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 15/08/2018 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
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 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Weltarbeiterklasse: Aufstand oder Klassenkampf? [2]
Date of publication at Tlaxcala: 15/01/2016
Translations available: English  Italiano 

Weltarbeiterklasse: Aufstand oder Klassenkampf? [2]

Wildcat

 

Zweiter Teil

Erster Teil hier

 Un­ter­schied­li­che Sek­to­ren - un­ter­schied­li­che Kampf­be­din­gun­gen

Berg­bau: Frü­her leb­ten Berg­ar­bei­ter mit ihren Fa­mi­li­en in der Nähe der Grube, ihre Dör­fer waren auch Kampf­ge­mein­schaf­ten. Hier ist eine große Um­struk­tu­rie­rung vor allem im Ta­ge­bau in Gange: Berg­ar­bei­ter wer­den häu­fig als Kon­trakt­ar­bei­ter auf Zeit be­schäf­tigt, leben in Con­tai­ner­sied­lun­gen fern­ab der Fa­mi­lie.

Tex­til/Be­klei­dung/Schu­he: Wich­tigs­te Bran­che in Ent­wick­lungs­län­dern. Vor­wie­gend junge Frau­en - wie schon im 19. Jahr­hun­dert. Hier be­gann in den 1970er Jah­ren die "neue" in­ter­na­tio­na­le Ar­beits­tei­lung. Die Fa­bri­ken las­sen sich leicht ver­la­gern, die ma­schi­nel­le Aus­stat­tung ist nicht be­son­ders teuer. Der Sek­tor ist ge­prägt von klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men, die Pro­fit­mar­gen sind nied­rig. Es wird weit­ge­hend Auf­trags­fer­ti­gung für Be­klei-

dungs­fir­men und Han­del be­trie­ben. De­sign und manch­mal Zu­schnitt ist ge­trennt von der ar­beits­in­ten­si­ven (aus­ge­la­ger­ten) Fer­ti­gung. 2005 bzw. 2008 Auf­he­bung aller Im­port­be­schrän­kun­gen zum Schutz ein­hei­mi­scher In­dus­trie. Heute ist China mit 2,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten größ­ter Pro­du­zent welt­weit. Tai­wa­ne­si­sche Un­ter­neh­mer be­trei­ben in­zwi­schen Fa­bri­ken in Me­xi­ko und Ni­ca­ra­gua, chi­ne­si­sche er­öff­nen neue Fa­bri­ken in Afri­ka.

Auto: Noch immer das kom­ple­xes­te Kon­sum­gut. Der Sek­tor ist heute do­mi­niert von we­ni­gen trans­na­tio­na­len Au­to­kon­zer­nen mit lang­fris­ti­ger Stand­ort­pla­nung und hohen An­for­de­run­gen an In­fra­struk­tur. Mas­siv ab­hän­gig von staat­li­cher Sub­ven­tio­nie­rung. Mo­der­ne Fa­bri­ken haben teure Ma­schi­ne­rie und stel­len zu­neh­mend nur Ar­bei­ter mit tech­ni­scher Aus­bil­dung fest ein. Die Be­leg­schaf­ten sind welt­weit in Fest­be­schäf­tig­te, Be­fris­te­te, Leih- oder Werk­ver­trags­ar­bei­te­rIn­nen ge­spal­ten, mit hohen Lohn­dif­fe­ren­zen.

Kon­sum­elek­tro­nik: zum Teil Fach­ar­beit, aber auch ein hoher An­teil an an­ge­lern­ten Ar­bei­te­rIn­nen. Die Qua­li­täts­an­for­de­run­gen an die Pro­duk­te sind hoch, da sie teuer sind. Ent­spre­chend der ma­schi­nel­len Aus­stat­tung han­delt es sich um län­ger­fris­ti­ge In­ves­ti­tio­nen, ent­spre­chend genau ist die Stand­ort­pla­nung. Üb­lich ge­wor­den ist die Auf­trags­fer­ti­gung für ver­schie­de­ne Mar­ken in Rie­sen­fa­bri­ken vor allem in China: ihre Ka­pa­zi­tät reicht aus, um Mo­bil­te­le­fo­ne für die ge­sam­te Welt zu pro­du­zie­ren.

Bau­sek­tor: spiel­te in den letz­ten Jahr­zehn­ten eine zu­neh­mend wich­ti­ge­re Rolle, da mit Im­mo­bi­li­en und gi­gan­ti­schen Bau­pro­jek­ten immer wie­der Bla­sen auf­ge­pumpt wur­den. Auf dem Bau lan­den ty­pi­scher­wei­se Mi­gran­ten vom Land bzw. aus dem Aus­land. Über­wie­gend männ­lich. Groß­bau­stel­len sind auch Bau­ar­bei­ter­la­ger, häu­fig weit weg von Städ­ten.

Lo­gis­tik: Mit der welt­wei­ten Ver­tei­lung der Pro­duk­ti­on hat die Trans­port­ar­beit ra­sant zu­ge­nom­men, gleich­zei­tig sind die Fracht­kos­ten stark ge­sun­ken. Neben we­ni­gen gut ver­die­nen­den Be­rufs­grup­pen ist der Sek­tor ge­prägt durch ein­fa­che Hand­ar­beit, die sehr häu­fig von Mi­gran­tIn­nen unter halb­le­ga­len Be­din­gun­gen ge­macht wird. In den Wa­ren­ver­teil­zen­tren ent­ste­hen über­all auf der Welt neue Kon­zen­tra­tio­nen von Mas­sen­ar­beit.

Dienst­leis­tungs­ar­beit ist alles, was nicht Land­wirt­schaft, Berg­bau oder di­rek­te Pro­duk­ti­ons­ar­beit ist. Wäh­rend frü­her die ge­sam­te Dienst­leis­tungs­ar­beit orts­ge­bun­den war, kön­nen heute viele Bü­ro­ar­bei­ten wie Back­of­fice, Buch­hal­tung, Call­cen­ter an allen Stand­or­ten der Welt aus­ge­führt wer­den, zu denen Da­ten­lei­tun­gen füh­ren.

Die Auf­spal­tung der Ar­bei­te­rIn­nen durch un­ter­schied­li­che Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se ist eine große Her­aus­for­de­rung für ge­mein­sa­me Kämp­fe, die ge­wohn­ten Sche­ma­ta funk­tio­nie­ren nicht mehr. (Die "Gast­ar­bei­te­rIn­nen" haben sich nach den Streiks Anfang der 1970er Jahre in die Ge­werk­schaft hin­ein ge­kämpft, sie wur­den dort zur zu­ver­läs­si­gen Basis aller Mo­bi­li­sie­run­gen. Die neuen Mi­gran­tIn­nen sind al­len­falls Werk­ver­trags­ar­bei­ter oder Leih­ar­bei­ter.)

Doch nur in so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen oder sta­li­nis­ti­schen Er­zäh­lun­gen war die Ar­bei­ter­klas­se frü­her mal ein ho­mo­ge­ner Block. In Wirk­lich­keit war sie auch im 19.​Jahrhun­dert oder in den 1920er Jah­ren sehr he­te­ro­gen - und zwar nicht nur, wenn wir an die Frau­en den­ken oder die Mi­gran­tIn­nen. Keine Gleich­set­zung von Klas­se und In­dus­trie­ar­bei­te­rIn­nen! Auch in Eng­land im 19. Jahr­hun­dert war die Hälf­te der Ar­bei­te­rIn­nen au­ßer­halb des Fa­brik­sys­tems be­schäf­tigt. Und auch unter Fa­brik­ar­bei­tern mit deut­schem Pass gab es Lohn­un­ter­schie­de von mehr als 300 Pro­zent. His­to­risch hat die Ar­bei­ter­klas­se immer wie­der ge­lernt, unter sol­chen Be­din­gun­gen (ge­mein­sam) zu kämp­fen.



