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 17/10/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Uniter im Auslandseinsatz
Eine Schwarze Reichswehr unsererer Zeiten
Date of publication at Tlaxcala: 17/07/2019
Translations available: Français 

Uniter im Auslandseinsatz
Eine Schwarze Reichswehr unsererer Zeiten

German-Foreign-Policy.com

 

BERLIN/MANILA (Eigener Bericht) – Uniter“, ein privater Verein aktiver und ehemaliger deutscher Soldaten und Polizisten insbesondere aus Spezialeinheiten, hat seinen ersten Auslandseinsatz gestartet.

Wie die Organisation berichtet, hat sie ihre „Medical Response Unit“ auf die Philippinen entsandt; dort sollen - vor dem Hintergrund, dass in der Hauptstadt Manila „ein sehr hoher Anteil der Bewohner, vor allem in den ärmeren Gebieten, bewaffnet“ sei - unter anderem "gezielt Kenntnisse des Eigenschutzes trainiert" werden. Uniter ist wegen seiner Kontakte in die extreme Rechte sowie zu "Preppern" berüchtigt, die sich auf einen künftigen Kollaps der staatlichen Ordnung vorbereiten. Der seit 2016 auf den Philippinen regierende Präsident Rodrigo Duterte führt einen brutalen Anti-Drogen-Krieg, dem Tausende Drogendealer und -abhängige zum Opfer fallen. Seine Regierung wird deshalb international scharf kritisiert. Beobachter haben Uniter mit der „Schwarzen Reichswehr“ aus der Zeit der Weimarer Republik verglichen. Der Verein unterhält ein „Diplomatisches Korps“ und will seine Auslandsaktivitäten ausdehnen.

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Staatliche Morde

In den Philippinen, dem Land, in dem Uniter seine Auslandsaktivitäten gestartet hat, hat seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte am 30. Juni 2016 die Zahl der Morde, die von den staatlichen Repressionsapparaten begangen werden, dramatisch zugenommen. Bereits zur Zeit der Vorgängerregierungen wurden zahlreiche Morde an Regierungskritikern und kritischen Journalisten verübt; so wurden etwa allein in der Zeit von Juli 2010 bis September 2015 laut einer einheimischen Nichtregierungsorganisation mindestens 294 Aktivisten umgebracht.[1] Unter Duterte, der in seinem Wahlkampf vor allem auf die Themen Korruptionsbekämpfung, Verringerung der Kriminalität und Anti-Drogen-Krieg gesetzt hatte, wurden bereits im ersten Quartal nach seinem Amtsantritt rund 2.000 Drogendealer und -abhängige von Polizisten und Soldaten getötet.[2] Kritiker beklagen, die Konsolidierung von Dutertes politischer Macht sei von einer Erosion der - ohnehin nicht allzu stark gefestigten - philippinischen Demokratie begleitet worden.[3] Wegen der internationalen Kritik an den staatlichen Morden haben die Philippinen unter Duterte das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag aufgekündigt - als einer von bislang nur vier Staaten weltweit.[4]

Vortrag vor Nationalpolizisten

Im Februar 2019 besuchte mindestens ein Uniter-Mitarbeiter die Philippinen und hielt dort etwas südlich der Hauptstadt Manila einen Vortrag über den Verein vor einem gemischten Publikum, zu dem unter anderem Soldaten, Mitarbeiter privater Security-Firmen sowie mutmaßliche Mitglieder der Nationalpolizei zählten.[5] Die der französischen Gendarmerie ähnelnde und teils schwer bewaffnete Nationalpolizei ist in diverse Menschrechtsverbrechen verwickelt und auch mit deutschen Waffen ausgestattet. Die Philippinen gelten schon lange als „traditioneller Abnehmer“ von Schusswaffen etwa des deutschen Herstellers Heckler & Koch.[6] Zuletzt hat die Regierung in Manila im Mai dieses Jahres 42 Maschinengewehre des deutschen Typs MG3 erworben.[7] Zu den Teilnehmern der Uniter-Veranstaltung zählte unter anderem auch E.R. Ejercito, der frühere Gouverneur (2010 bis 2014) der südöstlich von Manila gelegenen Provinz Laguna. Ejercito wurde im April wegen Veruntreuung verurteilt und ist nun lebenslänglich davon ausgeschlossen, öffentliche Ämter auf den Philippinen auszuüben.[8]

„Eigenschutz trainieren“

Im Anschluss an die Schulung im Frühjahr südlich der philippinischen Hauptstadt kündigte Uniter Mitte vergangenen Monats seinen ersten größeren Auslandseinsatz an: Die „Medical Response Unit“ der Organisation brach auf die Philippinen auf. Offiziell ging es darum, „die Notaufnahmen der Krankenhäuser sowie den Rettungsdienst personell zu unterstützen“. Bei dem Einsatz „mit bis zu 50 Rettern“ sollten laut Uniter „gezielt Kenntnisse des Eigenschutzes trainier“ werden. Hintergrund sei, dass in Manila „ein sehr hoher Anteil der Bewohner, vor allem in den ärmeren Gebieten, bewaffnet“ sei; deshalb „werden unsere Medics mit einer Vielzahl an Verletzungsmustern in Berührung kommen, die in unserem europäischen Alltag eine eher untergeordnete Rolle spielen“. Der Auslandseinsatz sei ein „Riesenschritt in der noch jungen Vereinsgeschichte“.[9]

