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 29/05/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 UNIVERSAL ISSUES 
UNIVERSAL ISSUES / Was die Zapatisten uns über die Klimakrise lehren können
Date of publication at Tlaxcala: 01/10/2010
Original: What The Zapatistas Can Teach Us About The Climate Crisis
Translations available: Français  Español 

Was die Zapatisten uns über die Klimakrise lehren können

Jeff Conant

Translated by  Einar Schlereth

 

Mit ihrem Schlachtruf von 1994 „Jetzt reicht's!“ (Ya basta!) wurde die Zapatista-Erhebung zur Speerspitze zweier konvergierender Bewegungen: Mexikos Bewegung für die indigenen Rechte und die internationale Bewegung gegen die Globalisierung der Multinationalen.

Nun zu 2010: die Bewegungen für indigene Rechte und gegen die Globalisierung der Multis haben abermals konvergiert, diesmal global mit der Bewegung für Klima-Gerechtigkeit. Nach dem weithin anerkannten Fehlschlag der Klimaverhandlungen in Kopenhagen im vergangenen Dezember fand die größte Manifestation dieser konvergierenden Bewegungen im vergangenen April auf der Weltkonferenz der Völker über Klimaveränderung und die Rechte der Mutter Erde in Cochabamba/Bolivien statt.

Während politische Kräfte konspiriert haben, um die Zapatisten möglichst unsichtbar zu machen, sowohl innerhalb Mexikos als auch international, bestand ihre Herausforderung immer darin, ein Entwicklungsparadigma vorzuschlagen, das sowohl gerecht als auch selbst-erhaltend ist. Es scheint also nur gerecht zu sehen, ob der Zapatismus ein Licht auf das politische Gewirr über die Klimakrise werfen kann. Können die poetischen Rätsel des Sprechers der Zapatisten Subkomandante Marcos als Wegweiser auf der löchrigen Straße zu gerechten Klima-Lösungen führen?

Ein NEIN und viele JAS

Bald nachdem die Zapatisten 1994 in der Welt als bewaffneter Aufstand erschienen, legten sie ihre Waffen nieder und enthüllten, dass sie neben ihrem „Ein NEIN“ - die Zurückweisung der aufgezwungenen Autorität, sei es durch die mexikanische Regierung oder die globalen Institutionen, die Handel, Investitionen und Sicherheitspolitik beherrschen – für „Viele JAS“ stünden. Ja bedeutet für die Zapatisten die sorgfältige, bewußte und mühevolle Entwicklung von alternativen Formen der Regierung und Ressourcen-Verwendung: mehrsprachige Schulen, kommunale Kliniken, Samenbanken, nachhaltige Landwirtschaft, zugängliches und erschwingliches Wasser und wesentliche sanitäre Anlagen sowie vor allem organisierte Experimente mit direkter Demokratie.

Als 30 000 Menschen aus 140 Ländern plus 56 Regierungsdelegationen sich im April versammelten, stellten sie eindeutig und kraftvoll dar, dass die Klimakrise mit ihren begleitenden Auswirkungen von Dürre, Überschwemmungen, Ernteverlusten, zunehmenden Krankheiten, Vertreibung und weitverbreiteter Instabilität eine grundlegende Ursache hat. Mit den Worten, die vom Abkommen der Völker in Cochabamba geprägt wurden: „Die Multinationalen und die Regierungen der sogenannten „entwickelten“ Länder in Kumpanei mit Teilen der wissenschaftlichen Gemeinschaft haben uns verleitet, den Klimawandel als ein Problem anzusehen, das auf das Ansteigen der Temperatur begrenzt ist, ohne nach der Ursache zu fragen, die das kapitalistische System selbst ist.“

Welche Lösungen wir auch in Betracht ziehen, sagen die sozialen Bewegngen des Südens, so müssen sie sich auf die sozialen und ökologischen Grenzen des Wachstums gründen. Die Bestätigung dieser Grenzen ist das, was die Zapatisten „das Nein“ nennen.

Die vielen „Jas“ indessen kommen in Form der besten Forderungen der Bewegung für Klima-Gerechtigkeit: Stärkung der lokalen Ökonomien, Einsatz ökologischer Landwirtschaft und Regierung, die auf dem Recht basiert; drastische Reduzierung des Konsums und der Verschwendung der nördlichen Länder und der südlichen Eliten, um die Lebensqualität der Milliarden Ausgebeuteten und Marginalisierten zu verbessern; Schutz der Wälder, der Biovielfalt, der Kultur und jener unter uns, die am verwundbarsten sind; Investitionen in und Fürsorge für die Frauen, die Jugend und jene, die das Recht erworben haben, „Älteste“ genannt zu werden. Die vielen Jas für Klimagerechtigkeit sind die vielfältigen Wege zur Milderung und Anpassung, Gleichheit und Gerechtigkeit. Die „Jas“ sind verkörpert in einem Begriff, der jüngst Gültigkeit in Entwicklungskreisen gewonnen hat: Graswurzel-Belastbarkeit.

