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 18/09/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 AFRICA 
AFRICA / Jenseits der Mauer
Der Schmerzensschrei eines Saharauis, gerichtet an Horst Köhler
Date of publication at Tlaxcala: 28/06/2018
Original: Más allá del Muro
El grito de dolor de un saharaui, dirigido al ex presidente alemán Horst Köhler


Jenseits der Mauer
Der Schmerzensschrei eines Saharauis, gerichtet an Horst Köhler

Haddamin Mouloud Said حدامين مولود سعيد

 

Geschrieben anlässlich des ersten Besuchs des Persönlichen Gesandten des UN-Generalsekretärs für die Westsahara, Horst Köhler, im besetzten Gebiet

Das Territorium “Jenseits der Mauer“, des TV‐Fantasy Dramas “Spiel der Throne“, das auf einem Roman des nordamerikanischen Schriftstellers George R.R. Martin beruht, wird von seltsamen Lebewesen bewohnt. Da ist die dreiäugige Krähe, eine mysteriöse Gestalt, die als Medium in längst vergangene Zeiten führt. Da stehen die heiligen Wehrbäume mit ihren roten Blättern und weißen Stämmen. Als Symbole des Glaubens der Ahnen rufen sie zum Gebet. Die Mantikore sind aggressive Geschöpfe mit menschlichem Kopf, einem zinnoberfarbenen Fell eines Löwen und dem Schwanz eines Skorpions. Da ist auch der legendäre Krake, ein Kopffüßler, ein gigantisches Meeresungeheuer, das Walfangboote zum Kentern bringt.

Wir kennen aber weder den Salzgehalt des dortigen Trinkwassers, noch wissen wir um den Toxizitätsgrad, der von der Bevölkerung verzehrten Nahrungsmittel. Es gibt keinerlei Hinweise über den Strahlungsgrad der Geräte, Ausrüstungen und Anlagen, welcher die Menschen dort ausgeliefert sind. Es gibt auch keine Angaben über die Sicherheit der Stromversorgung oder über den Stand des damit generierten elektromagnetischen Feldes.

Es gibt keinerlei Daten über die Art der Impfungen, die den Kindern verabreicht werden. Wir wissen noch nicht einmal, ob sie geimpft werden oder nicht. Es gibt keine Information, inwieweit die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation angewendet werden. Wir haben keine Ahnung, ob die Vorschriften der WHO in Bezug auf Schwangere und Neugeborene umgesetzt werden oder nicht.
Wir wissen auch nicht, welche Art von Erziehung dieser Bevölkerung zukommt. Wir wissen nichts über die Einschulung der Jungen und der Mädchen. Auch haben wir keine Angaben über die berufliche Aus‐ und Weiterbildung.

Zusammengefasst: Wir haben nicht die leiseste Ahnung darüber, auf welchem Entwicklungsstand, sei es politisch, sozial, wirtschaftlich, kulturell, wissenschaftlich, technologisch, sich das Territorium von „Jenseits der Mauer“ im “Spiel der Throne“ von George Martin, befindet.

Glauben Sie mir bitte, dieses “Game of Thrones“ ist nicht nur Science‐Fantasy, nein.

Das Gebiet “Jenseits der Mauer“ in der marokkanischen Version des Spiels heißt Westsahara. Die Lage dort ist eine exakte Reproduktion der Lage im Gebiet von “Jenseits der Mauer“ in den Staffeln der amerikanischen TV‐Fantasy‐Serie “Game of Thrones“. Einzig, die Realität im Westen von Afrika übertrifft die Fiktion des US-amerikanischen Autors George R.R. Martin.

Regierungen, Behörden aus allen Regionen unseres Planeten und weltweit tätige Institutionen veröffentlichen regelmäßig Berichte und melden den aktuellen Entwicklungsstand. Wir wissen, was die Kinder auf den Fidschiinseln essen, welche Impfungen in Alaska verabreicht werden und welche Geräte man in der Mongolei benutzt. Sogar von den entlegensten Regenwaldgebieten des Amazonas wissen wir über die Ausbreitung der dortigen Krankheiten Bescheid. Der wissenschaftliche Fortschritt der Menschheit erlaubt uns, eine beachtliche Kontrolle über Seuchen und Plagen, über Epidemien und Pandemien. Wir sind in die ozeanischen Rinnen des Marianengrabens hinuntergetaucht, um wissenschaftliche Berichte über das Leben in den dortigen Meerestiefen zu verfassen. Die versammelte Staatengemeinschaft hat im "Vertrag über die Prinzipien, die die Aktivitäten von Staaten bei der Erkundung und Nutzung des Weltraums, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper bestimmen" Regeln zur friedlichen Nutzung des ultrablauen Weltraums zugestimmt.

