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 22/11/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Der unbeendete Sechstagekrieg: offener Brief an Netanjahu
Date of publication at Tlaxcala: 08/07/2017
Original: The Unfinished Six Day War: An open letter to Prime Minister Netanyahu
Translations available: عربي  Français 

Der unbeendete Sechstagekrieg: offener Brief an Netanjahu

Alon Ben-Meir אלון בן-מאיר آلون بن مئير

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Lieber Herr Netanyahu

Seitdem Sie den  50.Jahrestag des Sieges des Sechstagekrieges gefeiert haben, haben Sie  je darüber nachgedacht, was dieser Triumph dem palästinensischen Volk  und dem moralischen Charakter des Staates Israel gebracht hat? Ich bin mir nicht sicher, wie hart die Geschichte Sie beurteilen wird, aber eines ist sicher – Ich wie auch Millionen Juden in aller Welt sind zu tiefst davon überzeugt, dass kein Ministerpräsident Israels der Zukunft des Landes und seinem Wohlergehen mehr Schaden angerichtet hat als Sie.  Die traurige  Ironie ist, dass für Sie die Tatsachen vor Ort  unbehindert löschbar in Ihrem moralisch verzerrten Universum sind.

50 Jahre sind vergangen und als der Ministerpräsident, der am längsten im Amt war, haben Sie noch keine Vision über Israels Zukunft und das Schicksal der Palästinenser entwickelt. Stattdessen  fühlen Sie sich wohl  mit Scheinheiligkeit, geben vor, das zu tun, was recht ist und verteidigen Ihr endloses Lügen und  die verdrehte Logik, und machen aus Falschheit eine Tugend. Denken Sie, Herr Netanyahu daran, ein moralischer Führer betrügt und täuscht nicht, sondern nimmt eine klare  Stellung ein, ganz egal wie unpopulär sie sein mag – Sie haben aber eine Politik verfolgt, an der nichts außerhalb der Grenzen ist.

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Sie  erklären, eine Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen, und dass sie bereit seien ohne Bedingungen zu verhandeln, aber alles, was sie gesagt oder getan haben, steht in totalem  Gegensatz zu dieser Erklärung. Wie  bringen Sie eine Zwei-Staaten-Lösung in Einklang  mit Ihrer Erklärung: „Ich denke, dass jeder, der sich dahin bewegt, heute einen palästinensischen Staat zu errichten und Gebiete  räumt, gibt dem radikalen Islam  ein Gebiet, von dem er den Staat Israel angreifen kann“?  Und als Sie 2015 während der letzten Wahlen gefragt wurden, ob unter Ihrer Führung nicht   ein palästinensischer Staat geschaffen wird, sagten Sie: „Gewiss nicht“.

In Ihrer Rede  vor dem US-Kongress im Mai 2011  erklärten Sie: „Dies ist das Land unserer Vorfahren, das Land Israel, dem Abraham  die Idee von einem einzigen Gott brachte,  wo David  gegen Goliath kämpfte und wo  Jesaja eine Vision vom ewigen Frieden hatte.“ Während derselben Rede haben Sie inbrünstig proklamiert, dass „in Judäa und Samaria die Juden keine fremden Besatzer“ seien.

Sagen Sie mir, wie  diese Erklärungen  mit der Idee eines palästinensischen Staates, der  auf demselben Land errichtet werden  soll, konform gehen, wenn Sie nicht die Absicht haben, jemals  eine Siedlung zu räumen?  Sie bestätigten im September 2016 noch einmal und sagten: „Die palästinensische Führung fordert tatsächlich   unter einer Bedingung einen palästinensischen Staat: keine Juden. Dafür gibt es eine Phrase: dies wird ethnische Säuberung genannt“.

Sie benützen nationale Sicherheit als Blanko-Scheck, und verbreiten  Angst, indem  Sie die Palästinenser als die größte Gefahr darstellen, der die Nation gegenübersteht. „Um  unsere Existenz abzusichern“,  erklärten Sie, „müssen wir  eine militärische und Sicherheitskontrolle über das ganze Gebiet westlich des Jordan  haben“.

Wie viel  Bedeutung sollten die Palästinenser auf Ihre angebliche Bereitschaft zur Verhandlung  einer Zwei-Staaten-Lösung legen, wenn Sie im selben Atemzug von Abbas leidenschaftlich verlangen, dass er zuerst Israel als jüdischen Staat anerkennen muss?  Wie Sie sagten, „der wirkliche Kern des Konfliktes  ist nicht  diese oder jene Siedlung oder diese oder jene Gemeinde, es ist die  hartnäckige und anhaltende (palästinensische) Weigerung, den jüdischen Staat  in jeder Grenze anzuerkennen“.  Beide Behauptungen sind unwahr und unbegründet.

