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 13/12/2019 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Für Netanjahu wurde Gaza zur Büchse der Pandora
Date of publication at Tlaxcala: 26/08/2014
Original: Gaza is a Pandora's Box for Netanyahu
Translations available: Français 

Für Netanjahu wurde Gaza zur Büchse der Pandora

David Hearst

Translated by 
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Die israelischen Luftangriffe über Gaza haben die Hamas zum Spitzenverfechter der palästinensischen Sache gemacht. Somit haben sie eine neue Situation erschaffen, welcher Israel nun die Stirn bieten muss.

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Nicht nur ermordet Israel die PalästinenserInnen, sondern es treibt die Grausamkeit auch noch auf die Spitze, indem es die Trauerzüge bombardiert. Hier oben: Ein Palästinenser beweint einen der drei Männer, die am 21. August in einem Friedhof bei einem israelischen Liftangriff über die Stadt Gaza getötet wurden.

Hätte Benjamin Netanjahu nicht die Ermordung von drei Siedlern zum Vorwand genommen, um ein Pogrom gegen die Hamas in der Westbank zu starten und dann den Gazastreifen zu überfallen, so wäre es beim für Israel höchst günstigen Status quo geblieben.

Die einheitliche Regierung Fatah-Hamas hätte es nur auf dem Papier gegeben und sie wäre unter Mahmud Abbas’ Schirmherrschaft von einer Krise zur anderen geraten. Die Gehälter der 50 000 Beamten in Gaza wären nicht ausbezahlt worden. Die Hamas wäre immer noch in einem kleinen Kasten namens Gaza eingekerkert, ohne Geldmittel noch Zugang zur Außenwelt, denn die ägyptische Grenze ist ja besser abgeschottet als die israelische.

Wie es scheint, hat sich in den 46 Tagen des Kriegszuges vieles verändert. Die palästinensischen Gruppen haben sich - zumindest vorläufig- wieder vereint, und viel fester, als man es sich von irgendwelcher Verhandlung in Doha je erhoffen durfte. Mahmud Abbas musste eine andere Stellung einnehmen; an die Stelle der Verurteilung der Kassam-Raketen ist die Forderung nach einem Ende der Blockade getreten. Selbst wenn ihm seinerseits die Ablehnung des ägyptischen Vorschlags vermutlich sehr leid tut, muss er sich genau so wie Ägypten den Standpunkten des Widerstands annähern. Anders ist es nicht möglich.

Die israelischen Luftangriffe über Gaza haben die Hamas zum Spitzenverfechter der palästinensischen Sache gemacht und ihr einen Platz am Tisch der PLO-Anführer gesichert. Und innerhalb der Hamas wurden dadurch die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden einflussreicher. Dass deren Angehörige ermordet wurden, hat sich ganz entgegengesetzt als erwartet ausgewirkt. Keiner kann sagen, und in Gaza sagt es auch keiner, dass die Kämpfer sich feige in Tunnels verkrochen hatten, während die Bomben auf die ZivilistInnen fielen, denn eben die eigenen ZivilistInnen, die eigenen Frauen und Kinder fielen als Erste jenen Bomben zum Opfer.

Abu Ubaydah, Sprecher der al-Kassam-Brigaden, hat der palästinensischen Delegation dringend befohlen, Kairo und Verhandlungen zu verlassen, welche er als „Tanz mit den Teufeln“ bezeichnet hat, nachdem versucht wurde. den Chef des bewaffneten Arms der Hamas Mohammed Deif zu ermorden.

Der Ton, in welchem er sprach, sagt viel aus. Nun werden also nicht nur die Hamas, sondern auch die anderen Gruppen der Delegation von den al-Kassam-Brigaden eines Besseren belehrt. Nie bis dato haben sie solch eine starke politische Erklärung gemacht. Daraus ist zumindest ihr Selbstvertrauen zu hören.

Dass die USA und die EU sich so sehr bemühen, den Luftangriffen über Gaza ein Ende zu setzen, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass jene Wellen geschlagen haben. Vor 2 Wochen hatten die 28 Außenminister der EU zur Abrüstung aller Gruppen in Gaza aufgerufen. Somit sprachen sie mit Israel aus einem Munde, indem sie das zur Voraussetzung für eine Beteiligung zu den Verhandlungen machten, welche auf ein endgültiges Abkommen hinzielten. Nun ist ihnen klar geworden, dass eine Entmilitarisierung der Zone nicht möglich war, und schlagen eine sachlichere Lösung vor: eine Diskussion, wie man eine Aufrüstung verhindern könne. In der Vorlage für eine UN-Resolution, welche von 3 europäischen Ländern - Großbritannien, Frankreich und Deutschland - erarbeitet wurde, kommt das Wort nicht einmal zum Vorschein.

