TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı la internacia reto de tradukistoj por la lingva diverso

 21/06/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UMMA 
UMMA / Beispiele von despotischem Gebrauch des Islams
Date of publication at Tlaxcala: 21/05/2018
Translations available: فارسی 

Beispiele von despotischem Gebrauch des Islams

Hamid Beheschti حميد بهشتي

 

Bestrafung der öffentlichen Missachtung vom Fastegebot. Ist sie legitim?

Werfen wir mal einen Blick auf folgende Liste    

    http://tlaxcala-int.org/upload/gal_18509.jpg

Das sind klare Bespiele von der Instrumentalisierung des Islams seitens der despotischen Regimes in diesen Ländern. Die Gesetzgebungen dieser Länder, die solche Strafen für die öffentliche Missachtung des Fastengebots verhängen, bezwecken damit, ihre Bevölkerung zum öffentlichen Respekt des Fastens zu zwingen.  Was aber bedeutet das? Es bedeutet, dass  die Befolgung dieses unerlässlichen Gebots verbindlich ist und dass der Staat sie durchsetzen muss und somit die Menschen verpflichtet, sich daran zu halten.

Nun frage ich, ob das Fasten unter diesen Umständen freiwillig ist. Sicherlich ist es das nicht! Ist es denn möglich, durch erzwungenes Fasten Gotteszufriedenheit zu erlangen, wo doch alle islamischen Gottesdienste mit einer Absichtserklärung beginnen, sich Gott zu nähern und seine Zufriedenheit zu erlangen? Klar ist das möglich, jedoch nur dann, wenn ein despotischer Gott und ein entsprechend verstandener Islam herrschen, dessen Anerkennung in diesen Ländern erzwungen wird.

Ich frage mich, ob wir Gott mit einem solchen Verständnis anbeten sollten. Verstehen wir Gott so, dass er seinen Willen durchsetzt, trotz und unter der Missachtung all seiner Gesetze, mit denen er die Natur geschaffen hat? Wenn nicht, wie kann es dann sein, dass der Gottesdienst in seinem Namen gewaltsam durchgesetzt wird? Liegt es nicht nahe, dass mit der Überwachung des öffentlichen Eindrucks der fastenden Gesellschaft an eine andere Gottheit als den Schöpfer gedacht wird?

Wer den Willen Gottes unter Zwang und mit Gewalt durchsetzen will, der hat ihn wohl missverstanden. Im Namen der Religion Menschen unter Zwang  zu beugen, vermittelt ihnen ein Verständnis von Gott, das lieblos und despotisch ist, eines Gottes, der ihnen seinen Willen aufzwingen will, obwohl er selbst die Fähigkeit zur Entscheidung mitgegeben hat.

Vom Zwang geprägte Gottesdienste können uns dem Schöpfer nicht näher bringen. Auch der Koran lehnt den religiösen Zwang im Gottesdienst ab. (Koran: 2, 257)

*  Anmerkung zur Quelle der obigen Tabelle

Die obige Tabelle wurde Anfang Ramadan 2017 über Telegram herumgereicht, einem Kommunikationsmedium via Internet oder Mobiltelefon. Meine Recherche ergab sechs Treffer aus dem Iran im Internet; in allen fast derselbe wahrscheinlich direkte Order aus einer Zentrale, mit kleinen Veränderungen veröffentlicht. In der Tabelle, die ich erhielt, war Iran ursprünglich nicht genannt und außerdem war nur die Bestrafung in diesen acht arabischen Ländern erwähnt. Was mir auch wichtig erschien, war nachzuschauen, wie die entsprechende Bestrafung im Iran aussieht. Und zwar wird das „Vergehen“ im islamischen Strafgesetzbuch nicht ausdrücklich genannt und daher auch nicht geahndet, jedoch werden die Urteile in Anlehnung an ein anderes Vergehen gefällt, nämlich der öffentlich demonstrativen Missachtung eines religiösen Verbots, § 638. Demnach ist die Strafe dafür, wie erwähnt, 10 Tage bis 2 Monate Freiheitsentzug oder 74 Peitschenhiebe.

In dieser Tabelle merkt man den Versuch, eine Stimmung zu produzieren. Sie ist auf die arabisch-feindliche Grundstimmung aufgesetzt. Im Iran wird sie von nationalistischen Kräften angeheizt, weil die Islamische Republik aus verständlichen Gründen schon seit ihrer Grïundung, sich arabisch-freundlich verhält. Dabei muss man wissen, dass der iranische Nationalismus, der im vorigen Jahrhundert durch verstärktes Nazipropaganda iniziiert wurde, geneigt ist, die persische Sprache von dem arabischen Einfluss zu „säubern“.

Weshalb nun aus den Machtzentren der Islamischen Republik diese Stimmung angeheizt wird, hat mit den Machtstrukturen dort zu tun. Da sie kein monolithisches Regime ist, bekämpfen sich gegnerische an der Macht beteiligte Kräfte mit allen Mitteln, wobei die mediale Macht von den konservativen Rechten beherrscht wird, die die reformorientierte Regierung Rouhanis auszuhebeln versuchen. In diesem Zusammenhang steht auch der Versuch oppositionelle Strömungen zu instrumentalisieren; unter andern die nationalistische, die religiös kritische und die laizistische Strömung. Die erste ist, wie gesagt arabisch-feindlich, die zweite gegen die Instrumentalisierung von traditionellen Geboten und Verboten und die letzte antireligiös.

Die Stimmungsmacher, die in diesem Fall den religiösen Druck auf Nichtfastende ausnutzen wollen, stehen mit größter Wahrscheinlichkeit mit den konservativen rechten Machtzentren Irans in Kontakt. Sie hatten schon vor einigen Monaten den Versuch unternommen, die reformorientierte Regierung Rouhanis zu Fall zu bringen. Es war kurz vor Weihnachten 2017. Da gab es Proteste wegen Lebensmittelverteuerung, die am Ende zu einem Debakel für ihre Initiatoren und zum Schluss unter dem Teppich gekehrt  wurdne. Das einzig Positive, was blieb, war der relative Sieg von emanzipatorischen Frauenprotesten gegen den Schleierzwang.

Jedenfalls hatte ich zunächst die genannten Strafen, dem herrschenden despotischen Islam  in diesen Ländern zugeordnet. Dies habe ich auch in einer Notiz auf Persisch veröffentlicht, wobei ich keine Zeit hatte, auf den historischen Grund der Entwicklung der islamischen Rechtsprechung, die diese Strafen hervorgebracht hat, einzugehen. Dies erfordert eine eigene Untersuchung für sich.

Ich habe auch versucht nachzuprüfen, ob die Bestrafung für die öffentliche Missachtung des Fastengebots in den genannten arabischen Ländern stimmt und wie sie in den anderen islamischen Ländern aussieht. Das ist nicht leicht. Vielleicht wissen wir bis zum nächsten Ramadan mehr Bescheid.





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://tlaxcala-int.org/article.asp?reference=23426
Publication date of original article: 21/05/2018
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=23426

 

Tags: Despotischer IslamGewissensfreiheitFastengebot
 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.