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 23/09/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Die echte Bedrohung in Israel ist nicht religiöse Indoktrination
Date of publication at Tlaxcala: 15/07/2017
Original: Religious Indoctrination Isn't the Real Threat in Israel

Die echte Bedrohung in Israel ist nicht religiöse Indoktrination

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Die Siedler haben Israel mehr Schaden angerichtet als die Haredim und  der  Nationalismus ist viel gefährlicher als die religiöse Indoktrination.



Ein Siedler von Amona im Westjordanland beim Gebet im Dezember 2016. Foto  BAZ RATNER/REUTERS

Jedes Mal wenn eine hebräische Bibel auf den Boden fiel, hoben wir sie schnell auf und küssten sie. Bis heute stehen in meinem Bücherschrank eine ganze Reihe von Bibeln in unterschiedlichem Zustand, die mir bei verschiedenen Gelegenheiten in meinem Leben gegeben und die ich nie wagte, wegzuwerfen würde.  In der Bibelklasse und in H. Kolikers (der später seinen Nachnamen in Yakir verändert hat) Talmudklasse trugen wir alle eine Kippah – das war obligatorisch.  Und während Prüfungen saß  er vor uns mit einer Zeitung, in der  ein kaum verstecktes Loch war, durch das er uns beobachtete, ob wir auch nicht mogeln.

In der Grundschule begann jeder Unterrichtstag mit einer Andacht, während der der Torah-Vers des Tages rezitiert wurde. Ich erinnere mich an viele Verse und kann sie auswendig, da  ich oft aufgerufen wurde, um sie laut zu lesen. Ich verstand sie nicht immer. Aber die Texte klangen schön auf dem Schulhof nach.

An Freitagen war unsere Kleidung blau und weiß und wir hatten ein Kabbalat Schabbat („Empfang des Sabbats“) in der Klasse. In der zweiten Klasse hatten wir unsere erste große  Feier, den „Festtag des Buches“, an dem der Schulrektor jedem von uns unsere erste  Bibel schenkte.

Wir lernten nie etwas über  das Christentum. Nichts außer dem Lesen  von A.A.Kabaks „Der schmale Pfad“. Wir hörten nichts über den Islam (oder über die Nakbah). Bei unserer Bar-Mitzwa wurden wir  in der Orthodoxen  Synagoge nach vorne gerufen, um aus der Torah zu lesen. Darüber redete man nicht. Das  war selbstverständlich.

All dies war in Tel Aviv in den 60er-Jahren in einer gut angesehenen öffentlichen Schule mit einer säkularen Schülerschaft, einige von ihnen wie ich, Kinder von säkularen Eltern. Als man uns die Aufgabe erteilte, Josefs Traum  über die 7 Kühe zu malen, weinte ich die ganze Nacht, weil es mir nicht richtig gelang. Mein Vater malte sie, ohne zu wissen, welchen Sinn dies hatte. Mein Vater konnte zwar gut  Latein, aber er konnte kaum den Unterschied zwischen Purim und Passower sagen.

Naftali Bennett war noch nicht geboren und das hebräische Wort Hadata (religiöse Indoktrination) war noch nicht geläufig. Wir wuchsen in einer religiöseren Atmosphäre auf, als uns bewusst war, in einem Land, das religiöser war, als es sich selbst darstellte. Selbst jetzt ist es das religiöseste Land in aller Welt mit der Ausnahme von Iran und Afghanistan. Ein Land, in dem sogar „säkulare“ junge Leute die Mesusa  am Türpfosten küssen, ohne weiter darüber nachzudenken,  ein Land, das  am Yom Kippur völlig und an Schabbat teilweise geschlossen ist, ein Land, in dem fast alle männlichen Babys beschnitten werden und wo die Mehrheit der Bewohner einmal im Jahr fasten, und wo  Scheidungen nur im Oberrabbinat geschehen, ist ein sehr religiöses Land, selbst ohne Hadata.

Der Aufschrei durch säkulare  Eltern über Hadata kommt ein paar Generationen zu spät. Das Schulsystem war religiöser und obligatorischer, als ich jung war. Heute muss man in der Bibelklasse keine Kippah tragen und man muss  bei der Morgenandacht nicht den täglichen Torah-Vers lesen. Die Revolution, die der Bildungsminister und seine Partei-Lakaien versuchen anzufachen, ist viel nationalistischer als religiös und viel gefährlicher, als ein Kind zu zwingen, eine Kippah zu tragen. Wenn zweite Klassen einen Festtag halten, um den Tempel zu bauen, ist das Ziel nationalistischer als religiös.

Das ist unser Land. Nur unseres. Wir werden den Tempel auf den Ruinen  der Al-Aqsa wieder aufbauen. Dies ist die wahre Botschaft, des Tempel-Festtages. Aber Nationalismus erregt weniger Opposition durch säkulare Eltern als religiöse Indoktrination, genau wie die Siedler weniger Abneigung als die Haredim auslösen. Es ist eine  unglückliche Verdrehung. Die Siedler haben Israel viel mehr Schaden angerichtet als die Haredim und Nationalismus ist viel  gefährlicher als religiöser Indoktrination.

In Israel gehen die beiden Hand in Hand. Religiosität steht im Dienst des Nationalismus. Das tief destruktive Gefühl, das auserwählte Volk zu sein, ist uns via Religion und im Dienst des Rassismus anerzogen worden. Religiöse Rechtfertigungen werden für das Siedlungsunternehmen für einen nicht religiösen Zweck zitiert. „Hebron  war immer, wird immer sein“ ist Kolonialismus, der in Religiosität eingehüllt wird.

Und nun regen sich Eltern über ein Schulbuch auf, das eine Familie mit Kippah und Kopfbedeckung zeigt. Das ist keine triviale Angelegenheit; der Kampf für Israels Säkularismus ist wichtig, aber der Kampf gegen den wachsenden Nationalismus und Rassismus ist viel wichtiger. Bennett kümmert sich nicht darum, ob wir eine Kippah tragen oder nicht. Er möchte nur das zweite Apartheid-Königreich  errichten – und das ist um vieles gefährlicher. 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://bit.ly/2vfJKij
Publication date of original article: 13/07/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20943

 

Tags: Hadata Haredim Religiöser ZionismusReligiöse IndoktrinationZionistische SiedlerSäkulare ZionistenPalästina/Israel
 

 
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