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 21/05/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Der Kampf gegen die Vertreibung der afrikanischen Flüchtlinge ist ein entscheidender Moment in Israels Geschichte
Date of publication at Tlaxcala: 03/02/2018
Original: The fight against the expulsion of African refugees is a pivotal moment in Israel's history
Translations available: Français  Italiano 

Der Kampf gegen die Vertreibung der afrikanischen Flüchtlinge ist ein entscheidender Moment in Israels Geschichte

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  -  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Wenn  es der israelischen Regierung  erfolgreich gelingt, tausende von Asylsuchenden zu deportieren, wird sie ermutigt, noch mehr heimtückische  Pläne zu verfolgen.

Ob die  Deportation von afrikanischen Asylsuchenden geschieht oder nicht,  so sieht Israel dies nicht weniger als einen Testfall an, der seine Zukunft mitgestalten wird.



Kundgebung im Süden Tel Avivs gegen die Ausweisung afrikanischer Flüchtlinge am 18. Januar 2018. Foto  Moti Milrod

Es ist unmöglich, nicht  von der Bosheit und dem Rassismus hinter dieser ethnischen Säuberung geschockt zu sein -  die Vertreibung von nicht jüdischen schwarzen Leuten auf Grund ihrer Hautfarbe. Das Schicksal von 35 000 Menschen sollte das Herz jedes einzelnen vernünftigen Israeli berühren, doch das Problem liegt viel tiefer und viel bedeutender. In der Tagesordnung sind weitreichende Pläne  verborgen, über welche   bis jetzt nur  die extreme Rechte spricht, die sich aber zu einem Aktionsplan entwickeln könnten. Die Vertreibung der afrikanischen Flüchtlinge ist für die Regierung  und ihre Opponenten ein Pilotprogramm von großer Bedeutung.

Falls diese Minivertreibung gelingt, ist  mehr zu erwarten: die Vorbereitung einer Bevölkerungsumsiedlung. Falls die erste Operation erfolgreich ist, wird es Hoffnung wecken für weitere Vertreibungen. Israel wird lernen, dass es dies kann, dass keiner es stoppen wird und wenn Israel in der Lage sein wird, zu handeln, wird es dies ohne Zurückhaltung tun. Zweimal verwüstete es brutal den Gazastreifen, weil es dies konnte und  es wird dies noch einmal tun, bis es von jemandem  gestoppt wird.

Andererseits, wenn die Deportation der Asylsuchenden fehlschlägt, wird dies zeigen, dass der Teil Israels mit einem Gewissen mehr Macht und Einfluss hat, als es aussieht, dass wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Sein Test wird sein, mit dem Kampf  mit denselben  Mitteln und derselben Entschlossenheit  gegen andere Verbrechen fortzufahren. Es wird auch Hoffnung aus dem Erfolg schöpfen.

Darum ist der afrikanische Präzedenzfall  so wichtig, weil die Vertreibungspläne  und die Schlacht, sie zu stoppen,  nicht unterschätzt werden können. Der Kampf hat sich schon bewährt: der Kommandeur der Vertreibung, Dr. Shlomo Mor-Josef, der Generaldirektor der Behörde des Innenministeriums für Bevölkerung, Einwanderung und Grenzen, verkündigte, er wolle nur  nicht verheirate Männer im Arbeitsalter deportieren. Es ist die erste Preisgabe gegenüber einem breiten öffentlichen Druck – der breiter als erwartet ist. Aber es ist sinnlos. Es ist nicht mehr legitim, Männer zu misshandeln als Frauen oder ältere Leute. Vertreibung ist Vertreibung -  ob von Männern oder Frauen. Mor-Yosef versuchte plump, eine Sünde zu bewilligen, die er hinter „wir deportieren nur Männer – also machen wir nichts falsch“ verbergen musste. Das ist eine echte Leistung. Man kann vermuten, dass er in Verlegenheit von seinem beschämenden Posten bald zurücktreten wird.

Aber das genügt nicht. Falls der Anti-Deportation-Kampf andauert  - einschließlich  der Widerstandaktionen, die so vital sind – wird die Netanjahu-Regierung  gezwungen sein, einen Rückzieher zu machen. Ohne Piloten kann es keine  Vertreibungsflüge geben und Flüchtlinge können nicht erjagt werden  gegenüber Nestern von zivilem Ungehorsam.

Falls dieser  Vertreibungsplan  zunichte gemacht wird, wird die Linke  erfahren, dass der einzige Weg, sich durchzusetzen,  das Opfer  und der Ungehorsam ist: Kundgebungen sind ineffektiv. Das  Anti-Deportationslager wird dahin kommen festzustellen, dass es Verbrechen verhindern kann, aber nur wenn es bereit ist, zuzugeben, dass nicht alles vom Himmel oder von den Rechten  bestimmt ist. Und die Regierung wird lernen, dass sie nicht allmächtig ist und dass sie einen aktiven Gegner mit einem Gewissen hat. Es sei daran erinnert, dass es eine andere ethnische Säuberungsoperation  gegeben hat – im Jordantal und in den südlichen Hebroner Bergen, wo es keinen bedeutenden zivilen Widerstand gab.

Der nächste Vertreibungsversuch könnte der der arabischen Abgeordneten aus der Knesset sein. Jeder wird es leugnen, aber den Unterton gibt es schon. Es könnte über Nacht geschehen unter verschiedenen  Vorwänden, um sie illegal zu machen. Wer würde das schließlich nicht wünschen? Die Massen  würden es sicherlich begünstigen und die Regierung auch. Wer würde dagegen sein?  Was nötig ist, ist nur die passende Gelegenheit. Die Gefahr ist näher als es aussieht. Wer könnte glauben, dass es nur 40 Jahre her ist, dass Israel stolz Dutzende  von   sog. Boatpeople, Flüchtlingen aus Vietnam, aufnahm.

Nachträglich, zu einem bestimmten Zeitpunkt wird der  wirkliche Plan  hoch kommen: die Vertreibung der Palästinenser aus den besetzten Gebieten oder wenigstens aus Teilen davon. Unter dem Deckmantel eines Krieges oder eines Aufstandes mit  sehr vielen Sicherheits-Entschuldigungs-Ausreden kann es geschehen. Es klingt jetzt wie eine Fiktion. Aber die gelungene Vertreibung der afrikanischen Flüchtlinge wird  die Idee unterstützen, dass Vertreibung eine  durchführbare Option ist. Klingt dies verrückt? Sicherlich . Vor ein paar Jahren war es verrückt, daran zu denken, dass ein Land von Flüchtlingen zwangsweise  mit Handschellen gefesselte Flüchtlinge -  in Flugzeuge setzt und sie  ihrem Schicksal  an elendiglichen Orten überlässt   --- und weiter plant, dies in nächster Zukunft zu tun.

Deshalb ist es so wichtig, jetzt dagegen zu kämpfen.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://www.haaretz.com/opinion/.premium-fight-against-expulsion-of-refugees-is-a-pivotal-moment-for-israel-1.5767982
Publication date of original article: 28/01/2018
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=22610

 

Tags: Ausweisung afrikanischer FlüchtlingeIsraelischer RassismusBürgerinitiativenPalästina/Israel
 

 
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