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 15/10/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 AFRICA 
AFRICA / Kenia Blog
Date of publication at Tlaxcala: 28/09/2010
Original: Kenya blog
Translations available: Español 

Kenia Blog

Caroline Griffin & James O'Nions

Translated by  Susanne Schuster سوزان شوستر

 

Mikrofinanzierung in Afrika

Freitag, 23. Juli 2010, 14:23 Uhr
 
Während meines Aufenthalts in Kenia habe ich ein neues Buch von Milford Bateman gelesen: Why doesn’t microfinance work? The destructive rise of local neoliberalism. [Warum die Mikrofinanzierung nicht funktioniert. Der destruktive Aufstieg des lokalen Neoliberalismus]. Seit mehreren Jahrzehnten wird die Mikrofinanzierung als eine effektive Lösung für die Armut der Ärmsten gefeiert und 2006 erhielt Mohammed Yunus, der Gründer der ersten Mikrofinanzierungsinstitution, die Grameen Bank in Bangladesch, den Friedensnobelpreis.
 
Doch Milford Bateman kritisiert, dass die Mikrofinanzierung es erstens kaum schafft, „die Menschen aus der Armut zu befreien“ und zweitens, dass sie im Mainstream der Entwicklungshilfe nur deswegen überleben konnte und Erfolg hatte, weil sie sehr gut zu den Bedingungen passt, die für die Aufrechterhaltung eines neoliberalen Wirtschaftssystems notwendig sind.
 
Afrika wird jetzt natürlich von Mikrokreditinstituten überschwemmt und Kenia stellt dabei keine Ausnahme dar. Batemans Buch zerschlägt auf brillante Weise die „Mythen“ über die Wirksamkeit der Mikrofinanzierung, einschließlich die Behauptung, dass sie die Stellung der Frauen stärke. Unter besonderer Bezugnahme auf Afrika argumentiert er, dass Afrika nicht „einen riesigen Pool von selbstständigen Kleinhändlern“ brauche, sondern eine „solide Basis für eine Leichtindustrie … und ein produzierendes Gewerbe, die fähig sind, ein produktives Wachstum zu erzeugen.“ Tatsächlich werde „die Ausbreitung der Mikrofinanzierung in Afrika mit der Unmöglichkeit assoziiert, eine für ein zukünftiges Wachstum und eine Armutsminderung notwendige industrielle Basis zu errichten.“ (S. 97)
 

Das Dorf Gathigia im Bezirk Muranga in der kenianischen Zentralprovinz. Caroline Griffin/WDM

 
Gestern besuchten wir das zentrale Hochland Kenias. Zwar ist diese Region viel feuchter und üppiger begrünt als andere Teile Kenias, doch ist sie dicht besiedelt von Kleinbauern, die für ihre bescheidene Kaffeeernte einen sehr schlechten Preis bekommen. Daher bleiben sie Nettokäufer von Lebensmitteln, obwohl sie selber Mais anbauen.
 
Wir trafen uns mit einer Frauengruppe nahe Kangema, die nach Wegen suchte, ihr Einkommen aufzustocken. Die Frauen wollen ihr Wissen über die Aufzucht von Hühnern nutzen, um ein eigenes Unternehmen vor Ort zu gründen, aber sie brauchten noch etwas Startkapital. Sie sagten, sie wollten kein Mitleid, sie wollten aber auch die konventionelle Mikrofinanzierung (viele Schilder entlang der Hauptstraßen in der Gegend warben dafür) meiden. Einige Frauen hätten ihre Häuser verloren, nachdem sie die Mikrofinanzierungskredite nicht mehr zurückzahlen konnten, sagten sie.
 
