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 20/10/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Israel belagert palästinensische Musik
Date of publication at Tlaxcala: 13/08/2017
Original: Israel’s siege on Palestinian music

Israel belagert palästinensische Musik

Jonathan Ofir יונתן אופיר

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  -  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Wenn  ihr Musik so liebt, wie ich sie liebe, wird euer Herz zu schlagen aufhören, wenn ihr die Entscheidung  des Obersten Gerichts lest,  dass junge Musiker aus dem Gazastreifen nicht auf die Westbank dürfen.

Am letzten Donnerstag (d. 27. Juli)  wies das israelische Oberste Gericht die Petition  von zwei 16-Jährigen Musiker gegen das Verbot durch  Israels Besatzungsbehörden der Teilnahme an einer internationalen musikalischen Workshop-Tour in Jordanien, Palästina (Ramallah) und Israel.

Die betroffenen  Musikstudenten sind aus Gaza: Tzafia Radwan und Raslan Ashur. Die Beklagten vor dem Gericht waren der israelische Verteidigungsminister, der Koordinator von Regierungsaktivitäten in den (besetzten) Gebieten (COGAT), das Direktorat für Koordinierung  des Gazastreifen und der Militärkommandant im Gebiet der Westbank.

Das Gericht notierte, dass der Workshop von 1.-15. August stattfindet und dass die Teilnehmer nur hofften, zunächst die Grenze nach Jordanien und dann nach Ramallah überqueren  zu können, um am Workshop und an Veranstaltungen teilnehmen zu können. Die Veranstaltung im israelischen Gebiet wird nicht einmal erwähnt.

Das Gericht behauptete, dass, obwohl der Staat zuerst geantwortet und gesagt habe, dass er in solchen Fällen nicht verpflichtet sei, eine Erlaubnis zu liefern, er nichtsdestotrotz eine außerordentliche Konzession gemacht habe: den Teilnehmern erlaubt, die Grenze nach Jordanien zu überqueren, aber nur nach Jordanien – und sie vom übrigen Workshop und den weiteren Veranstaltungen abgeschnitten habe.

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Suhail Khoury

Das Gericht nahm die Bitte von  Suhail Khoury zur Kenntnis, dem Exekutivdirektor des Edward-Said-National-Konservatorium für Musik, (einem der Initiatoren des Projektes) als auch die der Palästinensischen Behörde, gegen die staatliche Entscheidung zu berufen.

Trotzdem vertrat das Gericht, bestehend aus  den Richtern Solberg, Meltzer und Mazoz,  die Meinung, dass es für das Gericht keine Gründe gibt, sich einzumischen, im Hinblick der staatlichen außerordentlichen Erlaubnis, dass die Musiker an einem Teil der Tour, die in Jordanien stattfand, teilnehmen können. Es bemerkte schließlich, dass „Die musikalische Entwicklung, von der  H. Souil [sic] sprach,  nicht unbedingt an einen Ort gebunden sei.“

Nehmen wir einen Augenblick, um dies zu verdauen: Der Staat erlaubt in seiner außerordentlichen Demonstration von Großzügigkeit den Studenten von Gaza, den Gazastreifen zu verlassen – aber nur um nach Jordanien zu gehen. Warum nicht nach Ramallah? Schließlich ist Jordanien ein eigener Staat, über den Israel keine Kontrolle hat – während Ramallah ein palästinensisches Bantustan ist, umzingelt von Israels Kontrolle. Israel könnte ihnen leicht erlaubt haben, wenigstens nach Ramallah zu gehen. Aber nein. Sie sollten glücklich sein. Das Gericht findet dies zufriedenstellend, da der Staat Großzügigkeit zeigt, wozu er gar nicht verpflichtet ist.

Schließlich spielt das Gericht, als sei es ein besserwisserischer Musikexperte. Musik kann überall ausgeübt werden. Also kann man Musik auch im  größten Freiluft-Gefängnis (oder Konzentrationslager, wie es die israelische Journalistin  Amira Hass genannt hat) praktizieren und es macht nichts.

Warum um Himmels Willen weggehen?

Wie ich vorher bemerkt habe: Israel praktiziert aggressive Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Gaza.  Es tut es auf allen Gebieten, einschließlich Kunst und Kultur. Die Ironie von Israels Aufschrei gegen BDS, einschließlich Kulturboykott, scheint unter dem Radar vieler Leute vorbeizugehen.

In dem  ausgezeichneten Artikel, den Tom Suarez , wir ich ein Geiger, vor zwei Jahren geschrieben hat , „Israel gegen die Geige“ schrieb er:

„Für palästinensische Musiker bedeutet die israelische drakonische Kontrolle über das zivile Leben, dass sie nur mit  Kollegen zusammen musizieren können, die im selben israelisch geschaffenen Bantustan leben; eine sichere Planung ist nicht möglich; wenn der Musiklehrer deines Kindes plötzlich vertrieben wird und dass am Tag eines Konzertes, für das dein Kind ein ganzes Jahr geübt hat, es an einem Checkpoint  festgehalten wird  und so den Konzertsaal nicht erreichen kann. Man stelle sich einen nationalen Musikwettbewerb vor, bei dem ein fremdes Land die Teilnehmer blockiert. Im letzten Jahr hatte der palästinensische Nationale Musikwettbewerb Video-Links erstellen müssen, um die israelische Beeinträchtigung zu umgehen und alle palästinensischen Teilnehmer vorspielen  zu lassen. Einige Sieger wurden gezwungen, ihr festliches Konzert „live“ über Video-Link in die Konzertbühne zu übertragen.

