Waffen aus dem Iran kommen seit mehreren Jahren nicht ins Land. Die Blockade ist total. Ich musste auf dem Weg vom südlichen Aden ins nordwestliche Sana’a durch rund 100 schwer bewaffnete Checkpoints, deren Kämpfer alles durchsuchten.

Die Behauptung der USA, der Iran habe dem Jemen, trotz all dieser Checkpoints, riesige Mittelstreckenraketen geliefert, ist ein Ammenmärchen, das man nur deshalb erzählen kann, weil durch die saudisch-amerikanische Blockade Journalisten nicht mehr durchs Land reisen können. Und weil Lügen halt so praktisch sind.

Die Jemeniten sind inzwischen ein Volk der Bastler und Tüftler geworden. Sie bauen mit viel Geschick alte russische und nordkoreanische Waffen um. Kurzstreckenraketen zu Mittelstreckenraketen, Luft-Luft-Raketen zu Boden-Luft-Raketen usw. Das scheint nicht übermäßig schwer zu sein. Alle erforderlichen Infos gibt es im Internet.

Dass der Jemen Drohnen baut, bestätigen sogar die Saudis. Auch Drohnen mit großer Reichweite. Da werden einfach große Motoren aus anderen Waffensystemen eingebaut. Erst Anfang September griffen die Saudis nach eigenen Angaben im Jemen „ein Lager für Drohnen und Raketen“ an. Und töteten dabei wieder einmal über 100 Menschen.

Die Huthis könnten also sehr wohl die saudischen Erdölanlagen angegriffen haben. Ich sage bewusst „könnten“, weil auch ich nicht dabei war. Ein Motiv wäre allerdings leicht zu finden. Die von den Huthis kontrollierten Gebiete des Jemen werden von den Saudis seit Jahren gnadenlos bombardiert. Mit amerikanischen, britischen und leider auch mit deutschen Waffen. Ich habe diese mörderischen Bombardements in Sana’a selbst miterlebt. Mit dutzenden Toten. Außerdem werden die von den Huthis regierten Gebiete des Jemen systematisch ausgehungert. Zigtausende Zivilisten starben durch Bomben, 100.000 Kleinkinder verhungerten.

Darf man die ketzerische Frage stellen: Was ist mehr wert, saudisches Öl oder das Leben jemenitischer Kinder? In der unvorstellbaren Not, in der die Jemeniten leben, ist es schwer, von den Jemeniten eine maßvolle, rationale Verteidigung zu verlangen. Vor allem, weil sich auch Deutschland an der Zerstörung des Jemen durch Waffenlieferungen an Saudi-Arabien beteiligt hat.

Vielleicht glauben die Huthis, sie könnten die Saudis durch Angriffe auf das Zentrum ihres Wohlstands an den Verhandlungstisch zwingen. Irrsinn? Irrsinn verzweifelter Menschen, die sich gegen die völlige Vernichtung ihres Landes wehren?

GIBT ES EINE LÖSUNG?

Die USA haben mit ihren völkerrechtswidrigen Sanktionen den Jemen und den Iran ins Elend gestoßen. Sie haben versucht, diesen zwei stolzen Ländern die Würde zu nehmen. Solange die USA ihre rechtswidrigen Sanktionen nicht aufheben, wird die Lage im Mittleren Osten hochexplosiv bleiben. Jeden Tag kann ein großer Krieg ausbrechen, der die ganze Welt in Mitleidenschaft zieht.

Wenn Trump und Rohani nicht mehr miteinander sprechen können, müssen Vermittler an die Front. Früher war Merkel Wunschkandidat der Iraner. Aber das ist vorbei. Jetzt könnte Macron vermitteln. Er müsste Trump klar machen, dass es ohne Aufhebung der Sanktionen Krieg geben wird. Irgendwann. Und sei es durch eine „false flag action“ jener Staaten, die schon lange von einem Krieg gegen den Iran träumen.

Doch ein großer Krieg könnte Trump die nächste Präsidentschaft kosten. Das würde ihn härter treffen als jeder Krieg. Er kann diesen unberechenbaren Krieg zum jetzigen Zeitpunkt nicht wollen. Auch deshalb sage ich: Der Schlüssel zum Frieden im Mittleren Osten liegt in Washington. Wir können diesen Krieg durch Diplomatie verhindern. Doch die Uhr tickt.

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Courtesy of Jürgen Todenhöfer
Source: https://bit.ly/2kLaLLf
Publication date of original article: 17/09/2019
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=27050

 

Tags: US-.KriegeIranJemenUS-Sanktionen
 

 
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