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 18/11/2017 Tlaxcala, the international network of translators for linguistic diversity Tlaxcala's Manifesto  
English  
 LAND OF PALESTINE 
LAND OF PALESTINE / Palästina und Palästina-Studien ein Jahrhundert nach dem 1. Weltkrieg und der Balfour-Erklärung
Date of publication at Tlaxcala: 01/11/2017
Original: Palestine and Palestine Studies: One Century after World War I and the Balfour Declaration
Translations available: Italiano  Português  Français 

Palästina und Palästina-Studien ein Jahrhundert nach dem 1. Weltkrieg und der Balfour-Erklärung

Walid Khalidi وليد الخالدي

Translated by  Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس  -  Inga Gelsdorf
Edited by  Fausto Giudice Фаусто Джудиче فاوستو جيوديشي

 

Zentrum für Palästina-Studien, SOAS , Universität London
Erste Jahreslesung, 6. März 2014

Der berühmte palästinensische Historiker Professor Walid Khalidi, Gründer und Direktor des Institutes für Palästina-Studien (in Beirut und Washington) gab Anfang März  vor einem vollen Auditorium  In der SOAS (Schule für afrikanische und orientalische Studien) der Universität London, einen Vortrag über „Palästina und Palästina-Studien: Ein Jahrhundert nach dem 1. Weltkrieg und der Balfour-Erklärung“. Zwei arabische Botschafter und mehrere Journalisten waren auch dabei.
Diese Veranstaltung wurde vom Zentrum für Palästina-Studien beim London Middle East Institute (LMEI) organisiert und von Prof. Gilbert Achcar, Vorsitzende des Zentrums, eingeführt.
1925 in Jerusalem geboren, studierte Prof. Khalidi in Oxford und lehrte dort, auch an der Amerikanischen Universität von Beirut, in Harvard und Princeton. Als Mitgründer war er ab 1963 Generalsekretär des in Beirut ansässigen Institutes für Palästina- Studien. Zurzeit ist er verantwortlich für sein angegliedertes Zentrum in Washington und ist Mitglied der Amerikanischen Akademie der Künste und Wissenschaften.
Prof. Gilbert Achcar sagte: „Prof. Khalidi brachte mit seinem faszinierenden Vortrag und seiner überwältigenden Leistungjeden zum Staunen.“

Betlehem, Palästina, 1934

 
I
Wir treffen uns heute hier, um den zweiten Jahrestag der Gründung des SOAS-Zentrums für Palâstina-Studien zu feiern. Ich fühle mich geehrt, gebeten worden zu sein, den ersten Vortrag zu halten. Es freut mich sehr, zu Ihnen bei dieser Gelegenheit im Namen des Schwesterinstituts – IPS – zu sprechen, das gerade seinen 50.Jahrestag als ein unabhängiges, privates, unparteiisches, gemeinnütziges Forschungsinstitut feierte.
 
Wir bei IPS erwarten lange Jahre innovativer Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Institutionen. Wie andere Zentren von Palästinastudien, erforschen wir beide dasselbe Phänomen: die ständig wachsende Anhäufung von Trümmern, die sich seit dem schicksalshaften 2. November 1917, durch die sog. Balfour-Erklärung ansammelte, dem einmaligen, zerstörerischsten politischen Dokument über den Nahen Osten im 20. Jahrhundert.
 
 Foreign Office
2. November 1917
Lieber Lord Rothschild,
Ich freue mich, Ihnen im Namen der Regierung Seiner Majestät die folgende Sympathieerklärung für die jüdisch-zionistischen Bestrebungen mitteilen zu können, die dem Kabinett vorgelegt und von diesem gebilligt wurde:
„Die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk wird von der Regierung Seiner Majestät mit Wohlwollen betrachtet. Sie wird ihr Bestes tun, um das Erreichen dieses Zieles zu erleichtern, wobei unmissverständlich zu betonen ist, dass nichts getan werden darf, was die Bürgerrechte und religiösen Rechte der in Palästina lebenden nicht-jüdischen Bevölkerung oder die Rechte und den politischen Status der Juden irgendeines anderen Landes nachteilig betrifft.“
Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie diese Erklärung zur Kenntnis der Zionistischen Föderation  bringen würden.
Ihr ergebener Arthur Balfour
 
Wie weit diese Universität gekommen ist – und wie fremd das Konzept selbst eines Zentrums für Palästina-Studien hätte für Lord Balfour sein können – kann an seinen  oft zitierten Worten von 1919, voller olympischer Verachtung, gemessen werden:
„Die Großmächte fühlen sich dem Zionismus gegenüber engagiert. Und der Zionismus, ob richtig oder falsch, in sehr alten Traditionen verwurzelt, in gegenwärtigen Bedürfnissen und Zukunftshoffnungen,  ist von viel tieferer Bedeutung als die Wünsche und Vorurteile der 700 000 Araber, die jetzt dieses alte Land bewohnen“.
Der Ausdruck „Palästina-Problem“ ist  die Kurzbeschreibung für die Entstehung, die Entwicklung und die Folgewirkungen der zionistischen Kolonisierung Palästinas, die Anfang der 1880-er Jahre begann und bis zu dieser Stunde im Gange ist.
 
In diesem Jahr werden es hundert Jahre, dass sich die Fluttore des 1. Weltkrieges öffneten, um die Reihe von Ereignissen geschehen zu lassen, die zur Balfour-Erklärung führten. Als sie 1917 veröffentlicht wurde, waren fast 40 Jahre seit Beginn der zionistischen Kolonisierung vergangen und 20 Jahre seit dem 1. Zionistischen Kongress in Basel. Trotz des Eifers der ersten Siedler war die Bewegung der jüdischen Massen, die vor der zaristischen Herrschaft flohen, nicht südwärts  in die Levante gerichtet, sondern westwärts durch Europa hindurch an die anziehenden Küsten Nordamerikas. Ein Rinnsal kam in Palästina an; eine Flut rollte über den Atlantik.
 
Die meisten rabbinischen Autoritäten in der Diaspora waren gegenüber dem Zionismus feindselig gestimmt, der dem jüdischen Messias zuvorkam, während die amerikanisch- und europäisch-jüdische Bourgeoisie vom Zionismus beschämt war  und den Vorwurf der doppelten Loyalität seitens der Goijim (Nichtjuden) fürchtete.

