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 19/10/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Sechstagekrieg: Fünfzig Jahre, fünfzig Lügen
Date of publication at Tlaxcala: 06/06/2017
Original: Six-Day War: Fifty years, fifty lies
Translations available: Français  Español 

Sechstagekrieg: Fünfzig Jahre, fünfzig Lügen

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

 

Es begann mit der Frage, wie man das Westjordanland und Gaza nennen sollte. Im israelischen Rundfunk entschied man, den Begriff „vorübergehend gehaltene Gebiete“ zu verwenden Das war Lüge Nr. 1.



Von l. nach r.: die Generäle Rehavam Ze'evi und Uzi Narkiss, Kriegsminister Moshe Dayan und Stabchef  Yitzhak Rabin in der Nähe der westlichen Mauer  in Jerusalem während des Sechstagekriegs. IDF archive

 

Nehmen wir an, die Besatzung ist gerechtfertigt. Sagen wir außerdem, dass Israel keine Wahl hat. Lasst sie nicht einmal eine Besatzung nennen. Sagen wir, sie sei vom Völkerrecht anerkannt worden und die Welt habe sie begrüßt. Nehmen wir an, die Palästinenser sind dankbar für ihre Anwesenheit. Nichtsdestoweniger liegt ein kleines Problem auf ihr: Das ganze Ding ist komplett auf Lügen gegründet.

Von Anfang an bis zum sich hinziehenden Ende – es ist alles eine Packung Lügen. Nicht ein einziges wahres Wort ist damit verbunden. Wären diese Lügen nicht gewesen, wäre sie in ihrer Fäulnis vor langer Zeit zusammengebrochen. Wären diese Lügen nicht gewesen, ist es zweifelhaft, dass sie überhaupt zustande gekommen wäre. Diese Lügen, auf einige derjenigen die Rechte stolz ist („für das Land Israel ist es erlaubt zu lügen“), reichen aus, um jeden anständigen Menschen in Abscheu zurückweichen zu lassen. Man benötigt nicht ihre anderen Schrecken, um davon überzeugt zu sein.

Es begann mit der Frage, wie man die Gebiete nennen sollte. Im israelischen Rundfunk wurde entschieden, den Begriff „vorübergehend gehaltene Gebiete“ zu verwenden. Das war Lüge Nr. 1, die beinhaltete, die Besatzung sei zeitweilig sei und Israel beabsichtige, von diesen Gebieten abzuziehen, dass sie nur ein Faustpfand in der Friedenssuche seien. Das ist wahrscheinlich die größte Lüge, und sie ist sicherlich die entscheidendste. Es ist die Lüge, die die Feier des Jubeljahrestags ermöglicht hat. Die Wahrheit ist, dass Israel niemals vorhatte, die Besatzung zu beenden. Ihr angeblich vorübergehender Zustand schickte die Welt mit einer Täuschung in den Schlaf.

Die zweite große Lüge war das Argument, dass die Besatzung den Sicherheitsinteressen Israels dient, dass es eine Maßnahme der Selbstverteidigung durch eine hilflose Nation ist, die von Feinden belagert wird. Die dritte Lüge war der „Friedensprozess“, welcher nie wirklich stattfand und der auf jeden Fall nur darauf abzielte, der Besatzung mehr Zeit zu kaufen. Diese Lüge hatte viele Beine. Die Welt war Komplize, belog sich permanent selbst. Es gab Argumente, die Präsentation von Landkarten (alle von ihnen ähnlich), Friedenskonferenzen wurden mit zahlreichen Gesprächsrunden und Gipfeln abgehalten, mit Abgesandten, die hin und her eilten, und hauptsächlich leeres Geschwafel. Dies alles basierte auf einer Lüge, welche die Annahme war, dass Israel sogar die Beendigung der Besatzung in Erwägung zog.