Falls die Verhandlungen ohne Vorbedingungen starten sollten, wie könnten Sie  behaupten, dass „Jerusalem die ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes“ ist?  Bei einer anderen Gelegenheit, stellten Sie fest, dass „(Israel) Jerusalem nicht vor 50 Jahren  besetzte, es wurde befreit … Ich möchte der Welt  mit lauter und klarer Stimme sagen: Jerusalem ist immer und wird immer die Hauptstadt Israels sein“.  Wenn Sie die Zukunft Jerusalems vom Verhandlungstisch wischen, ist das nicht eine  Vorbedingung?

Sie behaupten weiterhin, dass die Siedlungen kein Hindernis für den Frieden seien.  Können Sie erklären, durch welches Wunder die Siedlungen  die Errichtung eines palästinensischen Staates  mit durchgehender Landmasse  nicht verhindern  werden, besonders wenn Sie die Ausdehnung ( der Siedlungen) weiter befürworten und  die Evakuierung bestehender Siedlungen ausschließen?

Um sicher zu sein H. Netanjahu, Ihr verzweifelter Bedarf einer Bestätigung Ihrer dubiosen Machenschaften und fanatischen Haltung führt Sie dahin,  unter den Israelis eine  Atmosphäre der Unsicherheit und ein Gefühl von Verletzlichkeit zu schaffen,  und auf diese Weise die politische Unterstützung sammeln, um an der Macht zu bleiben.  Wenn dies nicht das Kennzeichen einer Demagogie ist, was ist es dann? Aristophanes drückte es so aus: „Ihr (Demagogen) seid wie  Fischer( nach Aalen); in ruhigen Gewässern fangen sie nichts,  aber wenn sie  den Schlamm aufwühlen, dann machen sie große Beute. In derselben Weise füttern Sie Ihre Taschen“.

Sie verlangen, dass sich die Palästinenser ruhig verhalten und nicht wagen sollen, der Besatzung zu widerstehen, aber was haben Sie ihnen angeboten?  Sie weigern sich, politische Gefangene zu entlassen, Sie weigern sich, die Erweiterung der Siedlungen  zu stoppen, Sie weigern sich,  den Palästinensern Baugenehmigungen zu erteilen und  sie weigern sich, den Palästinensern uneingeschränkte  Bewegungsfreiheit zu geben,  abgesehen von  den täglichen Schikanen, denen sie unterworfen sind. Wenn Sie wirklich Frieden wollen, H.Netanjahu, hätten Sie dann nicht am 50. Jahrestag wenigstens eine Geste des guten Willens machen können, z.B.  ein paar Hundert palästinensische politische Gefangene zu entlassen, um ihnen Hoffnung zu geben, dass neue, hellere und  glücklichere Tage kommen werden?

Sie sollten sich daran erinnern, was  Frederick Douglass einmal  beobachtete: „Wo  Gerechtigkeit verweigert wird, wo sich Armut durchsetzt, wo Ignoranz vorherrscht und wo jede Klasse das Gefühl hat,  die Gesellschaft sei eine organisierte  Verschwörung ,um sie zu unterdrücken, zu rauben  und zu  degradieren, da sind weder Menschen noch Eigentümer sicher“.

Den Palästinensern die Schuld zu geben, dass kein Frieden ist, ist bestenfalls scheinheilig.  Was  wollen Sie von ihnen?  Sie  sind von Israels Gnade abhängig. Sie haben nichts mehr, was sie Ihnen geben könnten. Sie, H. Netanjahu, haben die Macht, den Rahmen für Frieden vorzuschlagen.  Kein Land oder keine Koalition von Ländern im Nahen Osten kann erwarten, Israel  in der nächsten Zukunft  militärisch zu besiegen. Wenn Sie nicht jetzt aus Stärke den Frieden verhandeln,  wann dann?

Frieden, der sich  auf einer Zwei-Staaten-Lösung gründet,  ist keine Gunst für die Palästinenser -  er ist  fundamental  für Israels lang anhaltende  nationale Sicherheit. Ohne Frieden  gefährden Sie  die jüdische Nation, für die schon so viele  gelitten haben und gestorben sind.

H. Netanjahu denken sie daran, fast 80% der Palästinenser und fast 70% der Israelis wurden unter der Besatzung geboren. Welche Art  eines jüdischen Staates schaffen Sie?  Ein Staat dessen Aufgabe es ist, ein anderes Volk zu unterdrücken, weil Leute wie Sie sie als den ewigen Feind darstellen?

