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 20/10/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / Die herrschenden Klassen gaben den Begriff der Nation auf und lieferten die politische Führung des Landes aus
Mário Maestri im Gespräch zu seinem neuen Buch „Revolution und Gegenrevolution in Brasilien: 1530-2018“
Date of publication at Tlaxcala: 01/04/2019
Original: Mário Maestri: classes dominantes renunciaram à ideia de nação e entregaram direção política do país
Entrevista sobre seu novo livro “Revolução e Contra-Revolução no Brasil: 1530-2018”

Translations available: Français  English  Italiano 

Die herrschenden Klassen gaben den Begriff der Nation auf und lieferten die politische Führung des Landes aus
Mário Maestri im Gespräch zu seinem neuen Buch „Revolution und Gegenrevolution in Brasilien: 1530-2018“

Marco Weissheimer

Translated by  Helga Heidrich
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Der Staatsstreich 2016 bedeutete die Überwindung einer halbkolonialen Situation in Brasilien hin zu einer „globalisierten neokolonialen“ Ordnung. In diesem Prozess verzichteten die nationalen Führungsschichten auf jeden Gedanken von Autonomie oder eines nationalen Projekts und übergaben die politische Ausrichtung des Landes an das Großkapital und den Imperialismus. Wir erleben ein allgemeines Zerbröckeln der Nation und die Unterwerfung der Arbeitswelt und der Bevölkerung in einen Zustand der Lohnsklaverei. Dies ist eine der zentralen Thesen des neuen Buches des Historikers Mario Maestri, „Revolution und Konterrevolution in Brasilien: 1530-2018“. (Coyoacan Sammlung), die am 5. April im Clube de Cultura in Porto Alegre lanciert wird.

 

Mário Maestri: "Wir erleben ein Zerfall der nationalen Institutionen". (Foto: Guilherme Santos/Sul21)

In einem Interview mit dem Sul21 definiert Maestri sein neues Buch als Lebensprojekt, vielleicht die theoretische Synthese seines Lebens als Historiker und Militanter. Eine der ersten Inspirationen des Werkes war die Wahrnehmung einer tiefen Denk- und Reflexionsschwäche über Brasilien, "besonders bei unserer Linken, die sich als marxistisch vorgab". "Das hat tiefe Wurzeln, die ich in dieser Arbeit versuche aufzuzeigen und zu untersuchen. Während dieser ganzen Zeit der Militanz habe ich immer versucht, meine Mitstreiter darauf hinzuweisen. Wir wussten alles über die kubanische Revolution, über die chinesische Revolution oder die sowjetische Revolution, aber wir wussten nichts über Brasilien. Wenn man einen gut ausgebildeten Militanten fragen würde, was die Regentschaft [1831-1840] war, könnte er nicht viel darüber sagen", betont er.

Das Leitmotiv der Maestri-Analyse ist die Idee der nationalen Autonomie. Durch sie versucht er, die Widersprüche und sozialen Auswirkungen zu sehen, die wir in unserer Geschichte erlebt haben (und weiterhin erleben). Sklaverei, so hält er fest, ist die Struktur, auf der die brasilianische Gesellschaftsordnung konsolidiert ist, mit Auswirkungen bis heute. „Bis 1822 waren wir im Grunde genommen eine Kolonie. Dann wurden wir zu einem halbkolonialen Land, mit politischer Unabhängigkeit, aber ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit“. Nach Versuchen, ein nationales Projekt aufzubauen, mit Getúlio Vargas und, in verstümmelter Form, mit nationalen entwicklungspolitischen Maßnahmen in den folgenden Jahrzehnten, erreichte Brasilien eine Situation, in der es nicht nur die Absicht einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit aufgibt, sondern auch auf seine eigene politische Unabhängigkeit verzichtet, wie es der Historiker beteuert.