All dies änderte sich, als Großbritannien dem zionistischen Abenteuer in der Balfour-Erklärung seinen Segen gab. Und nicht nur gab es ihm seinen Segen, es war auch damit einverstanden, diese einseitige Erklärung in eine selbst auferlegte Verpflichtung nach dem Völkerrecht zu verändern und zwar im Rahmen des eben errichteten Völkerbundsmandats.
 
Einzigartig in seiner Regierungsgewalt, als  imperiale Macht, stimmte es darin überein, dieser Verpflichtung in Partnerschaft mit einer ausländischen  privaten Körperschaft (die Zionistische Weltorganisation) nachzukommen, die im Gewand einer internationalen jüdischen Agentur zu  einem unabhängigen Akteur erhöht wurde, der vom Völkerbund für den speziellen Zweck anerkannt wurde, die jüdische nationale Heimstätte in Palästina zu schaffen.
 
Eine unmittelbare Frage stellt sich einem: Wie konnte London, das während Jahrhunderten sich einen Statthalter-Sachverstand  im Umgang mit unzähligen Rassen und Religionen rund um den Globus erarbeitet hatte, auf den zionistischen Plan verfallen?
 
Die kurze Antwort ist zweisilbig: Hybris. Am Ende des 1. Weltkrieges, mit den USA hinter einer Mauer der Isolierung zurückgezogen und mit den Osmanischen, Romanov-, Habsburger- und Hohenzollern-Reichen in Ruinen, war die britische Macht die Hauptmacht. Allein König Chlodwigs Reich jenseits des Ärmelkanals konnte  sie herausfordern. Aber dies war ein Klacks, weil Sir Mark Sykes eine nützliche Formel hatte, um die französische Einwilligung zu erhalten: teilt die Beute!
 
Da gibt es natürlich eine längere Antwort, die genau da ist, wo unsere Forschungszentren dazukommen. Lassen wir die Bäume und das dicke Laubwerk der Weißen Papiere, Blauen Bücher, der Untersuchungskommissionen aus der Mandatszeit bei Seite – unsere Forscher würden gut tun,  dort tiefer hinein zu sehen, wie und warum das imperiale London zwischen den beiden Weltkriegen ein rivalisierendes imperium in Imperio unter seiner Herrschaft nährte. Das Rätsel vertieft sich, wenn man berücksichtigt, dass dieses Imperium nicht nur lokal war. Es hatte eine externe Dimension, ein imperium ex imperio mit der jüdischen Agentur, deren große zentrale finanzielle Institutionen und andere Machtquellen bei weitem US-amerikanisch waren, außerhalb von Londons Kontrolle.

Als 1939 Ben Gurion, der Spitzenführer des Jischuw [jüdische Bevölkerung in Palästina vor der Staatsgründung Israels, Anm. d. Hrsgb.], entschied, die Pferde zu wechseln und das britische Reitpferd (begünstigt von seinem politischen Rivalen Chaim Weizmann) für ein US-amerikanisches Ross ausschied, so tat er das bewusst, US-Amerikas Potential als Gegengewicht zu und Nachfolger Großbritanniens berechnend.
 
Die Story ist so alt wie die Geschichte: Der Aufstand eines Klienten gegen einen metropolitanischen Patron. Aber die Erosion der Eintracht zwischen England und Zionisten in den späten 30-er Jahren illustriert auch ein eisernes Gesetz der Politik. Keine zwei politischen Entitäten bleiben auf ewig synchron. Da mag es  hier eine Moral geben für die derzeitige Beziehung zwischen Obamas Washington und Bibis Tel Aviv.
 

Nazareth, zwischen 1900 und 1920

II

Die Ereignisse von 1948 haben mehr Kontroversen ausgelöst als jede andere Phase des Palästina-Problems, indem sie schließlich den Auftrieb für eine neue nach-zionistische Schule der Geschichtslehre in Israel gaben. Ihre Autoren sind als die neuen Historiker bezeichnet worden, im Gegensatz zu den alten Historikern, die ein Narrativ des zionistischen Gründungmythos brachten.
 
Das alte Narrativ stellt einen Jischuw-David dar, der einem arabischen Goliath gegenübersteht mit einem perfiden Albion, das darauf aus ist, den neugeborenen Staat zu erdrosseln. Es beinhaltet auch, dass Hunderttausende von Palästinensern ihre Häuser, Farmen und Geschäfte verlassen, als Reaktion auf Befehle ihrer Führer, um den Weg für einfallende arabische Heere am 15.Mai 1948 frei zu machen.
 
In Anbetracht der Rolle des IPS und meiner Wenigkeit im Aufbau der palästinensischen Gegenerzählung derjenigen der alten Historiker gegenüber, könnte es für das Protokoll nützlich sein, einige Elemente davon zu teilen, wie es sich wirklich zugetragen hat.
 
Einer der ersten zuverlässigen Berichte einer frühen Version der israelischen Befehlsmythen wird uns vom palästinensischen Historiker Arif al-Arif gegeben. Arif war während der letzten Jahre des Mandats stellvertretender District commissioner in Ramallah, und die Jordanier behielten ihn als de facto zivilen Gouverneur.
 
Mitte Juli 48 begannen die israelischen Militärs mit einer massiven Attacke auf die palästinensischen Städte von Lydda und Ramla, während die arabischen Armeen nur einen Steinwurf weit tatenlos zusahen. Die ganze Bevölkerung der beiden Städte, etwa 60 000 Leute, wurde gezwungen, sich einem langen Flüchtlingszug in Richtung Ramallah anzuschließen. Sie kamen dort in einem erbärmlichen  Zustand an, nachdem Hunderte am Wegrand liegen blieben.
 
Graf Bernadotte, der UN-Vermittler kam in der dritten Woche im Juli 1948 in Ramallah an. Arif, der beauftragt war, ihn zu begleiten, war erstaunt, als Bernadotte ihm erzählte, dass die hohen israelischen Beamten, die er eben getroffen hatte, ihm „versichert“ hatten, dass die Bewohner von Lydda und Ramla die Stadt verlassen hatten, weil ihnen von den lokalen Führern die Befehle dazu  gegeben worden waren.
 
