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 25/07/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Eine herzliche Bitte um Entschuldigung an gewisse Leser von Haaretz
Date of publication at Tlaxcala: 22/04/2017
Original: A Heartfelt Apology to Haaretz Readers

Eine herzliche Bitte um Entschuldigung an gewisse Leser von Haaretz

Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  -  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Ich entschuldige mich bei allen beleidigten Lesern für die Einseitigkeit: wie konnte ich  die Balance zwischen dem Mörder und dem Gemordeten, dem Dieb und seinem Opfer, dem Besatzer und dem Besetzten nicht halten?

Liebe Orna und Lieber Moshe Gan-Zvi,

Ich war traurig, als ich  am Dienstag in der hebräischen Ausgabe von Haaretz las, dass Ihr euch

Manny Francisco, Philippinen

entschieden habt, Euer Abonnement zu kündigen. Ich kenne euch nicht, aber ich werde euch als Leser vermissen. Als jemand, der teilweise mitverantwortlich für eure Entscheidung ist, da Euer Artikel darauf hinweist, erlaube ich mir, mich zu entschuldigen. Zu entschuldigen, dass ich all die Jahre  die Wahrheit schrieb.  Ich sollte beachtet haben, dass diese Wahrheit für euch nicht angenehm war und ihr entsprechend handeltet.

Es war für Euch  nicht angenehm, die Theorie zu lesen, die von mir und  Haaretz‘ Korrespondentin Amira Hass  über die Besatzung aufgestellt wurde. Ihr, die ihr  im Rotary-Club Israel aktiv seid, die ihr aus der Geschäftswelt kommt, die ihr so stolz auf Eure Kinder seid und die Tatsache, dass sie im Westjordanland leben. Euer Sohn wurde in der ELI- Akademie zur Vorbereitung auf den Militärdienst ausgebildet und eure  Enkelinnen  sind stolz, den Nachnamen  Sheetrit zu haben. Ihr, die ihr  mit euch selbst  und mit euren Werten zufrieden seid, mit euren Kindern und eurer Moral, denkt nicht, ihr müsst unangenehme Dinge lesen. Ihr verdient es einfach nicht.

Tatsächlich, wie konnte ich all die Jahre verbracht haben und Artikel veröffentlichen,  durch die sogar ihr zugegeben habt, berührt zu sein, ohne jemals – zu meiner  Schande – diese palästinensischen Familien kontrolliert zu haben, wie sie mit ihrem Dilemma fertig werden. ? Wirklich, wie konnte das geschehen? Natürlich war es ihre eigene Schuld, aber ich gebe dem israelischen Militär die Schuld -  wie konnte ich dies tun? Und wie konnte Amira Hass  so einseitig sein, dass ihr die Perspektive fehlte, die erklären würde, wie ein Volk die Eliminierung eines andern Volkes einer demokratischen Gesellschaft vorzieht? Wirklich, wie konntest du das, Amira.

Ich vermute, Moshe, dass falls sie dich jahrelang in einen Käfig gesperrt hätten, dann wärst du weiter im Rotary-Club und  würdest dich weigern einen Kampf  gegen deine Einkerkerung zu unterstützen. Ich vermute, Orna,  dass wenn  ausländische Soldaten mitten in der Nacht in deine Wohnung eindringen würden und  deinen Moshe vor deinen Augen verhaften, ihn stoßen, ihn auf seine Knie zwingen,  ihm seine Augen verbinden, ihm an seinen Händen fesseln und ihn vor euren Kindern schlagen, die an Eli studieren und ihn  dann packen und  ihn monatelang ohne Gerichtsverhandlung fern von zuhause halten würden – dass Du nach „kreativer Leadership“ für deine Leute Volk suchen würdest.

Ich vermute, dass ihr, die ihr aus der Geschäftswelt kommt, liebevoll jene akzeptieren würdet, die  euren Besitz konfiszieren und euch aus eurem eigenen Land vertreiben würden. Ich bin mir sicher, es würde euch nie passieren, dass ihr  gegen jene kämpft, die euch in so vielen Jahren gefoltert haben.

Was können wir tun? Die Palästinenser sind anders als ihr, liebe Orna und Moshe. Sie wurden nicht in solch vornehmen Höhen geboren  wie ihr. Sie sind menschliche Tiere, blutrünstig, geboren, um zu töten. Nicht alle von ihnen sind so  moralisch wie ihr und eure Kinder von der Eli-Akademie. Ja, da sind Leute, die für ihre Freiheit kämpfen. Da gibt es Leute, die gezwungen werden, Gewalt anzuwenden. Tatsächlich gab es fast keine Nation - einschließlich des erwählten Volks, worauf ihr so stolz seid, anzugehören -,  die nicht in dieser Weise gehandelt hat. Ihr gehört nicht nur dazu. Ihr  seid die Feuersäule, die das Lager anführt, Ihr seid die besten, die moralische Elite, ihr die religiösen Zionisten.

Ich entschuldige mich für die Einseitigkeit. Wie  konnte ich die Balance zwischen dem Mörder und dem Gemordeten, dem Dieb und seinem Opfer, dem Besatzer und dem Besetzten nicht halten? Vergebt mir, dass ich es wage, eure Freude und euren Stolz im Land, in dem es Milch und Mobileye und Kirschtomaten fliessen. Es gibt da so viele wunderbare Dinge in diesem Land und Haaretz –mit seinem „Moralverfall“ wie ihr  dies nennt, verdirbt das Fest. Wie konnte ich nicht sehen, dass ihr nicht die Wahrheit lesen wollt und ich das nicht berücksichtigte, als ich jede Woche aus den besetzten Gebieten zurückkam, um das schreiben, was ich mit eigenen Augen  gesehen hatte?

Doch jetzt ist es zu spät. Der Aufruf zum Boykott von Schokoladenaufstrich war auch für euch zuviel,  so habt Ihr euch  entschieden, Haaretz zu boykottieren. Von jetzt ab wird nur eine Zeitung auf Eurem Frühstückstisch liegen, die wöchentliche  rechte Makor Rishon. Sie wird nicht darüber schreiben, wie IDF Soldaten  fünf palästinensische Autofahrer  vor drei Wochen, mit einem Kugelhagel übersät haben und ich bin sicher, Eure Schabbate werden von jetzt ab viel angenehmer sein.

http://tlaxcala-int.org/upload/gal_15810.jpg

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://bit.ly/2opv4u5
Publication date of original article: 20/04/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20328

 

Tags: ZionismusRealität der Besatzung konfrontierenPalästina/Israel
 

 
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