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 20/11/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Der 100. Jahrestag der Balfour-Erklärung treibt einen Keil in den britischen Konsens über Israel
Date of publication at Tlaxcala: 31/10/2017
Original: Balfour anniversary drives a wedge into British consensus on Israel

Der 100. Jahrestag der Balfour-Erklärung treibt einen Keil in den britischen Konsens über Israel

Robert Cohen

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

In der letzten Woche lehnte der Führer der Labour-Partei Jeremy Corbyn  eine Einladung des Jüdischen Führungsrates (JLC) ab, während Jonathan Arkush, Vorsitzender des Vorstandes der Vertretung der britischen Juden (Board of Deputies of British Jews)  eine zornige Email an den britischen Botschafter bei den Vereinten Nationen sandte.

Arthur Balfour und seine anrüchige Erklärung sind für beide Vorfälle schuld.

Es klingt nicht so, als ob hier viel aufgearbeitet werden müsste. Aber  man sollte es tun. Da der hundertste Jahrestag der Balfour-Erklärung am 2. November seinen Höhepunkt hat, sind wir  in Großbritannien  Zeugen des Aufbrechens  des jahrzehntelangen Konsenses der politischen Hauptströmungen über Israel und der allmählichen Isolierung der Führerschaft der jüdischen Gemeinde, wie sie immer intoleranter gegenüber der palästinensischen Solidarität wird.

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Konferenz der Labour-Partei

Bei der jährlichen Labour-Partei-Konferenz vor drei Wochen erhielt Corbin den größten Applaus nicht wegen Brexit oder wegen Sparpolitik sondern für Folgendes:

     Lasst uns das Ende der Unterdrückung des palästinensischen Volkes , der 50jährigen Besatzung und der Siedlungserweiterung  wirklich    unterstützen. Unterstützen wir den Schritt zu einer echten Zwei-Staatenlösung des Israel-Palästina-Konflikts.“

Es war nicht nur weil die 4000 Partei-Mitglieder in der Halle diese Meinung teilten,  dass sie so lange applaudierten. Es war deshalb, weil sie von der Einschüchterung der israelischen Lobby in Großbritannien einfach die Nase voll hatten. Diese versucht jeden Ausdruck der Solidarität mit Palästina als Antisemitismus zu deuten. Ja man versucht, der Labour-Partei in dieser Richtung eine politisch giftige Neigung zuzuschreiben.

Kaum überraschend

Corbyn ist viele Jahre ein Schirmherr der Palestine Solidarity Campaign gewesen. Deshalb war es kaum überraschend, dass er die Einladung  des JLC zur Balfour-Feier ablehnte, da für die Palästinenser dieses Dokument ein Verrat an ihren  Rechten war. Man würde sich sehr gewundert haben, wenn der Führer der LaboUr-Partei ja gesagt hätte. Und die  JLC hätte dies wissen sollen.

Das hinderte den Chef des JLC Jonatan Goldstein nicht daran,  Corbyns Ablehnung  der Einladung zum Balfour-Jubiläumfest als anti-jüdisches Gefühl zu interpretieren.  Aber dies war wahrscheinlich auch der Plan.  (…)

Man kann sicher sein, dass Tony Blair oder Gordon Brown die Einladung angenommen hätten, wenn sie heute noch die Labour-Partei geführt hätten. Die Zeiten haben sich gewiss ändert.

Während dessen hat es im Board of Deputies während der letzten Tage viel scheinbares Kritisieren und auch sinnloses aufgeregtes Treiben gegeben.

Die ganze Geschichte dreht sich um  einen Tweet, der von einem Mitglied der britischen Vertretung bei der UN  in New York kam und der  sagte:

http://tlaxcala-int.org/upload/gal_17339.jpg

„…  erinnern wir uns daran, dass  die Balfour-Erklärung  2 Teile hat. Der 2. Teil ist nicht erfüllt worden. Da gibt es ein nicht beendetes Geschäft“.

Wer immer den Tweet geschrieben und gesandt hat, er bezog sich auf die 2.Hälfte der Balfour-Erklärung, die  „eine jüdische Heimstätte“ verspricht,  mit der Versicherung:

„…wobei wohlverstanden nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden, nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina … in Frage stellen könnte“.

„Die bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften“ waren natürlich die mehr als 90% der einheimischen Araber, die in Palästina lebten, die als nicht wert geachtet wurden, über die Sache wenigstens gefragt zu werden.

