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 21/09/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 AFRICA 
AFRICA / Kinga Africa: „Wir müssen uns für eine Welt ohne Oralmutilation des Kindes (Infant Oral Mutilation) einsetzen“
Date of publication at Tlaxcala: 23/02/2017
Original: Kinga Africa: "We have to work for a world free of Infant Oral Mutilation"

Kinga Africa: „Wir müssen uns für eine Welt ohne Oralmutilation des Kindes (Infant Oral Mutilation) einsetzen“

Denise Nanni دنیسه نانی
Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди


Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди

 

Im Folgenden unser Interview mit Francis Muthama von Kinga Africa, einer Organisation, die sich in Kenia gegen die Praktik der Oralmutilation des Kindes einsetzt. Es handelt sich hierbei um eine Tradition, die gegen die Gesundheitsrechte der Kinder verstößt. Vorab eine Definition dieser Tradition aus dem Artikel “Infant Oral Mutilation – A Child Protection Issue?“ by Girgis S., Gollings J., Longhurst R., Cheng L., 2016:

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Die Infant oral mutilation (IOM) ist eine primitive traditionelle Praktik, die das  Herausbohren der Keime der gesunden Milchzähne des Kindes vorsieht. Dies kann zur Übertragung von blutübertragenen Krankheiten wie HIV/AIDS, Blutvergiftung und sogar zum Tode des Kindes führen. Andere Komplikationen betreffen die Vernichtung bzw. Verformung der permanenten Zähne des Kindes. IOM wird üblicherweise von Dorfheilern in Ländern mit niedrigem Einkommen praktiziert und wird von den Menschen als Abhilfe gegen übliche Kinderkrankheiten angesehen. Man geht fälschlicherweise davon aus, dass der gestoppte Zahn auf das Vorhandensein von „Zahnwürmern“ zurückzuführen ist. Es werden grobe Methoden angewendet, um diese Zähne zu entfernen. Die verwendeten Werkzeuge sind nicht sterilisiert. IOM wurde in zahlreichen afrikanischen Ländern festgestellt. Vor kurzem fand man bei einigen Migranten, die in Ländern mit hohem Einkommen wie im Vereinigten Königreich leben, Anzeichen von IOM. Unsere Zielsetzung besteht in der Bewusstseinsbildung unter den Medizinern über das Vorhandensein der IOM in den entsprechenden afrikanischen Migrantengruppen. Wir spornen Ärzte und vor allem Kinderärzte an, die Eltern und Betreuer der Kinder mit einer IOM-Geschichte über die Risiken und Konsequenzen zu informieren. Im Rahmen der Richtlinien über die Behandlung der Kinder sollen Zahnärzte und Gesundheitsträger eingreifen, wenn sie über jeglichen Plan erfahren, IOM auch in der Zukunft zu praktizieren.
 

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Wir möchten uns herzlichst bei Francis für seine Antworten und Fotos bedanken. Die Infant Oral Mutilation ist nicht nur in Kenia, sondern auch in vielen anderen afrikanischen Ländern verbreitet. Sie steht auch mit der Übertragung von HIV/AIDS in Zusammenhang. Diese Praktik muss durch Bewusstseinskampagnen, Erziehung und wahre Zahnärzte gestoppt werden, indem man die Menschen in den armen Dörfern unterstützt.

 

 

Wie kam es zur Gründung von Kinga Africa?

Kinga Africa wurde im Jahre 2011 von Francis Muthama gegründet und am 5. Januar 2012 als Wohltätigkeitsvereinigung eingetragen. Inspiriert wurde die Initiative von der dringenden Notwendigkeit, die Zahnschmerzen von Francis’ Mutter und Ehefrau zu lindern. Wenn man sich die Lage der Zahnpflege in Kenia ansieht, so gibt einen enormen Handlungsbedarf. In Kenia gibt es für eine Bevölkerung von 42 Millionen Menschen weniger als 1000 eingetragene Zahnärzte. Nur die Hälfte dieser Zahnärzte arbeitet in den öffentlichen Krankenhäusern, was wiederum aufzeigt, wie groß der Bedarf an Zahnkliniken im Lande ist. Die Erziehung zur Mundgesundheit ist in der Bevölkerung minimal, vor allem die der Eltern an ihre Kinder.

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Welche sind die Hauptfaktoren, die zu einem unzureichenden Zugang zur Gesundheitserziehung in Kenia führen?

Großen Einfluss auf die unzureichende orale Gesundheitserziehung nimmt vor allem die Tatsache, dass die Mundgesundheit nicht als wichtiger Bereich der allgemeinen menschlichen Gesundheit angesehen wird. Und das gilt für alle Bevölkerungsschichten, sei es für die Armen, als auch für die Wohlhabenden, die Akademiker, Analphabeten, die Jugendlichen und die älteren Menschen. Für alle bedeuten die Zähne einfach nicht so viel.

Auch die unzureichende Anzahl von Zahnärzten und Hygieneexperten im Lande hat die Umsetzung von Bildungsprogrammen im Bereich der Mundgesundheit behindert.

Die Gesundheitsausgaben werden entweder von den Privatpersonen oder von der staatlichen Gesundheitsversicherung übernommen, die aber die Zahnpflege nicht abdeckt. Dadurch sind die Armen vom Zugang zur Zahnpflege ausgeschlossen.