Foxconn Fabrik in Kina

Das Ende der Bau­ern­fra­ge

Im Herbst 2008 er­schien in Wild­cat 82 ein Ar­ti­kel, der sich mit der Ro­man­ti­sie­rung der Bau­ern der An­ti-Glob-Be­we­gung be­schäf­tig­te. Die Haupt­the­se war, dass es heute keine be­son­de­re "Bau­ern­fra­ge" mehr gibt und es statt­des­sen um die Neu­zu­sam­men­set­zung der glo­ba­len Klas­se von unten geht. "In frü­he­ren ge­schicht­lichen Pha­sen pro­du­zier­ten die Men­schen ihre Le­bens­mit­tel in klei­nen Ge­mein­schaf­ten und waren ab­hän­gig von na­tür­li­chen Pro­duk­ti­ons­schwan­kun­gen. Da­ge­gen schuf der Ka­pi­ta­lis­mus von An­fang an den Welt­markt, und seine we­sent­li­che Pro­duk­tiv­kraft (Ma­schi­ne­rie) ist sel­ber pro­du­ziert. Der Ge­samt­zu­sam­men­hang einer glo­ba­len Ge­sell­schaft wird zur Grund­la­ge un­se­rer Re­pro­duk­ti­on und un­se­rer Exis­tenz ("zwei­te Natur") und in die­sem Sinne zum rea­len Ge­mein­we­sen. Erst seit­dem die Men­schen von ge­sell­schaft­li­cher statt in­di­vi­du­el­ler Ar­beit leben, lässt sich die Frage nach der kol­lek­ti­ven An­eig­nung der Pro­duk­ti­on über­haupt stel­len - und nun wirk­lich welt­weit!"(13)

Im Ge­gen­satz dazu ver­tritt etwa Samir Amin(14) wei­ter­hin die klas­sisch an­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche Po­si­ti­on. Er un­ter­teilt die Welt nach wie vor in die Tria­de (EU, Japan, USA) und die Pe­ri­phe­rie, in der 80 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung leben, davon die Hälf­te auf dem Land. Ohne eine Lö­sung für diese Men­schen zu fin­den, sei keine "an­de­re Welt" mög­lich. Amin sieht das,was an­de­re Glo­ba­li­sie­rung nen­nen, als eine in Gang be­find­li­che Im­plo­si­on des im­pe­ria­lis­ti­schen Sys­tems. Vor­stel­lun­gen der No-Glob-Be­we­gung über eine Ver­än­de­rung der Welt, ohne die Macht zu er­obern, hält er für ge­nau­so naiv, wie die Idee eines öko­lo­gi­schen Kom­pro­mis­ses mit dem Ka­pi­tal. Die "im­pe­ria­lis­ti­sche Rente", von der die Mit­tel­schich­ten des Nor­dens pro­fi­tier­ten, sei ein Hin­der­nis auf dem Weg zum ge­mein­sa­men Kampf. Um zum So­zia­lis­mus bzw. Kom­mu­nismus zu kom­men, müs­sen die Ar­bei­ter und die Völ­ker of­fen­si­ve Stra­te­gi­en auf den drei Ebe­nen fin­den, die schon Mao nann­te: Volk, Staat und Na­ti­on. Eine Rück­kehr zum keyne­sia­ni­schen Nach­kriegs­mo­dell sei nicht mög­lich - die Ge­schich­te kenne kei­nen Rück­wärts­gang. Aber die Bau­ern­fra­ge sei nach wie vor zen­tral: Zu­gang zu Land für alle Bau­ern und die Ent­wick­lung einer pro­duk­ti­ve­ren Land­wirt­schaft, keine Bau­ern­folk­lo­re! Auf­bau der In­dus­trie und Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräf­te.

Die po­li­ti­schen Vor­schlä­ge sind so ver­al­tet wie die Ana­ly­se ste­hen­ge­blie­ben. In China ar­bei­tet in­zwi­schen die drit­te Mi­gran­ten­ge­ne­ra­ti­on in den Welt­markt­fa­bri­ken. Mit der Ab­wan­de­rung von Mil­lio­nen frei­ge­setz­ter Bau­ern vom Land hat sich in klas­si­scher Weise eine In­dus­trie­ar­bei­ter­klas­se ge­bil­det. Die Spal­tung zwi­schen Stadt- und Land­be­woh­ne­rIn­nen ist nicht auf­ge­ho­ben, aber die ehe­ma­li­gen Dörf­ler haben ihre Bin­dun­gen zum Land zu­neh­mend ge­löst und vor allem: sie wol­len dort­hin nicht zu­rück!

In­ter­es­sant ist al­ler­dings Amins Ar­gu­ment gegen die Vor­stel­lung, die Schwel­len­län­der wür­den zu neuen Zen­tren des Ka­pi­ta­lis­mus: dafür feh­len die not­wen­di­gen "Si­cher­heits­ven­ti­le". Die Pro­le­ta­ri­sie­rung in Eu­ro­pa seit Ende des 18. Jahr­hun­derts hatte die Aus­wan­de­rung nach Ame­ri­ka als Si­cher­heits­ven­til. Heute bräuch­te es meh­re­re Ame­ri­kas für ähn­li­che In­dus­tria­li­sie­rungs­pro­zes­se in den Schwel­len­län­dern. Somit haben diese keine Chan­ce, auf­zu­ho­len.

Die­ses Ar­gu­ment muss auf die Frage zu­ge­spitzt wer­den: Was pas­siert bei den real von­stat­ten­ge­hen­den In­dus­tria­li­sie­rungs­pro­zes­sen, wenn die Kämp­fe nicht mehr ka­na­li­siert wer­den kön­nen in So­zi­al­de­mo­kra­tie ei­ner­seits, mas­sen­haf­te Aus­wan­de­rung an­de­rer­seits?

Pro­le­ta­ri­sie­rung über­setzt sich in Klas­sen­kampf

Oft sieht man erst im Nach­hin­ein, wo der Um­schlag­punkt war. 2004 wurde der erste "glo­ba­le Stau" re­gis­triert. Die Streiks im chi­ne­si­schen Perl­fluss­del­ta 2004 auf dem Hö­he­punkt des Booms waren der erste große Kampf­zy­klus in den "neuen Fa­bri­ken". Sie er­reich­ten mit of­fen­si­ven Kämp­fen Lohn­er­hö­hun­gen und strahl­ten auf die Fa­bri­ken in ganz Ost­asi­en aus. In Viet­nam, Kam­bo­dscha, Ban­gla­desch, in Bah­rain wurde ge­streikt, im Iran fand 2006 mit dem Streik der Bus­fah­rer der erste wich­ti­ge Streik seit 1979 statt! Seit 2006, also vor dem glo­ba­len Kri­sen­ein­bruch, lässt sich eine welt­wei­te "Grund­wel­le" von Ar­bei­ter­kämp­fen ver­fol­gen. Diese "Grund­wel­le" er­reich­te 2010 einen Hö­he­punkt mit Ar­beits­nie­der­le­gun­gen, die fast kein Land aus­lie­ßen und eb­ne­te den Weg für die po­li­ti­schen Re­vo­lu­tio­nen und Pro­test­be­we­gun­gen auf der Stra­ße. Letz­te­re er­rei­chen in den Me­di­en die grö­ße­re Auf­merk­sam­keit, aber ohne die Streiks in der Phos­phat­in­dus­trie in Tu­ne­si­en und die Mas­sen­streiks in der ägyp­ti­schen Tex­til­in­dus­trie in Ma­hal­la 2006-2008 wäre es nicht zu den Auf­stands­be­we­gun­gen in die­sen Län­dern ge­kom­men.