Es lohnt sich auch zu fragen, dass dieser anonymen  Mehrheit von Nichtjuden nur „zivile und religiöse Rechte“ versprochen wurden, während  den Juden auch nationale und politische Rechte versprochen wurden.

Präsident Arkush war allerdings wütend. Er verschwendete keine Zeit und schickte eine tadelnde Mail an den britischen Botschafter bei der UN, Matthew Rycroft und teilte ihm seine große Enttäuschung mit. Arkush beschrieb  den Tweet als „unwürdig, feindselig, einseitig, negativ und  offensichtlich als Kritik am Staat Israel beabsichtigt“.

Es lohnt sich, einen Moment Arkush‘s Tweet-Kritik zu prüfen,  weil  es sich herausstellt, dass  „ unwürdig, feindselig, einseitig, negativ“ eine bessere Beschreibung des Präsidenten ist  als des  britischen Vertreters bei der UN in New York.

Die übliche  zionistische Geschichtslektion

Arkush ist heftig dabei , dem Botschafter Rykroft die übliche   zionistische  Geschichtslektion zu erteilen, in der alle Schuld des Konfliktes der letzten 100 Jahre voll und ganz und ausschließlich auf den unversöhnlichen und  zurückweisenden Palästinensern liegt.

…“ Erstens: die zivilen und religiösen Rechte aller existierenden  nichtjüdischen Gemeinden in Palästina (wie sie in der Balfour-Erklärung stehen) werden geschützt.“

Nun  gelten diese auf den 60% der Westbank, die seit 50 Jahren unter totaler israelscher Kontrolle sind, nicht. Das Leben der Palästinenser wird von einem Apartheidsystem verwaltet. Es stimmt auch nicht für die 1,8 Millionen Gazaner, die von Israel zu Land, zu Wasser und aus der Luft belagert sind. Und während die palästinensischen Bürger Israels selbst (20% der Bevölkerung) Bewegungsfreiheit haben und das Recht an den demokratischen Wahlen teilzunehmen, auf vielfache Weise diskriminiert werden.

Arkush versucht auf andere Weise anzugreifen:

„…zweitens boten die UN die Teilung Palästinas zwischen den jüdischen und arabischen Gemeinschaften mehr als einmal an. Die jüdische Gemeinschaft akzeptierte dies. Die Araber haben es auf der Stelle abgelehnt..“

Aber warum hätten die Palästinenser freiwillig die Teilung ihres Landes anbieten sollen, als sie noch die Mehrheit an Zahl und Besitztum waren, ihnen aber nur die Hälfte des Landes angeboten wurde?

Arkush versucht es noch einmal:

„… Drittens, die Balfour-Erklärung war nichts mehr oder weniger als  ein Ausdruck der Sympathie einer britischen Regierung. Sie kam 30 Jahre bevor die UN für die Errichtung eines jüdischen „Homeland“ stimmte. Wenn kein arabisches oder palästinensisches „Homeland“ errichtet wurde, kann das nicht Israels Schuld sein, das nicht existierte; sondern würde entweder die internationale Gemeinschaft  oder eher die arabischen Gemeinschaft schuld sein, die wiederholt die Idee, die Errichtung eines eigenen Staates/Landes zurückgewiesen hat“.

Aber der originale Tweet ( falls man sich so weit zurück erinnern kann), erwähnte Israel gar nicht. Im ihm steht nur etwas von einem „ nicht beendeten Geschäft“. Die Verantwortung liegt nicht allein an Israel oder den Palästinensern. Das Problem – so gibt Arkush zu -  wurde international geschaffen. Es wird auch international  gelöst werden müssen. Und wenn die Balfour-Erklärung nichts anderes als ein „Ausdruck der Sympathie“ war, warum ist die Abhaltung eines Festes (ihretwegen)  zum Prüfstein der Unterstützung Israels geworden und die Kritik derselben  mit Antisemitismus bezeichnet worden?

Arkush beschuldigt die Palästinenser für alle anhaltende Zurückweisung und Gewalt.

„….In Camp David wurde der PLO die Anerkennung eines palästinensischen Staates  auf 95% der Westbank angeboten.  Yasser Arafat hat dies zurückgewiesen und  mit  einer Gewaltrunde geantwortet, die bis heute andauert.“

Viel wurde über das sog. „großzügige Angebot“ geschrieben, das man Arafat in Camp David  2000  machte. Es war kein solches. Prüfe es, wenn du es wissen willst, wie man diese ständige Verdrehung der jetzigen Geschichte herausfordert.