„Das ist vielleicht die theoretische Synthese meines Lebens.“ (Foto: Guilherme Santos/Sul21)

Sul21: Der Titel Ihres neuen Buches „Revolution und Konterrevolution in Brasilien (1530-2018)“ scheint auf ein ehrgeiziges Projekt hinzudeuten. Wie entstand dieses Werk und welche Interpretation will es über fast fünf Jahrhunderte brasilianischer Geschichte geben?

Mário Maestri: Es ist ein Lebensprojekt. Vielleicht ist es die theoretische Synthese meines Lebens. Ich bin ein Kind der Diktaturjahre. Ich war kaum mehr als ein Jugendlicher, als das Militärregime in Brasilien etabliert wurde. Ich habe mein Universitätsleben mit einem Ingenieurstudium begonnen. Aber in den Ingenieurskursen las ich immer wieder Geschichte. In der Liebe zur Geschichte wechselte ich schließlich die Kurse. Ich habe hier in Porto Alegre am Kampf gegen die Diktatur teilgenommen, bereits während des Studiums der Geschichte auf der UFRGS [Bundesuniversität von Rio Grande do Sul]*. Ich wurde verhaftet, als ich Sprüche auf eine Mauer geschrieben habe. Ich wurde sogar in der Alto da Bronze [Stadtteil Porto Alegres, wo sich das Militärgericht befand] verurteilt. Ich sollte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt werden, weil ich eine Wand bekritzelt hatte. Ich wurde schließlich mangels Beweise freigesprochen.

Sul21: Erinnerst du dich an den Inhalt der Graffitis?

Mário Maestri: Wir graffitierten zwei Sachen. Eine davon war "Raus Rockefeller!" Die andere verlangte die Verstaatlichung der PUC [Katholische Universität]*. Die "Verstaatlichung der PUC" galt nicht als Verbrechen, im Gegensatz zu der über Rockefeller. Da sie nicht wussten, wer was graffitiert hatte, wurde ich weggeschickt. Als die Situation wirklich heikel wurde, flüchtete ich nach Chile, wo ich mein Studium fortsetzte. Ich habe aktiv an der chilenischen Revolution teilgenommen. Es war ein Privileg, etwas, das mein Leben tief geprägt hat. Ich habe die drei Jahre Allendes in Chile verbracht. Ich wollte dortbleiben, aber dann geschah der Putsch. Ich nahm an dem Versuch teil, dem Putsch Widerstand zu leisten, aber am Ende nahm ich mit Müh und Not Zuflucht in der mexikanischen Botschaft. In diesem Prozess ließen sie uns nicht in Mexiko bleiben. Ich habe einen Pass zusammen mit meiner damaligen Partnerin bekommen, um nach Jugoslawien zu reisen. Als wir in Belgien ankamen, stiegen wir aus und baten um Zuflucht. Dort beendete ich mein Studium der Geschichte. Ich bin in der Endzeit der Diktatur nach Brasilien zurückgekehrt und habe mich damals für die Convergência Socialista [Sozialistische Konvergenz, Trotskisten] engagiert. In diesem Zusammenhang begann ich diesen Prozess der Reflexion über die brasilianische Gesellschaftsordnung. Was ich vom ersten Moment an spürte, war unsere tiefe Schwäche des Denkens und der Reflexion über Brasilien, besonders von unserer Linken, die sich als marxistisch verstand. Dies hat tiefe Wurzeln, die ich versuche aufzuzeigen und in dieser Arbeit zu untersuchen. Während dieser ganzen Zeit der Militanz habe ich immer versucht, meine Mitstreiter darauf aufmerksam zu machen. Wir wussten alles über die Kubanische Revolution, die Chinesische Revolution oder die Sowjetische Revolution, aber wir wussten nichts über Brasilien. Wenn man einen gut ausgebildeten Militanten fragen würde, was die Regentschaft ist, könnte er nicht viel sagen.

