TLAXCALA تلاكسكالا Τλαξκάλα Тлакскала la red internacional de traductores por la diversidad lingüística le réseau international des traducteurs pour la diversité linguistique the international network of translators for linguistic diversity الشبكة العالمية للمترجمين من اجل التنويع اللغوي das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt a rede internacional de tradutores pela diversidade linguística la rete internazionale di traduttori per la diversità linguistica la xarxa internacional dels traductors per a la diversitat lingüística översättarnas internationella nätverk för språklig mångfald شبکه بین المللی مترجمین خواهان حفظ تنوع گویش το διεθνής δίκτυο των μεταφραστών για τη γλωσσική ποικιλία международная сеть переводчиков языкового разнообразия Aẓeḍḍa n yemsuqqlen i lmend n uṭṭuqqet n yilsawen dilsel çeşitlilik için uluslararası çevirmen ağı la internacia reto de tradukistoj por la lingva diverso

 21/05/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / „Überlebt die Welt Donald Trump?“
US-Friedensaktivist John Catalinotto im Gespräch
Date of publication at Tlaxcala: 11/05/2018
Translations available: Français 

„Überlebt die Welt Donald Trump?“
US-Friedensaktivist John Catalinotto im Gespräch

Ilona Pfeffer Илона Пфеффер

 

US-Präsident Donald Trump ist unberechenbar, auch in Sachen Iran-Abkommen. Doch die Entscheidungen werden woanders getroffen, nämlich im Pentagon. Das sagt der marxistisch-leninistische US-Friedensaktivist John Catalinotto. Er sieht die USA als größte Bedrohung für den Weltfrieden.

Im Vorfeld seines Vortrags am Anglistischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sprach Sputnik exklusiv mit John Catalinotto.

John Catalinotto

Herr Catalinotto, in Ihrer aktuellen Vortragsreihe werfen Sie die Frage auf: Wird die Welt Donald Trump überleben? Zu dieser Frage möchte ich am Ende unseres Gespräches zurückkommen. Lassen Sie uns zunächst zurückblicken auf die US-Präsidentschaftswahlen. Mit Donald Trump war ein Kandidat im Rennen, der nicht so recht ins Schema passte. Er kam nicht aus dem Establishment, hatte keine politische Erfahrung, und seine Reden stießen Viele vor den Kopf. Jedoch gab es die Hoffnung, dass es unter Trump keine neuen Kriege geben würde und eine Entspannung im russisch-amerikanischen Verhältnis. Hillary Clinton hingegen schien außenpolitisch aggressiver. Teilten Sie diese Einschätzung? War Trump das kleinere Übel zu diesem Zeitpunkt?

Hillary Clinton schien außenpolitisch aggressiver, aber nur in der Frage der Beziehungen mit Russland. Trump war auch Kriegshetzer, zum Beispiel gegen den Iran. Er war aggressiver gegen Kuba und genauso aggressiver gegenüber Venezuela. Für uns Linke in den USA war aber am wichtigsten, dass Trump ein offener Rassist und Frauenfeind war. Auch, dass er gegen Migranten, Muslime und den Umweltschutz war. Linke Kräfte konnten ihn auf keinen Fall unterstützen. Meine Einschätzung war, dass Trump das „offene Übel“ war und Clinton das „versteckte Übel“. Wer gefährlicher wäre in der Frage von Krieg oder Frieden, wusste man nicht.

Wenn man Zbigniew Brzezinski liest oder beispielsweise das neue Buch von Condoleezza Rice, so scheint klar: Amerika begreift sich als einzig legitime Weltmacht und setzt diesen Anspruch durch kriegerische Handlungen durch, egal ob unter republikanischer oder demokratischer Führung. Dazu gehören Regime Changes unter dem Deckmantel der Demokratie-Förderung. Wie passt die Trump-Administration in diese Tradition?