Gerechtigkeit mit Würde

Implizit mit dem Heranbranden der indigenen Völker kommt ihre Forderung, mit demselben Respekt behandelt zu werden wie er allen menschlichen Wesen zukommt. Wie Subkomandante Marcos vor einem Jahrzehnt geschrieben hat: „Die Mächtigen mit all ihrem Geld verstehen nicht unseren Kampf. Die Macht des Geldes und der Stolz können nicht verstehen, weil es ein Wort gibt, das nicht im Verständnis der großen Weisen, die ihre Intelligenz an die Reichen und Mächtigen verkaufen, vorkommt. Dieses Wort heißt Würde.“

Würde, so stellt sich heraus, ist ein zentraler Begriff in den Klima-Verhandlungen. „Entwicklung“, die einhergeht mit der Annahme, dass die Gesundheit einer Gesellschaft am Niveau ihres Konsums gemessen wird, kommt gerade auf Kosten der menschlichen Würde einher. Die Klima-Aktivisten im Süden verdeutlichen, dass der Norden, belaset mit Überkonsum bis zur Fettleibigkeit, den Konsum reduzieren muss, während der Süden, angesichts des ständigen Mangels, ihn erhöhen muss. Sara Larrain, Direktorin einer NGO, „Haltbares Chile“ genannt, schreibt: „Das Ziel menschlicher Würde steht über dem Ziel der Überwindung der Armut, und bezieht sich auf die Aushandlungvon ökologischem Raum und Gleichheit zwischen Nord und Süd.“

Die „Würdelinie“, die Larrain formuliert in Übereinstimmung mit Gruppen aus Brasilien, Uruguay und Chile ist im wesentlichen ein Vorschlag, die Armutsgrenze – ein rohes und erniedrigendes Maß, das lediglich auf den elementarsten menschlichen Überlebens- Bedürfnissen basiert – mit einem Maßstab zu ersetzen, der die kulturellen, politischen und ökologischen Rechte in Rechnung stellt. „Die Linie der Würde“, schreibt Larrain, „ist der Schnittpunkt, der die Senkung des Konsums der da oben und seine Hebung von denen da unten fördert. Dies erlaubt für die Bevölkerung die Sicherung des Zugriffs auf so viel Umweltraum, der für die Subsistenz und Würde notwendig ist.“

Diese Linie der Würde fordert, dass die Gleichheit zwischen Nord und Süd nur erreicht werden kann, wenn sich die nördliche Auffassung von Umweltnachhaltigkeit (Erhaltung von Ressourcen für die Bedürfnisse der ganzen Welt und künftiger Generationen) mit der Forderung des Südens nach sozialer Nachhaltigkeit (Gleichheit und vollen sozialen, ökologischen, politischern und kulturellen Rechten) deckt. Folglich, um den Lebensstandard für die Milliarden, die gegenwärtig unter der Würdelinie leben, zu heben, muss ein gewisses Maß an Umweltraum (Verringerung des Kohlenstoffs, Fischerei und offene Weiden zum Beispiel) vom Norden aufgegeben werden. Die Wohlhabenden müssen ihren Verbrauch an Ressourcen reduzieren. Sie müssen sich dem Null-Wachstum verpflichten.

Statt die Klima-Katastrophe zu managen, wie es das neoliberale Establishment versucht, zieht es die Bewegung für Klimagerechtigkeit vor, die Krise als eine Gelegenheit zu nutzen – vielleicht die letzte Gelegenheit – würde zu erzeugen.

Alles für jedermann, nichts für uns

Die wahrscheinlich am häufigsten gestellte Frage von Leuten, die gerade zu einer tiefen Sorge wegen der Umweltkrise kommen, ist: „Was kann ich als Individuum tun, um es besser zu machen?“ Die einfache Antwort ist: nichts; das lernte ich durch das Leben in den Zapatisten-Dörfern. Denn wir müssen aufhören, als Individuen zu handeln, wenn wir überleben wollen; die Erde wird nicht von unseren individuellen Akten berührt, sondern von unserem kollektivem Handeln.