"Sklaverei ist die Struktur, auf der Brasilien konsolidiert ist." (Foto: Guilherme Santos/Sul21)

Es ist nicht so, als wäre es zwingend erforderlich, darüber Bescheid zu wissen. Der Punkt ist, dass es in unserer Gesellschaftsordnung Elemente gibt, die bestimmte Praktiken bis heute bestimmen. Diese Elemente sagen, was wir sind. Wir sind ein Zusammenschluss von Staaten, die sich mit tiefgreifenden Widersprüchen vereint haben, die weiterhin bestehen, die sich radikalisieren und sich im Alltag präsentieren. Seit langem arbeite ich vor allem als Historiker auf dem Gebiet der Sklaverei, nicht wegen des ethnischen Aspekts, sondern wegen des Klassenaspekts.

Sklaverei ist die Struktur, auf der Brasilien konsolidiert ist. In Ländern wie Frankreich und Italien liegt die Entstehung des Kapitalismus im Feudalismus, im Bauernstand. Unsere Wurzeln sind Sklaven. Es ist eine ganz andere Formation. All dies wurde praktisch ignoriert. Unsere Linke begann, im Allgemeinen 1930, Brasilien zu analysieren, als sich die Kategorien des Kapitalismus und der Idee des Nationalstaates zu konstituieren begannen. Bis dahin gab es eine Föderation. Wir waren aus Rio Grande do Sul, Rio de Janeiro, Pará, Pernambuco, Minas Gerais, etc., aber wir waren nicht wirklich Brasilianer.

Mein Anliegen war es immer, mich auf eine strukturellere Reflexion hinzubewegen. Ich bin seit etwas mehr als einem halben Jahrhundert in dieser Militanz und habe dieses Buch während dieser Zeit aufgebaut. Ich habe es, teilweise, mehrmals vorgestellt. Viele dieser Überlegungen wurden z.B. in den Fortbildungskursen für die MST [Bewegung der Landlosen Agrararbeiter] zur Jahrtausendwende vorgestellt. Andere gehörten in den letzten fünf oder sechs Jahren zum Kern meiner Promotionskurse.

Sul21: Welcher ist der rote Faden dieser Reflexion über die brasilianische Gesellschaftsordnung?

Mário Maestri: Ich habe versucht, dieses Werk um eine zentrale Achse zu strukturieren: das Problem der nationalen Autonomie. Es geht nicht darum, eine nationale Vision unseres historischen Prozesses präsentieren zu wollen. Durch die Frage der nationalen Autonomie versuche ich, die sozialen Widersprüche und die sozialen Auswirkungen, die wir leben, zu sehen. Bis 1822 waren wir im Grunde genommen nur ein Kolonialstaat. Dann wurden wir zu einem halbkolonialen Land, mit politischer Unabhängigkeit, aber ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die Republik selbst ändert diese Realität trotz der abolitionistischen Bewegung nicht grundlegend. Die semi-koloniale Struktur bleibt erhalten. Der erste Versuch, mit dieser halbkolonialen Struktur zu brechen, war die Periode der Industrialisierung unter Getúlio Vargas [Präsident 1930-1945 und 1951-1954]. Zu der Zeit gab es einen Rückzug aus dieser halbkolonialen Situation und eine Tendenz zur nationalen Autonomie unter der Herrschaft der nationalen Bourgeoisie.

Das bedeutet nicht, dass dieser Prozess, wie von einigen vorgeschlagen, zur Emanzipation der unterdrückten Klassen geführt hat. Aber es gab einen Fortschritt und eine Stärkung der nationalen Autonomie und der industriellen Klassen selbst, ein Prozess, der die folgenden Jahre bis 1964 beeinflussen wird. Wir haben hier den Kampf zwischen dem so genannten nationalen Entwicklungskonzept, das sich auf den Binnenmarkt konzentriert und vom internen Kapital unterstützt wird, und den imperialistischen Segmenten, die sich auf die Exportorientierung der Wirtschaft, auf den Export konzentrieren. Dies ist ein äußerst wichtiger Moment. Ich diskutiere in dem Buch, warum die Arbeiter in diesem Moment keine Autonomie erreichen konnten, ich meine wegen der Abhängigkeit vom Populismus und der kolaborationistischer Vision des PCB ]Kommunistische Partei Brasiliens].