Arif arrangierte für Bernadotte gleich ein Treffen mit diesen Führern, die nach ihrer Vertreibung noch in Höhlen und unter Brücken lebten: muslimische und christliche Geistliche, Stadträte, Richter, Fachleute aller Art.
 
Ich habe wenig Zweifel darüber, dass  dieses Erlebnis zu Bernadottes Empfehlung an die UN einer Rückkehr der Flüchtlinge beitrug. Die UN-Vollversammlung nahm sie an, nachdem Bernadotte von Yitzhak Shamirs Stern-Bande ermordet worden war.
 
In den 50er Jahren war der Mythos des arabischen Befehls in den britischen Medien weit und breit etabliert. Zu dieser Zeit war die vorherrschende israelische Version: die Befehle waren über Radio von der obersten Spitze der palästinensischen Führung gegeben worden, nicht von den lokalen Führern. Der aggressivste Verfechter dieser Fassung war der britische Journalist Jon Kimche, damals Herausgeber des Jewish Observer, die Wochenzeitung der britischen zionistischen Föderation.
 
Der oberste palästinensische Führer Haj Amin al-Husseini lebte damals im Libanon im Exil. Ich kannte ihn seit meiner Kindheit und er war immer freundlich zu mir. Als ich ihm die Auswirkung der Befehlsmythen im Westen beschrieb, erlaubte er mir sofort uneingeschränkten Zugang zu seinen Archiven (inzwischen durch Phalangisten während des libanesischen Bürgerkriegs in den 70er Jahren zerstört).
 
Ich war früher schon durch Haufen von BBC-Aufnahmen der arabischen Rundfunksendungen von 1948, die im britischen Museum in London aufbewahrt werden.
 
Ich fügte noch die Daten aus Haj Amins Archiven zu dem, was ich bei den BBC-Aufnahmen fand, um meinen Artikel Why Did the Palestinians Leave? (Warum flohen die Palästinenser?) zu schreiben, der 1959 von der Zeitschrift der Absolventen der AUB, Middle East Forum veröffentlicht wurde.
 
Dann kam Erskine B. Childers. Bald nach der Veröffentlichung des Artikels erhielt ich in Beirut einen Besuch von diesem jungen irischen Journalisten, der großes Interesse an den BBC-Aufnahmen zeigte und sagte, er selbst beabsichtige sie  nach seiner Rückkehr in London zu prüfen.
 
Dann kam (Anfang 1960) Jan Gilmour, Besitzer der britischen Prestige-Wochenzeitung Spectator. Er war gerade in Israel gewesen und hatte von all den angeblichen arabischen Befehlen von ranghohen israelischen Offiziellen gehört. Nachdem er den Artikel im Middle East Forum gelesen hatte, stellte er viele Fragen und ging.
 
Am 12.Mai 1961 veröffentlichte der Spectator  Childers Artikel unter dem Titel: „Der andere Exodus“, dessen Schlussfolgerung war:  es gab keine Befehle.
 
Darauf folgte eine prasselnde Korrespondenz von Leserbriefen, die fast drei Monate in den Kolumnen des Spectator dauerte und in denen – Dank an Gilmour – einer palästinensischen Alternative zum israelischen Narrativ eine bisher unbekannte Verbreitung gegeben wurde.
 
Ein früher Beantworter war Jon Kimche, der hochmütig meinte: „ Neue Mythen … sind an Stelle der alten getreten. Die Israelis haben das Ihrige beigetragen, aber neulich waren die arabischen Propagandisten (Walid Khalidi und Erskine Childers) dran.“
 
Zu dieser Zeit machte ich ein Sabbat-Jahr von der AUB in Princeton und ging durch die CIA-Aufnahmen der arabischen Radiosendungen von 1948 in der Firestone Bibliothek. Von dort schrieb ich an den Spectator, stritt die Bekanntschaft mit Childers ab (was nicht stimmte), drückte aber mein großes Entzücken darüber aus, dass er unabhängig zur selben Schlussfolgerung wie ich gekommen war (was ja stimmte). Ich bemerkte auch, dass meine letzten Befunde in den CIA-Aufnahmen meine früheren Ergebnisse aus den BBC-Aufnahmen bestätigten.
 
Während ich in Princeton war, sah ich mich mit Hilfe einer sympathischen älteren sephardischen Wissenschaftlerin  auch nach hebräischen Quellen um.
 
Das Ergebnis meiner Nachforschungen war „Plan Dalet: Der zionistische Masterplan für die Eroberung von Palästina“, der bald 1961 veröffentlicht wurde, wieder im Middle East Forum. . Als die Spectator-Korrespondenz sich mehr generell mit dem palästinensischen Exodus zunehmend befasste -  brachte ich mich an mit einer Zusammenfassung meiner Forschungsergebnisse ein. Mein Brief bemerkte u.a.:
„Ein zionistischer Masterplan, Plan Dalet genannt, für die zwangsweise Besetzung der arabischen Gebiete innerhalb wie außerhalb des von der UN den Zionisten gegebenen jüdischen Staates – wurde umgesetzt. Dieser Plan zielte auf die Entarabisierung von allen Gebieten unter zionistischer Kontrolle.
Plan Dalet zielte auch dahin, den palästinensisch-arabischen Widerstand zu brechen, und der UN, den US und den arabischen Ländern mit einem politischen und militärischen  fait accompli in möglichst kurzer Zeit gegenüber zu stehen – daher die massiven und rücksichtslosen Angriffe gegen Zentren der arabischen Bevölkerung.
 Als sich der Plan Dalet entfaltete und zehntausende arabischer Zivilisten in Terror in die benachbarten Länder strömten, zwang die arabische Öffentlichkeit ihre unschlüssigen Regierungen, ihre regulären Armeen nach Palästina zu senden.
Es ist die Meinung dieses Schreibers, dass es nur der Einmarsch der arabischen Armeen war, der die Verwirklichung des ehrgeizigeren Ziels des Daletplanes verhinderte , das nichts weniger als die militärische Kontrolle des ganzen Palästinas westlich des Jordans war.“
Nach meinem besten Wissen ist dies die erste öffentliche Erwähnung des Daletplanes im Westen.
 
