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 23/08/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UMMA 
UMMA / Kaschmir und Palästina: beide unter Besatzung und beide Opfer des militärisch-industriellen Komplexes
Date of publication at Tlaxcala: 20/10/2016
Original: Kashmir & Palestine: Both Occupied, Both Victims Of The Military-Industrial Complex

Kaschmir und Palästina: beide unter Besatzung und beide Opfer des militärisch-industriellen Komplexes

Kit O’Connell

Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Der Befreiungskampf der beiden Völker von Palästina und Kaschmir begann am Ende der 1940er Jahre während der schwindenden Tage des britischen Kolonialismus.

Eine Frau geht auf einer Straße, die nach einer Demo während der Ausgangssperre in Srinagar, im von Indien besetzten Kaschmir, am Freitag, den 30. September 2016, mit Ziegeln und Steinen übersät ist.

 

AUSTIN, Texas — Obwohl deren Heimatländer in einer Entfernung von ungefähr 4 000 Kilometer liegen, haben Palästinenser und Kaschmiris einen Befreiungskampf und das Recht auf Selbstbestimmung gegen die durch den Machteinsatz des US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes unterstützten Besatzungskräfte gemeinsam.

Während das schrumpfende palästinensische Heimatland infolge der stetig expandierenden illegalen Siedlungen Israels immer mehr schwindet, befindet sich Kaschmir an der Grenze zwischen Indien und Pakistan gefangen. Beide Länder erheben Besitzansprüche, obwohl die ethnische Gruppe der Kaschmiris die Unabhängigkeit wünscht.

Die Bevölkerung von Kaschmir wurde seit der britischen Aufteilung der Region 1947 in drei Kriege zwischen Indien und Pakistan verwickelt. In einer der größten Parallelen zwischen deren gegenseitigen Kämpfen gegen den Kolonialismus, widerstehen die Palästinenser seit 68 Jahren ihrer Vertreibung durch den Staat Israel, der durch das Britische Mandat errichtet wurde. Wie die Palästinenser werden auch die Kaschmiris als zweitklassige Bürger im eigenen Land behandelt. Und Kaschmir ist zu einer der am intensivsten militarisierten Grenzen der Welt geworden.

In einem Kommentar vom 24. August auf Al-Jazeera erklärte die geopolitische Analystin Goldie Osuri:

„Es gibt in der Region ungefähr eine halbe Million Soldaten – in anderen Worten einen Soldaten für 25 Zivilisten. Die Jammu and Kashmir Coalition of Civil Society berichtet von mehr als 70.000 Tötungen, von ungefähr 10.000 erzwungenen Verschwinden und 7.000 Massengräbern.“

Während sich die US-Regierung manchmal der israelischen Besatzung und der dauernden Expansion ins palästinensische Territorium widersetzt, erhält das israelische Militär immer noch mehr als 3,1 Milliarden $ jährliche Hilfe. Diese Zahlung wird gemäß einer kürzlichen Vereinbarung auf jährliche 3,8 Milliarden $  erhöht, wobei in diesem Betrag die finanzielle Unterstützung der USA für das israelische sog. Eisenkuppel-Raketenverteidigungssystem gar nicht enthalten ist.

Obwohl Indien viel weniger direkte militärische Unterstützung erhält als Israel, erhält Indien eine großzügige wirtschaftliche Unterstützung von den USA und ist als Waffenkäufer ein Schlüsselakteur im militärisch-industriellen Komplex der USA. 2014 wurde Indien direkt nach Saudi-Arabien zum zweitgrößten Käufer US-amerikanischer militärischer Ausrüstung . Im April berichtete Reuters, dass  Indien mit den USA den Kauf von Predator-Überwachungsdrohnen verhandelte.

Ein indischer Polizist durchfilzt einen jungen Kaschmiri, während ein indischer Paramilitär (links)  am Mittwoch, den 4. November 2015, einen zeitweiligen Kontrollpunkt in Srinagar, im von Indien besetzten Kaschmir, bewacht.