Protest gegen Arbeiterselbstmorde bei Foxconn. 
Foto Anthony Dickson/AFP/Getty Images

Die Pro­test­wel­le 2006-2013

Die Jahre 2006 bis 2013 waren ge­prägt von einer Welle von Mas­sen­pro­tes­ten auf der Stra­ße, Streiks und Auf­stän­den, wie sie die Welt noch nicht ge­se­hen hat. Sie sei al­len­falls mit re­vo­lu­tio­nä­ren Auf­brü­chen wie 1848, 1917 oder 1968 ver­gleich­bar, so die Fried­rich-Ebert-Stif­tung New York,(15) die im Zeit­raum 2006-2013 ins­ge­samt 843 Pro­test­be­we­gun­gen in 87 Län­dern, in denen 90 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung leben, un­ter­such­te. Pro­tes­te aller Art, gegen so­zia­le Un­ge­rech­tig­keit, gegen Krieg, für wirk­li­che De­mo­kra­tie, gegen Kor­rup­ti­on, Riots gegen die Er­hö­hung der Le­bens­mit­tel­prei­se, Streiks gegen Un­ter­neh­mer, Ge­ne­ral­streiks gegen die Spar­po­li­tik. (We­ni­ger er­freu­lich war z. B. die kle­ri­ka­le Mo­bi­li­sie­rung gegen Ab­trei­bung in Polen.) Auf­fäl­lig sei die hohe An­zahl in Hoch­lohn­län­dern, wäh­rend ge­walt­tä­ti­ge Pro­tes­te zu 48 Pro­zent in Nied­rig­lohn­län­dern vor­kom­men; meist ging es dabei um die Prei­se von Nah­rungs­mit­teln und En­er­gie. 49 Pro­tes­te for­der­ten eine Agrar­re­form, 488 rich­te­ten sich gegen die Spar­po­li­tik und for­der­ten so­zia­le Ge­rech­tig­keit, 376 Pro­tes­te for­der­ten "wirk­li­che De­mo­kra­tie". Viele waren Aus­druck eines kom­plet­ten Ver­trau­ens­verlus­tes in die "Po­li­tik". Und den­noch rich­te­ten die Pro­tes­tie­ren­den ihre For­de­run­gen meist an den Staat: die ver­ant­wort­li­chen Po­li­ti­ker soll­ten han­deln. Die Kampf­for­men gin­gen häu­fig über tra­di­tio­nel­le De­mons­tra­tio­nen oder Streiks hin­aus und waren Hand­lun­gen "zi­vi­len Un­ge­hor­sams" wie Blo­cka­den und Be­set­zun­gen. Ins­be­son­de­re die Be­set­zung Öf­fent­li­cher Plät­ze und die ge­mein­sa­me Or­ga­ni­sa­ti­on des All­tags strahl­te als Kampf­form auf die ge­sam­te Mit­tel­meer­re­gi­on und die USA aus.

Der Ver­gleich mit "1968" ver­deckt wahr­schein­lich mehr, als er deut­lich macht. "1968" steht als Chif­fre für eine welt­wei­te re­vo­lu­tio­nä­re Be­we­gung, doch 1968 war nicht der Hö­he­punkt an Streiks - im Ge­gen­teil, diese be­gan­nen An­fang der 1960er Jahre und er­reich­ten ihren Hö­he­punkt Mitte/Ende der 1970er Jahre.

Die Kampf­wel­le seit etwa 2005 hat sehr un­ter­schied­li­che Fa­cet­ten:

Food Riots

Mit Be­ginn der Welt­wirt­schafts­kri­se floh spe­ku­la­ti­ves Ka­pi­tal in "si­che­re" An­la­gen wie Roh­stof­fe und Grund­nah­rungs­mit­tel bzw. Acker­bo­den und löste bin­nen kur­zem eine mas­si­ve Er­hö­hung der Nah­rungs­mit­tel­prei­se aus; sie er­reich­ten im De­zem­ber 2007 und dann wie­der 2010 his­to­ri­sche Höchst­stän­de. Dar­auf re­agier­ten die Pro­le­ta­rie­rIn­nen von Herbst 2007 bis Som­mer 2008 in wei­ten Tei­len Afri­kas und Asi­ens mit Streiks und Auf­stän­den und zwan­gen ihre Re­gie­run­gen bzw. Un­ter­neh­mer dazu, Grund­nah­rungs­mit­tel wei­ter­hin hoch zu sub­ven­tio­nie­ren.

Be­we­gung der Plät­ze

Auf den "Plät­zen" waren auch re­vo­lu­tio­nä­re Kerne aktiv, aber min­der­heit­lich. Die Teil­neh­me­rIn­nen waren häu­fig zum ers­ten Mal aktiv, zeig­ten eine be­mer­kens­wer­te Fä­hig­keit zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on bei der Or­ga­ni­sie­rung des ge­mein­sa­men All­tags, der Re­pro­duk­ti­on - aber sie waren nicht "po­li­tisch". Das me­dia­le Bild die­ser Be­we­gun­gen war von den Mit­tel­schich­ten be­stimmt, wo­mög­lich des­halb, weil Jour­na­lis­ten am bes­ten mit Leu­ten aus ihrer ei­ge­nen so­zia­len Schicht kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Und eine Mas­sen­de­mo in der Haupt­stadt ist sicht­ba­rer als ein Streik in der Pro­vinz. So wurde die Be­tei­li­gung von Pro­le­ta­rie­rIn­nen bei den Pro­tes­ten häu­fig un­ter­schätzt, dabei waren viele dabei und schlu­gen sich in vor­ders­ter Front mit den Bul­len. Al­ler­dings ging es eben häu­fig gegen die Re­gie­rung, gegen die Kor­rup­ti­on, für "wirk­li­che De­mo­kra­tie", usw. - nicht um "die Sache der Ar­bei­ter".(16) Die Be­we­gung schien zwar "glo­bal", blieb aber in den Gren­zen ihres Na­tio­nal­staats ge­fan­gen. Vie­ler­orts hatte sie "zwei See­len": zum einen pre­kä­re Pro­le­ta­rie­rIn­nen und ar­beits­los ge­wor­de­ne Mi­gran­tIn­nen, zum an­de­ren pre­ka­ri­sier­te Aka­de­mi­ke­rIn­nen, die einen gut be­zahl­ten Job als Bür­ger­recht an­se­hen. Die Mit­tel­schich­ten wer­den von Zins­po­li­tik, Staats­schul­den und der Spar­po­li­tik be­son­ders ge­trof­fen - man­che ra­di­ka­li­sie­ren sich und han­deln. Zu­wei­len ge­lang ihnen der Sprung in die Po­li­tik und eine Teil­ha­be an der Macht über Wah­len - wie die spa­ni­sche Po­de­mos.