Resolution 242  vom 22. November 1967
Der Sicherheitsrat,
mit dem Ausdruck seiner anhaltenden Besorgnis über die ernste Situation im Nahen Osten, unter Betonung der Unzulässigkeit des Gebietserwerbs durch Krieg und der Notwendigkeit, auf einen gerechten und dauerhaften Frieden hinzuarbeiten, in dem jeder Staat der Region in Sicherheit leben kann, ferner unter Betonung dessen, dass alle Mitgliedstaaten mit der Annahme der Charta der Vereinten Nationen die Verpflichtung eingegangen sind, in Übereinstimmung mit Artikel 2 der Charta zu handeln,
1. erklärt, dass die Verwirklichung der Grundsätze der Charta die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten verlangt, der die Anwendung der beiden folgenden Grundsätze einschließen sollte:
 
i) Rückzug der israelischen Streitkräfte aus (den)* Gebieten, die während des jüngsten Konflikts besetzt wurden;
 
ii) Beendigung jeder Geltendmachung des Kriegszustands beziehungsweise jedesKriegszustands sowie Achtung und Anerkennung der Souveränität, territorialen Unversehrtheit und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates in der Region und seines Rechts, innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen frei von Androhungen oder Akten der Gewalt in Frieden zu leben;
2. erklärt ferner, dass es notwendig ist,
a) die Freiheit der Schifffahrt auf den internationalen Wasserwegen in der Region zu garantieren;
b) eine gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems herbeizuführen;
c) die territoriale Unverletzlichkeit und politische Unabhängigkeit eines jeden Staates der Region durch Maßnahmen zu garantieren, die auch die Schaffung entmilitarisierter Zonen einschließen;
3. ersucht den Generalsekretär, einen Sonderbeauftragten zu ernennen, der sich in den Nahen Osten begeben soll, um mit den beteiligten Staaten Verbindung aufzunehmen und zu unterhalten, mit dem Ziel, eine Einigung zu fördern und die Bemühungen zur Herbeiführung einer friedlichen und akzeptierten Regelung im Einklang mit den Bestimmungen
und Grundsätzen dieser Resolution zu unterstützen;
4. ersucht den Generalsekretär, dem Sicherheitsrat baldmöglichst über den Stand der Bemühungen des Sonderbeauftragten Bericht zu erstatten.
Auf der 1382. Sitzung des Sicherheitsrats einstimmig verabschiedet.
 
III
 
Genau wie der 1. Weltkrieg der Anlass zur Balfour-Erklärung war, so war 1967 der   Anlass  zu einem anderen bedeutungsvollen Dokument: die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates. Und genau wie die Balfour-Erklärung sozusagen die Quelle aller Entwicklungen im Palästina-Problem/im arabisch-israelischen Konflikt des 20. Jahrhunderts, bis einschließlich des Krieges von 1967 ist, so ist SR-Res. 242 in  einer Hinsicht die letztendliche Quelle aller Entwicklungen im Konflikt in den Jahrzehnten danach bis zum heutigen Tag.
 
Eigenartigerweise liebäugeln viele Beobachter mit der Resolution 242, zum größten Teil, weil ihr Vorwort über „ die Unzulässigkeit der Übernahme von Land durch Krieg“ spricht.“ Aber in ihren verfügenden Paragraphen sagt Res. 242 das genaue Gegenteil.
 
Es stimmt, sie redet über „Rückzug der israelischen bewaffneten militärischen Kräfte aus den besetzten Gebieten (In der französischen Version „des territoires occupés“) aber sie gibt nicht die genaue Zeit an, wann der Rückzug beginnen sollte, wo die Linie ist, bis zu der Israel sich zurückziehen sollte oder wie lange der Rückzug dauern soll. Die Gebiete werden auch nicht genannt, von denen sich Israel zurückziehen soll.
 
Die Resolution ruft nach Frieden und „Sicherheit und anerkannten Grenzen“. Doch wird die Waffenstillstandslinie nicht erwähnt.
 
Die Resolution bestätigt die Notwendigkeit für eine „gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems“, aber  gibt nicht zu verstehen, wer die Gerechtigkeit des Abkommens entscheidet oder wer diese Flüchtlinge sind. Das Wort „Palästinenser“ fehlt völlig. Und es gibt auch keine Bemerkung zur Anwendbarkeit der Genfer Konventionen für die besetzten Gebiete.
 
Dieser bemerkenswerte Text soll auf dem Hintergrund von Entscheidungen gesehen werden, die vom israelischen Kabinett am 18./19.  Juni getroffen wurden, sobald die Feindseligkeiten beendet waren.
 
Kurz: Es herrschte Einigkeit im israelischen Kabinett um folgendes:
1.    Rückzug nur unter der Bedingung von Friedensabkommen
2.    Friedensverträge mit Ägypten und Syrien auf der „Basis“ von internationalen Grenzen und Israels Sicherheitsbedürfnissen.
3.     Anschluss des Gazastreifens und
4.    Der Jordan als Israels „Sicherheitsgrenze“, was dauernde Kontrolle der Westbank beinhaltete.
 
Man braucht kein Kryptologe sein, um die Übereinstimmung der Res.242 mit diesen Vorgaben - oder eher Instruktionen - des israelischen Kabinetts zu feststellen.
 
Die Fokussierung auf Friedensverträge mit Ägypten und Syrien unter Ausschluss von Jordanien, ist natürlich darauf ausgerichtet, diese Länder - Syrien und Ägypten - vom Palästinaproblem abzukoppeln und die Palästinenser und Jordanien zu isolieren.
 
Am 28.Juni 1967, zehn Tage nach dieser Kabinettsitzung, enthüllte Israel seine wahren Absichten, indem es 2,5 Quadratmeilen von der jordanischen Gemeinde Ost-Jerusalem zusammen mit zusätzlichen 22,5 Quadratmeilen des hauptsächlich anschließenden Westbankgebietes annektierte – eine obszöne, territoriale Anordnung, die sich nordwärts bis Ramallah erstreckte.
 