Kaschmir und Palästina in einem globalen Kontext

Sobald die Mitglieder jeglicher Gruppierung Widerstand gegen die Apartheidpolitik leisten, ob nun durch friedliche Proteste oder direkte Vergeltung der Gewalt des Staates, werden sie von den herrschenden Medien als „Terroristen“ abgestempelt. Diese Terminologie verdunkelt nicht nur deren Recht auf Auflehnung gegen die Besatzung, sondern unterstützt auch deren dauerhafte Unterdrückung. Osuri bemerkte hierzu:

„Dieser Terrorrahmen unterstützt die Wirtschaft des Waffenhandels zwischen Indien, Israel und den USA. In dieser Geschichte … werden die Selbstbestimmungsforderungen der Kaschmiris und Palästinenser auf die Nachbarschaft mit muslimischen und arabischen Staaten reduziert, die Unruhe stiften.“

Um die Ähnlichkeiten zwischen Israel und Indien zu verstehen, betonte Osuri die Notwendigkeit, die aktuellen Geschehnisse in einem „längeren Kontext“ zu sehen. Israel ist ein Schlüsselverbündeter der USA im Nahen Osten, der den US-amerikanischen Plan unterstützt, die fossilen Brennstoffe im Nahen Osten zu kontrollieren und sogar die Außenpolitik der Region zu bestimmen.

Die USA versuchen inzwischen ihre Verbindungen zu Indien zu vertiefen, um Druck auf Russland und China auszuüben. Gemeinsam mit Brasilien und Südafrika, haben die fünf Länder ein mächtiges Wirtschaftsbündnis namens BRICS gebildet, aber die USA hoffen, dass ausländische Hilfe und Waffen Indien dazu bewegen könnten, anstatt dessen ein Bündnis mit der NATO zu schließen.

Da die USA davon abhängig sind, ein strategisches Bündnis sowohl mit Israel als auch mit Indien beizubehalten, sind beide Länder frei, die Palästinenser oder Kaschmiris fast straffrei zu unterdrücken.

Seit den 1990ern erreichte die staatliche Gewalt in Kaschmir durch ein Jahrzehnt bewaffneten Kampfs gegen den indischen Staat  ihren Höhepunkt“, schrieb Osuri, indem sie auf eine kürzliche Razzia der indischen Streitkräfte hinwies, bei der Hunderte durch Schrotkugeln ihr Augenlicht verloren oder verstümmelt wurden. Osuri schrieb hierzu:

„Es gab 70 Tote und mindestens 6000 Verletzte. Und diese Zahlen steigen. Trotzdem protestieren die Kaschmiris weiterhin gegen den indischen Staat und fordern Azadi (Freiheit).“

Im Vergleich dazu starben infolge der israelischen Angriffe gegen Gaza im Sommer 2014 ungefähr 2.200 Menschen, einschließlich 500 Kindern. 500.000 wurden obdachlos. Die Palästinenser leben unter einer militärischen Besatzung, die durch ähnlich übertriebene Truppenanzahlen umgesetzt wird. Sie sind gezwungen, militärische Kontrollpunkte zu durchlaufen, wenn sie irgendwo hin wollen oder zur Arbeit pendeln. Alltagsgegenstände wie Musikinstrumente, Zeichenstifte und Baumaterialien werden routinemäßig an den Grenzen beschlagnahmt.

 

Israelische Soldaten kontrollieren die Personalausweise von Palästinensern neben einem israelischen Kontrollpunkt in der Nähe von Nablus, im von Israel besetzten Westjordanland, am Dienstag, den 3. Juni 2014.

Die Vereinten Nationen haben die Handlungen der Besatzermächte Indien und Israel wiederholt als Kriegsverbrechen verurteilt, aber dadurch kam es nicht zu nachvollziehbaren Verbesserungen der Menschenrechte der Völker im Kaschmir oder Palästina. Indem man die Regierungsnarrative nachplappert, welche die Freiheitskämpfer als Terroristen darstellen und die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass die Befreiungskämpfe der besetzten Völker mit der Militärmacht gleichzusetzen sind, die sie unterdrückt, spielen auch die herrschenden Medien eine Schlüsselrolle in der Schönfärbung von Kriegsverbrechen.  

 Kaschmirische Frauen gehen an einem geschlossenen Markt vorbei. Auf den Rollläden eines Ladens finden sich Graffitibemalungen. Auf Urdu steht hier: „Es lebe Pakistan“. Srinagar, im von Indien besetzten Kaschmir, am Donnerstag, den 29. September 2016.

Die Mehrheit der Kaschmiris fordern die Unabhängigkeit

„Trotz einer langen Geschichte ausgedehnter kultureller und Handelsbeziehungen der Kaschmiris zu Pakistan vor der Errichtung des modernen Nationalstaates, wünschen sich die meisten Kaschmiris eine Unabhängigkeit sowohl von Indien als auch von Pakistan“, schrieb Tariq Mir, ein Journalist aus Pakistan in einer Analyse vom 26. September 2016 auf der Boston Review.