Der Slogan der Zapatisten „Para todos todo, para nosotros nada“ (Alles für jedermann, nichts für uns) klang richtig Mitte der 90-er Jahre und tut es heute noch. Aber dieser Slogan enthält ein gewisses Geheimnis. Die Forderung „nichts für uns“ läuft so entgegen allem, was irgendjemand von uns – die Ressourcenhungrigen der sogenannten Ersten Welt – überhaupt denken können zu fordern. Wie das Sprichwort sagt: Niemand plündert jemals für Enthaltsamkeit. Doch wir müssen, ohne uns betrogen zu fühlen, unsere Lebensfähigkeit an einem anderen Sprichwort orientieren: Genug ist besser als ein Fest.

Die Vorschläge von Boliviens Präsident Evo Morales nach einem Klima-Schuld-Tribunal und einer universellen Erklärung der Rechte von Mutter Erde stellen Gleichheit und Ökologie in das Zentrum von Klima-Verhandlungen (statt etwa technische oder marktbasierte Lösungen). Solche Vorschläge sind im Grunde radikaler Ausdruck einer Ethik, die alles für jeden, nichts für uns verlangt. Solche Vorschläge erfordern auch ein radikales Neudenken, was „Entwicklung“ eigentlich bedeutet. Inspiriert von dem Begriff in den Anden „el buen vivir“ - gut leben, im Gegensatz zu besser leben – postuliert die entstehende Klima-Gerechtigkeits-Bewegung, dass, so nahe am Rande des ökologischen Zusammenbruchs, Entwicklung und Fortschritt nicht in Begriffen von Akkumulation verstanden werden sollten, sondern in Begriffen von Teilen.

Eine Welt, in die viele Welten hineinpassen

Das mexikanische Establishment betrachtet das Projekt der Zapatisten als eine Bedrohung für die Einheit des Nationalstaates. Diese Drohung liegt in der Forderung der Zapatisten nach der formellen Anerkennung, innerhalb der staatlichen Grenzen, der verschiedenen ethnischen, kulturellen, linguistischen und religiösen Gruppen. In der Anden-Region und insbesondere in Bolivien nennt man dies (in seinen kulturellen Dimensionen) Multikulturalität oder (in ihren politischen Dimensionen) Multinationalität – ein Nation, in der viele Nationen Platz finden. Der Begriff Multikulturalität unterscheidet sich deutlich von dem US-Konzept von „Multikulturalismus“, denn er geht über die multikulturelle Erziehung hinaus und umfasst Respekt für kollektive Gebietsansprüche und kollektive Rechte.

Die Welt steht in der Mitte eines Massenuntergangs seit dem Zwielicht der Dinosaurier. Die Hälfte aller Arten auf der Erde werden voraussichtlich innerhalb von 100 Jahren verschwinden. Die größeren Ökosysteme (wie der Amazonas), die Frischwasser-Systeme der Welt und die Korallenriffe erreichen den „Umkipp-Punkt“, nach dem sie sich nicht mehr erholen können. So weit neigen Wissenschaftler und soziale Bewegungen zu Übereinstimmung: Vielfalt als Basis für Beschlußfassung ist der Kern des ökologischen und kulturellen Überlebens. Das Drängen der Zapatisten auf „Eine Welt, in der viele Welten Platz finden“ viel mehr als der Ruf nach mehr „Toleranz“ ist eine klare Anerkennung, dass das, was die Wissenschaft jüngst „die biokulturelle Vielfalt“ zu nennen beginnt, eine Quintessenz ist.

Statt zu versuchen, die Ressourcen zu teilen, um einer atomisierten Menge zu dienen, gedenkt die Bewegung für Klimagerechtigkeit die Ressourcen zu verfielfältigen, um dem gemeinsamen Wohl zu dienen. Für Bauern und indigene Völker bedeutet dies im großen und ganzen, jahrhundertealte Traditionen und Systeme von Besitz und Autorität mit modernen Praktiken, die sie ergänzen, fördern und verbessern, zu verbinden. Mit anderen Worten erfordert ein gerechter Übergang zu einer post-Kohlenstoff Welt genau die Art von Strategien, die an Erde gebundene Menschen jahrtausendelang am Leben hielten, in Verbindung mit den besten nachhaltigen Technologien, die von der heutigen Wissenschaft entwickelt wurden: organische Subsistenz-Landwirtschaft plus fair trade (gerechter Handel), Saat-Souveränität, die durch genetisches Tests des Saatguts sichergestellt wird; örtlich produzierter Strom durch Wind, Sonnenenergie und Biogas; kollektive Verkehrsmittel mit Ölabfall; Null-Abfall-Praktiken und saubere Produktion in Kleinmaßstab; örtliche Wasser-Verwaltung verbessert durch billige Wasseraufarbeitung. Um auf eine Krise zu reagieren mit verschiedenen örtlichen Formen in einer Weise, die eine Wel schafft, in der viele Welten Platz finden, erfordert unterschiedliche, örtliche, von Menschen betriebene Lösungen.