Resolution 242 war ein israelischer diplomatischer und politischer Sieg, nicht weniger bedeutsam als sein Sieg auf dem Schlachtfeld. Aber sie war nur wegen Präsident Lyndon B. Johnson möglich. Was wirklich LBJ motivierte, bleibt ein Feld von Studien für alle Palästinastudien-Zentren. Als Senator 1956 war Johnson hartnäckig gegen Eisenhowers Entscheidung, Israel zu zwingen, den Status quo ante (früheren Zustand) wieder herzustellen und seine „durch Krieg erworbenen Gebiete“ zurückzugeben.
 
Nach dem 1967-er Krieg arbeitete Israels Außenminister Abba Eban eng mit LBJs innerem Zirkel zusammen, einschließlich dem US-Botschafter bei der UN Arthur Goldberg (als Mitglied einer Delegation des Iraks vor Saddam zur Vollversammlung der UN, musste ich zuhören, wie Eban sein Spinnennetz von Lügen webte. Aber ich hatte auch die Chance, ihn zu widerlegen).
 
Eban enthüllte in seinen Memoiren, dass er seine US-amerikanisches Amtskollegen drängte, aus ihren Köpfen das Konzept der „Waffenstillstandslinie „auszuradieren“ und Israels Rückzug von der jetzigen Waffenstillstandslinie mit den „Friedensverhandlungen zu verbinden, in dem die Grenzen durch ein Abkommen festgelegt werden.“
 
Dies bedeutete, dass der Ausgangspunkt für Verhandlungen die entfernteste Fuchshöhle tief auf arabischem Gebiet war, die von Israels Panzer erreicht werden konnte. Das bedeutete auch, dass Israel   - wie es das auch tat - sein volles Gewicht seiner Eroberungen und seiner militärischen Überlegenheit einsetzen könnte, um den Zeitpunkt, das Tempo, die Reihenfolge und die Weite seines Rückzugs zu diktieren.
 
Das „Regime“, das durch  die Res. 242 errichtet wurde, ist von den auf einander folgenden US-amerikanischen Regierungen seit Johnsons Präsidentschaft, bewilligt, wenn nicht gar begünstigt worden. Die Undurchsichtigkeit und Nachgiebigkeit der Resolution machten die Siedlungspolitik bis zum heutigen Tag möglich. Es ist dieses Regime das Sadat nach Jerusalem und Arafat nach Oslo sandte.
 
Der 1967-er Krieg teilte dem säkularen Panarabismus, der schon im Todeskampf war, den Todesstoß aus. Aber er schleuderte die palästinensische Guerillabewegung in die vordersten Reihen, weil diese für die ganze arabische Welt den Widerstand symbolisierte, nach dem demütigenden Debakel der arabischen Armeen.
 
Die tiefgehendste und potentiell katastrophalste Auswirkung des Kriegs jedoch liegt in der Inspiration, die es dem neozionistischen, religiös fundamentalistischen Messianismus gab und seinem Verursachen von Bedingungen, die einen Zusammenstoß über Jerusalems Heiligen Stätten zwischen jüdischen und christlich evangelikalen Dschihadisten einerseits und muslimischen Dschihadisten andrerseits.

IV
WENN man auf die palästinensische Szene schaut, sieht man ein Volk, das mit seinen Fingernägeln sich am Rest des Landes seiner Vorfahren festkrallt.
 
IN SOLCH schweren Zeiten sollte die oberste palästinensische Priorität sein, zusammenzuhalten.
Das ist es, weshalb die Kluft zwischen Fatah und Hamas so skandalös ist. Ihr braucht eure beiden Fäuste zum Überleben. Beide Seiten sind gleichermaßen schuldig und beide Seiten sollten unermüdlich und unerbittlich zur Aussöhnung gedrängt werden.
 
SELBSTVERSTÄNDLICH würde Netanyahu sich auf jeden Ansatz der Aussöhnung zwischen ihnen stürzen als eine Kriegshandlung. Aber sicherlich weiß Israel, dass die innerpalästinensische Aussöhnung ein „Muss“ für jeden palästinensisch-israelischen Frieden ist.
 
DIE KLUFT zwischen Fatah und Hamas über die Art des Kampfes ist weit und tief. Abbas ist zur Gewaltlosigkeit verpflichtet. Diese Verpflichtung ist nicht philosophisch: als einer, der in seinen Guerilla-Tagen Gewalt ausgeübt hat, hat Abbas schweigend deren Kosten und Konsequenzen getragen. Es ist kein Zufall, dass er der erste in der Führung der Fatah war, der einen Dialog mit bereitwilligen israelischen Gesprächspartnern vorgeschlagen hat.
 
ABBAS Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit ist Strategie, nicht Taktik. Ich weiß das genau, da ich ihm zugehört habe und auch seinen drei Vorgängern: Arafat, Schuqairi und Haj Amin.
 
IN VIELER HINSICHT ist Abbas eine tragische Person. Er ist ein Guerilla-Führer, der bewusst zum „Kollaborateur“ wurde. Jede Nacht bleiben seine Sicherheitskräfte in ihren Kasernen, während israelische Kommandotruppen durch die Nebengassen der Kasbahs, der Flüchtlingslager und der Dörfer in der Westbank umherstreifen, um junge Aktivisten zu jagen. Das ist ein schrecklicher Preis, den er für den hohen moralischen Stand zu zahlen hat.
 
WIE lange kann Abbas diese Politik aufrecht erhalten, ohne einen richtigen Fortschritt in Richtung Frieden? Wie lange können die Palästinenser diesen Führer tolerieren?
 
NICHTSDESTOTROTZ sollte nicht vergessen werden, dass die BDS-Bewegung ohne Abbas bis jetzt keine Fortschritte gemacht hätte.
 
SO TIEF die Kluft zwischen Abbas und Hamas im Bezug auf den bewaffneten Kampf auch ist, sie ist nicht unüberbrückbar. Innerhalb der Hamas-Führerschaft gibt es Anzeichen von Pragmatismus. Und wenn sie theologisch denkt, kann sie auch eine theologische Ausgangsstrategie von ihrer erklärten Verpflichtung zu dem bewaffneten Kampf sich ausdenken.
 