Noch ist Netanjahu weit davon entfernt, den linken Flügel seiner Partei zu überzeugen, und somit bleibt das vorerst noch Wunschdenken. Aber je länger der Kriegszug anhält, desto mehr negative Auswirkungen zieht er nach sich für Israel. Entweder startet der Judenstaat eine neue, womöglich noch mörderischere Offensive im Herzen von Gaza, und schon hat die israelische Armee vor den Konsequenzen eines solchen Vorhabens gewarnt. Oder er muss sich damit abfinden, dass der Blockade ein Ende gesetzt werden muss. Die reine Hobsons Wahl*. Israel sitzt in der Klemme. Die Hamas hat ihn in die Falle geführt. Nie hat Netanjahu sich einen langen Krieg gewünscht und jedenfalls keinen Krieg, wo nicht immer weniger, sondern immer mehr Kassam-Raketen abgeschossen werden.

Die dritte Runde des Konflikts begann wie eine Jagd nach Trophäen. Netanjahu hatte gehofft, dass er nach dem Tod von Mohammed Deif Sieg feiern können würde. Aber selbst wenn Deif ermordet worden wäre, hätte sich nichts verändert. Wie Deifs Lebenslauf es zeigt, hat der junge Mann mit Steinwürfen begonnen, steht nunmehr an der Spitze einer kleinen Armee und besitzt einen eigenen Raketenbestand. Andere werden seinem Beispiel folgen.

Tausende junge Palästinenser haben in Rafah der Bestattung der drei Anführer von den al-Kassam-Brigaden beigewohnt, die beim folgenden Luftangriff umgekommen sind, und dabei nach Rache geschrien. Jedes Mal, wenn Israel eine Generation von Hamas-Führern ermordet, wächst jener eine neue, noch effizientere nach. Jedes Mal wird die Armee der Hamas noch stärker.

Aber nicht nur junge Palästinenser werden von der Widerstandssache unwiderstehlich verlockt, sondern auch alle arabischen Sunniten. Das müsste Israel nun ernst nehmen. Die Unterstützung von Ägypten, Saudi-Arabien und der Emirate zu gewinnen konnte der jüdische Staat als eine kurzfristig sehr gute List erfassen. Schon unterstützten diese Länder Israel unauffällig und der Angriff auf Gaza hat diese Tatsache nur vor aller Augen geführt.

Aber mittel- oder langfristig ist es zweifelhaft, ob deren Unterstützung einem von sunnitischen Ländern umgebenen Staat überhaupt Hilfe geben kann. Denn Israels Angriff hat die palästinensische Sache wieder zum Kern des Konflikts gemacht, der die arabische Welt zerreißt. Die Golfmonarchien und die Militärdiktaturen, die Israels Angriff auf die Hamas zugestimmt haben, sind die selben Regimes, die die Revolutionen gegen den Arabischen Frühling finanziert und angezettelt haben. Der palästinensische Widerstand gegen die Besatzung wird mit dem Kampf gegen die vom Westen geförderten Diktaturen gleich gestellt.

Die al-Kassam-Brigaden sind ein Widerstandssymbol, das weit über Rafah hinausreicht. Sie inspirieren auch die ägyptische Jugend.

War Netanjahu dessen bewusst, was seine Offensive auslösen würde? Vermutlich nicht, aber die Situation ist nunmehr eine andere und diese Änderung wird er in Betracht ziehen müssen, wenn er heil davonkommen will. Gaza ist zu seiner Büchse der Pandora geworden.

*Hobsons Wahl: eine anscheinend freie Wahl, wo man sich aber in Wirklichkeit für den kleineren von zwei Übeln entscheiden muss.[Anm. d. Übers.]

 

 


 





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.middleeasteye.net/columns/gaza-pandoras-box-netanyahu-883243704
Publication date of original article: 22/08/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=13228

 

Tags: HamasEzzedin Al-Kassam-BrigadenPalästinensischer WiderstandIsraelische KriegsverbrechenGazaPalästinaIsraelNetanjahuMahmud Abbas
 

 
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