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 20/10/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Sie warten noch immer auf einen palästinensischen Gandhi? Er/sie ist schon hier
Date of publication at Tlaxcala: 07/08/2017
Original: Still waiting for a Palestinian Gandhi? S/he's already here
Translations available: Español 

Sie warten noch immer auf einen palästinensischen Gandhi? Er/sie ist schon hier

Zaha Hassan زها حسن

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Die  zweithäufigste Frage, die palästinensischen USAmerikanern gestellt wird (die erste: Wo liegt Palästina?) ist:  „Wo ist der palästinensische Gandhi?“ USAmerikaner wollen wissen, warum Palästinenser keine gewaltlosen Taktiken anwenden, um ihrer jahrzehntelangen Unterdrückung und der Kolonisierung ihres Landes ein Ende zu bereiten.

Natürlich liegt in solch einer Frage die Vermutung, die von Medien über den „bösen Araber“ und den „nihilistischen Muslim“ gepflegt wird, als  auch von gut finanzierten öffentlichen Kampagnen von Lobby-Gruppen und ihren Denkfabriken, die den ganzen Nahen Osten als siedend heiße Brutstätte gegen den christlichen Westen portraitieren, und dass die Palästinenser genetisch auf Gewalt eingestellt seien.

Die Wahrheit ist, wenn es je einen Friedens-Nobelpreis für ein ganzes Volk  für die gelebte Beherrschung gegeben hätte, und für die hartnäckige  Entschlossenheit zu überleben und durchzuhalten, um ein besseres  Morgen aufzubauen   - trotz der systematischen Versuche,  es auszulöschen – ja, sogar trotz der Versuche zu leugnen, dass es – a la Golda Meir -  überhaupt existiert – dann sollte der Preis an das palästinensische Volk gehen.

Wo hat es denn schon die Gefangenschaft eines 2,2Millionen-Volkes gegeben, das absichtlich ein ganzes Jahrzehnt, was Nahrung, Wasser und Strom betrifft, abhängig  gemacht wurde, während das Narrativ darauf besteht, dass Gazas augenblickliches Leiden wegen Israels Sicherheit gerechtfertigt sei?

Wo hat es das gegeben, dass 7 Millionen Menschen das Recht verweigert wird, in ihr Land, zu ihren Häusern und ihrem vor 70 Jahren  konfiszierten Eigentum zurückzukehren, nur weil es die falsche Religion hat, während neue  illegale Siedlungen sich wild auf dem Stückchen Land in der Westbank ausbreiten, das für den noch nicht bestehenden Staat gedacht ist?

Wo hat es die  Staaten und  Körperschaften gegeben, denen das Völkerrecht und die Legalität anvertraut wurde, von einem besetzten Volk immer mehr Konzessionen zu verlangen und zu  verhandeln, um die Kriegsverbrechen  zu legitimieren und die Existenz des Besatzers zu normalisieren?

Die Wahrheit ist, dass jedes kleine Mädchen in der Westbank, das einen Checkpoint überquert, um in die Schule zu gehen, eine Rosa Parks ist; dass jeder Gefangene, der sein Leben  wochenlang  mit einem Hungerstreik riskiert, um  seine Gefangenschaft und seine Bedingungen in Frage zu stellen, ein Mandela ist, und jede heute  in Gaza angesichts  der entmenschlichenden Beraubung (Strom, Wasser) überlebende Person, ein palästinensischer Gandhi ist.

Wie viele  Tausende von Gebetsteppichen müssen  auf Jerusalems Straßen  noch ausgerollt werden, bevor der palästinensische gewaltfreie Widerstand nicht nur anerkannt, sondern auch unterstützt und ermutigt wird? Wie viel mehr  wöchentliche Freitags-Proteste sind in Bilin und andern Orten in der Westbank nötig? Wie viele Friedenszelte müssen in Jerusalem und in der Negev errichtet und nieder gerissen werden?

Es geht jedoch nicht um die Menge der Proteste – in Wirklichkeit geht es darum, dass  andere davon erfahren.