Glo­ba­le Streik­wel­le

Ste­ven Co­lat­rel­la hob in sei­nem Text In un­se­ren Hän­den liegt eine Macht in Wild­cat 90 her­vor, dass sich die Kämp­fe im letz­ten Drit­tel 2010 zu einer glo­ba­len Streik­wel­le bün­del­ten. Geo­gra­fisch und quan­ti­ta­tiv wurde 2010 ein ge­schicht­lich ein­ma­li­ges Aus­maß an Streiks er­reicht. Darin sieht er das Ende des Neo­li­be­ra­lis­mus und die Neu­ent­ste­hung der Ar­bei­ter­klas­se. In der Aus­wei­tung des "tra­di­tio­nel­len Streiks" liege die Kraft, um den Kämp­fen Stär­ke und Rich­tung zu geben und die Schwä­chen der "IWF-Ri­ots" zu über­win­den. "Die glo­ba­le Ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on schuf keine neuen 'Ar­bei­ter­klas­sen'. (Sie gab aber) gro­ßen Tei­len der Ar­bei­ter­klas­se eine neue struk­tu­rel­le Macht, die sie vor­her viel­leicht höchs­tens auf na­tio­na­ler Ebene ge­habt haben."(17)

Ar­bei­te­rIn­nen in Tex­til-, Schuh-, Auto- oder an­de­ren Fa­bri­ken waren nun in der Lage, die Welt-Wirt­schaft gleich­zei­tig auf na­tio­na­ler und glo­ba­ler Ebene an­zu­grei­fen. Die en­ge­re Ein­bin­dung in die Welt­wirt­schaft und der gleich­zei­ti­ge An­griff auf ihre Le­bens­be­din­gun­gen durch die ka­pi­ta­lis­ti­sche Krise habe so­wohl ihre struk­tu­rel­le als auch ihre or­ga­ni­sa­to­ri­sche Macht ver­grö­ßert. Die Streik­wel­le sei ein Mo­ment der Klas­sen­for­mie­rung, sie ver­bin­de die Kämp­fe und po­li­ti­sie­re den Kampf gegen die ka­pi­ta­lis­ti­sche Glo­ba­li­sie­rung. Ar­bei­te­rIn­nen, die ihre öko­no­mi­schen In­ter­es­sen ver­tei­di­gen, seien heute di­rekt mit der Po­li­tik kon­fron­tiert, ihre Kämp­fe also po­li­tisch.

Co­lat­rel­la fasst die glo­ba­le Streik­wel­le seit 2007 als "Streiks gegen die Glo­bal Go­ver­nan­ce", d. h. als welt­wei­te und gleich­zei­ti­ge Ak­ti­on der Ar­bei­te­rIn­nen in vie­len Län­dern gegen den­sel­ben Feind. Aber Gleich­zei­tig­keit schafft noch keine Ge­mein­sam­keit, und ein ge­mein­sa­mer Feind schafft nicht zwangs­läu­fig Ver­bin­dun­gen un­ter­ein­an­der.

Die Catcher Technology  Fabrik in Suqian, im östlichen Kina, wo 20 000 Arbeiter Komponenten für  Sony, Motorola, Hewlett-Packard, Dell und  Apple produzieren

BRICS, MINTS - die Hot­spots der Streik­wel­le

An­ge­sichts sta­gnie­ren­der Wachs­tums­ra­ten in den alten Me­tro­po­len lagen die Hoff­nun­gen des Ka­pi­tals in den BRICS-Staa­ten (Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en, China, Süd­afri­ka - dort leben 40 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung; die Zu­sam­men­fas­sung in die­ser Ab­kürzung ist eine Er­fin­dung der US-In­vest­ment Bank Gold­mann-Sachs von 2001), die (bis auf Russ­land) über eine junge auf­stre­ben­de In­dus­trie­ar­bei­ter­schaft ver­füg­ten, die ein bes­se­res Leben will. Bra­si­li­ens Staats­prä­si­den­tin ver­sprach allen den Auf­stieg in die "Mit­tel­klas­se". Die BRICS schie­nen zu­nächst nicht von der Welt­wirt­schafts­kri­se ge­trof­fen zu sein, staat­lich ge­lenk­te Wirt­schaf­ten wie China gegen die Krise "immun". Brach­lie­gen­des Ka­pi­tal floss dort­hin, die Wachs­tums­ra­ten stie­gen zu­nächst noch wei­ter, wenn auch lang­sa­mer als in den Jah­ren zuvor. Aber ge­ra­de in die­sen Hoff­nungs­trä­gern des Ka­pi­ta­lis­mus haben sich die Ar­bei­te­rIn­nen mit har­ten Streiks hohe Lohn­stei­ge­run­gen er­kämpft.

Ihre Streiks haben viele Ge­mein­sam­kei­ten: die Schwer­punk­te lie­gen in zen­tra­len Bran­chen der je­wei­li­gen Öko­no­mi­en, die be­streik­ten Un­ter­neh­men sind mul­ti­na­tio­nal tätig, die Ar­bei­te­rIn­nen ge­ra­ten bei ihren Kämp­fen mit den be­ste­hen­den Ge­werk­schaf­ten an­ein­an­der, su­chen sich an­de­re Ge­werk­schaf­ten oder be­nut­zen ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men. Häu­fig kommt es zu ge­walt­sa­men An­grif­fen der Staats­macht auf die Strei­ken­den, an­de­rer­seits aber auch zu Ge­walt gegen Ma­na­ger und Streik­bre­cher sei­tens der strei­ken­den.(18)

2014 setz­ten sich diese Kämp­fe fort, in In­di­en al­ler­dings vor dem Hin­ter­grund eines mas­si­ven Ein­bruchs der Wäh­rung und einer 2013 stark zu­rück­ge­gan­ge­nen Nach­fra­ge nach Autos. Seit 2013

wurde viel Ka­pi­tal aus den BRICS ab­ge­zo­gen und in die so­ge­nann­ten MINTS-Staa­ten Me­xi­ko, In­do­ne­si­en, Ni­ge­ria, Tür­kei und Süd­ko­rea trans­fe­riert - auch dies sind Staa­ten mit einer gro­ßen und sehr jun­gen Be­völ­ke­rung, in denen es zum Teil große Pro­test­be­we­gun­gen gab. Im Juni 2013 war die Tür­kei Schau­platz eines Auf­stands ("Ge­zi-Park-Pro­tes­te"), im Mai 2015 ging eine Streik­wel­le durch die ge­sam­te Au­to­in­dus­trie, in der die Ar­bei­ter ihre Ge­werk­schaft da­von­jag­ten.

Im Iran war 2014 das Jahr mit den meis­ten Streiks und Ar­bei­ter­pro­tes­ten. Der Hö­he­punkt war der Streik von 5000 Ar­bei­tern im Ei­sen­erz­berg­bau in Bafgh, womit sie des­sen Pri­va­ti­sie­rung ver­hin­dern konn­ten. Sie streik­ten fast 40 Tage, bis der letz­te ver­haf­te­te Ar­bei­ter frei­ge­las­sen war - es war der längs­te Streik seit der Re­vo­lu­ti­on 1979.



Streikende Honda-Arbeiterinnen in Kina

In den neu in­dus­tria­li­sier­ten Län­dern sind in völ­lig ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len und po­li­ti­schen Mi­lieus an­fäl­lig ähn­li­che Ar­bei­ter­be­we­gun­gen ent­stan­den, die mit Streiks in­ner­halb we­ni­ger Jahre teil­wei­se er­heb­li­che Lohn­er­hö­hun­gen und Ver­bes­se­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen durch­set­zen konn­ten.(19) Die Ar­bei­te­rIn­nen mach­ten sich ihre Stel­lung in der in­ter­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­ket­te zu­nut­ze - wie beim Hon­da-Streik in China.(20) In vie­len Kämp­fen wur­den ega­li­tä­re For­de­run­gen auf­ge­stellt, um gegen die Auf­spal­tun­gen der Be­leg­schaf­ten an­zu­ge­hen, wie sie die Un­ter­neh­mer in­zwi­schen über­all auf der Welt in Be­trie­ben mit einem hohen Fach­ar­bei­ter­an­teil nach dem­sel­ben Mus­ter be­trei­ben (Bei­spie­le: Au­to­ar­bei­ter in In­di­en, Berg­ar­bei­ter in Süd­afri­ka).(21)