AUSSERDEM schließt Abbas Verpflichtung keinen zivilen Ungehorsam aus. Dieses könnte die gemeinsame Grundlage sein, wenn einst der Wille zur Aussöhnung überwiegt und die Zeit für zivilen Ungehorsam kommt.
 
WENN DER RISS ZWISCHEN DER FATAH UND HAMAS gefährlich von Nachteil für die palästinensische Sache ist, so ist es auch die Missbilligung des politischen Ziels. Es ist kein Geheimnis, dass die Frage der Ein-Staaten-/Zwei Staaten-Lösung ein Hauptthema der Debatte ist, nicht nur innerhalb des palästinensischen Lagers, sondern auch innerhalb eines bedeutend größeren Kreises von Verbündeten und Unterstützern.
 
WIE IHR vermutet haben dürftet, bin ich kein geborener Verteidiger der Teilung Palästinas – das heißt, die Zwei-Staaten-Formel. Tatsächlich kam ich ziemlich spät dazu. Es war erst 1978, dass ich in einem Artikel dafür eingetreten bin und zwar in dem Journal „Foreign Affairs“ (Auswärtige Angelegenheiten), mit dem Titel  Thinking the Unthinkable (Das Undenkbare denken).
 
Ich bin noch ein Zwei-Staaten-Vertreter, und das ist der Grund: Es gibt globale Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung – mit möglicher Ausnahme der Bundesstaaten von Mikronesien. Es wäre unverantwortlich, auf diesen außerordentlichen Vorzug zu verzichten.
 
Wir haben bereits das Ein-Staaten-Rahmenwerk während der 30 Jahre des britischen Mandats ausprobiert, und wir wissen, was geschah, obwohl das Machtverhältnis zunächst vollkommen zugunsten der Palästinenser war.
 
Das Machtverhältnis von heutzutage ist niederschmetternd zugunsten der anderen Seite. Israel ist die Supermacht des arabischen Maschreks dank der Verdorbenheit des arabischen Staatensystems und seiner amtierenden politischen Eliten. In einem Ein-Staaten-Rahmenwerk würde Israel das ideale Alibi haben, um die Einschränkungen, welche auch immer gegen die Siedlungen bestehen, aufzuheben. Im Handumdrehen wären die Palästinenser glücklich, wenn sie genügend Land hätten, um Zwiebeln in ihren Gärten hinter dem Haus zu pflanzen und daneben ihre Toten zu begraben.
 
ISRAELS UNABHÄNGIGKEITSERKLÄRUNG von 1948 verpflichtete sich, „für alle Einwohner vollkommene Gleichheit sozialer und politischer Rechte, unabhängig von Religion, Rasse oder Geschlecht“, sicherzustellen. Nun besteht Netanjahu auf der vorherigen Anerkennung des „jüdischen“ Charakters von Israel als unabdingbare Voraussetzung für ein Friedensabkommen.
 
Von den 37 Unterzeichnern der israelischen Unabhängigkeitserklärung wurde nur einer in Palästina geboren. Die anderen kamen meistens aus Polen und dem Russischen Reich: aus Plonsk, Poltava, und Pinsk, aus Lodz und Kaunas. Diese Männer standen meistens politisch links von der Mitte, aber sie waren nicht den ganzen Weg nach Palästina gekommen, um ihr neues Zuhause mit dessen Einwohnern zu teilen.
 
WENN Netanjahu von einem jüdischen Staat spricht, spricht er im Namen einer weiten und wachsenden religiös fundamentalistischen, rechten  nationalistischen Wählerschaft, die die israelisch-jüdische Gesellschaft spaltet.
 
DIE Spaltung in der jüdischen Bevölkerung Israels ist nicht länger zwischen der Linken und Rechten, sondern zwischen den Säkularen und den Religiösen. Viele der Säkularen sind liberal und Antizionisten, aber sie sind nicht im Aufwind begriffen.
 
IM AUFWIND ist eine neo-zionistisch-messianisch triumphierende religiöse rechte Siedlerbewegung, die mit dem amerikanisch christlich-apokalyptischen Evangelikalismus verbunden ist, der durch die 1967-er Eroberung des gesamten „Eretz Israel“ und die Rückgabe des „Tempelbergs“ in jüdisch-militärisches Besitztum angefeuert wurde.
 
DIESE KOALITION betrachtet die Palästinenser als Kanaaniter, deren Schicksal in der Bibel vorbestimmt wird. Sie betrachtet die säkularen jüdischen Israelis nicht viel günstiger. Es gibt in Israel keinen Konsens darüber, wer ein Jude ist. In der Tat sollten wir Bibi um eine Definition von „jüdisch“ bitten.
 
VIELE BEFÜRWORTER des BDS sind Ein-Staaten-Befürworter, die auf den Erfolg gegen der Sanktionen gegen Südafrika schauen, aber zwischen dem Beginn der Sanktionen gegen Südafrika in den frühen 1960-ern und Mandelas Wahl in 1994 lagen 30 Jahre. Die Zeit ist kein Vorzug für die Palästinenser in einem Ein-Staaten-Rahmenwerk trotz des demographischen Faktors.
 
ICH BIN NICHT gegen BDS. Ich will, dass es siegt. Um zu siegen, braucht es aber die jüdischen Antizionisten und die liberalen Zionisten. Delegitimiert die Besatzung und eure Chancen wären großartig. Delegitimiert  ihr Israel selbst, wird es euch die Masse eurer jüdischen Verbündeten und die meisten der freundlichen Hauptstädte der Welt kosten.
 
LASST UNS ZWEI BDS-KAMPAGNEN HABEN:
BDS EINS, um die Besatzung zu beenden,
BDS ZWEI, um das Versprechen gemäß Israels Unabhängigkeitserklärung seinen arabischen Bürgern gegenüber zu erfüllen - in dieser Reihenfolge.
 
Seine Identität zu bejahen im Zeitalter der Globalisierung ist ein globales Phänomen, das man in der Aufspaltung von Staaten und in den Bewegungen für Machtumverteilung weltweit beobachten kann. Die Ein-Staat-Befürworter schwimmen gegen diesen Strom.
 