Gandhi wusste dies. Martin Luther King Jr.  wusste dies. Und die israelische Regierung, AIPAC  und jene, die daran interessiert sind,  Israels Macht über das palästinensische Land zu erhalten, wissen dies. Und  deshalb  zirkulieren so widerliche  Stücke von Gesetzgebung wie  die Anti-BDS Senat-Gesetzvorlage Nr. 720 in den Hallen des Kongresses. Die Gesetzvorlage, mit der Teilnahme der AIPAC abgefasst, würde  es zu einem  strafbaren Verbrechen machen mit 20 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von bis zu $ 1 Million, sich   für die Anwendung  von gewaltfreien wirtschaftlichen Taktiken gegen Israel einzusetzen.

Kann man sich vorstellen, dass Rosa Parks  20 Jahre Gefängnis abgesessen hätte, weil sie den Boykott der segregierten Busse organisierte? Oder dass Martin Luther King gezwungen worden wäre, 1 Million Dollar für einen Boykott der rassistischen Lunch-Tresen zu zahlen?

Es sollte für uns alle klar sein, dass  freie Meinungsäußerung um Ungerechtigkeit zu beenden  zu bestrafen, falsch ist.  Wenn Tatsachen vorgelegt werden,  begreifen dies die USAmerikaner. Und langsam, aber sicher auch einige Mitglieder des Kongresses, die anfangs den Gesetzesentwurf typisch reflexartig gefördert haben , sehen jetzt klar – wie Senatorin Gillibrand, die, als sie von der ACLU über das Anliegen der freien Meinungsäußerung und die verfassungsmäßige Hinfälligkeit der Gesetzesvorlage  alarmiert wurde, bei einer Wählerversammlung  ihre Bereitschaft ausdrückte, ihre Unterstützung neu zu überdenken.

Während CCN und Fox News die Hunderten und Tausenden von Palästinensern, die in der letzten Woche in den Straßen Jerusalems beteten, und  die gegen Israels  verborgenen Versuch, ihre Herrschaft über den Haram Asch-Scharif  auszuüben, protestierten, nicht zur Kenntnis nahmen, wurden diese Fragen im Übermaß beleuchtet, durch diese legislativen Versuche der Verteidiger Israels, die Unterstützung für gewaltfreien Widerstand in den besetzten Gebieten oder außerhalb zu beenden.

Aktivisten in der progressiven Bewegung sind sich intensiv  bewusst geworden, wie  ihre zivilen Freiheiten herausgefordert werden und zwar  im Dienst von Israels Besatzung über die Palästinenser. In ähnlicher Weise geschieht es, wenn US-Fluglinien Israels Gesetzgebung erfüllen und Menschenrechtsverteidiger daran hindern, nach Israel zu fliegen (Einschließlich jüdischer USAmerikaner, von denen einer ein Rabbi ist). USAmerikaner sehen die Verbindung zwischen  diesem  und den abscheulichen Einreiseverboten, die von der Trump-Regierung  auferlegt wurden.

Palästinenser und ihre Unterstützer sollten  hoffen (und in den Straßen beten), dass Israel weiterhin  die Art seiner Unterdrückung gegen sie aufdeckt, wie sie fortfahren, ihre alten gewaltfreien Taktiken anzuwenden, um Gerechtigkeit und die Herrschaft des Gesetzes zu einem wahren Verständnis der Ursachen und  zu Lösungen des israelisch-palästinensischen Konfliktes zu bringen.

Es gibt keinen machtvolleren Weg, eine Ungerechtigkeit bloß zu stellen und  Sinnestäuschungen  zu korrigieren, die mit jener Ungerechtigkeit  verbunden sind, als durch den Unterdrücker selbst. Rosa Parks, Dr. King und Gandhi wussten dies und so tun dies auch die Palästinenser und diejenigen, die solidarisch mit ihnen sind.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/1.804133
Publication date of original article: 30/07/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=21167

 

Tags: Gewaltfreier WiderstandPalästina/Israel
 

 
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