Eine Alternative für diese Frauen wären Kreditgenossenschaften (finance co-operatives bzw. credit unions). Dort, wo sie gefördert wurden haben sich diese Institutionen, deren Eigentümer die Mitglieder sind, als viel effektiver beim Aufbau lokaler Wirtschaften erwiesen, laut Bateman. Unterstützt von einer verständnisvollen Regierung, die auch dazu bereit ist, einheimische kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen, könnten Kreditgenossenschaften die Basis für eine erfolgreiche Wirtschaft bilden, die mehr auf Solidarität aufgebaut ist. Genau dies war zum Beispiel der Fall in der italienischen Region Emilia-Romagna nach dem zweiten Weltkrieg.
 
Die Mikrofinanzierung hingegen passt viel zu leicht zu einer Vision von Afrika als Rohstoffquelle und Markt für multinationale Unternehmen, die ihre Gewinne aus dem Kontinent transferieren, aber nicht zu einer robusten eigenständigen Wirtschaft. Im Fahrwasser des Neoliberalismus ist eine Mittelschicht entstanden, die von diesem System profitiert, aber auch eine viel größere Bevölkerungsgruppe, die davon nicht profitiert und immer noch dafür kämpft, sich irgendeine Art von Lebensgrundlage zu schaffen.
 
Vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Ungleichheit fungiert die Mikrofinanzierung geradezu als eine Art Beherrschung der Armen. Sie bestärkt den Traum des individuellen Vorankommens (egal wie unwahrscheinlich) und verhindert kollektive Lösungen und politische Forderungen. Letztendlich ist sie, laut Bateman, eine Armutsfalle.
 

James O'Nions

 
Transformatives Handeln im Slum Kibera
 
Dienstag, 27. Juli, 2010, 11:26 Uhr
 
In Nairobis Slum Kibera sind etwa 1,5 Millionen Menschen beheimatet. Das entspricht der Hälfte der Bevölkerung Kenias, eingezwängt auf eine Fläche von nur 2,5 Quadratkilometern. Auf dem Weg dorthin beschrieb unser Fahrer Charles das Ausmaß der Gewalt, die in Kibera während der Wahl 2007 ausbrach. Autos wurden angezündet, Männer, Frauen und Kinder wurden geschlagen, als sie gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben wurden, und die kenianische Polizei setzte gegen sie Tränengas ein. Als wir am Eingang des Slums ankamen, verriegelte Charles die Türen und kurbelte die Fenster hoch. In der öffentlichen Wahrnehmung innerhalb Kenias ist Kibera ein gefährlicher, rechtloser Ort.
 
Unsere Wahrnehmung war eine vollkommen andere. Wir trafen uns mit einer Gruppe von acht Frauen und Sheikh Ahmed Abdulrahim, ein lokaler Menschenrechtsaktivist, unter einem Baum ganz am Rand des Slums. Sie breiteten ihre Halstücher auf dem Boden aus, damit wir darauf sitzen konnten und begannen, von ihrer Kampagne und ihren persönlichen Erfahrungen zu erzählen.
 
Die Gruppe Kibera Women for Peace and Fairness [Frauen aus Kibera für Frieden und Fairness] sehen einen Zusammenhang zwischen der Gewalt des Jahres 2007 und der extremen Armut, in der die Menschen dort leben. Die Unruhen waren zum Teil begründet in dem enormen Anstieg der Lebensmittelpreise, was dazu führte, dass viele Leute sich nur noch eine Mahlzeit pro Tag leisten konnten. Dies und die erschreckenden Bedingungen und Entbehrungen, unter denen die Menschen in Kibera litten, führten dazu, dass sich der schwelende Unmut entlud, der gegen eine Regierung gerichtet war, die grundlegende Menschenrechte ihrer Bürger auf Sanitäreinrichtungen, Strom, geeigneten Wohnraum und eine ausgewogene Ernährung missachtet. Sie erkennt den Slum nicht einmal als einen offiziellen Teil der Stadt Nairobi an. Inzwischen haben sich die Preise stabilisiert, doch für die Menschen, einschließlich dieser Frauen, ist das tägliche Leben immer noch extrem hart.
 
