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 24/10/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 MAPS & GLOSSARIES 
MAPS & GLOSSARIES / Inshallah ist gut für jedermann und jedefrau
Date of publication at Tlaxcala: 27/04/2016
Original: Inshallah Is Good for Everyone

Inshallah ist gut für jedermann und jedefrau

Wajahat Ali وجاہت علی

Translated by  Milena Rampoldi ميلينا رامبولدي میلنا رامپلدی Милена Рампольди
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Ein COLLEGE-Student wurde vor kurzem aus einem Flugzeug der Southwest Airlines verwiesen“, nachdem ein anderer Fahrgast behauptet hatte, er hätte arabische Kommentare von ihm gehört, die „möglicherweise bedrohlich“ sein könnten.

In einer Erklärung behauptete Southwest Airlines, dass der Student Khairuldeen Makhzoomi, der als Flüchtling aus dem Irak in die Vereinigten Staaten gekommen war, nicht aufgrund seiner sprachlichen Wahl, sondern wegen des „Inhalts seines Gesprächs“ aus dem Flugzeug verwiesen wurde.

Herr Makhzoomi war nicht im Begriff, über Tod, Terrorismus, Trump oder hausgemachte Mayonnaise zu schimpfen, alle Themen, die  eine so drastische Maßnahme gerechtfertigt hätten.

Nein. Was er am Telefon gesagt hatte, bevor der Passagier seine Befürchtung zum Ausdruck brachte, war, wie er später erklärte, das arabische „Inshallah“, was zu Deutsch „Wenn Gott will“ heißt.

Diese dreisilbige semitische Massenzerstörungswaffe ist ein typisches Kennzeichen der arabischen Umgangssprache. Einige islamfeindliche Fanatiker behaupteten in den letzten Jahren, dass die arabische Sprache „die Sturmspitze eines ideologischen Projektes wäre, das den Vereinigten Staaten zutiefst widerspricht“ und versucht, die US-Verfassung mit einem Halal-Menü zu ersetzen. Aber der Großteil der Menschen mit Hausverstand ist der Ansicht, dass Arabisch einfach eine Sprache ist, die Millionen von Menschen auf diesem Planeten sprechen.

Nun ist Arabisch aber zu einem Alptraum geworden, der Passagiere auf einer Höhe von 30.000 Fuß in Angst und Schrecken versetzt. Im November berichteten zwei Männer, dass man sie, bevor sie an Bord eines Southwest-Flugs kamen, befragt hatte, weil einige Passagiere sie Arabisch sprechen gehört hatten und sich davor fürchteten, mit ihnen zu fliegen. Vor Jahren wurden sechs Imame aus einem Flugzeug geworfen, weil ihr Verhalten den anderen Fahrgästen verdächtig erschien, weil sie u.a. in Gate-Nähe auf Arabisch gebetet hatten.

Jordan Awan  für die NYT

Die arabische Sprache ist für manche so bedrohlich, dass man sie gar nicht sprechen sollte. 2006 durfte ein Mann nicht an Bord eines Flugzeuges, weil er ein schwarzes Shirt trug, auf dem auf Arabisch stand „Wir werden nicht schweigen“.

Die unsinnigsten Dinge bergen oft eine Gelegenheit in sich. Ich denke, dass diese letzte Episode schlussendlich eine großartige Chance darstellt, um den abwechslungsreichen und ruhmreichen Begriff „inshallah“ in den Wortschatz vieler US-Bürger einzuführen.

Inshallah ist die arabische Version von „fuggedaboudit“ [New York-Slang: „mach dir keine Sorgen“]. Es ist ähnlich, wie wenn ein Brite das Wort „brillant“ verwendet, um alles und alle gleichzeitig zu loben und passiv-aggressiv zu verhöhnen. Das Wort führt beide, den Sprecher und den Zuhörer, in einen phantastischen Ort, an dem Versprechen, Träume und realistische Ziele durch wahnhafte Hoffnung und ernsthafte Sehnsucht ersetzt werden.

Wenn Sie ein Elternteil sind, können Sie inshallah nutzen, um die Wünsche Ihrer Kinder aufzuschieben oder subtil zu zerquetschen.