Streikende Toyota-Arbeiter, Bangalore, Indien, März 2014

Ar­bei­ter und Staat

Wie wird Ar­bei­ter­kampf re­vo­lu­tio­när? Die Re­vo­lu­ti­on ent­zieht sich der Ab­lei­tung aus den ob­jek­ti­ven Be­din­gun­gen. Wenn in einer pa­tri­ar­chal ge­präg­ten Ge­sell­schaft Ar­bei­te­rin­nen kol­lek­tiv für eine Ver­bes­se­rung ihrer Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen kämp­fen, wenn sie dabei Ri­si­ken ein­ge­hen, Gren­zen über­schrei­ten, neue Mög­lich­kei­ten ent­de­cken, mehr über die Welt wis­sen wol­len, dann ist das wohl "re­vo­lu­tio­när". Wel­chen Be­griff von "Kom­mu­nis­mus" haben Ar­bei­te­rIn­nen in einem Land, in dem die Ka­pi­ta­lis­ten in der KP or­ga­ni­siert sind? Im Kampf wer­den sie etwas Neues ent­wi­ckeln müs­sen. Das geht si­cher­lich nicht al­lein von der Fa­brik aus, es braucht auch An­stö­ße von außen, etwa von einer Ju­gend­be­we­gung, die alles in Frage stellt.

"Welt­ar­bei­ter­klas­se" ist die Ge­gen­the­se zu "na­tio­na­len Ar­bei­ter­klas­sen". Sie geht davon aus, dass die An­bin­dung der Ar­bei­ter­klas­se über eine (so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche) Ar­bei­ter­be­we­gung an den Staat nicht mehr ge­ge­ben ist. 1848 hat­ten die Ar­bei­ter noch kein Va­ter­land, einem pro­le­ta­ri­schen Hand­werks­ge­sel­len konn­te es egal sein, ob er in Köln, Paris oder Brüs­sel ar­bei­te­te. Erst staat­li­che So­zi­al­po­li­tik und die Ori­en­tie­rung der Ar­bei­ter­par­tei­en auf ein "Hin­ein­kämp­fen" in den Staat hat sie an die Na­ti­on ge­bun­den. Seit 1968 hat es eine brei­te und lang­fris­ti­ge Ab­wen­dung der pro­le­ta­ri­schen Be­we­gun­gen vom Staat und von Staat­lich­keit über­haupt ge­ge­ben. Seit den 1980er Jah­ren hat der Abbau von So­zi­al­leis­tun­gen hat zu einer ge­wis­sen "Ent­frem­dung" brei­ter Schich­ten vom Staat ge­führt, aber für die "zen­tra­le Ar­bei­ter­klas­se" funk­tio­niert er noch: man denke an die mas­si­ven Staats­in­ter­ven­tio­nen seit 2008 zur Ret­tung der Au­to­in­dus­trie in der BRD, den USA und in Frank­reich. Für die tra­di­tio­nel­le Linke ist der Staat die po­li­ti­sche Ebene, von der aus Ver­än­de­run­gen des ka­pi­ta­lis­ti­schen Sys­tems bzw. eine "Ein­däm­mung" der schlimms­ten Aus­wir­kun­gen mög­lich sind.

Das Ka­pi­tal war his­to­risch von vorn­her­ein ein glo­ba­les, über den Welt­markt ver­mit­tel­tes Ver­hält­nis. Aber ohne die staat­li­che Rechts­ord­nung und die na­tio­na­len Ar­beits­märk­te hätte das Ka­pi­tal nicht über­lebt und sich nicht ent­fal­ten kön­nen. Der So­zi­al­staat ga­ran­tiert nur den ei­ge­nen Staats­an­ge­hö­ri­gen die Ab­si­che­rung gegen Exis­ten­z­un­si­cher­heit und macht aus Pro­le­ta­ri­ern "Staats­bür­ger". Das Ka­pi­tal konn­te sich aber nur ent­wi­ckeln, indem es auf eine in­dus­tri­el­le Re­ser­ve­ar­mee von Land­ar­bei­tern, Bau­ern, un­ter­be­schäf­tig­ten Pro­le­ta­ri­ern in an­de­ren Län­dern zu­rück­griff. Heute gibt es in fast allen In­dus­trie­län­dern mul­ti­na­tio­na­le Ar­bei­ter­klas­sen ohne tie­fe­re Bin­dung an den Staat, in dem sie leben - wäh­rend sich die "an­säs­si­gen" und "na­tu­ra­li­sier­ten" Ar­bei­te­rIn­nen und ab­stei­gen­den Mit­tel­schich­ten an die Na­ti­on klam­mern und vom Staat be­son­ders ge­schützt wer­den wol­len.

In den letz­ten 20 Jah­ren hat der Klas­sen­feind dort, wo er mit dem Klas­sen­kampf nicht mehr zu­recht­kam, die staat­li­chen Struk­tu­ren auf­ge­löst: Söld­ner, Mafia und/oder Bür­ger­krieg re­gie­ren. Diese Zer­stö­rung so­zia­ler Si­che­rungs­sys­te­me löste mas­sen­haf­te Flucht­be­we­gun­gen aus. In einer sol­chen be­droh­li­chen Si­tua­ti­on ge­win­nen "star­ke Staa­ten"/"ge­lenk­te De­mo­kra­ti­en" als In­seln der Sta­bi­li­tät an At­trak­ti­vi­tät (Russ­land, China). Wo nutzt die Klas­se die Ab­we­sen­heit des Staa­tes zum Auf­bau ei­ge­ner Struk­tu­ren? Wie sieht es mit der Glo­ba­li­sie­rung von unten aus?

Glo­ba­le Lern­pro­zes­se

Di­rek­te Kon­tak­te zwi­schen Ar­bei­te­rIn­nen, ohne Zwi­schen­in­stan­zen, sind heute auch über sehr große Ent­fer­nun­gen hin­weg mög­lich. Dank der di­gi­ta­len Netze ist es auch in ent­le­ge­nen Ge­bie­ten viel ein­fa­cher, etwas über die Welt mit­zu­krie­gen als vor drei oder vier Jahr­zehn­ten. Aber auch just-in-time-Ket­ten schaf­fen nicht auto­ma­tisch eine glo­ba­le Ar­bei­ter­klas­se. Der Funke springt dann über, wenn die Ar­bei­te­rIn­nen eines Be­trie­bes sehen, dass die eines an­de­ren etwas wagen und Er­folg haben - wie etwa beim Streik 2014 in den Schuh­fa­bri­ken von Yue Yuen in China, an dem sich 40.000 Ar­bei­te­rIn­nen be­tei­lig­ten. 2015 streik­ten 90.000 Ar­bei­te­rIn­nen in Fa­bri­ken der­sel­ben Firma in Viet­nam und etwa gleich­zei­tig tra­ten in China 6000 Ar­bei­te­rIn­nen er­neut in Streik. Seit dem 2014er Streik ist fast kein Monat ohne min­des­tens einen Streik in einer Schuh­fa­brik in China ver­gan­gen. Die Ar­bei­te­rIn­nen neh­men ihre Kämp­fe ge­gen­sei­tig und auch über Län­der­gren­zen hin­weg wahr - auch ohne sicht­ba­re, or­ga­ni­sa­to­ri­sche Kon­tak­te. Ar­bei­te­rIn­nen ver­schie­de­ner Fa­bri­ken be­rich­ten und dis­ku­tie­ren bei­spiels­wei­se in In­ter­net­fo­ren mit­ein­an­der.