Antonina Masita, zum Beispiel, ist 58 Jahre alt, verwitwet, HIV-positiv und hat 7 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren. Sie sagt, sie kratze pro Tag nur etwa 20 bis 30 kenianische Schillinge zusammen. Umgerechnet in Euro sind das etwa 23 Cent, aber man muss diesen Betrag relativieren. Ein 2-kg-Sack Mais kostet 50 kenianische Schillinge in den Slums. Während des Anstiegs der Lebensmittelpreise, als der Preis von Mais bis zu etwa 120 Schillinge pro 2-kg-Sack kletterte, bekam sie keine Arbeit und konnte es sich kaum leisten, zu essen oder die Miete für den Raum zu bezahlen, in dem sie und ihre 7 Kinder eng zusammengedrängt leben. Zu der Zeit aßen viele Familien nur eine Mahlzeit pro Tag, oftmals nur eine Schüssel Porridge.
 
 

Antonina Masita, Aktivistin bei Kibera Women for Peace and Fairness. Caroline Griffin/WDM

 
Indem sie für das Recht auf einen fairen Lebensmittelpreis kämpfen, hoffen Antonina und ihre Freunde, dass sie niemals wieder ihre Kinder und Nachbarn sterben sehen müssen. Nun da die Lebensmittelkrise vorbei ist – momentan zumindest –, haben sie Zeit, für andere Dinge zu kämpfen, wie beispielsweise bessere Bedingungen und ein Ende der Gewalt gegen Frauen, indem sie die weitverbreitete Ansicht, dass ein Mann eine Frau nicht liebt, wenn er sie nicht schlägt, verändern. „Wir sind der Ansicht, dass es keine Rechtfertigung für Gewalt gegen Frauen gibt. Wenn man das einmal sagt, dann sorgt man für Veränderung“, erzählte mir Fanice Onjala, die Geschäftsführerin der Gruppe.
 
Es ist also höchste Zeit, dass die britische Regierung das Leben für Menschen wie Antonina und Fanice leichter macht, damit sie weiter an der Transformation ihrer Gesellschaft und der Verbesserung der Stellung der Frauen arbeiten können, statt sich ständig darüber zu sorgen, wie sie sich selbst und ihre Familien ernähren sollen. Die Regierung kann dies erreichen, indem sie Banker und Hedge-Fonds per Gesetz dabei stoppt, mit Lebensmitteln zu zocken.
 

Caroline Griffin

 
Staubige Straßen und Maisfarmen
 
Donnerstag, 29. Juli 2010, 7:36 Uhr
 
Am Wochenende besuchten wir Makueni, ein etwa zweieinhalb Autostunden südlich von Nairobi gelegenes Marktstädtchen. Wir fuhren zuerst auf der Hauptstraße nach Mombasa, dann führte uns eine Abzweigung in das regionale Zentrum Machakos, bis wir schließlich nach Einbruch der Dunkelheit zum Zirpen der Grillen in Makueni ankamen. In den großen Städten halten sich extreme Armut und relativer Reichtum die Gesellschaft, doch je weiter man auf das Land vordringt, desto einsamer wird die Armut.
 
Am nächsten Tag treffen wir uns mit Phyllis Nduva, eine lokale Aktivistin, sie führte uns auf einer langen Straße, die aus einer tiefen Schicht feinem rotem Staub bestand, zu einem Dorf, in dem sich die Gemeinde versammelt hatte, um einem Vortrag über die vorgeschlagene neue Verfassung Kenias zuzuhören. Die Verfassung ist das wichtigste Ereignis hier: die „Ja“ und „Nein“-Kampagnen dominieren die Schlagzeilen und der Volksentscheid wird am 4. August stattfinden. Ich werde über einige der damit verbundenen Fragen zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr schreiben. Das Ziel dieser Versammlung war es jedenfalls, die Gemeindemitglieder darüber zu informieren, worüber sie abstimmen sollten, auch wenn die Vertreter der offiziellen „Ja“-Kampagne später dazukamen, um die Leute auf ihre Seite zu ziehen.
 