Das Land denen, die es bebauen

Der Kampf der Zapatisten ging vor allem anderen um Land. Sie wollen das einfache Recht, das Land zu bebauen, das sie als ihren historischen Besitz betrachten. Darin findet ihr Kampf viele Parallellen in der gesamten indigenen Welt.

Obwohl sie für Land kämpfen, haben die Zapatisten sich niemals, auch nicht beiläufig, als 'Umweltschützer' dargestellt. Noch reden sie viel in ihren umfangreichen Komuniqués seit anderthalb Jahrzehnten über 'Ökologie' oder 'Umweltschutz'. Und dennoch, wie es der Dichter Gary Snyder es einmal ausdrückte: „Das Beste, was du für die Umwelt tun kannst, ist zuhausebleiben.“ Wie indigene Bauern, die für territoriale Autonomie kämpfen, so ist der Kampf der Zapatisten genau das „zuahausebleiben“.

Einer der umstrittensten Punkte bei den UN-Klima-Vernhandlungen, der auch heiß in Cochabamba angezweifelt und von vielen Teilen der Bewegung für Klimagerechtigkeit direkt bekämpft wurde, ist das Programm, das Reduzierung von Emissionen durch Abholzung und Degradierung (REDD) genannt wird. REDD versucht Regierungen, Holzgesellschaften und Waldbesitzer im Süden zu belohnen, wenn sie ihre Wälder stehenlassen und damit zur Senkung des Kohlendioxids beizutragen. Liberale NGOs neigen dazu, das Programm REDD, im Grunde eine Unternehmensprogramm, zu unterstützen, weil es einen Mechanismus bietet, Wälder zu schützen. Aber dieser Mechanismus liefert auch den verschmutzenden Industrien das Recht, mit der Verschmutzung fortzufahren. Außerdem ist REDDs Version des „Waldschutzes“ möglicherweise der größte Landraub der Weltgeschichte.

Tom Goldtooth, Direktor des indigenen Umweltnetzwerks (Indigenous Environmental Network) mit Sitz in den USA, nennt REDD „die Korruption des Heiligen“- Die Wälder, besonders die, in denen Menschen wohnen, binden nicht einfach nur Kohlendioxyd. „Lungen der Erde“ oder nicht, in erster Linie sind sie Wälder. Die Erde, wie Emiliano Zapata sagte, ist für ihre wahren Betreuer da. Ja, sagt die Bewegung für Klimagerechtigkeit, lasst die Wälder stehen – und zahlt daf wenn nötig. Aber statt weit entfernte ökonomische Interessen mit der Aufgabe zu betrauen, die Wälder zu retten, wie REDD vorschlägt, warum nicht die Art von Wertschätzung ermutigen, die von Menschen mit Land immer praktiziert haben? Wir sollten den Druck auf die Wälder reduzieren, indem wir jene fernhalten, die nicht direkt mit ihrer Pfelge zu tun haben – d.h. fast alle von uns.

Indem sie REDD und andere Reduzierungsmethoden verurteilen, dann deshalb, weil die Klimaaktivisten der Meinung sind, dass der Mark nicht die Krise lösen kann, die er selbst hervorgebracht hat. Der Stern-Bericht über die Ökonomie des Klimawandels, der in England 2006 veröffentlicht wurde, beschrieb den Klimawandel als „das größte Versagen des Marktes der Geschichte“. Doch gleichzeitig empfehlen die Regierungen und die Unternehmen und die ihnen nahestehenden NGOs den Kohlendioxyd Markt als die einzige Lösung. Als der europäische Kohlendioxyd-Markt versagte, beim Preis einer Tonne Kohlendioxyd weit unter dem Preis, bei dem erneuerbare Energie mit Erdöl konkurrieren kann, gab es nicht mal ein Flüstern. Die Obama-Verwaltung fuhr fort, auf REDD und ähnliche Programme zu setzen, die UNFCCC fuhr fort, auf REDD und ähnliches zu setzen und die Atmosphäre war weiterhin für jene da, die bezahlen wollten, um sie zu verschmutzen.

Laufen und Fragen stellen

In vielen seiner Kommuniqués benutzt Subkomandante Marcos Geschichten der alten Götter, jene die es schon gab, bevor die Welt entstand, um darzustellen, wie der Kampf, um die Gesellschaft neu zu erfinden, mit dem Augenblick der Schöpfung verknüpft war. Eine Lehre dieser Geschichten kehrt immer wieder – jene, die unsere Welt schufen, taten es, indem sie liefen und Fragen stellten. Es ist eine starke Poesie.