Heuchelei oder Genauigkeit?

Schließlich zeigte Arkush, worum es ihm wirklich ging. Es ist die Diskrepanz der Haltung zwischen der britischen konservativen Regierung, auf die er sich bei der Unterstützung Israels verlassen kann  und den Karrierediplomaten in New York, die tatsächlich verstehen, was vor sich geht und die ein wenig Geschichte studiert und das entsprechende Buch über das Problem gelesen haben.

      „der Tweet steht vollkommen im Widerspruch zur erklärten Politik Großbritanniens, aus Anlass des Erinnern und Feierns  der Balfour-Erklärung (auch alle in den letzten Wochen gebrauchten Ausdrücke vom Ministerpräsident und den andern Ministern). Innerhalb von 14 Tagen findet ein Gedächtnismahl statt, um die Balfour-Erklärung zu feiern. Dazu  erwartet man den Ministerpräsidenten  und den Ministerpräsident  Netanjahu. Dies ist äußerst  uninteressant für die UK-Botschaft bei der UN, eine kritische Bemerkung zu machen und  die britische Regierung der Heuchelei anzuklagen.“

Das Problem für unsere jüdischen Führer in England ist, dass sie all ihre israelischen Eier in einen konservativ gestalteten Korb gelegt haben. Und das augenblickliche Chaos um die Brexit-Verhandlungen gibt den Tories kaum das Bild einer „natürlichen Regierungspartei“.

Doch  in Wahrheit geht der Fehler unserer jüdischen Führung viel weiter zurück.  Als sie akzeptierten,  die Marionetten des Außenministeriums des Staates Israels zu sein, ging alles schief.

Das JLC,  das Board und tatsächlich der Oberrabbiner sehen jetzt eher  wie lokale Gehilfen der israelischen Botschaft aus. Vor Jahren  sollten und konnten sie die Rolle eines kritischen Freundes Israels übernommen und eine  nuancierte jüdische Diaspora-Stellung entwickelt haben, die Israel für seine Maßlosigkeit verantwortlich gehalten und eine Kampagne für eine echte Zwei-Staaten-Lösung geführt hâtte. Doch stattdessen entschieden sie lokale Subunternehmer für Israels Propaganda zu sein. Und jetzt ist es zu spät, umzukehren.

Ein historisches Jahr

Es stellte sich heraus, dass das Balfour-Jubiläumsjahr mehr enthüllte und bedeutender war, als ich mir  vor 12 Monaten vorstellen konnte.

Auf einer national politischen  Ebene gibt es jetzt  in Westminster keine Einigkeit über Israel.

Unterdessen malt sich die formelle jüdische Führung in Großbritannien in eine blau-weiße Ecke und sieht sich in immer weniger Kontakt mit der allgemeinen Öffentlichkeit, die  zu verstehen beginnt, dass es beim Israel-Palästina-Konflikt um Menschenrechte  geht und nicht um Terrorismus. Was das Mobbing nationaler Politiker und Karriere-Diplomaten über Israel betrifft, so sieht dies nicht wie kluge Gemeinschaftspolitik aus und gewiss nicht nach jüdischer Tradition, die sich für Gerechtigkeit und Mitgefühl einsetzt.

Die letzten beiden Wochen des Balfour-Jubiläums werden weitere Spaltungen über Israel im britischen öffentlichen Leben zeigen. Es wird zahlreiche Reden, Rallyes, Demonstrationen, Feiern und geplante Proteste im ganzen Land geben. Sie werden beweisen, dass der Konsens über Israel in Großbritannien zu Ende ist.

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Berlin: Do 02.11.2017 – 100 Jahre Balfour-Deklaration – Demonstration

Die palästinensische nationale Arbeitskommission lädt zu einer Demonstration anlässlich des 100. Jahrestages der Balfour-Deklaration ein – vom Brandenburger Tor /Pariser Platz zur britischen Botschaft, Wilhelmstr. 70-71 in 10117 Berlin. Donnerstag, 2. November 2017 – 15:00 Uhr

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://micahsparadigmshift.blogspot.co.uk/2017/10/corbyn-and-arkush-show-how-balfour-is.html
Publication date of original article: 22/10/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=21959

 

Tags: Balfour-ErklärungGroßbritannien-PalästinaPalästina/IsraelCorbynZionistische Lobby
 

 
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