Phyllis Nduva erklärt den Bauern in Makueni, was die neue kenianische Verfassung für sie bedeuten wird. Caroline Griffin/WDM

 
Das Dorfoberhaupt (ein offizieller Regierungsposten) und sein Stellvertreter erzählten uns währenddessen, welche Folgen die Lebensmittelkrise 2008 für ihre Region hatte. Die Region Makueni ist sehr trocken (z.B. im Gegensatz zum Rift Valley) und die Maissorte, die hier angebaut wird, wurde von der Agrarforschungsanstalt Katamani speziell gezüchtet, um gegen Dürre widerstandsfähiger zu sein. Nach zwei Jahren mit geringem Regenfall wurden die lokalen Lebensmittelvorräte dennoch knapp und Lieferungen aus Gebieten wie dem Rift Valley wurden aufgrund der Gewaltwelle nach der Wahl 2007 behindert. Dazu kam der Preisanstieg bei Mais auf internationalen Märkten und die Katastrophe war programmiert.
 
Unser Zusammentreffen mit Menschen, die sich hier mühsam durchschlagen, verdeutlichte noch viel mehr, dass diese Folgen nicht auf vorübergehende Hungersnöte beschränkt waren, so schrecklich diese auch sind. Manche Leute mussten ihre Tiere verkaufen, um etwas Geld für die nötigsten Anschaffungen zu haben. Die Leute, die wir getroffen haben und dies getan hatten, haben immer noch keine neuen Tiere. Für eine Frau hieß dies, dass sie nun keine Milch verkaufen kann, um die Schulgebühren für ihre Kinder zu bezahlen, obwohl es geregnet hat und sie wieder Nahrungsmittel anbauen kann.
 
Die Bürohochhäuser im Londoner Banken- und Börsenviertel scheinen in unendlich weiter Entfernung zu sein. Sowohl die Banker als auch die Farmer wissen kaum etwas über die Existenz des jeweils anderen. Aber auf der Jagd nach Profit durch den Handel mit Agrarrohstoffen an Warenterminbörsen laufen die Investmentbanken Gefahr, eine neue Krise für arme Landwirte zu verursachen, von der diese sich vielleicht nicht mehr erholen werden.
 

James O'Nions

 
Entkolonialisierung des Geistes
 
Donnerstag, 29. Juli 2010, 21:56 Uhr
 
Gestern nachmittag fuhren James, Kiama Kaara vom Kenya Debt Relief Network und ich auf einer von Händlern, Bauarbeitern und Läden sehr belebten Straße nach Thika, eine 40 Kilometer von Nairobi entfernte mittelgroße Stadt, zu einem Treffen mit Zachary Makanya von der PELUM Association.
 
PELUM, eine Abkürzung für Participatory Ecological Land Use Management [Partizipatives ökologisches Landnutzungsmanagement], ist ein Netzwerk von zivilgesellschaftlichen Organisationen und NGO, die mit Kleinbauern aus dem östlichen, zentralen und südlichen Afrika arbeiten. Ihre Vision ist inspirierend und beeindruckend und was uns Zachary sagte, war sehr klar. Die Lebensqualität der Kenianer hat sich immer noch nicht verbessert, obwohl Hilfsgelder von Geldgebern und NGO, die zwar gute Absichten haben, aber oft schlecht informiert und bevormundend sind, seit Jahrzehnten ins Land fließen. Die Folgen der Abhängigkeit von Hilfe und das Vermächtnis des Kolonialismus bedeuten, dass der dringend notwendige Prozess der „Entkolonialisierung des Geistes“ nun ernsthaft angegangen werden muss, wenn sich afrikanische Nationen, Kenia eingeschlossen, gegen den heftigen und unerbittlichen Vormarsch der Globalisierung und Industrialisierung, der schon jetzt das traditionelle Wissen, die Sprachen, indigene Gemeinschaften und die Natur zerstört, wehren wollen.
 