Ich würde sagen, es sind die herrschende Klasse in den USA und ihre Strategen, die sich als einzig legitime Weltmacht begreifen. Das Pentagon hat dutzende kleinerer Kriege und einige größere Kriege seit dem Zweiten Weltkrieg ohne legitime Gründe geführt. Trumps Worte sind eher nationalistisch-chauvinistisch. Er verbirgt seine Aggressivität nicht hinter Lügen über Menschenrechte, wie Clinton das gemacht hätte. Aber die Politik seiner Regierung steht weiterhin für Regime Change, beispielsweise in Venezuela. Man kann ihm in dieser Frage nicht trauen, glaube ich.

Donald Trump agiert hauptsächlich auf Twitter, wo er auch Drohungen gegenüber Nordkorea ausgestoßen hat. Wie ernst muss man seine Tweets nehmen?

Wir haben gelernt, dass man immer wenigstens ein paar Stunden warten sollte, ob Trump seine Worte selbst zurücknimmt oder ein General im Weißen Haus eine andere Einschätzung der Lage gibt. Trump spricht zuerst und denkt später – wenn überhaupt. Aber auch seine Worte sind gefährlich, denn sie vergiften die öffentliche Meinung.

Trotz der gegenseitigen Drohungen ist es noch zu keinem Korea-Krieg gekommen. Im Gegenteil, es sieht derzeit nach einer historischen Annäherung aus. Was erwarten Sie vom geplanten Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un? Glauben Sie an einen Frieden und an die Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel?

Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. Nordkorea hat das Recht, sich zu verteidigen. Wir hoffen, dass die Regierung der USA einen Friedensvertrag macht und mit den Drohungen aufhört. Wir in der Friedensbewegung sind bereit, Solidarität mit den Nordkoreanern zu bekunden und uns gegen Krieg in diesem Teil der Welt auszusprechen.

Die Hoffnung auf eine Annäherung mit Russland hat sich leider bisher nicht bestätigt. Kann oder will Trump Putin nicht die Hand reichen?

Das weiß ich nicht. Trump will seine Amtszeit überleben. Er hat Probleme und ist unter großem Druck, besonders in der Frage seiner Beziehungen zu Russland. Die Herrschenden in den USA, die gegen Trump sind, haben das genutzt. Trump selbst hat aber keinerlei ideologische Verbindung mit Putin. Er macht das, wovon er glaubt, dass es ihm helfen wird. Wir wissen nicht, was er tun wird, glauben aber nicht daran, dass er den Frieden mit Russland anstrebt.

Also sehen Sie keine Annäherung an Russland am Horizont beziehungsweise innerhalb von Trumps Amtszeit?

Auch das weiß ich nicht, glaube aber kaum, dass das geschehen wird. Es wäre gut, wenn es eine Art von Entspannung gäbe. Die Herrschenden in den USA sind derzeit sehr aggressiv gegenüber Russland und Putin, aber ich glaube, dass es teilweise deswegen ist, weil sie es gegen Trump benutzen wollten. Es gibt viele Strategen, die ihn loswerden wollen. Sie glauben, dass er eine Gefahr ist für die gesamte Struktur der internationalen Beziehungen.

In einem Interview haben Sie darauf hingewiesen, dass die wahre Macht in der US-amerikanischen Führung bei den Militärs liegt. Können Sie das näher ausführen? Welche Konsequenzen hat das für die amerikanische Außenpolitik?

Die Militärs haben viel Einfluss, in jeder Regierung der USA, zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei Trump sind die Militärs ganz nah, innerhalb der Regierung. Es gab die Generäle Flynn und McMaster, die erst drin waren und dann gehen mussten. Es bleibt General John Kelly, der das Büro des Weißen Hauses leitet. General Jim „Mad Dog“ Mattis ist US-Verteidigungsminister. Auch hat das Pentagon Kontrolle über alle Kriegsentscheidungen. Beispielsweise dirigieren die Generäle die Interventionen im Irak und Syrien und haben zuletzt Spezialeinheiten in den Jemen geschickt, um Saudi-Arabien bei der Unterdrückung und dem Genozid am jemenitischen Volk zu führen. Die Generäle entscheiden auch, was man auf der koreanischen Halbinsel macht. Trump kann twittern, versprechen zu verhandeln, androhen, was er will – die Generäle entscheiden. Das heißt aber nicht immer, dass es Krieg gibt – die Generäle wollen auch keinen Krieg verlieren. Es gibt aber keine zivile Instanz zwischen dem Pentagon und der Entscheidung über Krieg.