Doch in der Mitte der wachsenden Klimakrise haben wir kaum Zeit, Fragen zu stellen. Kann die riesige Zahl von landlosen Kleinbauern, Fischern und indigenen Völkern Anreize erhalten – und Unterstützung – auf ihrem Land zu bleiben, statt in die übervölkerten und überhitzten Städte auszuwandern? Können wir vernünftigerweise das Verbrennen von Kohle, Erdöl, Getreide und Abfall stoppen und dennoch gut leben? Ist eine andere Entwicklung möglich? Für dieseFragen gibt es keine einfachen Antworten. Aber indem wir laufen, sehr schnell, können wir – müssen wir – die auftauchenden Antworten finden.

In Der wert des Nichts zitiert Raj Patel „Laufen und Fragen stellen“ als ein grundlegendes Prinzip der Demokratie. „Die Fehler, die auf dem Weg gemacht werden, sind Teil des Prozesses“, gibt er wenigstens zu. Indem man ein kaputtes System herausfordert, ist es wichtig, unbekanntes Territorium zu betreten. Die am meisten betroffenen Menschen in diesen Prozess der Lösung der Klimakatastrophe wirklich einzubinden, ist Teil dieses Territoriums. Und ja, Fehler werden gemacht werden.

Aber um zu verhindern, dass Fehler verhängnisvoll werden, müssen Eingriff in einem menschlichen Maßstab gemacht werden. Es waren Fehler – riesige – die uns so weit gebracht haben. Erdölgesellschaften, wie etwa BP, bohrten wiet über ihre Fähigkeit hinaus, Unfälle verhindernzu und bereinigen zu können. Weitere spektakuläre Fehler sind schon in Vorbereitung, wie Geo-Engineering. Als der BP-Vizepräsident David Eyton 2008 ankündigte, dass BP beim Geo-Engineering dabei sein werde, sagte er: „Wir können das Ausmaß der Herausforderung nicht ignorieren.“ Unglücklicherweise können wir auch nicht das Ausmaß der folgenden Katastrophen leisten. Wenn irgendetwas schief läuft (und das mit Sicherheit), wird es in gigantischer Weise schief gehen, wie das BP-Experiment der Tiefseebohrung.

Während wir wandern und Fragen stellen, sollten wir das folgende Mantra wiederholen: große Fragen, kleine Fehler.

Ya Basta!

So tiefsinnig wie irgendein anderer ihrer Slogans definiert der ursprüngliche Schlachtruf der Zapatisten „Jetzt reicht's!“ die Dringlichkeit, mit der wir die Klimafrage angehen müssen. Dieses Jahr wird voraussichtlich der heißeste Sommer seit Menschengedenken. Die Hurrikan-Säson soll katastrophaler denn je werden. Das BP-Leck wird als die schlimmste Umweltkatastrophe aller Zeiten angesehen. Und die neuesten Vorhersagen von der National Oceanic and Atmospheric Administration zeigen, dass die Arktik in 30 Jahren kein Sommereis mehr haben wird. Die Regierungen spielen Politik wie gewöhnlich, und die Multinationalen sehen riesigen Profiten vom Kohlendioxyd-Markt entgegen. Aber Wissenschaftler und Aktivisten sind einer Meinung: Wir können nicht die physischen Grenzen der Klimaverheerung mit dem Markt in den Griff bekommen.

1994 sagten die Zapatisten der Welt ganz deutlich, dass wir alle anderen Optionen erschöpft haben. In den Klauen der Klimakatastrophe steht jedes lebende Wesen auf dem Planet mit dem Rücken zu derselben Wand. Veränderung braucht Zeit, sagt jede kluge Stimme. Aber nach Jahrhunderten mit giftiger Industrie, Jahrzehnten der Leugnung des Klimawandels und Jahren politischer Spiele, als gäbe es Gewinner und Verlierer, ist die Zeit abgelaufen. In einem langwierigen Wettkampf mit der Klimakrise kann es nur Verlierer geben. Boliviens Botschaftrer an der UNO Pablo Solón sagte neulich auf dem US-Forum in Detroit: „Wir werden nur eine Chance in diesem Jahrhundert haben, um den Klimawandel zu bekämpfen. Und das ist jetzt.“ In diesen Worten kann man das Echo der Zapatisten hören: Ya Basta!





Source: http://www.countercurrents.org/conant220910.htm
Publication date of original article: 22/09/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=1606

 

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