 Zachary Makanya, PELUM Association, Kenia. Caroline Griffin/WDM

 
Trotz alledem war Zacharys Botschaft positiv und inspirierend. Er sprach davon, dass Kleinbauern ermutigt werden müssten, ihre Umwelt und Gemeinschaften als Quelle des Reichtums zu sehen, denn als Ursache von Problemen. Das ist der springende Punkt. Den Konzepten „Hilfe“ und „Entwicklung“ liegt die Schlussfolgerung zugrunde, dass sich Afrika in einer Krise befindet und auf Gedeih und Verderb Problemen ausgeliefert ist, die ohne Einfluss von außen unüberwindbar sind. Wenn man diese Annahme vollkommen auf den Kopf stellt und Kleinbauern darin schult, mit dem Vorhandenen zu arbeiten, dann sieht die Welt allmählich ganz anders aus, ein Ort voller Möglichkeiten und Hoffnung.
 
Unser Treffen fand auf einem ruhigen Grundstück statt, das wie die Verkörperung dieser Hoffnung schien. Angefüllt mit verschiedenen einheimischen Baumarten, Pflanzenbeeten und Komposthaufen, auf denen Affen nach Essbarem suchten, könnte der Unterschied zum Zentrum Nairobis, wo man an jeder Straßenecke die Plakatwerbung von Orange, Barclays Bank und Nivea sieht, nicht größer sein. Die Kleinbauern kommen hierher, um über den Anbau von heimischen Feldfrüchten wie Cassava zu lernen, einheimisches nicht-kommerzielles Saatgut zu teilen und Schädlinge ohne chemische Dünger zu bekämpfen.
 
 

Spinatanbau in einem landwirtschaftlichen Versuchszentrum in Thika, Kenia. Spinat ist eine beliebte Zutat in der kenianischen Küche. Caroline Griffin/WDM

 
Andere Experten, mit denen wir gesprochen haben, wie Paul Gamba, ein Volkswirtschaftler am Tegemeo Institute, eine Agrarforschungseinrichtung in Kenia, weisen auf die Notwendigkeit zur Selbstorganisation von Kleinbauern hin, zum Beispiel in Genossenschaften, um sich auf eine Situation hinzubewegen, in der sie sowohl die Verarbeiter als auch die Anbauer sind. Die Bauern, mit denen wir gesprochen haben, sagten, die Mittelsmänner geben ihnen keinen fairen Preis für ihre Ernteerzeugnisse. Laut Herrn Gamba würde dies auch dabei helfen, die Preise zu stabilisieren und den Bauern die Kontrolle über ihre Leben zurückzugeben. Der ehemalige Kaffeeanbauer Justus Lavi, nun der Kassenwart des Kenya Small Scale Farmers’ Forum [Kenianisches Kleinbauernforum], sagte uns, die Verarbeitung der Kaffeebohnen sei nicht schwierig, er habe dies als Kind gemacht. Man müsse sie nur „anbauen, pflücken, waschen, dreschen, waschen, im Sand mahlen und der Kaffee ist großartig“. Trotzdem wird der Hauptteil der Kaffeebohnen, die hier in üppigen Mengen wachsen, im Ausland verarbeitet.
 