Die vierte Lüge, offensichtlich, ist das Siedlungsunternehmen. Dieses Projekt wurde in einer Lüge geboren und aufgezogen. Nicht eine einzige Siedlung wurde auf ehrliche Weise errichtet, beginnend mit einer Übernachtung im Park Hotel in Hebron, durch „Arbeitslager“, „Schutzlager“, „archäologische Ausgrabungen“, „Naturschutzgebiete“, „Grünanlagen“, „Brandplätze“, „Landvermessungen“, Außenposten und Erweiterungen – all diese Fälschungen, die mit einem Augenzwinkern und einem Nicken begangen wurden, in diesem Kontext in der größten Lüge kulminierend, der des „staatlichen Lands“, einer Lüge, die nur mit der Israels von den Palästinensern als „anwesende Abwesende“ vergleichbar ist.

Die Siedler logen und die Politiker logen, die Armee und die Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten logen – sie alle logen die Welt an und belogen sich selbst. Aus dem Schutz eines Antennenmastes erwuchs eine Mega-Siedlung, und aus einem Wochenende in dem Hotel erwuchs die schlimmste Siedlung von allen. Die Kabinettsmitglieder, die unterschrieben, die Knesset-Mitglieder, die nickten und mit den Augen zwinkerten, die Offiziere, die unterzeichneten und die Journalisten, die weißwuschen, sie alle kannten die Wahrheit. Die USAmerikaner, die „verurteilten“, und die Europäer, die „wütend“ waren, die UN-Vollversammlung, die „aufrief“, und der Sicherheitsrat, der „entschied“ – keiner von ihnen hatte jemals die Absicht, dem irgendeine Handlung folgen zu lassen. Die Welt belügt sich ebenfalls. Es ist auf diese Weise für jeden bequem.

Es ist ebenfalls bequem, täglich die endlosen Lügen herauszugeben, die die Verbrechen der Israelischen Streitkräfte, der Grenzpolizei, des Shin Bet, des Gefängnisdienstes und der Zivilverwaltung zu vertuschen – des gesamten Okkupationsapparats. Es ist bequem, eine gesäuberte Sprache zu verwenden, die Sprache der Besatzer, die von den Medien so geliebt wird, dieselbe Sprache, die sie verwenden, um ihre Ausreden und Rechtfertigungen zu beschreiben. Es gibt kein anderes Weißwaschen wie das der Okkupation, und es gibt keine andere breite Koalition, die sie mit einer solchen Hingabe erweitert und unterstützt. Die einzige Demokratie im Nahen Osten, die eine brutale Militärtyrannei unterhält, und die moralischste Armee der Welt, die mehr als 500 Kinder und 250 Frauen in einem Sommer tötet – kann sich jemand eine größere Lüge vorstellen als diese? Kann sich jemand einen größeren Selbstbetrug vorstellen als die vorherrschende Meinung in Israel, dass uns all das aufgezwungen wurde, dass wir das nicht wollten, dass die Araber schuld sind? Und wir haben noch nicht einmal die Zwei-Staaten-Lüge erwähnt und die Lüge über das nach Frieden strebende Israel, die Lügen über die Nakba 1948 und die „Reinheit“ unserer Waffen in diesem Krieg, die Lüge, die ganze Welt sei gegen uns, und die Lüge, beide Seiten hätten schuld.

Seit Golda Meirs „wir werden den Arabern nie verzeihen, dass sie unsere Kinder gezwungen haben, sie zu töten“ bis zu „eine Nation kann nicht Besatzer seines eigenen Landes sein“, Lügen folgen auf Lügen. Bis heute hat das nicht aufgehört. Fünfzig Jahre Okkupation, fünfzig Schattierungen der Verlogenheit. Und nun? Noch einmal fünfzig Jahre?

Dt. Fassung von A.W.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.haaretz.com/israel-news/six-day-war-50-years/.premium-1.793000
Publication date of original article: 01/06/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20667

 

Tags: SechstagekriegZionistische BesatzungPalästina/Israel
 

 
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