Haben Juden nicht lang genug (In Verhältnissen) gelebt, um zu wissen, was es heißt, verfolgt, in Gefangenschaft, getrennt, vertrieben und zum Tode verurteilt zu sein ?  Suggerieren Sie, dass die Palästinenser ein untilgbarer Feind sind und wir, die Juden, müssen sie unterdrücken und demütigen, um sicher zu sein?

Nein H. Netanjahu. Wie Sie  die Palästinenser tagein tagaus unterwerfen, wie Sie sich über jüdische Werte hinwegsetzen, sich über das hinwegsetzen, was moralisch und  recht ist, sich über Logik hinwegsetzen und sich  allein über den Grund hinwegsetzen, warum Juden kämpften um Jahrzausende zu überleben, um unser eigenes Land zu haben.

Sie und Ihre blinden Zeloten sind äußerst ignorant  gegenüber dem, für das wir stehen müssen. Sie zerstören Stein um Stein das einzige Land, das jedem Juden Zuflucht bietet, der in einem freien, demokratischen jüdischen Staat leben möchte. Die Besatzung macht Israel nicht zu einem freien, sicheren und unabhängigen  Staat, sondern zu einem Gefängnis mit Zäunen, Mauern, Bunkern und Schutzräumen, mit zehn Tausenden  von Soldaten, die  bereit sind, zu töten, zu überfallen und zu zerstören.

Warum?

Weil Sie die Palästinenser  zum ewigen Feind machen wollen, nur um eine verzerrte Ideologie zu unterstützen, die mutwillig ihre ganze Realität ignoriert. Ja, die Existenz des palästinensischen Volkes ist eine Tatsache, die man nicht wegwischen kann. Geschieht es Ihnen, dass Sie  ein normales Leben ohne Angst, ohne  Furcht, ohne Beunruhigung und ohne Sorgen  leben wollen? Passiert es Ihnen jemals, dass die  fortdauernde Besatzung im Wahnsinn des Extremismus mündet? Würden wir, die Juden, unter brutaler Besatzung anders gehandelt haben?

Als einer, der behauptet, nicht nur Israel, sondern das Weltjudentum zu vertreten, haben Sie dann nicht die Verpflichtung, eine Vision anzubieten, wohin Sie das Volk Israel führen werden? Und was sollten Juden in aller Welt,  in deren Namen Sie zu sprechen behaupten, nach  fünf oder zehn Jahren erwarten?

Nach der fortgesetzten gespannten und schrecklichen Situation in den Gebieten, ist es nur eine Sache  von Zeit,  wann der nächste blutige Flächenbrand geschehen wird.  Das Blut eines jeden israelischen und palästinensischen Mannes, Frau und Kindes wird  an Ihren Händen kleben. Kein anderer trägt die Schuld an Ihrer Paralyse nicht zu handeln außer Ihnen.

Sie können nicht Ihren irren und skandalöse , hartherzigen Ideologie-Partnern wie Bennett, Shaked und Lieberman die Schuld geben, die sich weigern, das Licht zu sehen und lieber im Dunkeln leben und die nicht wissen, was vor ihnen liegt. Sie legen eine Hundeleine um Ihren Hals und  Sie begrüßen dies, weil  Sie  sie  scheinheilig  gebrauchen, um  Ihnen  den politischen Schutz zu geben, um Ihr verdrehtes Vorhaben durchzuführen.  Sie sind es  und zwar nur Sie, die die Richtung  ändern können, indem Sie sie los werden und eine neue Regierung  bilden, die dem Frieden verpflichtet ist, falls Sie ihn nur wollen. Aber Sie wollen ihn ja nicht.

Ich frage mich,  H. Netanjahu, welche Art von Vermächtnis wollen Sie zurücklassen? Die wirklichen Früchte des Sechstagekrieges  zu ernten, wäre Frieden zu machen. Nichts anderes wird den Sechstagekrieg zu einem Triumph machen, außer  Frieden, weil der Krieg weitergeht. Sie – mehr als jedes andere Lebewesen in Israel  - werden der nächsten Generation verantwortlich und rechenschaftspflichtig sein, die Sie fragen wird: Warum? Warum müssen wir in einem selbst geschaffenen Gefängnis leben, wenn der Staat Israel geschaffen wurde, um uns zu befreien?

Die Geschichte wird Ihnen gegenüber nicht freundlich sein H. Netanjahu, wenn Sie den Lauf der Dinge nicht ändern werden. Es wird Zeit, nachzudenken, weil das Schicksal der Nation von Israel in Ihren Händen liegt.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://alonben-meir.com/writing/unfinished-six-day-war-open-letter-prime-minister-netanyahu/
Publication date of original article: 12/06/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20903

 

Tags: SechstagekriegNetanjahuZionistische BesatzungPalästina/Israel
 

 
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