Mi­gran­tIn­nen

Die of­fen­sicht­lichs­ten Ver­bin­dungs­glie­der zwi­schen den Pro­le­ta­rie­rIn­nen aller Län­der sind Mi­gran­tIn­nen. Es gab his­to­risch Si­tua­tio­nen, als mas­sen­haft mi­li­tan­te Ar­bei­te­rIn­nen ihr Land ver­lie­ßen, um der Re­pres­si­on zu ent­ge­hen - wie in den 1970er Jah­ren aus Spa­ni­en, Grie­chen­land oder nach 1980 aus der Tür­kei - und ihre Kampf- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­fah­run­gen mit­nah­men. In den Fa­bri­ken in Deutsch­land wur­den sie häu­fig zu Avant­gar­den in den Kämp­fen. Oder die Mi­gran­tIn­nen aus Me­xi­ko, die zur Ern­tear­beit in die USA gin­gen und dort Streiks or­ga­ni­sier­ten. (Nicht alle Ar­beits­mi­gran­tIn­nen sind oder blei­ben Pro­le­ta­rie­rIn­nen. Die Selbst­stän­dig­keit ist oft der ein­zi­ge Aus­weg aus der Mi­se­re, das Netz­werk mit Lands­leu­ten die Or­ga­ni­sa­ti­on der Wahl. Mi­gran­tIn­nen ge­hö­ren oft zu denen, die sich mit aller Kraft hoch­ar­bei­ten wol­len und dafür ein Re­ser­voir von schlecht ent­lohn­ter Ar­beits­kraft im Rah­men mo­bi­li­sie­ren kön­nen. Sol­che Netz­wer­ke tau­gen nur be­dingt als Or­ga­ni­sa­ti­ons­ba­sis im Klas­sen­kampf.)

"Das Pro­le­ta­ri­at scheint zu ver­schwin­den in dem Au­gen­blick, in dem die pro­le­ta­ri­sche Be­din­gung sich ver­all­ge­mei­nert. (Samir Amin)

Vier Jahr­zehn­te lang kamen die Be­we­gun­gen der Klas­se nicht an die Ge­schwin­dig­keit des Ka­pi­tals heran, das auf der Suche nach ver­wert­ba­rer Ar­beits­kraft den ge­sam­ten Glo­bus durch­kämmt hat. Diese Si­tua­ti­on dreht sich jetzt um. Die Ar­bei­te­rIn­nen in Ägyp­ten, China, Ban­gla­desch, Me­xi­ko, Süd­afri­ka usw., die sich in Be­we­gung set­zen, be­nut­zen die neuen tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten für sich; ihre Kämp­fe haben sehr schnell eine welt­wei­te Öf­fent­lich­keit. Zum ers­ten Mal zeigt sich eine welt­wei­te Ar­bei­ter­klas­se, die die Po­tenz hat, die glo­ba­le Pro­duk­ti­on und Re­pro­duk­ti­on zu or­ga­ni­sie­ren - und somit die Welt um­zu­wäl­zen.

Die­ses Neue ist in den Me­tro­po­len viel schwe­rer fest­stell­bar, weil das Ka­pi­tal seit den 1980er Jah­ren die Ver­la­ge­rung als Er­pres­sungs­mit­tel be­nutzt hat. (Wäh­rend ein klei­ner Teil der Ar­bei­ter­klas­se - "Mit­tel­schicht" - an der Fi­nan­zia­li­sie­rung/Spe­ku­la­ti­on auch eine Zeit­lang mit­ver­die­nen konn­te, manch­mal mehr als durch Ar­beit.)

Die Rolle der Lin­ken

Wel­che Rolle kön­nen linke Ak­ti­vis­ten bzw. linke Wis­sen­schaft­le­rIn­nen spie­len?

Seit der gro­ßen Streik­wel­le 2010 hat die linke So­zi­al­wis­sen­schaft welt­weit die Ar­bei­ter­klas­se wie­der­ent­deckt und forscht über ihre Be­we­gun­gen. Aber wenn So­zio­lo­gIn­nen ein­zel­ne Ar­bei­ter in­ter­view­en, sind sie oft frus­triert, weil die Leute nur an sich und ihre Fa­mi­lie den­ken. Sind sie im Be­trieb, oder wenn sie ge­mein­sam kämp­fen, "an­de­re Men­schen"? E. P. Thomp­son schrieb 1963, wenn man die Ge­schich­te an einem Punkt an­hal­te, finde man nur In­di­vi­du­en. "Klas­se" hin­ge­gen meine Men­schen, die ihre ei­ge­ne Ge­schich­te leben, es müsse also eine aus­rei­chend lange Zeit­span­ne der Ver­än­de­rung be­trach­tet wer­den. "Die Ent­ste­hung der Ar­bei­ter­klas­se [im Eng­li­schen: "The Ma­king of..."] ist zu­gleich eine Ent­wick­lung in­ner­halb der po­li­ti­schen und kul­tu­rel­len Ge­schich­te und in­ner­halb der Wirt­schafts­ge­schich­te. Die Ar­bei­ter­klas­se wurde nicht nur ge­schaf­fen, sie war zu­gleich ihr ei­ge­ner Schöp­fen."(22)

Und warum soll­ten Ar­bei­te­rIn­nen So­zi­al­wis­sen­schaft­lern über­haupt etwas er­zäh­len?

In der jun­gen welt(23) sagte kürz­lich der un­ga­ri­sche Phi­lo­soph Gáspár Miklós Tamás, dass wir zum ers­ten Mal in der Ge­schich­te der Lin­ken die gro­tes­ke Si­tua­ti­on einer mar­xis­ti­schen In­tel­li­genz ohne mar­xis­ti­sche Be­we­gung hät­ten. Das brin­ge zwei Ge­fah­ren mit sich: zum einen die des Avant­gar­dis­mus, der im Namen eines pas­si­ven Pro­le­ta­ri­ats spricht, das davon aber nichts weiß und die Werte nicht teilt, mit dem ihm vor­ge­schrie­ben wird, was es zu füh­len, zu den­ken und zu tun habe. Die­ser Ge­fahr set­zen sich klei­ne links­ra­di­ka­le Grup­pie­run­gen aus. Die an­de­re Ge­fahr sei, dass die ra­di­ka­le Linke mit einer all­ge­mei­nen, de­mo­kra­ti­schen, an­ti­fa­schis­ti­schen und ega­li­tä­ren Be­we­gung ver­schmel­ze - und die mar­xis­ti­sche Kri­tik ver­schwin­de.

Beide Ten­den­zen gibt es im Um­gang mit den neuen Klas­sen­kämp­fen. Die einen wol­len be­reits eine "neue In­ter­na­tio­na­le" grün­den - wo es doch schon so viele gibt! Die an­de­ren leh­nen Kri­tik an der Ar­bei­ter­klas­se ab und wol­len aus­schließ­lich Ar­bei­te­rIn­nen in ihren Kämp­fen un­ter­stüt­zen. Sie set­zen dabei auf von NGOs or­ga­ni­sier­te de­zen­tra­le Netz­wer­ke oder gleich auf die Gewerk­schaf­ten. In­ter­na­tio­na­le Kon­fe­ren­zen be­schäf­ti­gen sich damit, wie die Ar­bei­te­rIn­nen welt­weit in Ver­bin­dung tre­ten kön­nen. Da­ne­ben gibt es auch noch den tra­di­tio­nel­len "Ar­bei­ter­in­ter­na­tio­na­lis­mus", hier­ar­chisch und zen­tra­lis­tisch or­ga­ni­siert, mit wenig of­fe­ner De­bat­te. Auf in­ter­na­tio­na­len Kon­gres­sen tun die De­le­gier­ten so, als gäbe es noch über­all den le­bens­lang in einem Un­ter­neh­men be­schäf­ti­gen Hand- oder Bü­ro­ar­bei­ter, dem seine Ge­werk­schaft und seine Ar­bei­ter­par­tei einen An­teil am wach­sen­den Wohl­stand er­kämp­fen.(24)

Es gibt aber auch die Ver­su­che ge­werk­schafts­kri­ti­scher Lin­ker, or­ga­ni­sier­te Kon­tak­te zwi­schen den Stand­or­ten eines Mul­tis her­zu­stel­len. Al­ler­dings ist es sehr schwie­rig, über ge­gen­sei­ti­ge Be­su­che hin­aus tat­säch­lich ge­mein­sam zu kämp­fen oder einen So­lis­t­reik zu or­ga­ni­sie­ren.