Die letzte Welle von Protesten und Unruhen begann nach dem Tod von Burhan Muzaffar Wani, dem 22jährigen Anführer des Aufstandes der Hizbul Mujahideen, der am 8. Juli am dritten Tag des Eid al-Fitr-Festes, einem der wichtigsten islamischen Feiertage, von den indischen paramilitärischen Polizeikräften getötet wurde.

Die Kaschmiris unterstützen verschiedene Widerstandsgruppen, die verschiedene Ideologien wiederspiegeln. Dazu gehören die Jammu und Kashmir Befreiungsfront, die die Unabhängigkeit Kaschmirs anstrebt. Der Hizbul Mujahideen (Partei der Widerstandskämpfer) ist eine pro-pakistanische Widerstandsgruppe, die von der Jamat-i-Islami, einer Gruppe, die der Muslimbruderschaft nahesteht, beeinflusst wird. Trotz der Unterschiede, so Mir, „bevorzugt der Großteil des Volkes alle kaschmirische Guerillakämpfer, unabhängig von ihrer besonderen, politischen Orientierung, solange sie sich Indien widersetzen“.

Die Nachricht von Wanis Tod verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Tausende strömten durch die Straßen von Tral, seiner Heimatstadt. „Bald füllten ganze 250.000 Menschen die Gassen der Stadt, die offenen Felder und Gärten“, schrieb Mir, „und es war wohl die größte Zusammenkunft der letzten Jahre in Kaschmir“.

Die Trauernden sangen, warfen Steine und verbrannten einige Außenposten der indischen paramilitärischen Polizei. Die Niederschlagung war rasch und hart und zündete Proteste, bei denen von Fällen von Polizeigewalt berichtet wurde.

Obwohl höhere Beamte des US-Außenministeriums in der Vergangenheit ihre Bedenken über die Gewalt in Kaschmir geäußert hatten, kam es nach den kürzlichen Geschehnissen zu keiner wesentlichen Handlung von Seiten der US-Regierung.

Transnationale Solidarität und Aktivismus sind notwendig’

Indien und Israel dürfen einfach Kriegsverbrechen mit der impliziten Unterstützung der USA begehen. Daher, so Osuri, „sind die transnationale Solidarität und der transnationale Aktivismus dringend notwendig, wenn fast alle Nationalstaaten Schurkenstaaten sind.“

Sie gelangte zur folgenden Schlussfolgerung:

„Die kleinen, aber zunehmenden Solidaritätserklärungen sind für die Kaschmiris ermutigend, wie sie es auch für den palästinensischen Kampf sind.

Wenn wir die Besatzungen von Kaschmir und Palästina vor Augen halten, sehen wir die Notwendigkeit für mehr Solidarität für diese beiden Befreiungskämpfe.“

Im Oktober 2011 begab sich die Journalistin Tara Dorabji nach Kaschmir, um über die Spannungen zu berichten, die auch zwischen den einzelnen Volksaufständen weiterhin köcheln. Dorabji schrieb hierzu:

„Die Folter und der Tod können nicht mehr verdeckt werden. ….. Die Kinder wachsen in Kaschmir auf und sehen, wie sich die Gräber in ihren Dörfern vermehren. Wenn eine Person begraben wird, bewahrt die Gemeinschaft ihre Geschichte und ihr Gedächtnis. Die mündliche Geschichte ist die größte Waffe gegen die brutale indische Besatzung. Sogar unter Besatzung können diese Geschichten der Toten nicht verschwiegen werden.“

Dorabji sieht eine große Hoffnung in der Zukunft Kaschmirs, eine von den Einheimischen geführte Nation aufzubauen, wenn sie schreibt:

„Wenn die gewaltfreie Volksbewegung in Kaschmir das Recht auf Selbstbestimmung erhält, wird eine neue Art von Demokratie ins Leben gerufen: eine Demokratie, die nicht auf der Kontrolle durch militärische Besatzung basiert und auch nicht die Flagge der Demokratie schwingt, um einen Völkermord zu vertuschen.“

Jahre später und mit viel mehr Toten bleibt jene Hoffnung auf Selbstbestimmung sei es für die Kaschmiris, als auch für die Palästinenser ein Traum.

Kashmiris drücken ihre Solidarität mit den Palästinensern auf verschiedene Weisen aus 

 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.mintpressnews.com/kashmir-palestine-both-occupied-both-victims-of-the-military-industrial-complex/220996/
Publication date of original article: 04/10/2016
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=19154

 

Tags: KaschmirIndische BesatzungPalästina/IsraelZionistische BesatzungMilitärisch-Industrieller KomplexUS-ImperialismusFreiheitskämpfe
 

 
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