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 23/10/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 CULTURE & COMMUNICATION 
CULTURE & COMMUNICATION / Aisha Meier Chaouki: „Wir brauchen mehr Pädagogik für die muslimischen Länder“
Date of publication at Tlaxcala: 23/09/2018
Translations available: عربي 

Aisha Meier Chaouki: „Wir brauchen mehr Pädagogik für die muslimischen Länder“

Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди

 

Aisha Meier-Chaouki ist Islamwissenschaftlerin und Hispanistin und arbeitet als freiberufliche Korrektorin, Lektorin, Übersetzerin (Englisch, Spanisch, Arabisch > Deutsch) und Autorin. 1997 konvertierte sie zum Islam. Gespräch.

Milena Rampoldi: Was bedeutet der Islam für Sie?

Aisha Meier-Chaouki: Der Islam ist für mich eine Religion und ganzheitliche Lebensweise, die durchaus mit unterschiedlichen Kulturen kompatibel ist, so dass man als Konvertit seine bisherige Lebensweise nicht komplett aufgeben, sondern nur ein wenig ändern muss. Der Islam kann einem zu inneren Frieden verhelfen, sofern man ihn richtig praktiziert. Für mich persönlich war es die beste Entscheidung meines Lebens, zum Islam zu konvertieren. Ich habe sie noch nie bereut.

Wie sehen Sie die Stellung der Konvertiten in den muslimischen Gesellschaften und in ihren Herkunftsgesellschaften?

In den muslimischen Ländern, die ich bisher bereist habe, wurde ich als Konvertitin stets willkommen geheißen. Die meisten geborenen Muslime freuen sich riesig, wenn jemand aus dem „Westen“ zum Islam konvertiert. Zwar gibt es bisweilen auch Skepsis, ob man denn auch wirklich ein echter Muslim sei, aber oft habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass geborene Muslime davon ausgehen, dass Konvertiten sich intensiv mit der Religion beschäftigt haben und daher sogar vielfach mehr wissen als geborene Muslime.

Die Situation der Konvertiten in ihren westlichen Herkunftsländern dürfte bekannt sein. Oft haben sie mit Ablehnung oder Rassismus zu kämpfen, werden von der eigenen Familie zurückgewiesen, fühlen sich plötzlich wie Fremde im eigenen Land. Natürlich gibt es auch viele Ausnahmen, aber im Allgemeinen hält sich die Begeisterung doch sehr in Grenzen, wenn jemand zum Islam konvertiert. Ich denke, dass man hier ganz einfach durch Freundlichkeit schon viel erreichen kann, um den Leuten die Angst vor dem Islam zu nehmen.

Kalligrafie von Abdellatif Koussani, Tunis

Wie wichtig ist die Pädagogik heute für die neue Generation der Muslime und warum?

Ich denke, Pädagogik war immer wichtig und wird es auch immer sein. Der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – selbst hat ja bereits Pädagogik angewandt, als er seinen Gefährten den Islam beibrachte. Es war ihm zum Beispiel wichtig, dass sie zunächst die Grundlagen der Religion verstehen und die Einheit Gottes verinnerlichen, bevor sie die Details lernen. Oft hat er auch Gleichnisse benutzt, um Dinge zu veranschaulichen. Leider wird in vielen islamisch geprägten Ländern heutzutage an den Schulen wenig Wert auf Pädagogik gelegt. Vielfach ist Frontalunterricht und stures Auswendiglernen angesagt. Möglicherweise ist dieser Mangel an Pädagogik – zumindest teilweise – mit verantwortlich für die gegenwärtige Situation der islamischen Länder.

Mit welchen Themen haben Sie sich im Besonderen in Ihren Schriften und Übersetzungen auseinandergesetzt?

Ich habe ein Buch über das Kopftuch und die Bekleidung der muslimischen Frauen geschrieben, weil ich von einem Verlag darum gebeten wurde. Außerdem eine kurze Einführung in den Islam, aus dem gleichen Grund. Aus dem Arabischen übersetzt habe ich ein Buch über die Ethik von Schülern – also wie man sich gegenüber seinem Lehrer verhalten sollte, wie man beim Lernen vorgehen sollte usw. (Bakr, Abu Zayd: Das Benehmen eines Schülers. Heidelberg: Darulkitab 2017).

Außerdem bin ich Teil eines Teams von Übersetzern, die den Tafsir von as-Sa‘diyy übersetzen. Aus dem Englischen habe ich auch hauptsächlich Bücher zu verschiedenen religiösen Themen übersetzt, aber auch ein Buch über Schizophrenie, das mit dem Islam gar nichts zu tun hatte. Aus dem Spanischen habe ich diverse kurze Texte zu ganz unterschiedlichen Themen übersetzt, aber leider noch nichts zum Thema Islam. Ich hoffe, dass sich dazu noch Gelegenheit bieten wird. Mein besonderes Interesse gilt geschichtlichen Themen, auch in diesem Bereich habe ich bereits einige Bücher übersetzt beziehungsweise Korrektur gelesen.

Wie wichtig ist die Übersetzung heute für den Islam?

Sehr wichtig, denn es gibt so viele Muslime, die des Arabischen nicht mächtig sind. Heutzutage wird Islam-Literatur in nahezu allen Sprachen benötigt.

Wie können islamische Grundsätze heute Rassismus und ethnische, kulturelle und religiöse Diskriminierung bekämpfen?

Im Islam gibt es (eigentlich) keinen Rassismus. Der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – hat deutlich gemacht, dass ein Araber nicht besser ist als ein Nichtaraber, ein Weißer nicht besser als ein Schwarzer usw. Er hat gesagt, dass die Menschen sich vor Gott nur aufgrund ihrer Gottesfurcht unterscheiden. Leider sieht es in der Praxis oft anders aus, wenn z. B. muslimische Eltern für ihr Kind keinen Ehepartner aus einem anderen Land möchten. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Im Koran und in den Hadithen finden sich reichlich Belege dafür, dass es im Islam keinen Rassismus und keine ethnische, kulturelle oder religiöse Diskriminierung geben darf.

 





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Publication date of original article: 23/09/2018
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=24137

 

Tags: IslamÜbersetzungAisha Meier-Chaouki
 

 
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