Aber, seit mehr als vierzig Jahren gibt es KEINEN einzigen offiziellen und aufschlussreichen Report, der über den Entwicklungsstand in der Westsahara berichtet. Dieses Gebiet hat sich zu einem regelrechten irdischen “Schwarzen Loch“ verwandelt. Ein schwarzes Loch, das offensichtlich für die fortschrittlichsten, technologischen Geräte und auch für das edelste Gewissen der Menschheit unergründlich bleibt. Andererseits wissen weder die Generalversammlung der Vereinten Nationen, noch deren Generalsekretariat, noch der UNO‐Weltsicherheitsrat wie es um die allgemeinen Menschenrechte in der Westsahara steht. Sie wissen nicht, ob die Menschenrechte in der Westsahara verletzt werden oder nicht, ob sie respektiert werden oder nicht. Sie können es nicht wissen, da es bis zum heutigen Tag des 21. Jahrhunderts noch immer keinen einzigen offiziell veröffentlichten Bericht von irgendeiner internationalen Institution gibt, der die Problematik der Menschenrechte in der Westsahara anspricht. Es schmerzt, sich vorstellen zu müssen, dass diejenigen, die die Welt regieren, von der dortigen Situation nichts wissen.

Ja. Es gibt Berichte der Polisario, Berichte des Königreichs Marokko, Berichte von grossen und kleinen NGOs, die im Bereich der Menschenrechte tätig sind, es gibt Presseberichte. Aber all diese Berichte sind parteiische Berichte und daher wertlos gemäß dem Prinzip der “gegenseitigen Wertlosigkeit“. Das bedeutet, dass das was die einen behaupten, leugnen die anderen; so ignorieren eben die internationalen Organisationen (Generalversammlung, Generalsekretariat, Sicherheitsrat) die einen sowie auch die andern.

Es gibt wissenschaftliche Berichte über die Auswirkungen, welche die Phosphatpartikel auf dem Meeresgrund verursachen, die vom Wind von der Mine Bu Craa bis zum Atlantik transportiert werden. Diese Berichte sind rechtfertigende Begründungen für die sonderbare Reichhaltigkeit der kanarischen und sahrauischen Fischbänke. Aber es gibt keinen einzigen Bericht über die Auswirkungen der wilden Phosphatausbeutung im Tagebau auf die Lebewesen im näheren und weiteren Umkreis der Mine Bu Craa.

In den vergangenen vierundfünfzig Jahren hat nicht die raffinierteste, juristische Hermeneutik ein einziges Komma am internationalen, juristischen Status des Gebietes ändern können, ein Status der klar und deutlich durch internationale Abkommen und auch durch die gemeinsame Praxis der Staaten definiert ist

Nach über vierzig Jahren absoluter Opazität in jenem ´Schwarzen Loch´, müssen wir, die Geschöpfe von “Jenseits der (marokkanischen) Mauer“ im “Spiel der Throne“, weiterhin und reell kämpfen, um unserer Existenz einen Anschein von Glaubwürdigkeit und Menschheit zu verleihen. Das Territorium von „Jenseits der Mauer“ aus der“ US‐amerikanische Fantasy‐TV‐Serie hingegen begeistert und erfreut weiterhin Fans auf der ganzen Welt.

Darf ich mich zum Schluss noch kurz vorstellen?

Ich bin heimatlos, ich habe einen Staatenlosen‐Pass. Das heißt, ich bin Bürger von keinem Staat. Ich wurde geboren und stamme aus einem Gebiet hinter Mauern, dem einzigen nicht‐autonomen Territorium der Erde, das keiner administrativen Macht untersteht. Das heißt, ich und meinesgleichen sind die lebende Inkarnation dessen, was im Rechtswesen als rechtliche Grauzone bekannt ist. Hoffentlich lässt Sie dies nicht an meiner menschlichen Existenz zweifeln.

Werden Sie, Herr Köhler, uns dabei helfen, uns endlich auch wie ein Teil der gesamten Menschheit zu fühlen, die diesen Planeten bewohnt?

Zum Abschied will ich Ihnen EIN Geheimnis verraten:

Um nicht aus Zorn und Wut zu platzen über die Lage, in der wir uns befinden, haben wir ein Gut, das in vielen Teilen der Welt Mangelware ist: Wir haben Nerven wie Stahlseile. Aber es gibt ein kleines Problem: Der Rohstoff erschöpft sich allmählich. Stimmt doch, dass Eisen und Kohle einmal erschöpft sein werden?

 





Courtesy of Libres Opinion(e)s
Source: http://saharaopinions.blogspot.com/2018/06/mas-alla-del-muro.html
Publication date of original article: 27/06/2018
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=23688

 

Tags: Besetzte WestsaharaMarokkanische BesatzungHorst Köhler
 

 
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