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 11/12/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Yuli Novak: „Die Besatzung wird kollabieren und dann werden wir eine moralische Gesellschaft hier aufbauen“
Date of publication at Tlaxcala: 05/04/2017
Original: 'The occupation will collapse. And then we'll build a moral society here' : Yuli Novak
Translations available: Italiano 

Yuli Novak: „Die Besatzung wird kollabieren und dann werden wir eine moralische Gesellschaft hier aufbauen“

Yuli Novak יולי נובק

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  -  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Am Samstagabend den 1. April versammelten  sich Tausende von Palästinensern und Juden in Jerusalem, um gegen die Besatzung des Westjordanlands, des Gazastreifens und der Golanhöhen zu demonstrieren, die vor  50 Jahren begann.  Die Direktorin von  „Das Schweigen brechen“ Yuli Novak sprach zu den Demonstranten über die Bedeutung der Solidarität und des Widerstands gegen die Gewalt und den Rassismus der israelischen Regierung. Hier ist eine Abschrift der Rede.

 

Dies sind dunkle,  düstere Tage. Unser Land wird von Besatzung, Messianismus, Rassismus, Ignoranz, Herzlosigkeit und Gewalt  beherrscht. Die rechte Regierung anzuklagen wird nicht helfen. Auch nicht  in unsern Wohnzimmern sitzen zu bleiben und über den Tag phantasieren,  wo sie ersetzt werden. Und bitte, Schluss  mit der „Jeder außer Bibi“-Rhetorik: Lapid ist nicht anders.

Die Veränderung, die wir hier anzustoßen brauchen, fordert  Mut und  Ehrlichkeit und die Bereitschaft, einiges zu opfern – die Bereitschaft Privilegien aufzugeben und den Preis zu zahlen. Zeigt mir einen Politiker – einen einzigen! – der  Ministerpräsident werden will, und der bereit ist, dies zu tun.

Während der dunklen Tage wie diese, die durch tägliche  Gewalt gekennzeichnet sind,  intensivierten Hass, schrecklichen Rassismus, Besatzung,  gibt es nur einen Weg, um zu gewinnen: Widerstand. Kampf, Solidarität. Das ist es. Widerstand – das ist unsere Stärke und die Schwäche der Regierung. Sich den Kämpfen anzuschließen  ist unsere  Hoffnung, und  ist was einen Kollaps des Regimes bringen wird. Solidarität ist unsere zivile Kraft und die größte Furcht des Regimes.  Und es gibt nichts schreckenerregenderes für schlechte Regime, als der Moment, wenn die Bürger aufstehen, widerstehen und  furchtlos kämpfen.

Wenn Palästinenser dies  mit gewaltfreien Demonstrationen in den besetzten Gebieten  tun– in Bilin, in Hebron, in Scheikh Jarrah – dann ist die Antwort des Regimes immer nur Gewalt und  Zwang. Wir müssen deshalb uns zusammentun. Weil Widerstand und zivile Kämpfe die einzigen Mittel sind, um gewalttätige Regime herauszufordern. Sie sind  das einzige Mittel, das nicht mit Gewehren und Schlagstöcken unterdrückt werden kann.

Solidarität ist eine Geisteshaltung. Bereit sein, etwas für den anderen zu opfern und zu verstehen, dass dies der einzige Akt ist, den das Regime nicht tolerieren kann. Solidarität ist kein leerer Slogan. Sie ist ein Mittel, mit dem wir weder genügend vertraut noch darauf geschult. Diese Sachlage ist günstig für das Regime und ist Jahrzehnte lang von rechten wie linken Regierungen gefördert worden, die sich vergewissert haben,  dass wir nur an uns selbst denken,  in existenzieller Angst leben, die Besatzung für nötig halten und  auf den Rassismus schauen als etwas, das uns definiert.

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Der Marsch am 1. April in Jerusalem. Foto Yonatan Sindel/Flash90

Solidarität ist der einzige geeignete Akt, um solche Einstellungen zu zerlegen, die uns  seit der Geburt beigebracht wurden. Solidarität ist nicht nur Anerkennung des Leids und der Not des anderen. Solidarität heißt in erster Linie, das Recht des anderen anzuerkennen, für Freiheit zu kämpfen und unsere Verantwortlichkeit und Pflicht, diesen Kampf gemeinsam zu führen. Und gemeinsam einen Preis dafür zu zahlen. Und  zusammen befreit zu werden.

Das ist also der Grund dafür, dass die Regierung die meisten ihrer Bemühungen der  Verhetzung, der Teilung, dem Hass und der Furcht widmet.

Für uns, die wir an Freiheit, Gleichheit und Leben glauben, haben wir nicht länger das Privileg, zu  Hause zu bleiben. Demokratische, öffentliche Bereiche verschwinden, Kultur, Hochschule, Meinungs- und Gedankenfreiheit, Demokratie, Gleichheit, Moral und Gerechtigkeit -  all dies  ist vom Regime auf dem Altar der Besatzung, der Siedlungen und der Korruption  geopfert worden.