Alle Palästinenser leben mit der Angst vor Gewalt des besetzenden Militärs. In der Westbank wurde ein begabter Teenager-Geiger, den ich betreute und seit Jahren kannte, (fälschlicherweise), von IDF-Soldaten angeklagt, er hätte Steine geworfen. Er leugnete es und sie zerstörten seine Geige.  Ein anderer junger Musiker wurde in ähnlicher Weise angeklagt – wie viele andere Palästinenser -  und willkürlich verhaftet und gezwungen ein „Eingeständnis“ zu unterschreiben. In dem mir bekannten extremsten Fall wurde ein palästinensischer Kontrabass-Student (heute ein Kollege), der von einem Musikunterricht zurückkam, von israelischen Soldaten an einem  Kontrollpunkt  festgehalten. Sie stellten ihn an eine Wand, riefen mehrere neue IDF-Rekruten und sagten: „Wir fingen diesen Terroristen, was sollen wir mit ihm tun?“  Er wachte am nächsten Tag im Krankenhaus auf. Sein Kontrabassbogen war zerbrochen. Das war das einzige, das bei ihm gefunden wurde.

Eine meine Erfahrungen steht stellvertretend für banalere tägliche Hindernisse, mit denen das musikalische Leben in Palästina konfrontiert ist. Die Premiere meines Streichquartetts Peregrination sollte  im April 2014 im Bethlehemer Friedenszentrum, neben der Geburtskirche stattfinden bei einer Veranstaltung des NCM-Streich-Quartetts unter der Schirmherrschaft der Stiftung Johannes Paul II. und mit der Unterstützung der Stadtgemeinde Bethlehem. Es war gut vorbereitet worden und sollte über Radio Mawwal gesendet werden. Zwei Wochen vor der Veranstaltung verhinderte Israel  den 1. Geiger daran, in die Westbank zu kommen. Diplomatische Bemühungen, Israels Einmischung zu stoppen, scheiterten und zwangen uns, die Veranstaltung zu streichen. Innerhalb eines Jahres hat Israel allein drei meiner Veranstaltungen verhindert.“

Das sind die Dinge, von denen wir weniger hören, weil ein Konzert, das nicht stattfindet, nicht viel Geräusch macht und nicht mit dem Lärm von

glänzenden Gewehren und der Empörung über Terror konkurrieren kann.

Diese Sache geht mich sehr an. Ich bin nicht religiös, doch meine Verbindung zur Musik ist irgendwie spirituell. Wenn ich Musik spiele oder dirigiere, fühle ich mich in einer Sphäre, die etwas entfernt von dieser Welt ist. Selbst wenn ich sehr berührbare menschliche Gefühle ausdrücke, ist es eine Art Himmel, die mich von vielen banalen Problemen heilt. Wenn ich Bachs Messe in b-Moll spiele und den Teil „et in Terra Pax“ (und Frieden auf Erden) erreiche, gibt es einen Jubel, der mich irgendwo hinbringt, wo es weder  Politik noch Kriege gibt.

Dies ist eine Freude, die so viele Menschen teilen, Musiker sowie Menschen, die Musik erleben. Dies ist auch der Wert der Musik für die Menschen in Gaza. Es ist Teil einer Erhebung über und jenseits der fast unbewohnbaren Wirklichkeit.

Ich verstehe also, dass dies natürlich ist, besonders für jene, die sich stark mit Musik und Kunst im Allgemeinen verbunden wissen, um sich aus der Sphäre der Politik zurückzuziehen, um nicht diese überirdischen Mittel  des Ausdrucks mit der alltäglichen Banalität zu vermischen.

Leider fehlt es uns an solch einem Idealismus, wenn wir die Realität der israelischen Unterdrückung beobachten und wie sie die palästinensische  Kultur in systematischer und grausamer Weise behandelt.

Man stelle sich vor, man würde die arrogante und chauvinistische Bemerkung des israelischen Obersten Gerichtes nicht nur für Gaza gelten lassen:

„Musikalische Entwicklung ist nicht unbedingt an einen Ort gebunden“.

Stimmt – Die Israelis brauchen keine internationalen Musiker, die sie besuchen, sie haben genügend eigene. Die israelischen Musiker müssen auch nicht ins Ausland fahren, sie entwickeln sich auch gut in Israel.

Und wenn man die Meinung des Obersten Gerichtshof für  Israel gelten lassen würde, dann würden viele Israel- Apologeten plötzlich „Antisemitismus!“ schreien.

Aber tatsächlich ist es eine ernste Angelegenheit . Reale Menschen werden belagert und daran gehindert, die harmlosesten Erfahrungen zu machen. Israel verlangt von der ganzen Welt, sonderbehandelt zu werden und ihm zu erlauben, die schreckliche Unterdrückung der Palästinenser fortzuführen. Aber das ist genau die Art und Weise, wie die Musik nicht spielen sollte.

Studenten der Gaza-Musikschule, eine Niederlassung des Edward-Said-National-Konservatoriums für Musik

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://mondoweiss.net/2017/08/israels-siege-palestinian/?utm_sou
Publication date of original article: 02/08/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=21218

 

Tags: Gaza MusikschuleEdward-Said-National-Konservatorium für MusikKuktureller WiderstandReiseverbotePalästinensische MusikerZionistische Besatzung
 

 
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