Ein an­de­rer Teil der ra­di­ka­len Lin­ken, die den Staat ab­schaf­fen will, hat in den letz­ten Jah­ren auf Auf­stän­de ge­setzt. Die "Be­we­gung der Plät­ze" über­hol­te 2011 die Dis­kus­si­on über den "kom­men­den Auf­stand". Aber Grie­chen­land 2008, In­di­gna­dos, Ge­zi-Park, Stutt­gar­t21, Hong­kong usw. waren alles Be­we­gun­gen, an denen Hun­dert­tau­sen­de von Men­schen teil­nah­men - und die am Ende nichts durch­ge­setzt haben! Diese Be­we­gun­gen haben die Mög­lich­kei­ten sicht­bar wer­den las­sen, die in welt­wei­ten gleich­zei­ti­gen Auf­stän­den lie­gen - aber auch bru­tal deren Gren­zen auf­gezeigt: von der Kom­mu­ne von Tahr­ir zur Mi­li­tär­dik­ta­tur. Die vie­len Be­we­gun­gen seit Se­at­tle, die Mas­sen­auf­stän­de in Ar­gen­ti­ni­en 2001, zu­letzt Oc­cu­py Wall­s­treet usw. haben eines in aller Schär­fe klar ge­macht: ein Um­sturz der be­ste­hen­den Ge­sell­schafts­ord­nung ist nur mög­lich, wenn sich die Ar­bei­ter als Ar­bei­ter am Auf­stand be­tei­li­gen. Dass sie nur auf die Demos gehen, aber nicht strei­ken, reicht nicht. Denn im Ka­pi­ta­lis­mus ist der Streik die ul­ti­ma­ti­ve Waffe; hier wird reale Macht ent­wi­ckelt, hier for­mie­ren sich kol­lek­ti­ve Sub­jek­te.

Selbst das Un­sicht­ba­re Ko­mi­tee, das bis­her so gar nichts für die Ar­bei­ter übrig hatte, macht nun (zu­min­dest ver­bal) große Schrit­te auf sie zu(26) - das ist für uns ein in­ter­es­san­ter Punkt: Denn wer den Staat ab­schaf­fen, wer die Re­vo­lu­ti­on will - der wird nicht ohne die Ar­bei­te­rIn­nen aus­kom­men!

Die Pro­le­ta­rie­rIn­nen sind die über­wie­gen­de Mehr­heit der Welt­be­völ­ke­rung, ihre Kämp­fe geben den Takt vor. Aber noch immer gu­cken sich die meis­ten Lin­ken nicht kri­tisch deren Kämp­fe an, son­dern wer­fen so­fort die Frage nach dem "Klas­sen­be­wusst­sein" auf. Sie malen sich ein in Par­tei und Ge­werk­schaft or­ga­ni­sier­tes Pro­le­ta­ri­at aus, wie es schon seit den 1950er Jah­ren nicht mehr exis­tiert. "Was er­war­ten wir denn?", frag­te po­le­misch ein Ar­ti­kel in Wild­cat-Zir­ku­lar 65, "Das Auf­tau­chen von pro­le­ta­ri­schen Welt­or­ga­ni­sa­tio­nen? So­li­da­ri­täts­streiks? Co­py­cats? Eine welt­wei­te po­li­tische Be­we­gung? Das Neue und Span­nen­de an der Frage nach der Welt­re­vo­lu­ti­on ist ja, dass nie­mand Maß­stä­be, Kri­te­ri­en oder gar Ant­wor­ten bat. Ein Maß­stab könn­te sein, ob sich etwas Ge­mein­sa­mes ent­wi­ckelt - und das sieht der­zeit noch nicht so aus: die Ar­bei­te­rIn­nen kämp­fen - aber sie kämp­fen nicht zu­sam­men. ... Eher im Ge­gen­teil: sie kämp­fen für sich und ver­las­sen sich erst mal nur auf ihre ei­ge­ne Stär­ke. Noch nicht mal auf die Kol­le­gin­nen im Nach­bar­be­trieb wird ge­war­tet."(27)

Alte Or­ga­ni­sa­tio­nen und Par­tei­en wer­den rechts lie­gen ge­las­sen, die neuen sind noch nicht sicht­bar. Es gibt auch noch keine Idee einer an­de­ren Ge­sell­schaft, die die Mas­sen er­fasst. In den Kämp­fen las­sen sich aber durch­aus neue Ent­wick­lun­gen fest­stel­len. Über Asien hin­aus haben in den neu in­dus­tria­li­sier­ten Län­dern Ar­bei­te­rIn­nen er­staun­li­che Fä­hig­kei­ten be­wie­sen, ihre Kämp­fe zu or­ga­ni­sie­ren und über­re­gio­nal zu ko­or­di­nie­ren. Sie haben ver­stan­den, dass sie sich nur kol­lek­tiv durch­set­zen kön­nen. Sie kämp­fen mit ega­li­tä­ren For­de­run­gen gegen Spal­tungs­li­ni­en an, die das Ka­pi­tal ein­ge­zo­gen hat. Sie las­sen sich nicht von Ge­werk­schaf­ten auf­hal­ten, die sie brem­sen und kon­trol­lie­ren wol­len. Und sie schre­cken vor har­ten Kon­fron­ta­tio­nen nicht zu­rück. Sie wer­fen Pro­ble­me auf, auf die das Sys­tem keine Ant­wor­ten hat.

Dabei ge­ra­ten sie in Kon­flikt mit einem Ge­sell­schafts­sys­tem, das der über­wie­gen­den Mehr­heit nichts mehr zu bie­ten hat außer Spar­po­li­tik, das die Kämp­fe nicht mehr in "Ent­wick­lung" um­set­zen kann. Ein Ge­sell­schafts­sys­tem, das auf den nächs­ten Crash zu­steu­ert, das unter Füh­rung der "letz­ten Su­per­macht" steht, die mit allen Mit­teln gegen ihren wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Nie­der­gang kämpft. Die stärks­te Mi­li­tär­macht der Welt kann keine Krie­ge mehr ge­win­nen, ge­schwei­ge denn Staa­ten auf­bau­en, son­dern nur noch zer­stö­ren. Damit wird sie die Le­gi­ti­ma­ti­on die­ser Welt­ord­nung wei­ter un­ter­gra­ben und immer mehr Men­schen gegen sich auf­brin­gen.

Wer wird den kom­men­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen den Stem­pel auf­drü­cken? Die welt­wei­ten Mit­tel­klas­sen, die aus Angst um ihre Be­sitz­stän­de na­tio­na­lis­ti­schen Mo­bi­li­sie­run­gen fol­gen? Oder das glo­ba­le Pro­le­ta­ri­at, von dem all ihr Reich­tum und ihre Macht ab­hän­gig ist? Die kol­lek­ti­ve In­tel­li­genz der wi­der­stän­di­gen Pro­le­ta­rie­rIn­nen ist dem Fach­idio­ten­tum der In­sti­tu­tio­nen über­le­gen; ihre Fä­hig­keit zur Or­ga­ni­sa­ti­on der Pro­duk­ti­on und zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on kann die Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung si­cher­stel­len - das haben die Be­we­gun­gen der Plät­ze und viele Be­we­gun­gen gegen Groß­pro­jek­te ge­zeigt. Sie kann als ein­zi­ge der zer­stö­re­ri­schen Po­tenz des Ka­pi­tals etwas ent­ge­gen­set­zen.