Diese Elemente sind nicht die Hauptverantwortlichen für das Geschehene, aber sie erschwerten es den Arbeitern, sich selbst als Alternative zu betrachten, zu einer Zeit, in der die brasilianischen herrschenden Klassen auf jeden Plan verzichten, Meister der Nation zu werden, selbst im Rahmen einer autonomen bürgerlichen Revolution.

Sul21: Sie lassen jede Idee eines nationalen Projekts fallen….

Mário Maestri: Genau. Das alles verschwindet. Der Putsch ist ein weiterer jener Versuche, die seit dem Selbstmord Getulios, eine liberale Politik durchzusetzen, gescheitert sind. Diese Vision gewinnt, zunächst mit Castello Branco, aber 1967 gibt es einen Coup innerhalb des Coups. Dann kehrten wir zu einer nationalen Entwicklung zurück, die sich nicht mehr auf den Binnenmarkt konzentrierte, wodurch die Arbeitnehmer so weit wie möglich ausgebeutet werden konnten. Von da an hatten wir eine Entwicklungsdiktatur, die wir damals nicht verstanden haben. Nicht nur, dass wir es nicht verstanden haben, sondern wir waren auch nicht besorgt darüber. Dieser Prozess scheitert jedoch aus wirtschaftlicher Sicht. Und wenn sie scheitert, wird die Vision der nationalen Autonomie völlig aufgegeben.

Der Prozess der Internationalisierung und Entnationalisierung der Wirtschaft nimmt im Land zu. Hier in Rio Grande do Sul war das schrecklich. Wir hatten zum Beispiel eine kleine Industrie von landwirtschaftlichen Geräten, die alle von internationalen Konzernen gekauft oder übernommen wurden.

Sul21: Bis wann geht deine Analyse im Buch?

Mário Maestri: Ich komme bis 2018. Der Imperialismus, das große hegemoniale Kapital, schafft die Voraussetzungen für die Zerstörung jeder Spur von Autonomie des Nationalstaates. Es ist kein halbkoloniales Regime mehr. Es ist eine Ordnung, die ich als Kolonialglobalisierung bezeichne, in der die nationalen herrschenden Klassen nicht einmal mehr politische Souveränität haben. Diese Souveränität fällt auseinander. Dieser Prozess wird nicht nur hier in Brasilien, sondern auch in Ländern wie Griechenland und Italien erlebt. In Italien hat die Regierung nicht mehr das Recht, ihren eigenen Haushalt festzulegen. Es ist die Europäische Zentralbank, die den Haushalt festlegt. Vielleicht erleben wir es hier in Brasilien auf eine gewalttätigere Weise.

Wir erleben ein Zerfall der nationalen Institutionen. Dies geschieht auf der Ebene der Medien, die vollständig internationalisiert ist, der Bildungseinrichtungen, der Finanzen des Landes, über die wir keine Autonomie mehr haben, und des STF [Oberster Gerichtshof] selbst. Selbst wenn es sich um ein bereits kompromittiertes Organ handelt, werden wir in der nächsten Zeit einen Angriff auf den STF erleben, wie er in Kolumbien stattgefunden hat. Das Gleiche gilt für das Parlament, das nicht mehr als nationales Organ agiert. Es handelt sich um einen Körper, der von Interessensnischen durchzogen ist, die sich wenig um die nationale Frage kümmern.

Sul21: Und welche Haltung hat das Militär in diesem Prozess der Aufgabe irgendeines Anspruchs auf ein nationales Projekt?