Der Junge: „Papa, gehen wir heute später zu Toys ‘R’ Us?”

Der Vater: „Ja, inshallah.”

Übersetzung: „Wir können einfach nicht zu Toys ‘R’ Us. Ich bin kaputt. Spiel mit dem Spielzeug des Nachbarn. Hier, spiel mit diesem Heftklammerentferner. Macht Spaß oder?“

Wenn Sie an Verpflichtungsphobie leiden oder üblicherweise zu spät zu Veranstaltungen kommen, dient Ihnen das Wort inshallah, Ihnen einen doppeldeutigen Toleranztag zu gönnen.

Der Hochzeitsplaner: „Der Saal ist nur von 19-22 Uhr frei. Es entstehen Zusatzkosten, wenn Sie ihn nach 22 Uhr verlassen. Bitte bestätigen Sie mir, dass Sie pünktlich sein werden.“

Hochzeitsgast: Aber natürlich! Inshallah werden wir da sein.“

Übersetzung: „Sie elender, doofer, kleiner Mann. Ich hoffe, Sie haben viel Geld gespart und was geerbt. Denn ich werde um 21.45 Uhr erst mein Haus verlassen.“

Inshallah ist auch ein extrem nützliches Werkzeug, wenn es um die moderne Liebe geht.

Der Mann: „Könnten Sie sich vorstellen, diese Woche noch mit mir auszugehen?“

Die Frau: „Ich werde darüber nachdenken, inshallah.“

Übersetzung: „Nie im Leben. Wir werden nie miteinander ausgehen. Auch wenn es eine Zombieapokalypse gäbe und du der letzte Mann auf dieser Welt wärst, ich würde niemals darüber nachdenken, würde auch die gesamte Menschheit aufgrund meiner Entscheidung zugrunde gehen“.

Bei mir fallen zwischen Geben und Nehmen ungefähr 80 Inshallahs pro Tag. Ich werde turnen gehen, inshallah. Ja, inshallah werde ich das Haus reinigen.

In Gemeinschaften mit muslimischer Mehrheit wird Inshallah größtenteils verwendet, um Introspektion, harte Arbeit und strategische Planung zu vermeiden und anstatt dessen solche Verantwortlichkeiten einem allmächtigen Wesen, das irgendwie und irgendwann eingreift, um unsere kollektiven Probleme zu lösen, überlässt.

Viele US-Bürger würden ein Ave Maria Inshallah aufsagen, um die schmutzige Wäsche zu waschen, die zu den Präsidentschaftswahlen von 2016 geführt hat. Ein republikanischer Präsidentschaftskandidat empfahl provisorische Einreiseverbote für Muslime in die USA. Ein anderer schlug vor, Polizisten sollten muslimische Viertel patrouillieren.

Die Behörden spornen uns an, den Mund aufzumachen, wenn wir etwas sehen. Leider vernebelt die toxische Mischung aus Angst, Unwissen und Hass das Urteilsvermögen von sonst nicht böwsilligen US-Bürgern und so verwandeln sich normale Gegebenheiten und Nachbarn mit dunkler Hautfarbe in dauerhafte Bedrohungen.

Hier meine demütige Bitte: Wenn Sie mich in einem Flugzeug sitzen sehen und ich Kaffee trinke, Assassin’s Creed auf meinem Laptop spiele oder laut sage „Inshallah erhalten Trump und Cruz null Stimmen“, so machen Sie sich keine Sorgen. (Die englischen Worte coffee, assassin und zero stammen übrigens alle aus dem Arabischen). Ich garantiere Ihnen, dass es keinen Grund gibt, in Panik zu geraten. Ich bin nichts anderes als ein ungefährlicher Trottel wie sie, der hofft, im Flugzeug bleiben zu dürfen.

 

 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.nytimes.com/2016/04/24/opinion/sunday/inshallah-is-good-for-everyone.html
Publication date of original article: 22/04/2016
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=17804

 

Tags: InshallahArabophobieIslamophobieArabische SpracheUSA
 

 
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