In der Wild­cat wurde häu­fig die Hoff­nung auf ein "Zu­sam­men­kom­men von Ar­bei­ter­be­we­gung und so­zia­ler Be­we­gung" for­mu­liert - um die Rolle der so­zi­al­re­vo­lu­tio­nä­ren Lin­ken zu be­stim­men. Als ginge es um eine ein­fa­che Ad­di­ti­on, bei der keine dem an­de­ren weh­tut. Ein Ne­ben­ein­an­der auf den "Plät­zen" bei ge­gen­sei­ti­gem Des­in­ter­es­se. Das wird in Zu­kunft nicht aus­rei­chen, wenn wir etwas rei­ßen wol­len.

Ein neues re­vo­lu­tio­nä­res Sub­jekt wird nicht aus einer ein­fa­chen "Ho­mo­ge­ni­sie­rung" her­vor­ge­hen (schon gar nicht aus einem "Bünd­nis"!), son­dern aus Po­la­ri­sie­rungs- und Spal­tungs­pro­zes­sen in­ner­halb der Klas­se. Damit muss sich die po­li­ti­sche Dis­kus­si­on und Pra­xis der Lin­ken aus­ein­an­der­set­zen.

Update aus der Wildcat Nr. 99 (mit Besprechung von Immanuel Ness: Southern Insurgency –The Coming of the Global Working Class, Pluto Press 2015)

 
 

Rand­be­mer­kun­gen

 (13) Was nach der Bau­ern­in­ter­na­tio­na­le kommt, Wild­cat 82, Herbst 2008, auf www.wildcat-www.de.

(14) Samir Amin, The im­plo­si­on of con­tem­pora­ry ca­pi­ta­lism, New York 2013.

(15) Isa­bel Ortiz, Sara Burke, Mo­ha­med Ber­ra­da, Hernán Cortés, World Pro­tests 2006-2013, FES New York Of­fice 2013.

(16) Vgl. den Ar­ti­kel zu Hong­kong in die­sem Heft auf Seite 12ff.

(17) Ste­ven Co­lat­rel­la, In un­se­ren Hän­den liegt eine Macht, Wild­cat 90, Som­mer 2011, auf www.wildcat-www.de .

(18) Jörg Nowak, Früh­ling der glo­ba­len Ar­bei­ter­klas­se. Neue Streik­wel­le in den BRICS-Staa­ten, 2014; Mas­sen­streiks und Stra­ßen­pro­tes­te in In­di­en und Bra­si­li­en, Pe­ri­phe­rie 137, 2015; Mas­sen­streiks in der glo­ba­len Krise, Stand­punk­te 10/2015, on­line auf rosalux.de.
Tors­ten Be­wer­nitz, Glo­ba­le Krise - glo­ba­le Streik­wel­le? Zwi­schen den öko­no­mi­schen und de­mo­kra­tisch-po­li­ti­schen Pro­tes­ten herrscht keine zu­fäl­li­ge Gleich­zei­tig­keit. In: Prok­la 177, 12/2014.
Do­ro­thea Schmidt, My­then und Er­fah­run­gen: die Ein­heit der deut­schen Ar­bei­ter­klas­se um 1900. In: Prok­la 175, 6/2014. 

(19) Be­ver­ly Sil­ver sieht durch die Kampf­wel­le 2010 ihre The­sen be­stä­tigt: die Be­we­gung des Ka­pi­tals nach China habe eine neue und wach­sen­de kämp­fen­de Ar­bei­ter­klas­se er­zeugt. Nach wie vor denkt sie in Pen­del­be­we­gun­gen: Ma­king - un­ma­king - re­making der Ar­bei­ter­klas­se, nun schwin­ge das Pen­del wie­der zu­rück. Als Ant­wort auf die Kämp­fe seien aber dies­mal keyne­sia­ni­sche So­zi­al­pak­te nicht mehr mög­lich - und auch nicht wün­schens­wert.
Be­ver­ly Sil­ver, Theo­ri­sing the working class in twen­ty-first-cen­tu­ry glo­bal ca­pi­ta­lism, in: Workers and La­bour in a Glo­ba­li­sed Ca­pi­ta­lism (Pal­gra­ve Mac­mil­lan) edi­ted by Mau­ri­zio At­zeni (2014), on­line auf der Web­site der Glo­bal So­ci­al Pro­test Re­se­arch Group:
http://krieger.jhu.edu/arrighi/research/socialprotest.

(20) Siehe den Ar­ti­kel zu China in die­sem Heft auf Seite 34 ff.

(21) ln der BRD haben nur bei Daim­ler Bre­men Ar­bei­te­rIn­nen gegen die Aus­la­ge­rung einer Ab­tei­lung an einen "Dienst­leis­ter" einen wil­den Streik ver­sucht, sich aber nicht durch­set­zen kön­nen.

(22) E.P. Thomp­son, Die Ent­ste­hung der eng­li­schen Ar­bei­ter­klas­se, Frank­furt/M 1987, S. 8 bzw. 209f., eng­lisch: 1963.

(23) Die zwei gro­ßen Ge­fah­ren, Ge­spräch mit Gáspár Miklós Tamás. junge welt, 4.6.2015.

(24) Glo­bal La­bour Jour­nal, Glo­bal La­bour In­sti­tu­te, Glo­bal Dia­lo­gue,

(26) "So­lan­ge wir nicht wis­sen, wie wir ohne Atom­kraft­wer­ke aus­kom­men, und ihre Still­le­gung ein Busi­ness jener bleibt, die sie ewig be­trei­ben wol­len, wird die Hoff­nung dar­auf, den Staat ab­zu­schaf­fen, wei­ter be­lä­chelt wer­den; so­lan­ge die Per­spek­ti­ve einer Volks­er­he­bung be­deu­tet, dass es an Pfle­ge, Er­näh­rung und En­er­gie man­geln wird, wird es keine ent­schlos­se­ne Mas­sen­be­we­gung geben. ... Was den Ar­bei­ter aus­macht, ist nicht seine Aus­beu­tung durch einen Chef, die er mit allen an­de­ren Lohn­ab­hän­gi­gen teilt. Was den Ar­bei­ter po­si­tiv aus­macht, ist sein tech­ni­sches Kön­nen, ver­kör­pert in einer be­stimm­ten Pro­duk­ti­ons­welt. Nie­mand kann in­di­vi­du­ell die Ge­samt­heit der Tech­ni­ken be­herr­schen, die dem ge­gen­wär­ti­gen Sys­tem er­lau­ben, sich zu re­pro­du­zie­ren. Das kann nur eine kol­lek­ti­ve Kraft. ... Wir müs­sen wie­der eine akri­bi­sche For­schungs­ar­beit auf­neh­men. Wir müs­sen in allen Sek­to­ren, in allen Ge­gen­den, die wir be­woh­nen, auf die­je­ni­gen zu­ge­hen, die über stra­te­gi­sches tech­ni­sches Wis­sen ver­fü­gen. Nur dann wer­den es die Be­we­gun­gen wirk­lich wagen, 'alles zu blo­ckie­ren'".
Un­sicht­ba­res Ko­mi­tee, An un­se­re Freun­de. Ham­burg 2015 (Nau­ti­lus). 

(27) Das Ende der Ent­wick­lungs­dik­ta­tu­ren, Wild­cat-Zir­ku­lar 65, Fe­bru­ar 2003, auf www.wildcat-www.de

 

 





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Source: http://www.wildcat-www.de
Publication date of original article: 15/07/2015
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