EIN PALÄSTINENSISCHER STAAT ist ein palästinensisches Gebot. Die Palästinenser müssen ihre eigene Verbindung zu dem, was von dem Boden ihrer Ahnen übriggeblieben ist, bewahren. Sie brauchen eine Nabelschnur zum kollektiven Gedächtnis ihrer Eltern und Großeltern.
 
SIE BRAUCHEN eine Tribüne, die sich für jene einsetzt, die in der Diaspora bleiben wollen. Sie sollen  ihren Enkel- und Urenkelkindern ein Erbe übergeben können. Sie brauchen einen Platz unter Gottes Sonne, wo sie keine Fremdlinge, keine staatenlosen Gespenster oder Bürger zweiter Klasse sind.

Ain Jabrud, Palästina 1937

V
WIE traurig der Status der „Arabischen Nation“ ist, kann von der Tatsache beurteilt werden, dass die Zukunft von Palästina mehr von den „Wünschen und Vorurteilen“ von Benjamin Ben Zion Nathan Netanjahu abhängt, als von denen irgendeines Amtierenden in den stolzen arabischen Hauptstädten, Ummayyaden-Damaskus, Abbasiden- Baghdad, Ayyubiden-Cairo oder Wahhabiten- Riyadh.
 
WEITERHIN ist das Dreiergespräch zwischen Netanjahu, Kerry und Abbas in Wirklichkeit eine Fassade für den Ringkampf-Marathon, der zwischen Bibi und Obama seit fünf Jahren andauert.
 
ICH HABE absichtlich Bibis Abstammung aufgelistet. Seine ideologische Leitlinie wurde von seinem Großvater, Rabbi Nathan, und seinem Vater, Professor Ben Zion, geschmiedet und in deren Lehren verankert.
 
RABBI NATHAN, ein Zeitgenosse Herzls, war ein national-religiöser Zionist (eine seltene Spezies zu der Zeit). Er war ein glühender Anhänger von Wladimir Jabotinsky, dem Gründer der revisionistischen Zionismus-Bewegung, die so benannt wurde, weil sie seit den frühen 1920-ern danach strebte, die gradualistische, heuchlerische Strategie Chaim Weizmanns und Ben Gurions zu „korrigieren“.
 
JABOTINSKY bestand auf einer unverfrorenen Durchsetzung des Endziels der jüdischen nationalen Heimsstätte – eines jüdischen Staates, durch den der Fluss Jordan fließt und nicht einer, in dem der Fluss die Grenze ist.
 
DIESES ZIEL musste in möglichst kürzester Zeit durch massive Einwanderung erreicht werden, mittels einer „Eisernen Mauer“ - das heißt, durch unermessliche Militärgewalt. Ben Gurion bezog sich routinemäßig auf Jabotinsky als „Vladimir Hitler“.
 
BEN-ZIONS BEGEISTERUNG für Jabotinsky war nicht weniger intensiv als die von Nathan. Im Alter von 18 Jahren trat er der revisionistischen Partei bei und später gab er die Tageszeitung heraus, mit dem Titel „Jordan“, die schonungslos Weizmann und Ben Gurion kritisierte.
 
BEN-ZION folgte Jabotinsky in die USA, wo er dessen Sekretär wurde. Er blieb 10 Jahre dort und verbreitete die revisionistische Ideologie, kehrte aber dann nach Israel zurück, um Begin wegen seiner Friedensverträge mit Ägypten heftig zu kritisieren.
 
ERST KURZ vor seinem Tod sagte Ben Zion einer Tageszeitung, „...die Araber könnten hier nicht überleben und würden abhauen, wenn man Lebensmittel von arabischen Städten fernhält, die Bildung verhindert und den elektrischen Strom und Weiteres sperrt.“
 
BIBIS israelische Biographen berichten, dass Ben Zion seine Söhne in Geschichte und Judaismus privat unterrichtet hat und dass sie ihren Vater in „heiliger Ehrfurcht“ verehrten. Als Junge wollte Bibi oft über „das Prinzip der beiden Ufer des Jordans“ diskutieren.
 
WENN BIBIS Großvater und Vater seine prägenden ideologischen Einflüsse waren, war sein Vorbild im Leben sein älterer Bruder Jonathan, der Held von Entebbe, wo dieser während des Einsatzes getötet wurde. Daher rührt die Prahlerei von Bibi.
 
JONATHANS TOD traumatisierte Vater und Sohn. Ihm zu Ehren errichteten sie das Jonathan-Institut in Jerusalem für Studien über den „internationalen Terrorismus“.
 
PASSEND wurde eine seiner Konferenzen von Premierminister Menachem Begin eröffnet, obwohl dieser darauf verzichtete, seine Erinnerungen vom Massaker in Deir Yasin zu teilen, oder davon zu erzählen, wie seine Organisation, die IRGUN, die Briefbombe, die Paketbombe, die Marktbombe und die Autobombe im Nahen Osten eingeführt hatte.
 
Für Bibi sind die USA genauso sein Heimatboden wie Israel. Er kannte das Land, seitdem er sieben Jahre alt war: Grundschule, Gymnasium, MIT, eine Bostoner Consulting Firma. In dieser Zeit verbesserte er seinen Philadelphia-Akzent und lernte den Baseball-Wortschatz zu meistern. Zumindest drei von seinen Onkeln waren in die USA emigriert, wo sie Stahl- und Zinnmagnaten wurden.
 
Nach Israels Invasion in den Libanon im Jahre 1982 sandte dann der Außenminister Yitzak Shamir Bibi als Attaché zur Botschaft nach Washington, um Israels Image wieder herzustellen.
 
Bibi war ein sofortiger Erfolg: allgegenwärtig, wortgewandt in den Medien, vergöttert von den größten jüdischen Organisationen. Als Botschafter bei der UN von 1984 bis 1988 festigte er seine Berühmtheit bei der pro-israelischen Öffentlichkeit in den USA.
 
Im Jahre 1991 machte Shamir, zu der Zeit Premierminister, Bibi zum stellvertretenden Minister, um weiter seinen politischen „Himalaya-Appetit“ zu füttern. 1993 war Bibi Likudvorsitzender, 1996 Premierminister.
 