Dieser Kampf ist unabdingbar und ist nicht nur eine Sache der Araber, der  Menschenrechtsorganisationen, der Obdachlosen oder  der Äthiopier. Es ist der  Kampf all jener, die in einer liberalen Demokratie leben wollen. Es ist ein Kamp  gegen die nationalistischen, messianischen, rassistischen, zerstörerischen  Regime der Besatzung.

Seine Augen von der Besatzung abwenden, bedeutet mit dem gemeinen Regime zu kooperieren. Der Gewalt nachgeben, heißt, sie zu stärken. Schweigsam vor dem Rassismus zu bleiben,  heißt, ihn zu legitimieren. Sich  der Furcht und Einschüchterung  hinzugeben, heißt, diese dunkle Realität zu akzeptieren, und zu erlauben, dass sie weiterbesteht und noch schlimmer wird.

Jeder Tag, der ohne Widerstand vergeht, ist ein weiterer Tag der sich verschlechternden Demokratie. Jeder Tag, der ohne Kampf geht, ist ein weiterer Tag der Gewalt gegen palästinensische Kinder. Jeder Tag, der ohne Solidarität vergeht, ist ein weiterer Tag, in dem Rassismus und Nationalismus auf Moral und Gerechtigkeit aufwiegen.

Jeder Tag, der dahin geht, in dem wir versäumen, die enormen Kräfte unserer Gesellschaft – von jeder Farbe, Ethnizität und Organisation – zu verschmelzen ist ein neuer Tag, an dem der Glaube des gewaltsamen Besatzungsregimes wächst, dass nichts es stoppen kann, und, dass sie ungestört ihr nationalistisches Projekt der Besatzung weiterführen können. Dass sie weiter zerstören, schaden und töten können.

Allein heute gerade hier, jenseits dieser Mauern, nimmt die Aufrechterhaltung und die Bewahrung der Besatzung  weiter ihren Zoll. Die Opfer dieser Realität, die Leben von beiden, den Juden und Palästinensern, sind nicht prädestiniert. Dies ist der Preis, der für die andauernde Politik der Gesetzlosigkeit israelischer Regierungen  gezahlt werden muss.

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Foto Yonatan Sindel/Flash90

Ich sage diese Dinge hier in Jerusalem. Eine Stadt, deren Straßen   von hemmungslosen, rassistischen, rechten Banden beherrscht worden sind. Eine Stadt, die von einem rassistischen, opportunistischen Bürgermeister geführt wird. Eine Hauptstadt, die  keinen Anschein von Gerechtigkeit und Gleichheit hat.

Also ja! ich rufe uns alle auf, uns in unserem Kampf zusammenzutun,  hier und jetzt. Um für unsere Wahrheiten zu kämpfen. Alles für unsere Zukunft zu geben. Und Hoffnung zu geben. Weil, wenn wir gegen das Böse in Solidarität als eine vereinte Front kämpfen, werden wir auch siegen. Und ja, eines Tages wird die Besatzung enden. Und Jerusalem wird das sein, was sie sein sollte – die Hauptstadt eines demokratischen, rechten und gerechten Staates.

Wir können es uns nicht länger leisten, unsere Privilegien festzuhalten. Wir können nicht länger das Privileg haben, leichte, bequeme  Lösungen zu suchen, für die wir keinen Preis zahlen müssen.

Es ist Zeit, dass wir uns mit unsern Ängsten  und mit der schmerzlichen aber befreienden Wahrheit auseinandersetzen. Es ist nicht nur Netanjahu . Es ist nicht nur Naftali Bennett. Es ist nicht nur Yair Lapid.   Und es ist sicherlich nicht  Herzog. Es geht um uns. Der Kampf  geht darum, wer wir sind und wer wir sein wollen.

Und erinnert Euch: In Zeiten wie dieser  ist der Kampf nicht nur der Weg, es ist das Wesen. Die Opposition zum Regime ist unsere Hoffnung. Unsere Träume sollten uns führen. Anerkennung dessen, wer wir sein wollen, ohne uns sinnlos, fruchtlos daran anzuklammern, "wer wir waren". Die Träume von einem anderen Raum - von Gleichheit, Einheit und Mitgefühl - sind die Kryptonite  des rassistischen Regimes der Besatzung.

Hier und jetzt, sagen wir laut und deutlich: macht weiter mit eurer Gewalt und unsere Solidarität wird  siegen. Ihr werdet mit  eurer Unterdrückung weitermachen und die Gerechtigkeit wird siegen. Ihr werdet weiter hassen und  einschüchtern und wir werden unnachgiebig weitermachen.

Ihr werdet weiter besetzen und die Besatzung wird enden. Die Besatzung wird kollabieren. Und dann werden wir eine moralische demokratische Gesellschaft hier bauen, wo wir  alle die Gelegenheit haben  für eine wahre Reform.

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://972mag.com/the-occupation-will-collapse-and-then-well-build-a-moral-society-here/126361
Publication date of original article: 02/04/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=20188

 

 
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