Situationen wie jene, als der Maispreis in nur wenigen Tagen verdoppelte, und dazu führte, dass einige Menschen drei Tage lang nichts zu essen hatten, dürfen nie wieder vorkommen. Durch die Menschen, die wir getroffen haben, wurden wir daran erinnert, dass das Unvermögen, genügend Lebensmittel kaufen zu können, um die Familie zu ernähren, nicht nur physische, sondern auch psychologische Auswirkungen hat. Mit dem Bemühen der lokalen Bevölkerung und Zivilgesellschaft Kenias, das Selbstbewusstsein lokaler Gemeinschaften und Bauern zu stärken ist eine neue Lebensmittelkrise das Letzte, was das Land braucht. Doch ohne Gesetze, um den Exzessen der Finanzmärkte Einhalt zu gebieten, sind weitere Preissprünge wahrscheinlich. Das Mindeste, was die britische Regierung tun kann, ist, über die Preisspekulation bei Agrarrohstoffen einfache Beschränkungen zu verhängen, damit die Menschen sich wieder aufrappeln können, und ihr Leben wieder aufbauen und ihm neuen Sinn geben können.

 

Caroline Griffin

 
Ein Ausflug nach Kibera
 
Sonntag, 1. August 2010, 14:14 Uhr
 
Heute besuchten Caroline und ich einen Teil von Kibera. Wir waren dort, um einige Frauen von der Gruppe Kibera Women for Peace and Fairness [Frauen aus Kibera für Frieden und Fairness] zu treffen. Die aus mehreren Hundert Frauen bestehende Gruppe wurde während der Gewaltwelle nach der kenianischen Wahl 2007, deren Epizentrum sich in Kibera befand, gegründet. Frauen und Kinder wurden von der Gewalt, auch seitens der Polizei, eingeholt und von Tränengas und Schlimmerem getroffen.
 


Kibera Women for Peace and Fairness, Kibera

 
Als die Lebensmittelkrise 2008 zuschlug, organisierten sich die Frauen wieder. Man kann in Kibera pro Tag etwa 50 – 150 kenianische Schillinge verdienen (0,45 bis 1,36 Euro). Vor dem Preisanstieg kostete ein 2-kg-Sack Maismehl, das Grundnahrungsmittel Unga, etwa 50 Schillinge. Um daraus ein Essen für die Familie zu bereiten, braucht man darüber hinaus Paraffin, Öl, Salz und im Idealfall auch etwas Gemüse. Doch als der Maispreis auf den Weltmärkten in die Höhe schoss, kletterte der Preis von Maismehl in Kenia auf 120 Schillinge. Die Hungersnot in Kibera erreichte, wenig überraschend, katastrophale Ausmaße.
 
Die Frauen organisierten also eine friedliche Demonstration, um ihr Recht auf erschwingliche Lebensmittel zu fordern. Trotz der Angriffe seitens der Polizei, bildete diese Demonstration die Grundlage für eine Bewegung, welche die Regierung dazu zwang, eine Subvention einzuführen, um den Maispreis wieder zu senken. Die Kampagne der Frauen geht weiter, auch wenn sich der Maispreis mittlerweile stabilisiert hat. Sie wollen, dass ihre ursprüngliche Forderung, ein 2-kg-Sack Maismehl solle 30 Schillinge kosten, erfüllt wird, und dass die Regierung etwas dahingehend unternimmt, das Lohnniveau in Kibera anzuheben.
 
Doch da der Preis ihres Grundnahrungsmittels immer noch vom Preis von an den Weltmärkten gehandelten Agrarrohstoffen abhängt, bleiben die Frauen, die wir getroffen haben, und Hundertausende Einwohner in Kibera weiterhin in einer unsicheren Situation. Der World Development Movement (WDM) kämpft dafür, die Preisspekulation bei Lebensmitteln zu begrenzen und das Recht auf Nahrung über den Profit von multinationalen Investmentbanken zu stellen – für sie und viele andere auf der Welt.

 





Courtesy of World Development Movement
Source: http://www.wdm.org.uk/blog/kenya
Publication date of original article: 01/08/2010
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=1542

 

Tags: KeniaKiberaWDMMikrofinanzierungMaisLebensmittelpreiseSpekulationLebensmittelkriseAfrika
 

 
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