Eine größere Quelle für Einblicke in die Beziehung zwischen Washington und Tel Aviv sind die Memoiren und Autobiografien der sukzessiven Präsidenten und Staatssekretäre. Der Platz, der dem arabisch-israelischen Konflikt in diesen Schriften gewidmet ist, ist in den letzten paar Jahrzehnten gewachsen. Seltsamerweise gab es bislang keinen ernsthaften Versuch, diese Information mit anderen Quellen abzugleichen – einer anderen Feldstudie für Palästina-Studienzentren.
 
Seit seiner Zeit bei der Botschaft in Washington hatte er in verschiedenen Funktionen mit fünf Regierungen zu tun. Er betrachtet die US-amerikanische politische Arena berechtigterweise als offen für ihn. Er glaubt, dass seine Schriften über Terrorismus Präsident Reagan überzeugten, die US-amerikanische Politik zu ändern, bzw. die Art, wie er sie zu handhaben habe.
 
Er prahlte damit, dass er erfolgreich den Kongress beeinflusst habe, Versuche des Staatssekretärs, Baker, in einen Dialog mit der PLO einzutreten, abzuwürgen. Er erklärte: „Alles, was ich tat, war, ihn mit Hilfe von ein wenig diplomatischem Druck zu einer Strategieänderung zu zwingen. So lautet die Spielregel...“
 
Im Jahre 1996, bei seinem ersten Besuch als Premierminister in den USA, wandte sich Bibi an den Kongress und erntete parteiübergreifende stürmische Ovationen. Ein Magnatenonkel, den er zu der Sitzung eingeladen hatte, sagte zu einer US-amerikanischen Zeitung, er glaube, sein Neffe könne Bob Dole und Bill Clinton in einem „Rennen“ um die Präsidentschaft schlagen.
 
Präsident Clinton beschwerte sich, dass, wenn Bibi zu Besuch ins Weiße Haus käme, „der Evangelist Jerry Falwell draußen steht und die Menschenmengen aktiviert..., und den Widerstand der israelischen Regierung gegen den schrittweisen Rückzug aus den Besetzten Gebieten lobt.“
 
Clinton beschwerte sich auch „dass Likudagenten in den USA den Republikanern beitraten, um Misstrauen gegen die Diplomatie im Nahen Osten zu schüren.“
 
Clinton glaubte, dass Bibi „im Grunde genommen vor dem Friedensprozess zurückschreckte“. Seine bevorzugte Taktik war, „zu blockieren“ und „zu verschleppen“,und wenn er herausgefordert wurde, würde er schreien: „Eine nationale Beleidigung.“
 
Nun zu Barak Obama. Bibi, der im Jahre 1949 geboren wurde, ist 12 Jahre älter. Im Jahre 2003, als sich Obama zur Wahl für den Senat stellte, war Bibi bereits UN-Botschafter, Führer der Likud, Premierminister, Außenminister gewesen und war dann der amtierende Finanzminister.
 
Wahrscheinlich erschien Obama erst nach seiner Rede vor dem nationalen demokratischen Konvent auf Bibis politischem Radarschirm. Von wo auf Erden kam dieser Kerl und mit welchem Zweitnamen?? Es ist verlockend, zu spekulieren, dass Bibi fühlte, dass Obama in seine eigene Spielwiese eindrang.
 
Es bleibt keine Zeit, auf die verschiedenen Runden des Obama-Bibi-Ringkampfes einzugehen – das Einfrieren des Siedlungsbaus, die iranischen Nuklearbestrebungen, die 1967-Grenzen, die Anerkennung durch die UN, das Hamas-Fatah-Abkommen. Einige Beobachter glauben, dass Bibi Obama gedemütigt habe. Ich meine, sie sind beim „Einstand“.
 
Sehr geehrte Damen und Herren, in den letzten 100 Jahren nach 1914 nützte der Zionismus zuerst die Pax Britannica, dann die Pax Americana, um eine Pax Israeliana auf Kosten des palästinensischen Volkes zu schaffen. Wie lange kann er noch auf seiner Weigerung bestehen, sich ernsthaft damit zu befassen, was er den Palästinensern angetan hat?
 
Meine Intuition ist, dass Bibi in Kerrys Rahmenvorschläge einwilligt, aber nur mit der Absicht, zu blockieren. Er glaubt, er käme so davon. Er sieht in sich selbst mehr als den Premierminister von Israel. 2010 und 2012 klassifizierte die Jerusalem Post ihn an erster Stelle auf der Liste der einflussreichsten Juden der Welt.
 
Für Bibi fließt der Atlantik durch „Groß-Israel“. Bibi weiß, dass er Obama politisch überlebt. In Israel (gilt), einmal Premierminister, immer Premierminister. Obama muss in weniger als 3 Jahren gehen. Inzwischen weiß Bibi, dass er Obama im Kongress überflügeln kann. Er hat mit Sicherheit mehr parteiübergreifende Unterstützung als der Inhaber des Präsidentenamtes.
 
Alle anderen Protagonisten sind zu einer friedlichen Lösung bereit. Kerry ist die Stimme seines Herrn, und Obamas Verständnis des palästinensischen Problems übersteigt bei weitem das all seiner Vorgänger.
 
Abbas Engagement für den Frieden ist echt. In seinem Alter würde Frieden die krönende Errungenschaft seiner Lebenszeit sein. Die Golf-Dynastien lechzen nach einer Lösung. Sie wollen sich auf den wahren Feind konzentrieren: das panislamische, anti-monarchische Teheran.
 
Bibi wird Jerusalem niemals teilen. Die anhaltende Besetzung und die Siedlungen, während die Schlinge um Ostjerusalem immer enger wird, so ist dies auf Grund der muslimischen Heiligen Stätten in der Altstadt früher oder später ein sicheres Rezept für eine apokalyptische Katastrophe. Mit der anhaltenden Zunahme an religiös fundamentalistischem Zelotismus (Eifer) auf  beiden Seiten wird der Weg nach Armageddon von Jerusalem ausgehen.
 
Deshalb, sehr geehrte Damen und Herren, ist Benjamin Ben Zion Ben Nathan Netanjahu der gefährlichste politische Führer in der Welt von heute.
 

   





Courtesy of Tlaxcala
Source: http://www.soas.ac.uk/news/newsitem91772.html
Publication date of original article: 19/03/2014
URL of this page : http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=12041

 

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