Mário Maestri: Das Militär, das 1967 den Putsch innerhalb des Putsches ausübte, repräsentierten das Kapital von São Paulo und reagierte auf Castello Branco, der ein Mann der USAmerikaner und Verteidiger einer Öffnung des nationalen Marktes war. Das Kapital São Paulos wollte eine nationale Entwicklung durch ein schreckliches Knebeln der Arbeiter. Dieses Kapital wurde im Laufe der Jahre zerschlagen und zerstört. Einer der Faktoren, die diesen Prozess beeinflussen, ist die widerstandslose Zerstörung des brasilianischen Monopolkapitals. Die Vereinigten Staaten zerstörten den Irak, um ihr Öl zu holen. Es war nicht notwendig, dies hier zu tun. Die großen Bauunternehmer, die 1930 mit der Getulistischen Entwicklung und später mit JK [Juscelino Kubitschek, Präsident 1956-1961] auftauchten, machten sich geltend und begannen, das USamerikanische Hegemonialkapital zu belästigen. Was geschah: Sie wurden ohne Widerstand demontiert und zerstört. Dasselbe geschieht mit dem Banco do Brasil und Petrobras. Der Kauf von Embraer durch Boeing ist ein weiteres Beispiel.



„Einige Sektoren des Kapitals sind verängstigt. Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, die Soja-Exporte nach China zu reduzieren“. (Foto: Guilherme Santos/Sul21)

Das Monopolkapital in Brasilien wurde zerstört. Was uns erwartet, ist eine unterentwickelte Industrie. Dieser Prozess der Zerstörung ist notwendig für den USamerikanischen Imperialismus, der mit dem chinesischen Imperialismus bis zum Tod kämpft. Es gibt keinen hegemonialen Raum auf der Welt für zwei Imperialismen. Um China zu besiegen, müssen die Vereinigten Staaten Russland beseitigen und eine wirtschaftliche Isolationssperre schaffen. In Brasilien sehen wir jetzt einige Neuanpassungen. Einige Bereiche des Kapitals sind verängstigt. Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, die Soja-Exporte nach China zu reduzieren. Sojaproduzenten, praktisch alle von der extremen Rechten, beginnen, sich der Lage bewusst zu werden. Eine bestimmte Reaktion beginnt sich bemerkbar zu machen, aber es ist keine nationale Reaktion. Das sind besondere Interessen, die betroffen sind. Ich definiere diese Zeit, in der wir leben, als eine globalisierte neokoloniale Ordnung.

Sul21: Angesichts dieses Szenarios, was ist nach Ihrer Einschätzung die Perspektive eines Widerstands gegen diesen Prozess der Zerstörung irgendeiner Idee oder irgendeines Projekts der nationalen Autonomie?

Mário Maestri: Wir haben keine Volkswirtschaft mehr, aber ich denke, wir haben immer noch etwas Respekt vor den nationalen Räumen. Die Verteidigung dieser Räume kann nur durch Lohnempfänger und die organisierte Arbeiterklasse erfolgen. Das Paradoxon ist, dass Brasilien über den Raum, den Reichtum und die Technologie verfügt, um dieser neokolonialen Globalisierung autonom zu widerstehen. Russland, das ein Land ähnlich wie Brasilien ist, tut dies. Das Ideal wäre eine internationale Artikulation, beginnend mit Lateinamerika, um diesen Widerstand zu verstärken. Chávez hat sogar einige Vorschläge in diese Richtung geprobt, wie z.B. den der lateinamerikanischen Bank. Der einzige Weg ist, dass die Arbeiter diese Artikulation wiederaufnehmen müssen. Die brasilianischen herrschenden Klassen haben keine Peilung mehr was die Verteidigung eines Projekts der nationalen Autonomie betrifft.

*[Anmerkungen der Übersetzerin oder des Herausgebers]

 

Mário Maestri

Revolução e Contra-Revolução no Brasil (1530-2018)

Editora FCM, Porto Alegre/RS, 2019

412 páginas

Versão impressa  R$ 46,82

Versão ebook  R$ 13,99

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Courtesy of Tlaxcala
Source: https://www.sul21.com.br/areazero/2019/03/mario-maestri-classes-dominantes-renunciaram-a-ideia-de-nacao-e-entregaram-direcao-politica-do-pais/
Publication date of original article: 25/03/2019
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=25701

 

Tags: Revolution u. Konterrevolution BrasilienMário MaestriKlassenkampfGeschichte BrasiliensSklaventum BrasilienAbya Yala
 

 
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