Es gibt immer konkurrierende Prioritäten im Bereich des Regierungsbudgets und der nationalen Ausgaben. Man denkt einfach, dass Zahnschmerzen nicht zum Tod führen wie etwa Malaria, Diarrhoe und andere Leiden. Und dies behindert die Gesundheitserziehung. Der Straßenbau und andere Entwicklungsprojekte kommen einfach vor diesem wichtigen Lebensbereich. Ich fürchte immer, dass wir in 20 Jahren nur noch asphaltierte Straßen haben werden, dass niemand mehr an Malaria sterben wird, dass alle ans Stromnetz und ans Internet angeschlossen sein werden und die Hälfte der Bevölkerung vollkommen zahnlos sein wird!!!

Die Tatsache, dass Kenia nur zwei Universitäten hat, an denen Zahnärzte ausgebildet werden und dann diese nur zwanzig Studenten für ein sechsjähriges Studium zulassen, zeigt klar auf, wie wenige Menschen dazu kommen, die diesen so wichtigen Dienst, inklusive der Bewusstseinsbildung, erbringen können.

 

Wie identifizieren und wählen Sie die Gemeinden aus, in denen Sie tätig werden?

Nach der Registrierung als Wohltätigkeitsorganisation wurden unserer Organisation einige Gemeinden zugewiesen, mit denen wir kooperieren sollten. Der Großteil der ländlichen Gemeinden in ganz Kenia hat keinen Zugang zur Zahnpflege. Somit geht das Projekt von einer Schule zur anderen und von einer Gemeinde zur andern, um den Menschen Erziehung auf dem Gebiet der Mundpflege anzubieten. Da in vielen Gemeinden die Infant Oral Mutilation praktiziert wird, fokussiert das Projekt darauf, den Mythos rund um diese lebensgefährliche Praktik zu bekämpfen.

 

 

Welche sind die Hauptthemen Ihrer Bildungsprogramme?

In den Schulen bringen wir diese Hauptthemen vor:

  • Die Bedeutung der Zähne
  •  Wie man die Zähne pflegt
  • Lebensmittel, die den Zähnen schaden
  • Wie man Zähne putzt und wie man die Zahnseide verwendet
  • Wann man die Zähne putzt
  • llgemeine Hygiene, inklusive Händewaschen

In den Gemeinde berichten wir über folgende Themen:

  • Alle oben angeführten Themenbereiche
  • Kinderkrankheiten und Zahnungsprozess
  • Die Ursachen von Diarrhoe bei Kindern (Hauptproblem der unzureichenden Hygiene)
  • Was man bei Diarrhoe beachten muss
  • Die Gefahren der Infant Oral Mutilation (Oralmutilation des Kindes)

Die Lehrer und die Gesundheitspfleger in den Gemeinden werden über folgende Themen geschult:

  • Alle oben angeführten Themenbereiche
  • Hauptzahnkrankheiten, ihre Ursachen, ihre Entwicklung, Prävention und Behandlung
  •  Ihre Rolle auf dem Gebiet der oralen Gesundheitsprävention

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 Arbeiten Sie mit Behörden und Institutionen vor Ort zusammen? Wenn ja, wie?

Wir arbeiten mit dem Gesundheits- und Erziehungsministerium in ganz Kenia zusammen. Das kenianische Gesundheitsministerium stellt uns Krankenschwestern und Mediziner für unsere kostenlose zahnmedizinische Betreuung zur Verfügung. Unser Gesundheitsprogramm in den Schulen läuft in Zusammenarbeit mit dem Schulprogramm auf dem Gebiet der Gesundheitserziehung (das aber in zahlreichen ländlichen Gegenden nicht aktiv ist). Das Gesundheitsministerium organisiert auch Fortbildungen für das Gesundheitspersonal in den Gemeinden, um im Rahmen unseres Projektes die Gesundheit zu fördern. (Das Erziehungsministerium organisiert unsere Besuche in den Schulen und mobilisiert die Lehrer, wenn wir Fortbildungen für Lehrer organisieren).

Unser Projekt ist das einzige, das in Kenia die Mundgesundheit fördert. Wir sind stolz auf unsere bisherigen Errungenschaften; wir haben mehr als 500.000 Kindern eine Schulung über Mundgesundheit angeboten und ihnen kostenlose Zahnbürsten und Zahnpasta zur Verfügung gestellt. Wir haben mehr als 5000 Lehrer und Gesundheitsbeauftragten in den Gemeinden zum Thema Mundgesundheit geschult und mehr als 9000 Patienten eine kostenlose Zahnbehandlung angeboten. Wir nehmen Freiwillige auf, die armen Gemeinden kostenlose Behandlungen und andere Dienste anbieten. Wie alle anderen Wohltätigkeitsvereinigungen stehen wir vor großen Herausforderungen aufgrund des beschränkten Budgets und der oft vollständig fehlenden Finanzierungen. Da es in Kenia sehr schwierig ist, freiwillige Zahnärzte zu finden, hängen wir hauptsächlich von internationalen Freiwilligen ab, die nur wenige Male pro Jahr verfügbar sind.

Das Projekt verfolgt das Ziel, ein erstes Referenzzentrum für Zahnbehandlung  in Kenia aufzubauen. Wir suchen nach Partnern.

Um mehr über diese lebensgefährliche Tradition der IOM zu erfahren, schauen Sie sich bitte dieses Video an:

 

 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: https://promosaik.blogspot.com/2017/02/kinga-africa-we-have-to-work-for-world.html?q=KINGA+AFRICA
Publication date of original article: 11/02/2017
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=19970

 

Tags: Infant Oral Mutilation (IOM)Kinga AfricaKeniaZahngesundheit
 

 
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