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 11/12/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Toter Araber, guter Araber
Date of publication at Tlaxcala: 16/06/2017
Original: Good Arab, Dead Arab

Toter Araber, guter Araber

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

In Israel ist die polizeiliche Tötung eines Demonstranten eine Randgeschichte, nur weil das Opfer ein Araber ist



Beerdigung von Mohammed Taha in Kafr Kassem am 6. Juni 2017. Foto David Bachar

Sagen wir mal, der Demonstrant, der von der Sicherheitswache erschossen wurde,  sei ein Jude gewesen, vielleicht war er ein ultra-orthodoxer (Haredi) oder einer  äthiopischen Ursprungs oder  - stell Dir vor – ein Siedler. Es ist schwierig,  sich das vorzustellen, weil es so selten vorkommt. Aber wenn ein jüdischer Demonstrant  von den Sicherheitskräften erschossen worden wäre, wäre das Land im Aufruhr, obgleich selbst dann der Grad des Aufruhrs sich nach dem ethnisch-politischen Rang des Opfers gerichtet hätte: Wenn das Opfer ein Äthiopier wäre, hätte es weniger Aufruhr gegeben; wenn er ein Haredi  gewesen wäre, mehr und falls er ein Siedler gewesen wäre, wäre es das Ende der Welt gewesen.

Aber es war Mohammed Tahas Pech, als Araber geboren worden zu sein, und nicht als Siedler, nicht als Haredi und nicht einmal als  äthiopischer Jude. Ein Araber zu sein, war sein Unglück, im Leben wie im Sterben. Deshalb wurde sein Tod von den israelischen Medien beiseite gewischt und nicht als Tragödie angesehen. Der Lehrer, der seine Schüler in einer Tel Aviv-Schule in unangemessener Weise umarmte, war die größere Story am Dienstag, denn es betraf unsere zärtlichen, kostbaren Kinder. Die arabischen Bürger sind weit weniger zärtlich und kostbar für uns.

Deshalb wurde die Tötung eines arabischen Demonstranten an den Rand geschoben. Man kann es kaum glauben, aber das polizeiliche Töten eines Demonstranten ist eine zweitklassige Geschichte, nur weil er ein Araber war.

Es ist ein unglaublicher Zufall, dass die erschossenen Demonstranten in Israel  immer Araber sind. Die erschossenen Diebe sind auch fast immer Araber. Es ist ein erstaunlicher Zufall, fast so logische wie „Yitzhak Rabin wurde am Rabin-Platz  getötet“. Die 13 Opfer im Oktober 2000 waren Araber: Yakub Abu Al-Kiyan, im Januar bei Um Al-Hiran im Negev getötet, war Araber und Mohammed Taha war ein Araber. Es ist reiner Zufall, dass seit Oktober 2000, entsprechend dem Mossawa Plädoyerzentrum für arabische Bürger in Israel, 55 arabische Bürger von Sicherheitskräften und jüdischen Siedlern getötet wurden. Nouf Iqab Enfeat, das 15-jährige Mädchen, das in der Nähe Mevo Dotan letzte Woche von Soldaten getötet wurde, als sie floh, war auch eine Araberin, wie alle  Mädchen mit Scheren und Jungs mit Messern, die die Sicherheitskräfte grundlos  töteten.

Es ist leider Zufall, dass es Araber waren, die getötet wurden. Doch die Wahrheit ist, dass bis jetzt kein Sicherheitsmann geboren worden ist, der einen jüdischen Demonstranten aus einer geschützten Stellung  erschießen würde, weil „der Tod aus seinem Auge schaute“. Die  Israelis haben einen eingeborenen Instinkt, den Tod zu sehen, sobald sie einen Araber sehen. Deshalb schießen sie und töten sie. Sie wurden alle getötet, nicht weil sie demonstrierten, Steine warfen, Patrouillenwagen anzündeten oder versuchten, einen  Soldaten zu erstechen. Sie wurden zu allererst getötet, weil sie Araber sind. Sonst wären sie nicht mit solch schändlicher Ruhe getötet worden.

Und es ist auch kein Zufall, dass es so selten irgendwelche Konsequenzen für die Mörder gibt und manche werden sogar die Helden der Stunde. „Wir werden den Schießer nicht alleine lassen“, sagte die Polizei am Mittwoch. Der Schießer ist auch ein Opfer, das nicht allein gelassen werden darf, auch nicht vor der Untersuchung, die nie beginnen wird. Wir reden aber nicht nur über das Schicksal des toten Mannes, nicht nur über die schreckliche Verachtung des arabischen Lebens, welches das billigste hier in Israel ist. Was an dieser ganzen Geschichte schockierend ist, dass dies aus Rassismus geschieht – aber keiner sieht darin eine Gefahr für die Demokratie. Wegen all dieses Rassismus, sieht keiner, dass  Polizeioffiziere und Sicherheitsleute, die einem arabischen Demonstranten ins Gesicht schießen, um ihn zu töten, dasselbe einem jüdischen Demonstranten tun könnten. Vielleicht aber ist der Rassismus so tief verwurzelt, dass so etwas nie geschehen könnte und die Demokratie nur für Juden bewahrt ist  - in einem jüdischen, nicht demokratischen Staat.

Die israelische Polizei müsste eine besondere Vorsicht walten lassen, wenn es um Kafr Kassem geht. Der Staat Israel sollte jedes Mal seinen Kopf vor Schande  und Schuld beugen, wenn es um diesen Ort geht. Vor 60 Jahren wurden 47  Bewohner, einschließlich neun Frauen und 17 Kinder  und Teenagers von derselben Polizei massakriert;  der Staat sollte seit langem um Entschuldigung bitten und die Polizei  sollte sich in diesem Ort sogar mehr um die Sicherheit der Einwohner kümmern als in anderen Orten.

Stattdessen hatten wir in Kafr Kassem ein Minimassaker,  diesmal von nur einer Person. Lasst uns wenigstens zugeben, dass dies nie einem Juden geschehen würde. Das sagt schon alles. 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.794466
Publication date of original article: 07/06/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20750

 

Tags: Mohamed TahaKafr KassemAußergerichtliche HinrichtungenZionistische VerbrechenZionistische BesatzungRassismusPalästina/Israel
 

 
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