Aber was will das Pentagon Ihrer Meinung nach?

Ich weiß nicht, was es in jeder einzelnen Situation will. Das Pentagon weiß, dass es gefährlich wäre, einen Krieg in Korea zu führen. Ein Krieg gegen Russland wäre natürlich auch sehr, sehr gefährlich. Krieg gegen den Iran auch. Es ist etwas anderes als die Kriege in Afghanistan, im Irak und in Libyen. Selbst diese Länder, die nicht so stark sind, können sich sehr gut verteidigen. Schon das war schwer genug für die USA, und die US-Armee hat keinen dieser Kriege wirklich gewonnen. Es gibt andererseits den Druck der Rüstungsindustrie – über die Kriege kann man große Gewinne machen. Ich glaube aber, wir haben noch etwas Zeit, gegen den Krieg zu kämpfen.



Rainer Hachfeld, Neues Deutschland

Am heutigen Dienstag will Donald Trump verkünden, wie es mit dem Iran-Deal weitergehen wird. Experten gehen davon aus, dass er aus dem Abkommen aussteigen wird [hat er inzwischen gemacht, Tlaxcalas Anm.]. Teilen Sie diese Einschätzung? Was wären die Konsequenzen?

Wir sollten die paar Stunden noch abwarten, dann sehen wir, was er machen wird. Für die USA wäre es sehr gefährlich, aus dem Abkommen auszusteigen. Ich weiß aber wirklich nicht, was Trump tun wird. Er wechselt sein Programm fast jeden Tag.

Ist das denn eine der Entscheidungen, die Trump selbst trifft, oder spielt hierbei das Pentagon auch eine Rolle?

Trump sagt normalerweise, was er selbst in diesem Moment denkt. Es kann sein, dass er sich in dieser Sache vorab mit dem Pentagon beraten hat. Wenn nicht, dann kann das Pentagon seine Entscheidung jederzeit abändern. Vor ein paar Wochen hat Trump zum Beispiel mit Krieg in Syrien gedroht, auch gegen Russland. Aber nach dieser sehr scharfen Drohung von Trump hat Jim Mattis das Ganze abgemildert. Man hat hundert Raketen in der Wüste verschossen, und sie haben kaum einen Soldaten getroffen. Ich glaube, in jenem Moment hatte das Pentagon entschieden, keinen Krieg dort zu führen.

https://cdnde1.img.sputniknews.com/images/32062/49/320624988.jpg

Lassen Sie uns zu der Eingangsfrage zurückkehren: Wird die Welt Donald Trump überleben?

Ja. Im Oktober 1962 wusste ich nicht, ob die Welt die Kuba-Krise überleben würde. 1983 wusste ich nicht, ob die Welt die Krise um das Flugzeug bei Korea überleben würde. Ich hatte in beiden Momenten große Angst, aber die half nicht. Doch es gab auch keinen Krieg. Wir müssen zusammen in der ganzen Welt in Solidarität gegen einen neuen Krieg kämpfen. Egal, ob unter Trump, Clinton oder einem anderen Präsidenten der USA. Das werden wir in der Friedensbewegung in den USA tun. Und ich hoffe, dass die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland das mit uns zusammen tun werden.

Sind die USA aus Ihrer Sicht die größte Bedrohung für den Frieden auf der Welt?

Aus meiner Sicht sind die USA die größte Bedrohung, ja. Das Pentagon ist die gefährlichste Militärmacht der Welt. Es hat keine Scheu, andere Länder zu zerstören. Außerdem haben die USA den größten und stärksten Propaganda-Apparat. Wenn man die Geschichte der letzten 70 Jahre betrachtet, so sind das lauter Kriege, die von den USA ausgegangen sind.





Courtesy of Sputnik Deutscland
Source: https://de.sputniknews.com/politik/20180508320624902-donald-trump-interview-friedensaktivist/
Publication date of original article: 08/05/2018
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=23367

 

Tags: TrumpUS-ImperialismusTrumplandiaUSA-Welt
 

 
Print this page
Print this page
Send this page
Send this page


 All Tlaxcala pages are protected under Copyleft.