Uniter-„Diplomaten“

Uniter unterhält, wie ein Mitglied der Organisation bei einer Präsentation auf den Philippinen offenbarte, auch ein eigenes "Diplomatisches Korps" - offenbar ein Versuch, gezielt internationale Netzwerke zu Stellen fremder Staaten auszubauen. Uniter-Chef André Schmitt, Hauptfeldwebel und ehemaliger Kommandosoldat (german-foreign-policy.com berichtete [10]), hat sich mit einem Vertreter Israels vor der deutschen Nationalflagge für Pressebilder fotografieren lassen - einem Juristen zufolge mutmaßlich ein Verstoß gegen das Mäßigungsgebot für aktive Soldaten.[11] Nach Schmitts Israel-Besuch hieß es auf der Homepage des Vereins, es habe einen "Ausbau der [...] Präsenz in Israel" gegeben.[12] Laut seiner Facebook-Seite ist Uniter inzwischen auch in Äthiopien und Namibia präsent.[13]

„Eine Art Blackwater“

Laut Einschätzung eines ehemaligen Polizisten eines deutschen Sondereinsatzkommandos zielt Uniter darauf ab, "eine Art Blackwater" zu bilden. Gemeint ist das ehemalige US-Security-Unternehmen, das wegen seiner Verbrechen in Auslandseinsätzen - unter anderem diverse Morde im Irak - weltweit in Verruf geriet, mehrmals umbenannt wurde und heute unter dem Namen "Academi" firmiert. Bei seinen Auslandsaktivitäten kann der Verein auf Expertise aus früheren Ausbildungsmissionen deutscher Repressionskräfte im Ausland zurückgreifen. So hatte etwa Thomas B., der bei seiner Security-Firma des Öfteren Uniter-Mitglieder beschäftigt, ab dem Jahr 2005 Reisen nach Libyen unternommen, um dort als einer von rund 30 deutschen - aktiven wie auch nicht mehr aktiven - Beamten libysche Repressionskräfte auszubilden.[14] Damals waren das Auswärtige Amt und der Bundesnachrichtendienst über die Libyen-Aktivitäten der deutschen Beamten informiert.[15] Weitere Schritte über den Auslandseinsatz auf den Philippinen hinaus zeichnen sich bereits ab: So planen Söldnerfirmen mit Uniter-Verbindung mittlerweile Aktivitäten in Guinea.[16]

 Noten

[1] Peter Kreuzer: "If they resist, kill them all": Police Vigilantism in the Philippines. PRIF Report No. 142. Frankfurt am Main 2016.

[2] Philippinischer Präsident nennt Obama "Hurensohn". welt.de 06.09.2016.

[3] Aries Arugay: The 2019 Philippine Elections: Consolidating Power in an Eroding Democracy. boell.de 21.06.2019.

[4] Die anderen sind Burundi, Gambia und Südafrika.

[5] Sebastian Erb, Alexander Nabert, Martin Kaul, Christina Schmidt: Hannibals Reisen. taz.de 15.03.2019.

[6] Martin Sadongdong: PNP boosts capability after acquiring P1.871-B new equipment. news.mb.com.ph 06.05.2019.

[7] Roman Deckert: Heckler & Koch: G36 auf den Philippinen. bits.de April 2008.

[8] Ex-Laguna Gov. ER Ejercito found guilty of graft over anomalous insurance deal. news.abs-cbn.com 05.04.2019.

[9] UNITER Meilensteine (Teil 1). uniter-network.de [ohne Datum].

[10] S. dazu Ruhm und Ehre.

[11] Andreas Halbach, Tom Küpper, Heiko Rahms: Deckname Hannibal - Schattennetzwerk in der Bundeswehr. Frontal21, ZDF, 26.03.2019.

[12] Besuch bei Freunden. uniter-network.de [ohne Datum].

[13] Winterzeit ist Märchenzeit. facebook.com/Uniter.Verein/ 20.11.2018.

[14] Sebastian Erb, Alexander Nabert, Martin Kaul, Christina Schmidt: Hannibals Reisen. taz.de 15.03.2019.

[15] S. dazu Wiederbeginn.

[16] Sebastian Erb, Alexander Nabert, Martin Kaul, Christina Schmidt: Hannibals Reisen. taz.de 15.03.2019.

 





Courtesy of German-Foreign-Policy.com
Source: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7997/
Publication date of original article: 17/07/2019
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=26553

 

Tags: Uniter NetzwerkDeutsche SöldnerPruvate ArmeenPhilippinenDeutschland, bleiche Mutter
 

 
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