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 11/12/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UMMA 
UMMA / Die notwendige Veränderung im Umgang mit den islamischen Gottesdiensten
Date of publication at Tlaxcala: 07/11/2018
Original: تحول لازم در اجرای عبادات

Die notwendige Veränderung im Umgang mit den islamischen Gottesdiensten

Mouloud Bahramian مولود بهرامیان

Translated by  Hamid Beheschti حميد بهشتي

 

Auszug aus einem Gespräch mit dem iranischen Theologen und Philosophen  Mohammad Modschtahed Schabestari, Autor und Professor an der Universität Teheran

Welche könnten die Anzeichen einer Krise der religiösen Rechtsfindung im Bezug auf Gottesdienste sein?

Ich bin davon überzeugt, dass sich auch Gottesdienste* einer Revision unterziehen müssen. Wir haben in diesem Rahmen nicht genügend Zeit, das zu vertiefen. Einen Punkt möchte ich nur erwähnt haben: Meiner Meinung nach sollten wir hinsichtlich Gottesdiensten die Ebene der Unerlässlichkeit (arabisch: „وجوب“) verlassen und sie durch Empfehlung ersetzen. Dieser Begriff, wonach es unerlässlich ist, mittags auf eine bestimmte Art zu beten oder zu fasten, hat meiner Meinung nach seine Geltung eingebüßt. Man kann die Gottesdienste als eine Reihe körperlich, geistig-seelischer Beschäftigungen empfehlen, die die geistige Erhöhung begünstigen. Unter Berücksichtigung moralischer Werte und moralischen Tuns rufen diese Gottesdienste bei vielen Menschen die seelische Reinigung hervor und führen zu ihrer geistigen Erhöhung. Das, was nach meinem Verständnis die Grundlage für die Annäherung an Gott ist, ist das Handeln nach Werten. Edel ist das Gemüt und nicht sich zu beugen und wieder aufzurichten. Das Gemüt und die moralische Struktur zu ändern, soll man empfehlen. Wenn in der moralischen Struktur keine Veränderung erfolgt, dann kann man auch mit tausendmaligem Gebet nichts erreichen. Alles, was im Moment praktiziert wird, auch die Würdigung der Gottesdienste, lehne ich ab. Stattdessen sollte eine moralische und humane Orientierung empfohlen werden. Und die Empfehlung zu Gottesdiensten soll erst danach kommen und zwar ohne das Etikett der Pflicht.

Meinen Sie also, dass Gottesdienste als geistig-seelische Techniken notwendig sind und nicht unerlässlich?

Ich vermeide Auslegungen, die Gottesdienste als Pflicht betrachten. Lassen Sie mich dies an einem Beispiel  erläutern. Wenn ein Kind zu essen abgeneigt ist, sagen ihm ihre Eltern: Wenn du nicht richtig isst, wirst du später krank, und deine Knochen werden brüchig. Dasselbe Verständnis, das zur Erlangung geistig-seelischen Gleichgewichts dient, ist im Umgang mit Gottesdiensten zu empfehlen und nicht den, der eine Art der Verpflichtung und des Ertragens impliziert. Die wichtigste Wandlung, die in diesem Bereich vollzogen werden soll, liegt in der Vermeidung von Pflicht und Zwang.

Man sollte den Menschen sagen, wenn ihr in der Lage seid, diese Tätigkeiten so zu praktizieren, wie es in der Natur der gottesdienstlichen Tätigkeiten liegt, d.h. mit entsprechender Überzeugung, mit Demut und einer gesunden moralischen Haltung, die dafür notwendig sind, und wenn ihr in der Lage seid, derart zu leben, sollt ihr sie ausüben. Aber wenn ihr aus welchem Grunde auch immer nicht dazu fähig seid, dann praktiziert sie, soweit ihr es könnt.

Viele in unserer Gesellschaft sind aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, sich die dafür notwendigen Voraussetzungen anzueignen. Die Empfehlung für sie sollte lauten: Soweit ihr könnt, sollt ihr eure Verbindung zu Gott nicht abbrechen lassen; tut dafür, was ihr könnt. Nach meinem Dafürhalten ändert kein Befehl von Oben etwas daran. Die Empfehlung für sie soll lauten: Wenn ihr nicht in der Lage seid, z.B. die obligatorische Gebete oder das dreißigtägige Fasten in Ramadan mit entsprechender moralischer und geistiger Bereitschaft zu praktizieren, dann tut stattdessen leichtere Tätigkeiten. Du sollst aber nicht gesündigt haben und büßen müssen, wenn du die Gebete nicht verrichtest oder nicht gefastet hast.

Ein anderer Punkt ist, dass ich den gewöhnlichen Aufruf zur Teilnahme an offiziellen Gottesdiensten, die als Verpflichtung deklariert werden, in der Krise sehe. Es gibt viele Menschen, die in Verlegenheit geraten und diese Tätigkeiten in der Öffentlichkeit ausüben, jedoch bei sich nicht praktizieren. Dieser Umstand hat zur Doppelmoral und Heuchelei geführt. Wie vorhin gesagt, wenn der Gottesdienst als Empfehlung empfunden wird, entstehen innerhalb von Familien deswegen keine Auseinandersetzungen mehr …, dann wird niemand mehr aus Heuchelei beten und entsprechend ihrer Bereitschaft werden Gottesdienste praktiziert.

Ich verstehe Ihre Ausführungen so, dass Sie den verpflichtenden Umgang mit Gottesdiensten hinter sich gelassen haben.

Ja, ich denke über die Pflicht-Kategorie genauso. Meiner Meinung nach sind die Verse im Koran, die den Begriff Verpflichtung (arabisch: تکلیف) beinhalten, keinesfalls wörtlich oder religiös-rechtlich zu verstehen. Dieses Wort hat semantisch und religiös-rechtlich eine historische Herkunft, die sowohl politisch und gesellschaftlich als auch aus der Sicht, Gott habe den Menschen eine Reihe ewige Gebote auferlegt …, zu verstehen ist. Ich bestreite jedoch nicht, dass einzelne Personen in einer kontemplativen Beziehung zu Gott durch Verpflichtungen seelische Erhöhung erfahren. Das soll jedoch von der Verpflichtung, die in der religiösen Lehre vertreten und verbreitet ist, getrennt werden.

Mohammad Motschtahed Shabestari (r.) mit Mouloud Bahramian

Anm. d. Übers.

Mit Gottesdienst (ibada عبادة) werden alle Handlungen des Menschen bezeichnet, die mit der Absicht für Gott vollzogen werden. De facto ist aber in der islamischen Rechtslehre „ibada“ zum Begriff für rituelle Handlungen geworden. (das sind das täglich fünfmalige Pflichtgebet, das Fasten im Monat Ramadan, die Wallfahrt nach Mekka und die Pflichtabgabe); In Anlehnung an: Falaturi, Twaruschka in „Der Islam in Unterricht“, Diesterweg 1996, S.: 37





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=24542
Publication date of original article: 07/12/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=24543

 

Tags: Islamisches GottesdienstReformShabestari
 

 
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